#21 a bag full of bags

Sobald man hinterfragt, spricht man weniger, bekomme ich das Gefühl.

Manchmal vielleicht dennoch mehr Worte, um Aussagen zu relativieren, aber dennoch weniger.

„Habe ich genug Erfahrung, um meine Meinung zu äußern?“ Nein.

„Gibt es nicht viel intelligentere, gebildetere, bessere Menschen, denen ich die Minuten wegnehme?“ Ja.

Ich lerne in meiner Ausbildung Muskelgruppen, Modelle, und Hemmungen. In meinem Leben das Benutzen von Zahnbürste und Computer, und Hemmungen.

Zum Schluss sind die Dinge, die relevant gewesen wären, in mir in einer Tüte. In einer Tüte voller Tüten. (Auch Titel meiner Autobiografie, meines zweiten Albums, und einer unglücklichen Kollektion von Aquarellbildern, die dennoch für 32,95€ (zzgl. Versandkosten) auf Wunsch mit Signatur erworben werden können.)

All die irrelevanten Äußerungen, die ich von mir gebe, sind vielleicht auch irgendwann da, aber sie haben bisher für mich zu wenig Gewicht, um nicht einfach rausgelassen zu werden.

Was leicht zu sagen ist: Es gab einmal eine Phase, in der ich nur Möhren und Äpfel gegessen habe, weswegen meine Mama gescherzt hat, sie würde bald Heu in mein Zimmer werfen, um meinen Lebensstil authentischer zu gestalten.

Was meistens in einer Tüte bleibt: Ich habe Angst vor Menschen, und wie leichtfertig wir einander verletzen. Ich habe Angst davor, wie kurzweilig wir sind.

Was ich danach noch in die Tüte stopfe: Meistens benehme ich mich genauso kurzweilig und gedankenlos, weil es sich gut anfühlt, nicht verletzt zu werden.

Manchmal bin ich minimalistisch: Es wurde bereits alles gesagt. Wozu hinzufügen, nur weil ich es jetzt zum ersten Mal für mich selbst erfahre? – Weil ich das Zentrum meines Universums bin. Und das ist eher ernüchternd, kurzweilig und gedankenlos. Und deswegen auch sehr schnell wieder in einer Tüte voller Tüten voller Tüten. (Der Titel meines Selbsthilfebuchs, in dem ich dazu anraten werde, gestanzte Kellerasseln in Ingwertee zu streuseln.)

 

 

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4 Kommentare zu „#21 a bag full of bags

  1. Die Kurzweiligkeit, mit denen viele Menschen anderen Menschen mittlerweile… Jetzt fällt mir kein passendes Wort ein. „handhaben“? „erleben“? „benutzen“? Ich glaube, du verstehst schon, wird mir im Umfeld oft deutlich. Der Kreis von Menschen, mit denen ich freiwillig und gerne Zeit verbringe, rede, schreibe oder interagiere, wird stätig kleiner. Das ist nicht bei allen so. Oft habe ich aber bemerkt, dass Bekannte unglaublich schnell Kontakte knüpfen, man von außen den Eindruck hat, sie würden jeden Schwur mit Blut und Spucke besiegeln, aber innerhalb kürzester Zeit, ist davon nichts übrig und man geht getrennter Wege. Mir ist sowas auch schon passiert und mich hat das tierisch genervt und mich teilweise hart getroffen. „Habe ich etwas falsch gemacht?“ oder „War ich einfach nicht interessant genug?“, waren so Fragen, die mir durch den Kopf schossen. Eine Antwort habe ich nicht gefunden. Vielleicht eröffnet das www auch ganz andere Möglichkeiten. Jetzt kann ich mich mit Leuten verbinden, die 12261 km von mir entfernt wohnen. Als Kind musste ich nehmen, was die Nachbarschaft hergegeben hat.

    Ich trinke übrigens gern Ingwertee, aber Kellerasseln möchte ich da nicht drin haben. :(

    1. Menschen sind halt austauschbar, nicht? So kommt es mir in diesen Fällen zumindest vor. Vielleicht hat man deswegen auch manchmal dieses Bedürfnis, sich für den anderen „relevant“ zu machen.

      Weiß gar nicht, was du dagegen hast. Schmeckt bestimmt vorzüglich! ;P

      1. Hast du sie mittlerweile probiert? :D

        Eine Weile habe ich versucht, von diesem Nerd-Image, das an mir klebt, wegzukommen, weil ich dachte, ich könne so den Kreis der Menschen, die sich mit mir abgeben, irgendwie erweitern. Einfach mal versuchen, nicht ständig über Star Wars, Lotr, etc zu reden.
        Mir fiel das unglaublich schwer und einem Freund fiel das sogar auf, als wir auf L.s 2. Geburtstag waren. Weil er mich eben kaum anders kennt und mitbekommen hat, wie ich da auf einmal drauf war.

        Danach ist mir klar geworden, dass es das auch nicht sein kann. Natürlich könnte ich aufhören, unseren Azubi alle 2 Wochen zu fragen, ob er endlich die Dark Knight-Trilogie gesehen hat. Aber warum? Ich denke, ich habe sonst zu wenig zu sagen und das, was mein Gegenüber womöglich zu sagen hat, interessiert mich ganz oft einfach nicht. Und ich bin lieber weniger relevant, als mir Dinge anzuhören, die mich nicht kratzen.

        1. Ich würde das jetzt gerne ganz wunderbar plastisch und einfach formulieren, aber da das nichts wird: Wenn wir nur dann nicht „allein“ sind, wenn wir nicht „wir selbst“ sind, sind wir doch eigentlich nur noch viel.. alleiner. So wie wir sind sprechen wir mit ein paar Leuten, oder eben mit fast keinem, aber dann, mit Menschenkostüm und so weiter, spricht nur irgendjemand Fremdes mit ihnen, und davon hab zumindest ich sehr selten etwas. (Ausnahme natürlich die manisch-depressiven Phasen, die es von mir abverlangen, aber das ist vermutlich ne ganz andere Geschichte.)

          Wobei ich täglich circa acht Stunden wer anders bin, also was sage ich da eigentlich?

          (Nicht probiert und trotzdem für schlecht befunden.)

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