#19 how much snow has to fall, for it to become spring?

Ich versuche seit drei Stunden, aufzuräumen, aber stattdessen habe ich meine Hefter sortiert, (drei Mülltüten später..) meinen Schrank aus- und umsortiert, et cetera. Natürlich zählt das alles ebenfalls zum großen Prüfungsbereich „Aufräumen,“ aber im Endeffekt sieht es jetzt viel unordentlicher aus als davor. /seufz

Dieser Paragraph war nicht als Metapher für meine psychische Stabilität geplant, aber jetzt, wo ich da noch einmal drüber lese, möchte ich anmerken, dass Dinge nicht immer geplant sein müssen, um letztlich irgendwelche anderen Situationen zu spiegeln.

Womit ich meine, dass ich weiterhin große Angst davor habe, in meinem Kopf irgendwelche Kisten zu öffnen, aber weiß, dass ich nicht sonderlich lebensfähig bin, bis sie leer sind.

(Und angeblich findet man am Boden von Kisten meistens Hoffnung.)

 

#1 let’s not be hurt

Bald fängt nach lunarem Kalender das Jahr des Affen an. Was für die Affen unter uns nicht unbedingt optimal ist.

In meiner unendlichen Voraussicht und Weisheit empfinde ich es also als meine Pflicht, Patricia aus der Zukunft ein paar Listen vorzubereiten.

Hast du heute/diese Woche schon..

Ο geduscht?
Ο Haare gewaschen?
Ο wenigstens Haare gekämmt?
Ο bitte, bitte, deine Zähne geputzt und dein Gesicht gewaschen?
Ο etwas Grünes gegessen?
Ο Wasser oder Tee getrunken?
Ο darüber nachgedacht, nicht zu rauchen?
Ο so getan, als ob drei Liegestütze und eine halbe Minute Stretching Sport sind? (Lächerlich. Die Implikation, dass wir das jemals tatsächlich tun würden. Mach dir nichts draus, Patricia-aus-der-Zukunft.)

Möchtest du vielleicht..

Ο einen Film schauen?
Ο eine Serie beenden/anfangen?
Ο ein Buch oder einen Comic lesen?
Ο irgendein Lied auf Gitarre lernen?
Ο so tun, als könntest du Klavier spielen?
Ο einen halben Schal stricken?
Ο aggressiv Frauenkörper zeichnen?
Ο Musik hören und so tun, als wärst du ein Special Guest auf dem Konzert des jeweiligen Künstlers? (Bitte sag, dass du deine Haarbürste in den letzten Tagen benutzt hast und dementsprechend weißt, wo sie ist, um sie als Mikro zu benutzen.)
Ο auf Wikipedia (alternativ: tvtropes) auf „Zufälliger Artikel“ klicken?
Ο für eine Stunde so tun, als würdest du es schaffen, eine Fremdsprache auf memrise oder duolingo lernen zu können?
Ο auf Youtube Dokus schauen?
Ο auf Facebook mit Fremden streiten?
Ο eine rauchen und Cappucino trinken?
Ο Essen bestellen?
Ο mit jemandem sprechen?

Hast du dir heute schon klar gemacht, dass du all das bist?

Ο intelligent
Ο gebildet
Ο hübsch
Ο wertvoll
Ο nützlich
Ο liebenswert
Ο unterhaltsam
Ο schlagfertig

Und weißt du, dass das fast alles gar nicht wichtig ist?

