#18 it goes a little something like;

Ich müsste lernen.

Aber ich erkenne gerade den Sinn darin nicht, und im Endeffekt ist das wohl eines meiner primären Probleme.

Laut eines Modells* ist eine Kernkompetenz des Menschen, um relativ gesund zu sein, das Kohärenzgefühl. Wer ein hohes Kohärenzgefühl hat, versteht das Leben, seine Erfahrungen, Handlungen und Probleme als bewältigbar, verständlich und sinnvoll . Eine hohe Selbstbestimmtheit, Sinnhaftigkeit und so weiter führen demnach zu mehr generalisierten Widerstandsressourcen (sprich, Schutzfaktoren) und dadurch zu besserem Gesundheitszustand.

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich depressive Schübe habe, weil mir ein Großteil des Lebens (nicht zwangsläufig meines Lebens) nicht sinnvoll erscheint und ob die tatsächliche Sinnlosigkeit zu depressiven Schüben führt, oder ob ich depressive Schübe habe, und es mir deswegen so vorkommt, aber irgendwo darin könnte ja durchaus eine Verbindung existieren.

Die erfolgreiche Bewältigung von „Spannungszuständen“ führt zu einem höheren Kohärenzgefühl. Das führt zu mehr Schutzfaktoren. Die verbessern die Gesundheit.

Ich müsste lernen, aber mir erscheint der gesamte Prozess sinnlos. Bewältigbar ist er bestimmt, und ich verstehe das Konzept dahinter, aber es ist für mich im Moment sinnlos.

Gegenargument zum Modell: Obwohl ich jeden Spannungszustand im Bezug zum Lernen erfolgreich bewältigt habe, hat sich mein Kohärenzgefühl mit Sicherheit nicht verbessert.

Lernen bedeutet im Schulsystem sehr häufig nicht, dass man langfristig Wissen aneignet und anwenden kann, sondern dass man zu einem festgelegten Termin eine Aneinanderreihung von Worten wiedergibt, die man nicht zwangsläufig verstanden haben muss. Diese Aneinanderreihung wird dann auf einem künstlichen Zahlenstrahl bewertet. Und diese Momentaufnahme entscheidet letztlich darüber, wie intelligent man als anonymer Fremder betrachtet wird.

Ich schätze mich als relativ intelligent ein. Mein letzter IQ-Test ist sehr lange her und unabhängig von seiner tatsächlichen Relevanz schon alleine deswegen wenig aussagekräftig; aber ich denke, alleine die Tatsache, dass ich meine mangelnde instinktive Empathie durch kognitive kompensiere, bedeutet, dass ich irgendwo ein paar Gedanken haben muss, die nicht minderwertig sind.

Ich habe es nicht nötig, Dinge auswendig zu lernen, die ich bereits beim ersten Überfliegen verinnerlichen kann. – Das Lernen zur reinen Wiedergabe von Wortaneinanderreihungen ist für mich Zeitverschwendung. Es ergibt keinen Sinn.

Case in point: Dieses Modell, das ich oben erwähnt habe, ist Teil einer Prüfung, für die ich lernen muss. Ich kann es anwenden. Ich weiß, wann ich es anwenden kann. Ich weiß, warum es wichtig ist. Es kostet mich keine Anstrengung, weil ich zusätzlich weiß, dass der betreffende Dozent keine Zitate aus unseren Unterlagen erwartet. Im Gegensatz dazu soll ich in einem anderen Fach „Eigenschaften von Spiel“ auswendig lernen. Natürlich sind diese Eigenschaften schlüssig. Aber es ist irrelevant.

Dazu Exkurs: Im Groben könnte man sagen, wir haben zwei Formen von „Gedächtnis,“ und zwar einmal das, das wir sprachlich wiedergeben können, und dann das, das wir handelnd wiedergeben. Deswegen fällt es vielen Muttersprachlern schwer, ihre Sprache zu erklären. Oder zu erklären, wie man Fahrrad fährt. Oder wie man eine SMS schreibt. – Wir zeigen, anstatt zu sagen.

