#26 peripher

Mir fehlt Wissen.

Ich habe gerade ausgerechnet, dass Wissen 286,90 Euro kostet.

In dieser Reihenfolge:

In mir winselt eine sehr leise, naive Stimme, dass es unfair ist, Menschen helfen zu wollen, und dafür nicht das Geld zu haben. Und nicht das Wissen, um das Geld zu verdienen, das man benötigt, um das Wissen zu bekommen.

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#25 lauter, langsamer

Blaue Berge, grüne Täler,
Mitten drin ein Häuschen klein,
Herrlich ist dies Stückchen Erde,
Und ich bin ja dort daheim.
Als ich einst ins Land gezogen,
Ham‘ die Berg‘ mir nachgeseh’n.
Mit der Kindheit, mit der Jugend,
Wußt selbst nicht wie mir gescheh’n.

Frau L. meinte zu mir, „Meine Schwester und ich.. nun, wie soll ich mich ausdrücken.. Wir waren damals doch sehr.. wir waren ja nicht mehr in der Heimat. Da sangen wir manchmal dieses Lied, wenn wir heimweh hatten, aber wir haben immer gesungen, ‚und ich war ja dort daheim.'“

 – – –

Ich bin derzeit in einem Seniorenheim, verfolge den begleitenden Dienst (hauptsächlich natürlich die Ergotherapie, aber auch die Physio und Betreuungskräfte) und stelle immer wieder fest, dass Mensch eben Mensch ist.

Was man nun positiv oder negativ auslegen kann.

Die Euphorie, eine Sache gemeinsam zu haben, verfliegt schnell, wenn man eben dennoch Mensch ist, so wie auch Antipathie verfliegt, wenn hinter einem unsensiblen Spruch eine gesamte Persönlichkeit steckt.

Und ich muss lernen, lauter und langsamer zu sprechen. Und Volkslieder zu singen, die es nicht mehr gibt, weil man fliehen musste.

Und darüber nachdenken, dass wir Menschen uns nicht verändert haben.

 

#23 ctrl+c, ctrl+v

Mein Zeugnis ist bombe.

Wenn die Ansprüche von Grundschülern erfüllt werden könnten, ist das vermutlich keine Leistung, auf der ich mich ausruhen sollte, aber so ganz tief im Inneren (im Dickdarm?) verspüre ich einen Funken Dankbarkeit, dass meine eher labile Psyche zumindest dieses Jahr entschieden hat, lieber in den ersten sechs Phasen des Burn-Outs rumzustochern als in den letzten.

Natürlich ändert sich das derzeit auch schon wieder rasant. (Beweisstück A wäre mein Schreibtisch. Oder mein Bett. Eigentlich alles in einem Radius von fünf Metern nahe meines Lagers.)

Wie dem auch sei. Bombiges Zeugnis:

 Englisch sehr gut
 Berufs-, Gesetzes- und Staatskunde sehr gut
 Krankheitslehre sehr gut
 Biologie, Anatomie, Physiologie sehr gut
 Psychologie, Pädagogik, Behindertenpädagogik sehr gut
 Medizinsoziologie, Gerontologie sehr gut
 Prävention und Rehabilitation sehr gut
 Fachsprache und Dokumentation sehr gut
 Grundlagen sehr gut
 Therapeutische Mittel sehr gut
 Therapeutische Verfahren sehr gut
 Adaptierende Verfahren sehr gut
  • 66 entschuldigte Fehlstunden (8,25 Tage)

Absolut lächerlich aber, weil es entweder schnöde Auswendiglernerei war (guckst du hier), oder die Ansprüche im Anforderungsbereich 3 denen der Unterstufe glichen.

Letzte Woche habe ich mich mit einem anderen Ehemaligen (des Gymnasiums, das ich besucht habe) unterhalten, der sich auch an unsere Schule verschwendet, und wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir nur noch zwei SSTs* davon entfernt sind, unsere Namen zu klatschen oder Blumentänze an Kindergärten zu planen*².

Was sehr absolut klingt. Und nicht wahr ist. Aber es gibt so Momente..