Denkst du daran, 

Ο allen zu sagen, dass du sie liebst?
Ο dich für die kleinen und großen Dinge zu bedanken?
Ο zumindest zu versuchen, Mitgefühl zu haben?
Ο dass es möglich ist, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu sein?
Ο dass nicht alle Menschen so sind wie die, die dich traurig machen?
Ο dass du Fehler machst, und das in Ordnung ist, solange du dich änderst?
Ο dass andere Menschen Fehler machen, und das ebenfalls in Ordnung sein muss?
Ο dass du auch, wenn du erschöpft bist, jedem mehr schuldest, als Plattitüden?
Ο es auch ein Erfolg ist, es zu schaffen, Essen zu kaufen, wenn du dabei so tun musst, als ob es für jemand Anderes wäre?
Ο es auch in Ordnung ist, wenn du Dinge nicht schaffst?
Ο dich selbst nicht für narzistische oder manipulative Züge kaputt zu machen oder zu feiern? Wirklich, mach das nicht.
Ο dass Intentionen das Resultat nicht ändern, aber dafür vielleicht dein Bild von dem Menschen, der dich verletzt hat?
Ο dass das auch andersherum so ist, und du Menschen nicht verletzen solltest, nur weil du es kannst?
Ο dass es okay ist, wenn es dir schlecht geht?
Ο dass es okay ist, dass du manche, viele, alle Dinge nicht schaffst?
Ο dass Scham ein Erziehungsmittel ist, und du aufhören darfst, dich zu schämen, wenn du weißt, dass du in Zukunft versuchen wirst, dich anders zu verhalten?
Ο dass du dich nicht schlecht fühlen musst, wenn du oberflächliche Gespräche führst oder dich mit oberflächlichen Menschen umgibst?

Bitte vermeide es, 

Ο deine Haare zu schneiden oder zu färben, nur, weil du übermüdet und deprimiert bist.
Ο mit Menschen, die dir wichtig sind, zu streiten, nur, weil du das Gefühl hast, dass dein Kopf explodiert.
Ο deine Augenbrauen zu zupfen; egal warum, hör auf.
Ο auf jedweigen Onlineplatformen Dinge zu bestellen, von denen du denkst, dass sie das Loch in deinem Kopf füllen könnten. Ja, Dragon Age war super und spricht absolut dafür, damit weiterzumachen, aber schlaf noch mal drüber und sprich mit jemandem darüber, bevor du dein Geld raushaust.
Ο zu denken, dass irgendein Mensch außer dir selbst die Lösung sein könnte. Du bist nicht mal an Menschen interessiert, seien wir doch ehrlich.
Ο traurige Musik zu hören, die dich nur noch mehr runterzieht. Du bist jemand, für den das noch nie gut gelaufen ist.
Ο destruktiv zu denken oder zu handeln.
Ο Freundschaften und Beziehungen -deine oder andere- zu sabotieren. Sind wir Gott? Wir sind nicht Gott. Hör auf.
Ο Dinge zu essen, von denen du Pickel oder Zahnschmerzen bekommst.
Ο Dinge zu essen, von denen du weißt, dass du sie ausbrechen wirst.
Ο länger als ein-zwei Tage gar keine Dinge zu essen.

Egal, wo du gerade bist, es ist in Ordnung, atmen zu wollen. Und es ist in Ordnung, zu denken, dass du weitermachen wollen solltest- dann machst du eben gerade nur eine Pause. Und du darfst dir so viel Zeit lassen, wie du möchtest. Und es ist egal, was das für Auswirkungen hat oder was Menschen davon halten, weil zum Schluss sind wir alle der selbe Sternenstaub, und irgendwelche gesellschaftlichen Erfolge und Leistungen validieren nicht deine Existenz.

~ aus dem Raum tanz ~

#22 where all the veins meet

Irgendwie werden psychische Erkrankungen gerne… hm, romantisiert. Sie sind aufeinmal dünne Mädchen, die weinend auf ihrem Bett sitzen, bis ihr Freund sie umarmt, und die Welt ist zwar weiterhin düster, aber zumindest gibt es Orgasmen. Man redet nicht vom universellen „Ich habe eine Essstörung“-Mundgeruch, oder der Tatsache, dass man zwei Wochen lang seine Haare nicht gewaschen hat, weil, wieso auch?

Wir finden wohl das Ungesunde, das Unharmonische, den Mangel an Synchronisität.. ästhetisch. Eine makabere Begeisterung für gebrochene Knochen, und jeden Schritt, den wir mit ihnen gehen.

