#12 but the fire is coming

Ich habe gerade einen Textpost gesehen, der mich nachdenklich gemacht hat.

Es hieß dort ungefähr, „Schande auf die, die sagen, ich sollte allen ‚meiner Selbst wegen‘ vergeben. Ich hab hart für diese Wut gearbeitet. Ich habe hart dafür gearbeitet, mich selbst genug zu lieben, damit ich sie hassen kann,“ woraufhin eine andere Person ergänzt hat, dass es für viele Leute kein Akt der inneren Heilung ist, den Menschen zu vergeben, die sie verletzt haben, weil sie das bereits ihr Leben lang getan haben. Für diese Menschen ist es vielleicht viel eher Heilung, endlich sagen zu können, dass es sie verletzt hat, dass sie das nicht verdient hatten, und dass sie das nicht mehr vergeben.

Und.. 10 Punkte für Slytherin, denn ich finde, dass das wichtig ist. Ich finde es wichtig, dass man Menschen nicht vergeben muss, um ein gesunder, glücklicher Mensch innerhalb eines stabilen, ausgewogenen Lebens zu sein.

Ich weiß, dass es für mich persönlich richtig ist, dass ich bestimmten Menschen vergeben sollte, weil ich vieles auf einer Ebene verinnerlicht habe, die mich damit gleichsetzt, aber viel eher ist es wohl in meinem Fall so, dass ich mein Schwarz-Weiß-Denken umstrukturieren sollte. Die Handlungen anderer Menschen liegen auf einem Spektrum, und das überkreuzt sich mit anderen Spektren, die die Dinge relativieren.

Wobei- ich relativiere mit Vergebung viel eher mein eigenes~unverzeihliches~ Verhalten, weswegen ich weiterhin denke, dass Vergebung eher Gleichgültigkeit und ein Beiprodukt sein sollte, als dass es der Schlüssel zu irgendeiner anderweitigen Absolution sein darf. Womit ich meine: Ich kann beispielsweise meinem Vater nicht vergeben, weil ich damit sagen würde, dass sein Handeln auf irgendeiner Ebene verständlich oder richtig oder in Ordnung war, was es für mich leicht machen würde, zu rechtfertigen, wieso ich so ein kaltes Stück zu meiner Schwester bin.

Aber das stimmt nicht.

Ich bin ein kaltes Stück zu meiner Schwester, weil ich in ihr all meine Fehler sehe, und das ist hart. Reflektion ist hart. Zu akzeptieren, dass sie meine Ratschläge nicht annehmen wird, dass sie meine Fehler wiederholt -und das in einer so wagemutigen Perfektion, dass mir ganz übel wird, wenn ich daran denke- dass sie auf so vielen Ebenen unangenehme Dinge sagt, weil sie nun einmal in das Alter kommt, in dem man solche Dinge sagt; ich bin zu störrig, und mein Verhalten ist nicht akzeptabel, und irgendwann sollte sie wohl dastehen können, und sagen, dass sie das nicht vergibt.

Aber natürlich bin ich zu egoistisch, um mir wirklich zu wünschen, dass sie mich irgendwann so hasst, wie ich Menschen hasse; und natürlich bin ich nicht wie mein Vater. Ich bin da. Ich bin vielleicht abweisend und ein kaltes Stück, aber ich bin da, und ich mache Essen, oder ich kaufe für sie ein, oder ich bringe sie zur Schule, oder ich helfe ihr, für Geschichte zu lernen, oder ich male ihr zwischendurch ein Bild, oder ich schenke ihr Manga, von denen ich weiß, dass sie sie lieben wird, weil ich sie genug kenne, um zu wissen, was sie mag. Oder ich wünsche ihr Alles Gute zum Geburtstag. Oder.

Aber das ändert nichts. Ich bin ein kaltes Stück zu ihr, und sie sollte irgendwann an den Punkt kommen, an dem sie sagt, dass sie mehr verdient hat, als für meine Kindheits– und Jugendsünden gerade stehen zu müssen.

Bestimmte Dinge muss ich wohl verzeihen. Was schwer ist, weil einer meiner vielen weiteren Namen „Nachtragend“ ist, aber die Dinge, die Menschen gemacht haben, die ich verinnerlicht habe als eigenen Makel und Schandfleck.. diese Dinge muss ich für mich selbst vergeben können. Weil ihre Intention keine schlechte war, oder weil sie einfach nur unbedacht gehandelt haben, oder weil sie vergessen haben -für einen kleinen Moment- dass ich ein Mensch bin und ihr Handeln Konsequenzen hat. Meine wirklich schwer gestörte Sexualität ist ein Resultat einiger Dinge, nehme ich an. Um sie trotzdem als Teil von mir anzunehmen -egal, ob sie Resultat dieser Dinge, oder angeboren ist- muss ich wohl die Situationen verarbeiten und vergeben.

Das wird natürlich niemals passieren, aber es wäre der eigentlich wünschenswerte Prozess. (Alternativ werde ich es einfach nur verdrängen, dankeschön.)

Aber andere Dinge darf ich nicht verzeihen. Ich darf meinem Vater nicht verzeihen. Was er gemacht hat war nicht in Ordnung.

Was ich mache ist nicht in Ordnung.

Und die Menschen haben ein Recht, uns diese Sachen nicht zu verzeihen, oder uns dafür zu hassen, oder uns für einen Teil der Folgen verantwortlich zu machen.

Der Beweis dafür, dass ich gelebt habe, kann nicht die Anzahl der von mir hinterlassenen Narben sein.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

Ein Gedanke zu „#12 but the fire is coming“

  1. Ich bin da vollkommen auf deiner Seite! Wichtig ist, finde ich, aus welchen Gründen manche Dinge etwas tun/nicht tun/sagen/nicht sagen, etc. Du weißt, was ich meine. Und auch hier ist natürlich immer die Situation wichtig. Was soll verziehen werden. In wie fern hat das, was passiert ist, einen Einfluss auf mich.
    Ich kann meinem Arbeitskollegen leicht verzeihen, wenn er mich an nem schlechten Tag mal grundlos angemotzt hat. Was ich nicht verzeihen kann ist, das der andere sich über Jahre hinweg auf Kosten meiner psychischen und physischen Gesundheit ausgeruht hat. Das er jetzt einen Herzschrittmacher bekommt, bewirkt bei mir genau 0 Mitleid oder sonstwas. Ich hasse ihn nach wie vor, das werde ich weiterhin und sollte er noch bei uns arbeiten, wenn er das Zeitliche segnet, werde ich den Teufel tun und gut über ihn sprechen.

    Man kann nichts verzeihen, wenn das Gegenüber nicht einmal einsieht, was er oder sie angestellt hat. S. hat mich 5 Jahre lang kaputt gemacht. Irreparabel. Die Folgen spüre ich, nicht sie. Verzeihen? Niemals.

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