#19 how much snow has to fall, for it to become spring?

Ich versuche seit drei Stunden, aufzuräumen, aber stattdessen habe ich meine Hefter sortiert, (drei Mülltüten später..) meinen Schrank aus- und umsortiert, et cetera. Natürlich zählt das alles ebenfalls zum großen Prüfungsbereich „Aufräumen,“ aber im Endeffekt sieht es jetzt viel unordentlicher aus als davor. /seufz

Dieser Paragraph war nicht als Metapher für meine psychische Stabilität geplant, aber jetzt, wo ich da noch einmal drüber lese, möchte ich anmerken, dass Dinge nicht immer geplant sein müssen, um letztlich irgendwelche anderen Situationen zu spiegeln.

Womit ich meine, dass ich weiterhin große Angst davor habe, in meinem Kopf irgendwelche Kisten zu öffnen, aber weiß, dass ich nicht sonderlich lebensfähig bin, bis sie leer sind.

(Und angeblich findet man am Boden von Kisten meistens Hoffnung.)

 

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#15

Ich glaube, dass da etwas nicht stimmt. Und wie immer werden mir meine Unzulänglichkeiten bewusst. Gesprächstherapie wäre vielleicht eine Option.

Aber ich kann mich nicht ausziehen.

Ich hasse es. Verwundbar sein.

 

Ich denke, um zu erkennen, was falsch ist, müsste ich wohl meine Einzelteile betrachten. Aber sie kleben aneinander. Kleben ist das perfekte Wort. Kleben ist ekelhaft. Verbunden mit irgendwelchen Flüssigkeiten, und Keimen, und dem emotionalen Ballast der letzten zwanzig Jahre.

Meine Teile kleben aneinander.

Selbst, wenn ich jedes Teil auf atomarer Ebene verstünde, mir fehlt der Kontext. Und es ist furchtbar, sich zu offenbaren. Wenn man Staub wischt, ist die Luft danach noch schwerer. Wenn ich meine Ecken auswische, ersticke ich.

In dem Wissen, dass es Menschen gibt, die schlimmer sind als ich, muss es wohl mein Gefühl von übermäßigem Wert sein, dass diesen Makeln soviel Gewicht gibt, aber was ändert es daran, dass ich-

Dass ich bin?

Ich überlege zur Zeit, alte Mutmaßungen ruhen zu lassen und auf blankem Papier neu zu spekulieren. Mich als „Die Anderen,“ anzusehen, und zu behaupten.

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach bedingungsloser „Liebe“ suche? Wobei diese Liebe für die meisten Menschen wohl nur ein Besitz-Drang ist. Besitzen, um sich daran zu messen. Besessen werden, um nicht mehr gemessen zu werden. Aber vielleicht ist es ja so, und ich habe in den letzten zehn Jahren wegrationalisiert, Resultat meiner Biologie zu sein?

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach „Pack“ suche; nach Selbstbehauptung – auf unserer zivilisierten Basis von Karriere, Reichtum, Unsterblichkeit?

Was, wenn ich hinter jedem Stein einen allwissenden Schöpfer sehen möchte? Wenn mir sein Auto wichtiger ist als; ja als was denn?

Was, wenn ich mir die letzten knapp zehn Jahre vorgemacht habe, diese Dinge nicht zu wollen? Was, wenn ich zehn Jahre an Entwicklung verpasst habe? Wie würde ich mich in diesem neuen Revier verteidigen? Angepasst an die Umgebung mit einem Holzknüppel? – Was ich im Übrigen gar nicht so unernst meine. Ich wüsste nicht mal, wie man auf ein Date geht.

Aber dann bin ich mit Mitschülern essen und realisiere, dass ich das scheinbar doch nicht möchte. Dass es wohl maximal Synergie ist, die mich mitreißt, so, wie mich Hannibal die Serie denken lässt, dass es vermutlich nicht zwangsläufig moralisch falsch wäre, Mensch zu essen.

Und dann sitze ich hier, und habe das Gefühl, dass ich viel zu schnell „kompartmentalisiere“? Verdränge. Aufteile. Weglege. Und dieses erdrückende Gefühl von Schuld und Ekel ist weg, aber stattdessen bin ich nur.. kurz vorm Burn Out.