Aber irgendwie ist es alles wenig glamuorös, wenn die Biochemie nicht mitmacht. Und vielleicht ist es die Arroganz der Menschheit, die weiterhin täglich zwanzig Besucher herlockt, weil sie nach Kotztipps suchen. (#1 Hör auf, wenn du Blut spuckst, #2 Trink ordentlich, während du isst. #3 Kotz niemals Schokolade, Fisch oder Scharfes)

Du würdest niemals eine von den Essgestörten. Und wenn doch, dann wäre das alles in deiner Kontrolle. Und niemals hättest du einen 90cm Bauchumfang, weil du zu viel gebrochen hast und aufschwillst. Du würdest niemals Brennesseltee trinken, in der Hoffnung, endlich auf Toilette zu können, außer, wenn es darum ginge, 200g abzunehmen. Nein. 40kg auf 1,65cm, und alles davon Perfektion. Kein Haarausfall, kein Pelz, kein Mundgeruch, keine Stimmungsschwankungen, kein Kontrollverlust.

Depression ist keine Modekrankheit, aber wir behandeln sie trotzdem wie einen eingefrorenen See: Schön anzusehen, aber nicht fähig, Leben langfristig zu erhalten. Man taucht in den 4 Grad Bereich ab, und schläft. Panikattacken sind auf einmal romantische Momente geworden, in denen man zittert, bis der beste Freund da ist, mit einer Lorazepamumarmung. Minus Lorazepam.

Essstörungen sind politische Statements, und Diäten, und tres chic. Persönlichkeitsstörungen sind sympathische Macken. Dass ich die Steine bis zum Rossmann zähle, ist in dieser theoretischen Welt kein Problem, denn ich stehe einfach früher auf, gehe früher los, um mich mit dir zu treffen, und die Schlafstörung ist ein weiterer Grund, das Bett zu teilen, oder nicht zu teilen, hat aber zweckmäßig keinen Einfluss darauf, wann ich meine Schuhe anziehe.

Der Choleriker da drüben ist ein guter Schutzhund. Ich bin hier, damit du Retter spielen kannst. Es ist alles ganz romantisch, und klar, und Menschen sind Vasen. Wenn man unsere Brüche mit Gold auffüllt, sind wir danach so viel schöner anzusehen.

#44 何の為に生まれて来たのかなんて… 小難しい事は解らないけど… 例えそれが過ちだったとしても… 何の為に生きているかは判る… 其れは… 理屈じゃない… 存在… 故の『自由』!

Ich hatte in den letzten Tagen, Wochen?, öfter hier gesessen und geschrieben, nur um dann aufzuhören, weil ich bemerkt habe, wie wenig es mir gebracht hat. Anstatt in irgendeine neue Richtung zu denken, habe ich mich meist nur deprimiert. Üblicherweise ist es ja so, dass ich anfange zu schreiben, und dadurch irgendetwas für mich finde. Vor Kurzem habe ich darüber mit einer Bekannten geschrieben. Es ging darum, dass sie ein journal hat und schreibt, wenn sie spürt, dass sie aufgewühlt ist. Während der Schreibprozess mir wenig hilft, wenn ich bereits die „Natur“ meines Problems erkannt habe, hilft es mir ab und an, anders darüber zu denken. Vermutlich allein schon, weil ich mir, sobald ich alles aufgeschrieben habe, immer wieder lächerlich vorkomme – Wie kann man sich selbst nur so ernst und wichtig nehmen?

Je mehr Zeit ich mit Selbstreflektion verbringe, desto mehr erkenne ich, dass ich nur bestimmte Dinge als „ich“ akzeptiere. Im Endeffekt ist meine Wahrnehmung von einem fest verankerten „Ich“ sowieso unmöglich. Egal, worüber ich mich definiere, man könnte alles davon nehmen, und ich würde nicht weniger fest davon überzeugt sein, dass ich „ich“ bin: Ob depressiv, schlau, ungebildet, schön, ungepflegt, aggressiv, mitteilsam, brünett, loyal. Aber unabhängig davon fällt es mir schwer, bestimmte Fehler als „ich“ zu akzeptieren. Und es ist nicht so, als ob ich  nicht erkennen würde, dass das viel mit meinem Alter zutun hätte. Natürlich wird es einer Zwanzigjährigen schwerer fallen, irgendjemandem zu erklären, dass die Dinge, die sie vor drei Jahren geäußert hat, weit von ihren jetzigen Einstellungen entfernt sind. Immerhin waren es ja objektiv betrachtet nur drei Jahre.