An der Front hat sich gar nichts getan: Autoreparatur wird immer teurer, unsere Gartenlaube hat Schwarzschimmelbefall, und die Küche ist kurz davor, in sich zu verfallen. Bin ja dafür, dass mir erst einmal alle Deutschen je einen Euro geben. Alles, was nach zusätzlicher Jobcenter-Berechnung und Steuer übrig bleibt, spende ich sogar.

*Selbststudium. Heißt übersetzt, dass es Dozentenmangel gibt und wir billige Aufträge zu erledigen haben.

*² Als ich ihm berichtet habe, dass wir bereits an einer Grundschule mitplanen mussten, an einer Sekundarschule unseren Fachbereich vorstellen, und demnächst an einem Gymnasium die Schule bezüglich Berufsfindungstags vertreten sollen, hatte er fast einen Nervenzusammenbruch.

#22 

Ich überlege gerade, endlich meine „Empfehlungen“-Seite zu beginnen. Vermutlich nur, um mich vor meiner Präsentation nächste Woche zu drücken.. 

(Wieso bin ich nur so?)

Wie dem auch sei.. es ist also möglich, dass oben im Menü demnächst neue Seiten auftauchen oder ich hier ab und an Mal über meine schrulligen Bücher und Serien spreche. (Nachdem ich dies nun angekündigt habe, kommt es vermutlich nie dazu..)

Was ich definitiv vorhabe/machen soll, ist mich selbst bald einmal zu befunden. Wird ein großer Spaß. (Nicht.)

#18 it goes a little something like;

Ich müsste lernen.

Aber ich erkenne gerade den Sinn darin nicht, und im Endeffekt ist das wohl eines meiner primären Probleme.

Laut eines Modells* ist eine Kernkompetenz des Menschen, um relativ gesund zu sein, das Kohärenzgefühl. Wer ein hohes Kohärenzgefühl hat, versteht das Leben, seine Erfahrungen, Handlungen und Probleme als bewältigbar, verständlich und sinnvoll . Eine hohe Selbstbestimmtheit, Sinnhaftigkeit und so weiter führen demnach zu mehr generalisierten Widerstandsressourcen (sprich, Schutzfaktoren) und dadurch zu besserem Gesundheitszustand.

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich depressive Schübe habe, weil mir ein Großteil des Lebens (nicht zwangsläufig meines Lebens) nicht sinnvoll erscheint und ob die tatsächliche Sinnlosigkeit zu depressiven Schüben führt, oder ob ich depressive Schübe habe, und es mir deswegen so vorkommt, aber irgendwo darin könnte ja durchaus eine Verbindung existieren.

Die erfolgreiche Bewältigung von „Spannungszuständen“ führt zu einem höheren Kohärenzgefühl. Das führt zu mehr Schutzfaktoren. Die verbessern die Gesundheit.

Ich müsste lernen, aber mir erscheint der gesamte Prozess sinnlos. Bewältigbar ist er bestimmt, und ich verstehe das Konzept dahinter, aber es ist für mich im Moment sinnlos.

Gegenargument zum Modell: Obwohl ich jeden Spannungszustand im Bezug zum Lernen erfolgreich bewältigt habe, hat sich mein Kohärenzgefühl mit Sicherheit nicht verbessert.

Lernen bedeutet im Schulsystem sehr häufig nicht, dass man langfristig Wissen aneignet und anwenden kann, sondern dass man zu einem festgelegten Termin eine Aneinanderreihung von Worten wiedergibt, die man nicht zwangsläufig verstanden haben muss. Diese Aneinanderreihung wird dann auf einem künstlichen Zahlenstrahl bewertet. Und diese Momentaufnahme entscheidet letztlich darüber, wie intelligent man als anonymer Fremder betrachtet wird.

Ich schätze mich als relativ intelligent ein. Mein letzter IQ-Test ist sehr lange her und unabhängig von seiner tatsächlichen Relevanz schon alleine deswegen wenig aussagekräftig; aber ich denke, alleine die Tatsache, dass ich meine mangelnde instinktive Empathie durch kognitive kompensiere, bedeutet, dass ich irgendwo ein paar Gedanken haben muss, die nicht minderwertig sind.