Ich muss nicht die Wortaneinanderreihung „spontan, freiwillig, fantasieanregend, realitätsfern, Möglichkeit zur Kontaktaufnahme“ auswendig lernen, um zu wissen, dass Spiele das sind.

Im Kontext des Systems, in dem wir leben, ergibt es natürlich absolut Sinn. Wir befinden uns in einem ständigen Wettbewerb und in Ermangelung eines „Wie geeignet bist du für diese Aufgabe“-Bluttests müssen wir leider die Zeit absitzen.

Es ergibt Sinn, dass wir arbeiten gehen, dass wir lernen, dass wir uns mit anderen Menschen auseinandersetzen, dass wir Genussmittel inklusive qualitativ minderwertiger Medien konsumieren, dass wir gesund oder krank sind, dass die Dinge willkürlich oder unwillkürlich erscheinen, und so weiter.

Aber es ergibt keinen Sinn, wenn die Rechtfertigung unserer und derer Existenz einzig unsere und deren Existenz ist. Wenn eine Schlussfolgerung ad verbum die Prämisse ist, dann muss ich das nicht hinnehmen. Ich verkrafte keine „Es ist einfach so“s mehr. Es ist nicht einfach so. Es ist so, weil wir es so gemacht haben; es ist so, und wir wissen nicht warum; es ist so, und wir können vermuten, weswegen.

Ich müsste lernen.

Und ich liebe lernen, weil es für mich sinnvoll ist, Wissen anzueignen. Weil es mich ehrlich glücklich macht, mehr zu wissen als am Vortag. Weil es mir Spaß macht, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und sie zu diskutieren. Weil mich die Vorstellung, dieses Wissen anwenden zu können, wirklich zufrieden stellt.

Aber die Vorstellung, zu lernen, weil ich das eben muss, und weil ich eine Wortaneinanderreihung wiedergeben soll, die völlig selbstverständlich sein sollte, und dennoch nach Faktoren bemessen wird, die nichts mit meinem Wissensstand oder meiner Intelligenz zutun haben. Die hasse ich.

In kurz und übersetzt: Wenn wir Dinge selbstbestimmt machen können, dann machen sie Spaß. Dieselben Dinge fremdbestimmt zu machen, macht krank. Die einzig wirksame Strategie, die mir derzeit einfällt, ist, meine Perspektive gewaltsam von „macht krank“ zu „macht Spaß“ zu schieben.

*Salutogenesemodell von Antonovsky

[Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich diesen Post innerhalb von 2 Wochen wieder löschen werde..?]

#16

Das tatsächliche Gegenteil einer Sache, sprachlich betrachtet, ist oft genauso gut ein Synonym für diese Sache, was mich glauben lässt, dass ich entweder der deutschen Sprache nicht mächtig bin (Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Lambda nähert sich Null), oder das Konzept, dass bestimmte Ideen zwei Seiten derselben Münze sind, vielleicht doch häufiger wahr ist, als ich angenommen hatte.

Jetzt müsste ich natürlich festlegen, was ein Gegenteil ist.

Aber dafür bin ich zu faul.

#15

Ich glaube, dass da etwas nicht stimmt. Und wie immer werden mir meine Unzulänglichkeiten bewusst. Gesprächstherapie wäre vielleicht eine Option.

Aber ich kann mich nicht ausziehen.

Ich hasse es. Verwundbar sein.

 

Ich denke, um zu erkennen, was falsch ist, müsste ich wohl meine Einzelteile betrachten. Aber sie kleben aneinander. Kleben ist das perfekte Wort. Kleben ist ekelhaft. Verbunden mit irgendwelchen Flüssigkeiten, und Keimen, und dem emotionalen Ballast der letzten zwanzig Jahre.

Meine Teile kleben aneinander.

Selbst, wenn ich jedes Teil auf atomarer Ebene verstünde, mir fehlt der Kontext. Und es ist furchtbar, sich zu offenbaren. Wenn man Staub wischt, ist die Luft danach noch schwerer. Wenn ich meine Ecken auswische, ersticke ich.

In dem Wissen, dass es Menschen gibt, die schlimmer sind als ich, muss es wohl mein Gefühl von übermäßigem Wert sein, dass diesen Makeln soviel Gewicht gibt, aber was ändert es daran, dass ich-

Dass ich bin?