Darüber hinaus sollte es mir in jedem Fall möglich sein, mir anzuhören, was ich eventuell mal verbrochen habe. Denn entweder ich bin jetzt immer noch so, oder es war einmal. Entweder es betrifft mich und ist deswegen relevant, oder es ist Vergangenheit und sollte mich deswegen nicht mehr bedrücken. Dafür müsste man natürlich irgendwann gelernt haben, wie man mit Scham umgeht, und nicht die Taktiken eines Kleinkriminellen auf Alttagssituationen anwenden (=Leugnen) aber es scheint so, als würde es mir sehr schwer fallen, zu verinnerlichen, dass man Fehler machen kann, und zum Schluss trotzdem noch genauso viel „wert“ sein, wie davor.

Was im Übrigen etwas ist, das ich bei vielen Menschen beobachtet habe.

Nur, um tatsächlich als Mensch zu wachsen, kann ich nicht nur weg schauen. Offensichtlich habe ich aus meinen Fehlern gelernt -sonst wären sie mir höchstwahrscheinlich nicht so unangenehm- aber verdienen es die Menschen, die ich verletzt habe, nicht, mich darauf ansprechen zu dürfen, und von mir eine ehrliche Entschuldigung zu hören? Ich meine damit nicht, dass mich meine Tante dazu bedrängen darf, dass ich mich entschuldige, weil ich mit vier auf ihre Couch gebrochen habe, weil sie mich dazu gezwungen hat, ihre ekelhafte Suppe aufzuessen. (Eine Anekdote, die frei erfunden ist)

Ich denke, das Problem ist, dass ich mich gerne als gefühlskalt sehe, und Letzenendes immer wieder erkennen muss, dass dem gar nicht so sein kann. Wäre ich wirklich gefühlskalt, dann würde ich mich sicherlich nicht im dem Umfang dafür schämen, dass ich bestimmte Menschen verletzt habe. Ich würde nicht ansatzweise so sehr bereuen, was ich getan oder gesagt habe, denn ich würde nicht erkennen, wie sehr ich meinem Umfeld potentiell geschadet habe. Um Scham oder Reue zu fühlen, muss man Mitgefühl besitzen.

In den letzten Jahren habe ich immer mehr erkannt, wie wichtig es ist, ein realistisches Bild von „Ich“ zu haben. Es kommt mir immer mehr so vor, als ob viele Menschen unter Dingen leiden, die direkt damit verbunden sind. Sie schätzen sich falsch ein, und wenn ihr Selbstbild und die Reaktion ihres Umfelds nicht resonieren, sind sie verletzt. Dazu kommt, dass wir unsereren „Wert“ als Menschen über unseren „Nutzen“ definieren, anstatt über unsere Existenz. Damit meine ich nicht meine früh-pubertären Lamente darüber, dass die Welt eine Laola-Welle hätte starten sollen, als ich geboren wurde, sondern, dass ich in jeder möglichen Form von mir immer denselben Wert haben werde. Immer dasselbe Anrecht auf Glück, immer dasselbe Anrecht auf eine erfüllende Existenz. Egal, wieviele Fehler ich mache, egal, wie oft ich lüge, oder wie schlecht ich in Geographie abgeschnitten hab.

Unabhängig von meinen psychischen Erkrankungen, wie könnte ich verletzt sein, wenn mein Umfeld genau das bestätigt, was ich bereits denke? Wie könnte es mich stören, wenn mein Umfeld etwas Anderes über mich denkt, wenn ich bereits fest weiß, dass dem nicht so ist? Wenn ich weitergehe, würde das genauso bedeuten, dass die Kritik oder das Lob anderer Menschen für mich nur noch sekundär von Relevanz sein kann, wenn sie nicht eine Mentorrolle für mich erfüllen und ich dementsprechend ihre Meinung in meine Gedankengänge einbeziehe.

Was ich aber mitbekommen habe, ist, dass diese Gedanken für die meisten Menschen nicht „aufmundernd“ sind. So geht es mir, wenn ich sehr emotional bin. Wenn ich wütend bin, und den Boden unter den Füßen verliere. Aber ansonsten ist es für mich oft sehr leicht, durch Durchdenken einer Situation zu entscheiden, anders mit ihr umzugehen. Als Folge fühle ich ab irgendeinem Punkt auch anders.