Ich habe es nicht nötig, Dinge auswendig zu lernen, die ich bereits beim ersten Überfliegen verinnerlichen kann. – Das Lernen zur reinen Wiedergabe von Wortaneinanderreihungen ist für mich Zeitverschwendung. Es ergibt keinen Sinn.

Case in point: Dieses Modell, das ich oben erwähnt habe, ist Teil einer Prüfung, für die ich lernen muss. Ich kann es anwenden. Ich weiß, wann ich es anwenden kann. Ich weiß, warum es wichtig ist. Es kostet mich keine Anstrengung, weil ich zusätzlich weiß, dass der betreffende Dozent keine Zitate aus unseren Unterlagen erwartet. Im Gegensatz dazu soll ich in einem anderen Fach „Eigenschaften von Spiel“ auswendig lernen. Natürlich sind diese Eigenschaften schlüssig. Aber es ist irrelevant.

Dazu Exkurs: Im Groben könnte man sagen, wir haben zwei Formen von „Gedächtnis,“ und zwar einmal das, das wir sprachlich wiedergeben können, und dann das, das wir handelnd wiedergeben. Deswegen fällt es vielen Muttersprachlern schwer, ihre Sprache zu erklären. Oder zu erklären, wie man Fahrrad fährt. Oder wie man eine SMS schreibt. – Wir zeigen, anstatt zu sagen.

Ich muss nicht die Wortaneinanderreihung „spontan, freiwillig, fantasieanregend, realitätsfern, Möglichkeit zur Kontaktaufnahme“ auswendig lernen, um zu wissen, dass Spiele das sind.

Im Kontext des Systems, in dem wir leben, ergibt es natürlich absolut Sinn. Wir befinden uns in einem ständigen Wettbewerb und in Ermangelung eines „Wie geeignet bist du für diese Aufgabe“-Bluttests müssen wir leider die Zeit absitzen.

Es ergibt Sinn, dass wir arbeiten gehen, dass wir lernen, dass wir uns mit anderen Menschen auseinandersetzen, dass wir Genussmittel inklusive qualitativ minderwertiger Medien konsumieren, dass wir gesund oder krank sind, dass die Dinge willkürlich oder unwillkürlich erscheinen, und so weiter.

Aber es ergibt keinen Sinn, wenn die Rechtfertigung unserer und derer Existenz einzig unsere und deren Existenz ist. Wenn eine Schlussfolgerung ad verbum die Prämisse ist, dann muss ich das nicht hinnehmen. Ich verkrafte keine „Es ist einfach so“s mehr. Es ist nicht einfach so. Es ist so, weil wir es so gemacht haben; es ist so, und wir wissen nicht warum; es ist so, und wir können vermuten, weswegen.

Ich müsste lernen.

Und ich liebe lernen, weil es für mich sinnvoll ist, Wissen anzueignen. Weil es mich ehrlich glücklich macht, mehr zu wissen als am Vortag. Weil es mir Spaß macht, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und sie zu diskutieren. Weil mich die Vorstellung, dieses Wissen anwenden zu können, wirklich zufrieden stellt.

Aber die Vorstellung, zu lernen, weil ich das eben muss, und weil ich eine Wortaneinanderreihung wiedergeben soll, die völlig selbstverständlich sein sollte, und dennoch nach Faktoren bemessen wird, die nichts mit meinem Wissensstand oder meiner Intelligenz zutun haben. Die hasse ich.

In kurz und übersetzt: Wenn wir Dinge selbstbestimmt machen können, dann machen sie Spaß. Dieselben Dinge fremdbestimmt zu machen, macht krank. Die einzig wirksame Strategie, die mir derzeit einfällt, ist, meine Perspektive gewaltsam von „macht krank“ zu „macht Spaß“ zu schieben.

*Salutogenesemodell von Antonovsky

[Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich diesen Post innerhalb von 2 Wochen wieder löschen werde..?]