Ich halte dieses Bild von mir, außerhalb und in mir, aufrecht, in dem ich mit allem ganz gut fertig werde, und zufrieden bin, obwohl ich an nichts Interesse habe. Obwohl mir die Welt so egal ist. Obwohl ich mir so egal bin, obwohl es nur Kleinigkeiten sind, an denen ich mich festhalte, weil Überleben am Wichtigsten ist.

Aber im Hinterkopf ist dieser Gedanke: Ich bin nicht zukunftsfähig.

#1 let’s not be hurt

Bald fängt nach lunarem Kalender das Jahr des Affen an. Was für die Affen unter uns nicht unbedingt optimal ist.

In meiner unendlichen Voraussicht und Weisheit empfinde ich es also als meine Pflicht, Patricia aus der Zukunft ein paar Listen vorzubereiten.

Hast du heute/diese Woche schon..

Ο geduscht?
Ο Haare gewaschen?
Ο wenigstens Haare gekämmt?
Ο bitte, bitte, deine Zähne geputzt und dein Gesicht gewaschen?
Ο etwas Grünes gegessen?
Ο Wasser oder Tee getrunken?
Ο darüber nachgedacht, nicht zu rauchen?
Ο so getan, als ob drei Liegestütze und eine halbe Minute Stretching Sport sind? (Lächerlich. Die Implikation, dass wir das jemals tatsächlich tun würden. Mach dir nichts draus, Patricia-aus-der-Zukunft.)

Möchtest du vielleicht..

Ο einen Film schauen?
Ο eine Serie beenden/anfangen?
Ο ein Buch oder einen Comic lesen?
Ο irgendein Lied auf Gitarre lernen?
Ο so tun, als könntest du Klavier spielen?
Ο einen halben Schal stricken?
Ο aggressiv Frauenkörper zeichnen?
Ο Musik hören und so tun, als wärst du ein Special Guest auf dem Konzert des jeweiligen Künstlers? (Bitte sag, dass du deine Haarbürste in den letzten Tagen benutzt hast und dementsprechend weißt, wo sie ist, um sie als Mikro zu benutzen.)
Ο auf Wikipedia (alternativ: tvtropes) auf „Zufälliger Artikel“ klicken?
Ο für eine Stunde so tun, als würdest du es schaffen, eine Fremdsprache auf memrise oder duolingo lernen zu können?
Ο auf Youtube Dokus schauen?
Ο auf Facebook mit Fremden streiten?
Ο eine rauchen und Cappucino trinken?
Ο Essen bestellen?
Ο mit jemandem sprechen?

Hast du dir heute schon klar gemacht, dass du all das bist?

Ο intelligent
Ο gebildet
Ο hübsch
Ο wertvoll
Ο nützlich
Ο liebenswert
Ο unterhaltsam
Ο schlagfertig

Und weißt du, dass das fast alles gar nicht wichtig ist?

Denkst du daran, 

Ο allen zu sagen, dass du sie liebst?
Ο dich für die kleinen und großen Dinge zu bedanken?
Ο zumindest zu versuchen, Mitgefühl zu haben?
Ο dass es möglich ist, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu sein?
Ο dass nicht alle Menschen so sind wie die, die dich traurig machen?
Ο dass du Fehler machst, und das in Ordnung ist, solange du dich änderst?
Ο dass andere Menschen Fehler machen, und das ebenfalls in Ordnung sein muss?
Ο dass du auch, wenn du erschöpft bist, jedem mehr schuldest, als Plattitüden?
Ο es auch ein Erfolg ist, es zu schaffen, Essen zu kaufen, wenn du dabei so tun musst, als ob es für jemand Anderes wäre?
Ο es auch in Ordnung ist, wenn du Dinge nicht schaffst?
Ο dich selbst nicht für narzistische oder manipulative Züge kaputt zu machen oder zu feiern? Wirklich, mach das nicht.
Ο dass Intentionen das Resultat nicht ändern, aber dafür vielleicht dein Bild von dem Menschen, der dich verletzt hat?
Ο dass das auch andersherum so ist, und du Menschen nicht verletzen solltest, nur weil du es kannst?
Ο dass es okay ist, wenn es dir schlecht geht?
Ο dass es okay ist, dass du manche, viele, alle Dinge nicht schaffst?
Ο dass Scham ein Erziehungsmittel ist, und du aufhören darfst, dich zu schämen, wenn du weißt, dass du in Zukunft versuchen wirst, dich anders zu verhalten?
Ο dass du dich nicht schlecht fühlen musst, wenn du oberflächliche Gespräche führst oder dich mit oberflächlichen Menschen umgibst?