Nur offensichtlich komme ich hier nicht weiter.. was das Thema ist, auf das ich hinaus wollte. (Und es ist immer wieder traurig, wenn ich drei Stunden damit verbringe, etwas zu erklären, damit das eigentliche Problem Sinn macht.)

Immer, wenn ich mich hingesetzt habe und etwas geschrieben, habe ich mich traurig geschrieben. Ich wurde frustriert, ich hab aufgehört, wirklich zu denken. Ich finde nicht die innere Ruhe, um weiterzukommen, und ich hab das Gefühl, dass mein Kopf viel zu voll ist. Letzte Nacht war ich bis morgens um 6 wach und hab immer mehr mitbekommen, dass ich mich zerrissen fühle. Ich möchte Antworten, die ich selbst finden muss, und ich möchte Dinge hören, die Letzenendes gelogen wären. Ich komme nicht an den Punkt, an dem ich Entscheidungen für die Zukunft und für mich treffen kann, weil ich viel zu sehr im „Jetzt“ hänge. Was lächerlich ist, weil „Jetzt“, genauso wie „ich“ nur in Abhängigkeit zu „Damals“ und „Später“ existiert. Egal, wie sehr ich mich zurückziehe, wie oft ich duschen gehe, oder wieviel ich versuche, mich auszuspülen, ich bleibe immer wieder an einem Gedanken hängen: „Ich bin dreckig.“

Und ich komme nicht weiter.

Ich kann nich micht ehrlich entschuldigen, aber ich kann nicht aufhören, zu bereuen. Und ich denke, das Problem ist, dass es mir unmöglich ist, mich bei den Menschen zu entschuldigen, die wirklich gelitten haben. Ich kann mich nicht bei Menschen entschuldigen, die nicht mehr existieren, und ich kann mich nicht bei Menschen entschuldigen, die nicht verstehen, wer ich bin. – Und jetzt, wo ich es schreibe, fällt mir auf, dass ich es deswegen loslassen sollte, und warten, bis diese Menschen alt genug sind, um zu wissen, dass ich existiere, aber in mir ist eine Stimme, die sagt, dass es zu spät sein wird.

Ich bin dreckig. Ich fühle mich dreckig, und keine Form von Selbstverletzung ändert es. Ich kann mich in heißem Wasser einlegen lassen, und ich werde davon nicht sauberer. Weil es keine drei Jahre her ist, sondern eher drei Wochen, und weil ich davon überzeugt bin, dass ich es verdient habe mit einem roten A durch die Stadt zu gehen.

Immer, wenn ich mich hingesetzt habe, habe ich mich deprimiert geschrieben, und es ist auch heute nicht anders. Ich hab zu viele Gedanken und zu wenig Worte. Und um ehrlich zu sein, ich tue mir selbst zu sehr Leid. Es ist lächerlich, aber trotzdem. Ich tue mir selbst unglaublich Leid. Ich war wütend, ich war verletzt, und ich hab mich zu genau dem gemacht, was mich dort hin gebracht hat. Und jetzt tue ich mir dafür Leid, und wünschte, ich könnte durch die Zeit reisen, mein 4 Jähriges Ich in den Arm nehmen und ihr sagen, dass sie was Besseres verdient hat, als ihr Leben damit zu verbringen, darüber nachzudenken, wer sie wohl sein sollte, um genug „wert“ zu sein.

„Ich“ existiere in Abhängigkeit. Das was mir passiert, das, was ich anderen Menschen antue. „Ich“ kann nur existieren, weil zwei Menschen sich dazu entschlossen haben, billig-Kondome zu benutzen. Und ich weiß nicht, wie ich mich davon frei machen soll, dass ich immer jemandem gefallen wollte, der mich nur verletzt hat, um Letzenendes genauso zu werden. Ich weiß nicht, wie ich diese Gedanken los werde, oder wie ich in mir Teile finde, die nichts damit zutun haben. Alles fühlt sich dreckig an.

Letzenendes könnte das auch damit zusammenhängen, dass ich aufräumen muss.

#33 Wie soll ich ein Rassist sein, in meiner Schokohaut?