Ich überlege zur Zeit, alte Mutmaßungen ruhen zu lassen und auf blankem Papier neu zu spekulieren. Mich als „Die Anderen,“ anzusehen, und zu behaupten.

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach bedingungsloser „Liebe“ suche? Wobei diese Liebe für die meisten Menschen wohl nur ein Besitz-Drang ist. Besitzen, um sich daran zu messen. Besessen werden, um nicht mehr gemessen zu werden. Aber vielleicht ist es ja so, und ich habe in den letzten zehn Jahren wegrationalisiert, Resultat meiner Biologie zu sein?

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach „Pack“ suche; nach Selbstbehauptung – auf unserer zivilisierten Basis von Karriere, Reichtum, Unsterblichkeit?

Was, wenn ich hinter jedem Stein einen allwissenden Schöpfer sehen möchte? Wenn mir sein Auto wichtiger ist als; ja als was denn?

Was, wenn ich mir die letzten knapp zehn Jahre vorgemacht habe, diese Dinge nicht zu wollen? Was, wenn ich zehn Jahre an Entwicklung verpasst habe? Wie würde ich mich in diesem neuen Revier verteidigen? Angepasst an die Umgebung mit einem Holzknüppel? – Was ich im Übrigen gar nicht so unernst meine. Ich wüsste nicht mal, wie man auf ein Date geht.

Aber dann bin ich mit Mitschülern essen und realisiere, dass ich das scheinbar doch nicht möchte. Dass es wohl maximal Synergie ist, die mich mitreißt, so, wie mich Hannibal die Serie denken lässt, dass es vermutlich nicht zwangsläufig moralisch falsch wäre, Mensch zu essen.

Und dann sitze ich hier, und habe das Gefühl, dass ich viel zu schnell „kompartmentalisiere“? Verdränge. Aufteile. Weglege. Und dieses erdrückende Gefühl von Schuld und Ekel ist weg, aber stattdessen bin ich nur.. kurz vorm Burn Out.

Ich halte dieses Bild von mir, außerhalb und in mir, aufrecht, in dem ich mit allem ganz gut fertig werde, und zufrieden bin, obwohl ich an nichts Interesse habe. Obwohl mir die Welt so egal ist. Obwohl ich mir so egal bin, obwohl es nur Kleinigkeiten sind, an denen ich mich festhalte, weil Überleben am Wichtigsten ist.

Aber im Hinterkopf ist dieser Gedanke: Ich bin nicht zukunftsfähig.

#14 can’t stand to be so dead behind the eyes

Ich hab vor längerer Zeit mal einen Satz geschrieben, der mir häufig in den Kopf kommt:

„Aber ich will nicht getrunken werden, ich möchte trinken.“

Was ich damals geschrieben hatte, war eine eher undurchdachte Teemetapher. So quasi, Menschen sind Tee, und wir trinken einander, und manchmal verschütten wir uns, und meistens verlieren wir nur an Farbe und Inhalt, bevor wir irgendwann austrocknen wie vergessenes Fallobst.

Ich möchte immer noch trinken, und ich möchte weiterhin nicht getrunken werden. Es ist nicht mehr viel übrig; nicht, weil sich jeder bedient hätte, sondern weil ich zu langsam nachkoche und Flüssigkeiten weiterhin die Angewohnheit haben, zu verdunsten. Es dauert also ggf. gar nicht mehr so lange bis ich meine Einzelteile als asiatisches Trockenobst bei Aldi anbieten kann. Was die ganze Zeit der Plan war. Unterstützt mich bei Kickstarter. Kannibalismus ist das neue Schwarz.

 – Patricia, in Freilandhaltung aufgewachsen,
BIO Gütesiegel A,
auf Wunsch auch lactosefrei

#13 cannot worship anyone beside you

In der sechsten Klasse, denke ich, hatten wir die Aufgabe, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Im Unterricht, dann in der Klassenarbeit. Ich hab dabei völlig versagt. Einmal habe ich nie Hilfestellungen von Frau-Wie-Hieß-Sie-Nochmal? bekommen, andererseits fehlt mir scheinbar irgendeine Ressource.

