#6 Meine Frau ist schön.

Eine meiner Dozentinnen möchte sich gerne über ihre Tätigkeit als Alltagspsychologin profilieren und denkt, es sei gesund, jemandem wie mir Wünsche von Normalität aufzureden.

Ich könnte jetzt eine sehr unnötige Metapher über Dichotomien anbringen, aber die Kurzfassung ist vermutlich sinnvoller.

  1. Um mich zu ertragen, müsste man mich romantisieren.
  2. Es ist für mich unerträglich, wenn man mich romantisiert.

Es wird für mich kein „normal“ geben, und damit muss ich mich selbst weiterhin abfinden. Diese Äußerungen helfen mir einfach nicht, sie machen mich nur traurig.

Gedanken an Normalität sind selbstverletzendes Verhalten.

Meine Dozentin weiß nicht einmal, was Selbstverletzung bedeutet.

Es ist so unfair, dass ich mich für Dinge rechtfertigen muss, die ich selbst gerade so ertragen kann, und mich vor einer gesamten Klasse nackig machen soll, damit die Debatte endlich beendet wird.

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#5

Der Humor der kommenden Generationen (das sind insgesamt 2,3 bevor unser Heimatplanet implodiert und nur Elon Musk und seine Mitarbeiter, sowie die vier Leute, die ihn auf Twitter genug provoziert haben, in einer obsidianen Weltraumkapsel überleben) wird vermutlich eine nihilistische Hölle.

So etwas wie Plakate von Eiern mit Flechtfrisuren.

Ich werde übrigens niemals reich sein und bin vermutlich zu alt, um mich noch dazu zu konditionieren, jemand zu werden, der sich reich heiraten kann.

Mir wurde einmal gesagt, dass man Glück nicht kaufen kann. Was man kaufen kann sind allerdings Dinge wie Nahrung, Bücher, Bildung, Unterhaltung, Technik, Häuser, Medikamente, Dienstleistungen.

Ich bin das Ei mit der Flechtfrisur.

#4 engraved money clip

Wir können nur dann berechtigt in Himmel oder Hölle, wenn all unsere Entscheidungen a. frei waren und b. an den Umständen gemessen werden;

Das kann jetzt entweder ein pseudo-religiöses Debakel werden oder eine Metapher für Prüfungssituationen bleiben.

Noch kurz etwas zu einem völlig anderen Thema: Empfehle John Mulaneys Kram auf Netflix. (Weiterhin Gebetszirkel für den wunderbaren M., der wunderbar ist, und immer in meinen Gedanken. Außer während Prüfungssituationen, denn dort kann auch Netflix mich nicht retten. Ganz im Gegenteil..)

#3 this is how it goes: you go.

Wir machen unsere kleinen Menschen kaputt.

Mein derzeitiges Praktikum ist zum Großteil in der Pädiatrie. Viele Küken.

Wenn man ein Küken ausbrütet und sicherstellt, dass genug Katzen vor ihrem Nest sitzen, sollte man sich nicht wundern, wenn das Küken Angst hat oder aufgegessen wird.

Wenn man dem Küken sagt, dass man selbst auch bloß überlebt hat, und es sich bitte nicht so haben soll, dann ist man ein, wie sagt man auf Kükisch?, lügender Bösewicht.

Ich bin seit Dezember erkältet. Die Erkältung wird ab und an unterbrochen von Phasen mit Noro-Virus, Bronchitis oder Angina, was mich natürlich sehr erheitert, aber manchmal überlege ich, ob das vielleicht die Metapher ist, die ich früher nie finden konnte.

Psychische Störungen (die angeblich politisch korrektere Form; ja, man ist nicht mehr „psychisch krank,“ sondern „psychisch gestört,“ und aus irgendwelchen – sich mir nicht erschließbaren Gründen – ist das wohl besser) werden gerne als Graph dargestellt. Abwärtskurven und kurze Rezidive, Stagnation, was auch immer. Und psychisch gesehen stecke ich seit 8 Jahren in einer Erkältung, die mit einer Pneumonie begann, und nie richtig ausheilen wollte.

Meine Schwester ist auch erkältet.