Ich bin keine sonderlich gute Schwester. Damit meine ich nicht, dass ich nicht ständig an meine Schwester denke, über ihre Zukunft philosophiere und mir Sorgen mache; all das tue ich. Aber was hat man von Gedanken? Falls mein Vater jemals drei Sekunden an mich gedacht haben sollte, so hat mir das Letzenendes doch wenig geholfen. Ich hab deswegen nicht weniger das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Ich muss deswegen nicht weniger das Bedürfnis, von älteren männlichen Menschen gemocht zu werden, unterdrücken.

Ich bin keine sonderlich gute Schwester, obwohl ich meine Schwester so sehr liebe, dass ich nicht wüsste, wie ich ohne sie in meinem Leben klarkommen würde. (Ohne die einfache Akzeptanz, mit der sie mich umarmt, wenn ich zu ihr gehe, oder meine Hand hält, wenn wir zur Schule gehen. Ohne zu wissen, dass sie existiert.)

Es ist seltsam, wie oft ich darüber nachdenke, dass ich so bin, wie einige der Menschen, die mich in der Vergangenheit verletzt haben. Man müsste meinen, ich hätte bisher irgendwie erfasst, dass mir das wohl etwas sagen sollte; dass ich deswegen aktiv entgegen handeln würde; dass ich deswegen mehr Verständnis hätte.

Ich hab nicht akzeptiert, dass mein Vater kein Papa ist, und dass mein Papa jetzt jemand Anderem die Ratschläge gibt, die ich nicht mehr zu hören bekommen hab. Ich hab es hingenommen. Eine unglaublich falsche Akzeptanz. Ich denke immer noch, dass ich etwas Besseres verdient hätte, und obwohl ich beiden so ähnlich bin, habe ich mich noch immer nicht damit abfinden können. Es existiert kein „innerer Frieden“, wenn ich darüber nachdenke, dass der einzige Mann, der mal einem Fast-Freund gedroht hat, der ist, der beinahe meine Mama getötet hätte, anstatt meines Vaters oder meines Papas.

Ich denke nicht, „Hey, sie hatten eigene Probleme,“ oder „Dass sie es nicht gezeigt haben, oder dass sie in Drogenlöcher gefallen sind, bedeutet nicht, dass sie mich nicht trotzdem geliebt haben,“. Ich denke, „Ich war nicht gut genug,“ und ich denke, „Ich werde niemals eine eigene Familie gründen.“

Nun ist meine Rolle nicht die eines Vaters, aber trotzdem ist sie vermutlich stützender als die anderer Geschwister. Der Altersunterschied zwischen meiner Schwester und mir ist relativ groß, ich wohne zuhause, sie orientiert sich an ihrem Umfeld, sie ist abhängig von mir.

Und es ist unglaublich frustrierend, dass ich diese Dinge weiß, und trotzdem nicht anders handle. Dass es eine „Anstrengung“ ist, Kind zu sein, und offen zu zeigen, wie wichtig sie mir ist, wie wichtig mir meine Familie ist.

Wenn ich davon spreche, dass ich depressiv bin, dann nehme ich das oft so hin. Weil ich nicht sonderlich leide, und weil ich schon immer eher gefühlskalt, stolz und stur gewesen bin. Depression ist für mich nicht sonderlich ’neu‘, es ist nur eine Kategorie, die ich anklicken kann.

Das Problem ist, sich nicht verbessern  zu können, weil man die Kraft nicht findet. Nicht hochstehen zu können und joggen zu gehen; nicht irgendeinen komischen Strickkurs zu belegen, weil man da regelmäßig hinmüsste, oder das Geld nicht hat, weil man keinen Job hat, weil man da regelmäßig hinmüsste; nicht genug Konzentrationsfähigkeit zu haben, um Gedanken zu kultivieren, die es ermöglichen würden, mehr als zwanzig Minuten alle zwei Wochen mit meiner Schwester Zeit zu verbringen.

In anderen Worten.. Ich mache mir Sorgen, dass sie Probleme haben wird, die mir zu bekannt sind, weil ich so war, wie irgendein Mensch, der eigentlich keine Rolle spielen sollte, weil er sie nicht wollte, oder selbst nicht die Kraft gefunden hat.