Wir schreiben derzeit sehr häufig Werkberichte für „Ergotherapeutische Mittel.“ Darin sollen wir unsere Arbeitsschritte schon im Vorfeld nennen, alle Hilfsmittel, Materialien und Werkzeuge zu dem Arbeitsschritt nennen, und die benötigte Zeit einkalkulieren.

Ich denke, es fehlt mir die Kompetenz „abstrakt-planendes Denken.“

Gestern saß ich auf dem Balkon (glaube ich. Wenn nicht: Gestern saß ich auf dem Klo. Wenn nicht: Gestern saß ich auf meinem Bett,) und mir fiel auf, dass ich etwas simpel bin. Nicht auf die gute Art.

Ich habe keine Antwort auf die Frage, was ich möchte. Was mich glücklich macht. Ich lebe genauso in den Tag hinein wie der Rest. Halte mich gerade so über Wasser, und muss realisieren, dass mein Überlebensinstinkt sich wohl an den kleinen Dingen festkrallt, weil er auf nicht mehr konditioniert wurde.

Was möchte ich vom Leben?

Keine große Karriere. Keine Romanze. Ich will mich nicht einmal verewigen, glaube ich.

Ich lebe wirklich nur von einem Moment zum nächsten. Vielleicht fehlt mir für mehr tatsächlich das abstrakt-planende Denken. Oder das Vertrauen. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht das Potential für Ambition. Ich möchte gerne in allem, was ich mache, mindestens 13 Notenpunkte bekommen. – Aber vielleicht nur, weil ich keine „wichtigste Sache,“ habe, neben der alles andere verblasst. Wegen der ich auf den Rest getrost verzichten kann.

Ich sitze wieder an meinem Tisch, irgendwo hinter mir Frau-Wie-Hieß-Sie-Nochmal? und realisiere, dass ich nicht für immer Gilmore Girls plagiarisieren kann.

(Hier sollte ich mir vielleicht auch vor Augen führen, dass „Wer bin ich, was möchte ich, was macht mich glücklich?“ vielleicht Fragen sind, die unnötig sind, und mir eventuell irgendwo aufgezwungen wurden. Wieso sollte ich Pläne und Wünsche und Ziele haben? Wieso kann ich nicht tatsächlich im Moment leben? Und nicht im Moment-Moment, sondern in diesem Moment. Dieser Moment, der erst endet, wenn ich ende, und danach neu bin*. Denn alles Andere ist vergänglich und unberechenbar und Quelle für Trauer und Zorn und Enttäuschung.)

Mein Ziel ist vielleicht, nicht unglücklich zu sein. Ist das ein überlegender Minimalismus? Wenn ich mir mein Schlafzimmer anschaue, bezweifle ich das.

Dieses Ziel auszuschreiben, lässt meine Zehennägel abstehen vor Angst. Es kommt mir vor, als ob es ungesund ist, Wünsche und Ziele zu äußern. Als ob jemand zuhört, und einem Steine in den Weg wirft.

Also, ich ändere das: Ich habe keine Defizite im abstrakt-planenden Denken; es ist stattdessen gehemmt von meinen Existenzängsten, paranoiden Schüben, und dem fehlenden Vertrauen in Sicherheit, sowie einem vollkommen schizophrenen Glauben in höhere Mächte, denen ich im letzten Leben eventuell auf den Schatten getreten bin.

Das Leben ist schon merkwürdig.

* Damit meine ich, dass „ich“ heute anders bin, als „ich“ vor zehn Jahren, aber nirgendwo ein genauer Schnitt gemacht werden kann. In dem Kontext ist ein Moment einmal nie endend, und schon längst vorbei, und dazwischen existiere „ich.“ Und dieses „ich“ hat andere Vorstellungen als andere „ich“s, und gleichzeitig dieselben, oder ähnliche. <- Mir fällt auf, dass das eine Weltansicht ist, die ich in einem separaten Post erklären müsste, damit ich, wenn ich irgendwann mal wieder darüber stolpere, noch verstehe, was ich meinte?? oô