Bitte vermeide es, 

Ο deine Haare zu schneiden oder zu färben, nur, weil du übermüdet und deprimiert bist.
Ο mit Menschen, die dir wichtig sind, zu streiten, nur, weil du das Gefühl hast, dass dein Kopf explodiert.
Ο deine Augenbrauen zu zupfen; egal warum, hör auf.
Ο auf jedweigen Onlineplatformen Dinge zu bestellen, von denen du denkst, dass sie das Loch in deinem Kopf füllen könnten. Ja, Dragon Age war super und spricht absolut dafür, damit weiterzumachen, aber schlaf noch mal drüber und sprich mit jemandem darüber, bevor du dein Geld raushaust.
Ο zu denken, dass irgendein Mensch außer dir selbst die Lösung sein könnte. Du bist nicht mal an Menschen interessiert, seien wir doch ehrlich.
Ο traurige Musik zu hören, die dich nur noch mehr runterzieht. Du bist jemand, für den das noch nie gut gelaufen ist.
Ο destruktiv zu denken oder zu handeln.
Ο Freundschaften und Beziehungen -deine oder andere- zu sabotieren. Sind wir Gott? Wir sind nicht Gott. Hör auf.
Ο Dinge zu essen, von denen du Pickel oder Zahnschmerzen bekommst.
Ο Dinge zu essen, von denen du weißt, dass du sie ausbrechen wirst.
Ο länger als ein-zwei Tage gar keine Dinge zu essen.

Egal, wo du gerade bist, es ist in Ordnung, atmen zu wollen. Und es ist in Ordnung, zu denken, dass du weitermachen wollen solltest- dann machst du eben gerade nur eine Pause. Und du darfst dir so viel Zeit lassen, wie du möchtest. Und es ist egal, was das für Auswirkungen hat oder was Menschen davon halten, weil zum Schluss sind wir alle der selbe Sternenstaub, und irgendwelche gesellschaftlichen Erfolge und Leistungen validieren nicht deine Existenz.

~ aus dem Raum tanz ~

#32 everything looks grey: grey city, grey buildings, grey roads, grey rain.

Ich bin ein wenig ausgebrannt.

Nicht falsch verstehen, die einzigen Momente, in denen ich komische Dinge denke, sind weiterhin die, in denen ich neugierig bin, was passieren würde, wenn. (Etwas, das laut verschiedener Onlinebögen auf Persönlichkeitsstörungen hinweist..) – Wo mir einfällt; ich habe irgendwo mal gelesen, dass man wohl oft einen Impuls empfindet, zu springen. Nicht, weil man suizidal ist. Einfach aus Gründen. (Gründe, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.. Was mich gerade verrückt macht.)

Das Wetter macht mir zu schaffen. Die Menschen machen mir zu schaffen. Ich höre die falsche Musik, und ich hasse all die bescheuerten Bücher, mit ihren bescheuerten Charakteren, die alle gesund und so unwissentlich amerikanisch sind in ihrer Überzeugung, dass Waffen etwas Essentielles sind.

Ich habe die letzten Wochen mehr oder weniger erzwungenermaßen über ein paar Dinge nachgedacht. – Mein nichtvirtuelles Leben hat übrigens ein bescheuertes Timing und genau da zugeschlagen, als ich an einem Tiefpunkt war.

Vor vielen, vielen Jahren (ungefähr vier, psht) konnte ich auf meinem alten Blog nicht darüber schreiben, dass ich bulimisch bin. Ich weiß nicht, wieso genau, und ich bin mir auch nicht sicher, wie genau ich dieses Verhalten (oder die Tatsache, dass ich mich verändert habe) im Nachhinein bewerten soll.

Derzeit geht es mir ähnlich.

Ich hab eine neue Kategorie gefunden.

Und hier möchte ich einmal einfügen, dass meine Hassliebe für Schubladen weiterhin kein Ende gefunden hat. Die Mehrheit der Leute, die ich kenne -inklusive mir- regt sich ja liebend gerne über Schubladendenken auf, aber dann möchte ich uns mal ohne unsere Label sehen. Was, wenn man nicht mehr X ist?

