#15

Ich glaube, dass da etwas nicht stimmt. Und wie immer werden mir meine Unzulänglichkeiten bewusst. Gesprächstherapie wäre vielleicht eine Option.

Aber ich kann mich nicht ausziehen.

Ich hasse es. Verwundbar sein.

 

Ich denke, um zu erkennen, was falsch ist, müsste ich wohl meine Einzelteile betrachten. Aber sie kleben aneinander. Kleben ist das perfekte Wort. Kleben ist ekelhaft. Verbunden mit irgendwelchen Flüssigkeiten, und Keimen, und dem emotionalen Ballast der letzten zwanzig Jahre.

Meine Teile kleben aneinander.

Selbst, wenn ich jedes Teil auf atomarer Ebene verstünde, mir fehlt der Kontext. Und es ist furchtbar, sich zu offenbaren. Wenn man Staub wischt, ist die Luft danach noch schwerer. Wenn ich meine Ecken auswische, ersticke ich.

In dem Wissen, dass es Menschen gibt, die schlimmer sind als ich, muss es wohl mein Gefühl von übermäßigem Wert sein, dass diesen Makeln soviel Gewicht gibt, aber was ändert es daran, dass ich-

Dass ich bin?

Ich überlege zur Zeit, alte Mutmaßungen ruhen zu lassen und auf blankem Papier neu zu spekulieren. Mich als „Die Anderen,“ anzusehen, und zu behaupten.

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach bedingungsloser „Liebe“ suche? Wobei diese Liebe für die meisten Menschen wohl nur ein Besitz-Drang ist. Besitzen, um sich daran zu messen. Besessen werden, um nicht mehr gemessen zu werden. Aber vielleicht ist es ja so, und ich habe in den letzten zehn Jahren wegrationalisiert, Resultat meiner Biologie zu sein?

Was, wenn ich, wie jeder andere Mensch, nur nach „Pack“ suche; nach Selbstbehauptung – auf unserer zivilisierten Basis von Karriere, Reichtum, Unsterblichkeit?

Was, wenn ich hinter jedem Stein einen allwissenden Schöpfer sehen möchte? Wenn mir sein Auto wichtiger ist als; ja als was denn?

Was, wenn ich mir die letzten knapp zehn Jahre vorgemacht habe, diese Dinge nicht zu wollen? Was, wenn ich zehn Jahre an Entwicklung verpasst habe? Wie würde ich mich in diesem neuen Revier verteidigen? Angepasst an die Umgebung mit einem Holzknüppel? – Was ich im Übrigen gar nicht so unernst meine. Ich wüsste nicht mal, wie man auf ein Date geht.

Aber dann bin ich mit Mitschülern essen und realisiere, dass ich das scheinbar doch nicht möchte. Dass es wohl maximal Synergie ist, die mich mitreißt, so, wie mich Hannibal die Serie denken lässt, dass es vermutlich nicht zwangsläufig moralisch falsch wäre, Mensch zu essen.

Und dann sitze ich hier, und habe das Gefühl, dass ich viel zu schnell „kompartmentalisiere“? Verdränge. Aufteile. Weglege. Und dieses erdrückende Gefühl von Schuld und Ekel ist weg, aber stattdessen bin ich nur.. kurz vorm Burn Out.

Ich halte dieses Bild von mir, außerhalb und in mir, aufrecht, in dem ich mit allem ganz gut fertig werde, und zufrieden bin, obwohl ich an nichts Interesse habe. Obwohl mir die Welt so egal ist. Obwohl ich mir so egal bin, obwohl es nur Kleinigkeiten sind, an denen ich mich festhalte, weil Überleben am Wichtigsten ist.

Aber im Hinterkopf ist dieser Gedanke: Ich bin nicht zukunftsfähig.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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