Ich bin beeindruckt von dieser neuen Generation. Kleine Kämpfer, die sich nicht sagen lassen, dass Smartphones scheiße sind, weil sie es besser wissen als wir. (Und sie wissen es besser als wir; das war kein Sarkasmus.)

Ab und an bin ich in einer kleinen Spirale gefangen und überlege, ob es gut sein kann, wenn man doch- aber ich vergesse immer wieder, dass man gar nicht. Man kann gar nicht. Ändern, bewirken, verbessern.

Bevor sich jemand empören möchte; natürlich kann man ändern, bewirken, verbessern. Aber wir bleiben auf unserer Abwärtskurve mit Rezidiven und Stagnation, und maximal schaffen wir es, keine Pneumonie mehr zu haben. Es muss sich viel ändern, und das wird es vielleicht sogar, aber bestimmt nicht, weil die titulierte iGeneration ihre Smartphones beiseite legt, sondern weil sie – viel besser als wir – weiß, wie man entschleunigt, und sich diesem Drang entzieht.

Sie wissen, dass da Katzen sind.

Kein immer besser, schneller, höher, größer, dekadenter.

Manchmal befürchte ich, dass ich mich aufgebe, und es ist gemein von mir, meine Hoffnung in die Neuen zu setzen – wenn ich sehe, wie sie Herz über Kopf in Reizüberflutung springen, sich völlig erschöpft an Land ziehen, weil sie einerseits davor fliehen, andererseits nach Vorne gedrängt werden. Wir lassen ihnen doch gar nicht die Möglichkeit. Wir setzen sie in eine Welt, die wir so konstruiert haben, dass ihnen nichts übrig bleibt, als zu versagen.

Und sie sagen „Scheiß drauf,“ weil sie uns sehen, und realisieren, was es bewirkt, so zutun, als ob man als Küken keine Angst vor Katzen (endloser Arbeitslosigkeit oder Burn-Out, unglücklichen Beziehungen, toxischen Wertvorstellungen, runtergespielten Völkermorden, der Freiheit zwischen bereits gewählten Optionen zu entscheiden, institutionalisierter Diskriminierung, uns) haben muss.

Es muss schon etwas sehr Krankes passieren, um aus einem Küken eine Katze zu machen.

Wie merkwürdig, dass sie das (wenn auch nur unterbewusst) wissen und nicht nachmachen.

Egal wie sehr sie mich mit ihren scheiß „Alles bäm oder was“ nerven, diese „kleinen“ Menschen wissen es viel besser als wir. Und wir wussten es vielleicht auch einmal besser. Und es ist wirklich nötig, hinzuhören, weil wir nicht mehr viel Zeit haben, um dazu beizutragen, dass sie ihre Erkältung nicht so verschleppen wie wir sie verschleppt haben.

#2 „I can only apologize in advance for the things I’ll do to you.“

Derzeit geht hier alles, vor allem Wichtiges, kaputt. Biete also hiermit für Aldi-Gutscheine meine Dienste als sehr gute Umarmerin an. Ich bin eine wirklich exzellente Umarmerin. Wenn ich könnte, würde ich mich klonen, um in den Genuss meiner Umarmungen kommen zu können.

Eine weniger negative Nachricht: Ich habe gerade ein romcom-Buch gelesen, das „The Hating Game“ heißt, und bezaubernd ist. Und damit meine ich einmal die Tatsache, dass Hassliebe sonst meistens eklig ist, weil irgendeine Figur immer furchtbar ist und erst einmal durch Liebe geheilt werden muss oder was auch immer, aber hier eben das genaue Gegenteil stattfindet – wundervoll, und so weiter. Aber vor allem meine ich den (ich glaube sogar durchweg genießbaren, weil nicht Hollywood TM) Humor.

„Dad calls you other names starting with J, but never your real name.“

„What?“ He looks alarmed. „You’ve told your dad about me?“

„He’s mad at you for being so mean. […] One time, he called you Jebediah and I nearly peed myself.“

Abgeheftet unter #wholesome.

Ich finde, ich mache diese „sich selbst Dinge zugestehen,“ und „zugeben, dass man nur ein Mensch ist und mainstream media genießt“-Sachen ganz gut.