Diese neue Kategorie.. fühlt sich gut an. In einer besseren Welt, in einer vernetzteren Welt, in einer zugänglicheren Welt, würde sie sich sogar perfekt anfühlen. Aber so.. fühlt sie sich gut an. Und schlecht. Furchtbar schlecht. Es fühlt sich ein wenig so an, wie auf Diät zu sein und eine Hose zu finden, die perfekt passt.. in einer Größe, die nicht mit der Tapete übereinstimmt, von der man sich die letzten fünf Wochen ernährt hat.

In meinem Kopf ist ein Sturm, und solange er wütet, fühle ich mich in dieser Kategorie beinahe wohl, weil ich endlich etwas habe, das zutrifft. Ich habe Zuckungen und Kopfschmerzen, weil alle drei Sekunden neue Erinnerungsfetzen ihren Weg in mein Bewusstsein hämmern, aber dadurch, dass die Säcke Staffel laufen, sind sie meistens zu schnell weg, um daran kleben zu bleiben. Es wird statisches Rauschen. Nervig, aber nichts, was Ibuprofen nicht irgendwo dämmen könnte. Ein, „das erklärt es alles,“ wenn man so will, und ich würde sagen, es geht über die menschliche Sucht nach Selbsteinschätzungstests hinaus, wie gut es tut, sich kurzzeitig irgendwo wiederzufinden; aber dann wird es still und ich realisiere, dass diese Kategorie keineswegs die ist, die ich mir für mich wünsche, oder mit der ich mich wirklich anfreunden kann.

Sie ist wie die gelbe Haut, die ich nicht von mir ziehen konnte, und die Augenform, gegen die auch kreatives Lidstrichführen wenig macht.

Keine Kategorie, die mit irgendwelchen Privilegien zusammenhängen würde. Eine, die ich nicht aussprechen möchte. Eine Kategorie, die zu Fragen führt, oder zu Stille. Eine Kategorie, die eventuell nur eine Folge der Entscheidungen anderer Menschen gewesen ist. – Kein „Ich entscheide mich dafür, nicht wählen zu gehen,“ sondern ein „Ich wurde am Stuhl festgebunden, als ich mich für die Wahl hätte registrieren sollen, und jetzt kann ich nicht hingehen, während alle anderen ihr Ding machen und ihr Kreuzchen setzen,“ und es ist lächerlich, aber es stört mich so sehr.

Sie liegt mir auf der Zunge. Ich möchte jedem sagen, dass ich der Kategorie zugehöre, aber ich kann einfach nicht. Ich kann mir die Fragen nicht antun. Oder die laute Stille. Oder die Theorien. Oder all die Dinge, die sich verändern könnten. Es herrscht weiterhin Sturm.

Ich habe mich daran gewöhnt, wie ich aussehe, und dass das Nachteile mit sich zieht. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich krank bin, und dass meinen Alltag unglaublich beeinflusst. Aber diese Kategorie fühlt sich wie eine Krankheit an ohne eine zu sein. Weil ich das Gefühl habe, infiziert worden zu sein, anstatt geboren, und reden wir gar nicht erst von Entscheidungsgewalt.

Ich bin einerseits ekstatisch. Eine Kategorie. Ein Ausgangspunkt. Aber dann realisiere ich, dass es kein Anfang ist, sondern ein Ende. Der Strich unter der Rechnung. Mein offizieller, „Daraus wird nichts,“-Stempel.

Und der Sturm ist zu laut, und das Leben viel zu kompliziert, um herauszufinden, ob diese Kategorie wirklich ich bin, oder nur die Dinge, die mir widerfahren sind.

Abnormal. Es fühlt sich abnormal an. Ich fühle mich abnormal an. Und jeder Mensch, der an mir vorbeigeht, ist laufende Neonreklame.

Es ist nicht die Kategorie, es ist alles, was ich damit assoziiere, und das ist furchtbar. Und es tut mir sehr Leid für all die Anderen in dieser Kategorie- ich weiß, dass ich gerade kein klasse Mensch bin. Es ist sicherlich nicht tröstlich, zu hören, dass ich nur mich als abnormal empfinde?

Ich glaube, ich erinnere mich daran, wieso ich nicht darüber sprechen wollte, dass ich bulimisch bin. Es war mir peinlich. Ich habe mich schwach gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass mein Normalgewicht und meine ~angebliche Essstörung~ nicht zueinander passten.

Diese Kategorie passt. Und ich möchte sie wirklich lieben, aber ich sehe keine Möglichkeiten, die Dinge, die ich langfristig, in einer abstrakten Zukunft, eventuell gewollt hätte, zu bekommen, während ich mich in dieser Kategorie befinde. Und es erscheint, als wäre es ein sehr permanenter Aufkleber. Einer, den mir andere Leute auf die Stirn geklebt haben.

Ich hab offiziell angefangen, einen -ismus zu internalisieren. Man hätte ja gedacht, damit hätte ich aufgehört, aber neue Kategorien bieten neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel, sich aus ganz neuen Gründen wie ein menschenförmiges Desaster zu empfinden, einfach, um die eigenen Selbsthass und -mitleid Horizonte zu erweitern.

Wir auf formylittledecoy dot wordpress dot com legen Wert darauf, uns weiterzubilden.

– In der Hoffnung, mich in vier Jahren nicht für eine Kategorie zu schämen, die eigentlich ganz schön wundervoll ist, und mit Sicherheit keine Krankheit;

#22 where all the veins meet

Irgendwie werden psychische Erkrankungen gerne… hm, romantisiert. Sie sind aufeinmal dünne Mädchen, die weinend auf ihrem Bett sitzen, bis ihr Freund sie umarmt, und die Welt ist zwar weiterhin düster, aber zumindest gibt es Orgasmen. Man redet nicht vom universellen „Ich habe eine Essstörung“-Mundgeruch, oder der Tatsache, dass man zwei Wochen lang seine Haare nicht gewaschen hat, weil, wieso auch?

Wir finden wohl das Ungesunde, das Unharmonische, den Mangel an Synchronisität.. ästhetisch. Eine makabere Begeisterung für gebrochene Knochen, und jeden Schritt, den wir mit ihnen gehen.

Aber irgendwie ist es alles wenig glamuorös, wenn die Biochemie nicht mitmacht. Und vielleicht ist es die Arroganz der Menschheit, die weiterhin täglich zwanzig Besucher herlockt, weil sie nach Kotztipps suchen. (#1 Hör auf, wenn du Blut spuckst, #2 Trink ordentlich, während du isst. #3 Kotz niemals Schokolade, Fisch oder Scharfes)

Du würdest niemals eine von den Essgestörten. Und wenn doch, dann wäre das alles in deiner Kontrolle. Und niemals hättest du einen 90cm Bauchumfang, weil du zu viel gebrochen hast und aufschwillst. Du würdest niemals Brennesseltee trinken, in der Hoffnung, endlich auf Toilette zu können, außer, wenn es darum ginge, 200g abzunehmen. Nein. 40kg auf 1,65cm, und alles davon Perfektion. Kein Haarausfall, kein Pelz, kein Mundgeruch, keine Stimmungsschwankungen, kein Kontrollverlust.

Depression ist keine Modekrankheit, aber wir behandeln sie trotzdem wie einen eingefrorenen See: Schön anzusehen, aber nicht fähig, Leben langfristig zu erhalten. Man taucht in den 4 Grad Bereich ab, und schläft. Panikattacken sind auf einmal romantische Momente geworden, in denen man zittert, bis der beste Freund da ist, mit einer Lorazepamumarmung. Minus Lorazepam.

Essstörungen sind politische Statements, und Diäten, und tres chic. Persönlichkeitsstörungen sind sympathische Macken. Dass ich die Steine bis zum Rossmann zähle, ist in dieser theoretischen Welt kein Problem, denn ich stehe einfach früher auf, gehe früher los, um mich mit dir zu treffen, und die Schlafstörung ist ein weiterer Grund, das Bett zu teilen, oder nicht zu teilen, hat aber zweckmäßig keinen Einfluss darauf, wann ich meine Schuhe anziehe.

Der Choleriker da drüben ist ein guter Schutzhund. Ich bin hier, damit du Retter spielen kannst. Es ist alles ganz romantisch, und klar, und Menschen sind Vasen. Wenn man unsere Brüche mit Gold auffüllt, sind wir danach so viel schöner anzusehen.