#7 within this childish madness;

Ich muss Dinge beantragen. Das Problem mit meinem Wunsch, selbst in der Lage zu sein, Dinge zu machen, ist, dass ich sie jetzt auch machen sollte.

Zum Beispiel Schüler-BAFÖG beantragen, von dem ich zum Schluss vielleicht zwölf Cent behalten kann, sobald das Amt alles weggestrichen hat, was wegzustreichen ging; was ich aber dennoch beantragen muss, weil eine schulische Ausbildung hier im Ort und in der Umgebung 5.500 Euro kostet und auch zwölf Cent mehr etwas für arme Kirchenmäuse wie mich sind. (Exklusive Lehrbücher etc.) Das ist ein großer Spaß! Ich finde es super, dass es zwischen arm und reich keine Unterschiede in Deutschland gibt! Akademische Gleichberechtigung!

Um Schüler-BAFÖG zu beantragen, müssen die Eltern ebenfalls Dinge ausfüllen. Ich müsste also zu meinem Adoptivvater gehen (wo auch immer er nun wohnt) und ihn darum bitten, nur, damit er es dennoch nicht ausfüllt. So wie er es schon immer getan hat. Die Frau beim Amt hat mir einen wunderbaren Zusatzzettel gegeben:

Hiermit versichere ich, dass ich

[ ] zu der Person meines Vaters _____________
[ ] keine näheren Angaben machen kann,
[ ] der Aufenthaltsort ist mir nicht bekannt,
[ ] die mir zuletzt bekannte Anschrift meines Vaters lautet: ______________
[ ] auch kenne ich keine Kontaktpersn, die mir notwendige Hinweise/Auskünfte geben kann,
[ ] ich erhalte Unterhaltsleistungen von dem Elternteil, dessen Aufnenthaltsort mir nicht bekannt ist:

[ ] in Höhe von ____ € monatlich
[ ] ich erhalte keine Unterhaltsleistungen.

Ich versichere, dass diese Erklärung wahrheitsgemäß und vollständig ist und ich jede Änderung unverzüglich melden werde.

Ich nehme alles zurück. Ich möchte nicht selbst Dinge machen. Ich möchte nicht in einen depressiven Schub rutschen, nur, weil ich mich mit ehemaligen Erziehungsberechtigten auseinandersetzen muss, die mich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen haben, als ich an Wert verloren habe. (Und dabei noch mein Sparkonto leergeräumt. Danke, Papa, das Geld hätte ich bestimmt eh nie gebraucht.)

Am Sonnabend habe ich mich gegen ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus ausgewiesen, und das ist alles, was ich an Verantwortung übernehmen möchte.

Ich hab kein Interesse daran, mich vor meinen Kollegen dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich Dinge gemacht habe, die ich gar nicht gemacht habe, nur um dann scheinbar frech genannt zu werden, weil ich diese Dinge klarstellen wollte. Dieses ganze „erwachsen“ Ding ist mir über den Kopf gewachsen (was nicht schwer ist, wenn man die 1,60m Marke nicht erreicht, ich weiß) und um ganz ehrlich zu sein, sehne ich mich gerade nach Anfängen. – Wofür ich im Übrigen dankbar bin. Es gab eine Zeit, da wollte ich Ende um Ende, weil es mir zu viel wurde. Und ich möchte auch jetzt manch ein Ding beenden, aber danach möchte ich nicht zwangsläufig Stille und Schlaf, sondern Anfänge. (Im Moment will ich nur schlafen und Geld, aber es geht ums Prinzip..)

Ich hab kein Interesse daran, Dokumente auszufüllen, um Geld zu bekommen, (oder eben auch nicht) das ich dringend brauche, um irgendeine Version von Zukunft zu haben, wenn Leute mit weitaus mehr Geld weitaus weniger tun müssen, um dieselben Fördermittel zu bekommen – für Ausbildungen, bei denen sie vergütet werden, die Ärsche.

Ich hab kein Interesse daran, mich mit irgendwelchen Leuten rumzustreiten, weil sie kleinkariert sind, oder zu einem meiner Lieblingsschüler Abschied zu nehmen, oder nie mehr als 100 Euro im Monat dazuzuverdienen, weil ich Aufstocker bin, oder-

Dieses Erwachsensein wird so unglaublich überbewertet.

Und ich bin, wenn ich krank bin, immer so unglaublich undankbar. *seufz*

Ich huste mal noch ein bisschen auf meine Formulare hier. (Ich soll Kopien vorlegen von: allen Steuerbescheiden 2014, Verdienstbescheiden oder Lohnzetteln 2014, Bescheinigung über den Bezug von Krankengeld, Bewilligungsbescheide über ALG II 2014, Rentenbescheide, Witwenrente, Erwerbsunfähigkeitsrente, Altersrente, Einkommensnachweise für Geschwisterkinder wie Ausbildungsvertrag/Studiennachweis, aktuelle Rentenbescheide 2016 und der Geschwisterkinder bei Halbweisenrente, Kopie Girokonto, Sparbücher bzw. anderer Freistellungsaufträge, Vermögensauflistung (Bargeld, Sparguthaben, Bauspar- und Prämiensparguthaben, PKWs, Altersvorsorge, Miteigentum und Eigentum von Grundstücken, Wertpapiere, Betriebsvermögen, Lebensversicherungen, etc.) und so weiter. Ähnlich sollen das wohl auch meine Eltern machen. Was ein Spaß. Oh Deutschland.)

 

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

5 Gedanken zu „#7 within this childish madness;“

  1. Hmm – was soll man dazu sagen. Ich musste jetzt was schreiben (und ich hab das bisher maximal 2mal gemacht in meinem Leben), aber ich komme gerade aus einer Situation, in welcher ich ein ähnliches System erfahre und gleichzeitig bei mir entdecke. Aus welchen Gründen deine Familie dich auch immer im Stich gelassen hat – DU hast dein Leben in der Hand und nur DU kannst irgendetwas erreichen und nur DU kannst allen zeigen, dass es auch anders geht. Wenn du dich hängen lässt, was deine Motivation mit dem Papierkram betrifft, und wenn du nicht so richtig klar kommst und glaubst, dass dir alles über den Kopf wächst – dann bist du nicht allein mit diesem Gefühl auf der Welt. Und ehrlich gesagt, gibt es schlimmere Schicksale, auch wenn deines nicht schön ist. Meine Kindheit und Jugend war anders, und ich hatte andere Probleme. Und weisst du was? Jedem erscheinen die eigenen Probleme als die schlimmsten, die es gibt, bzw. man fühlt sich, als ob sie unbewältigbar wären und es geht einem furchtbar elend. Aber das geht eben allen irgendwann mal so. Sicher auch deinem Vater. Und wenn man sich in dieser Situation hängen lässt, was glaubst du, was du damit änderst? Nichts. Stillschweigend nimmst du solche Situationen in Kauf. Und Schweigen stimmt zu. Der Kampf ist nicht leicht – sonst wäre es auch kein „Kampf“. Aber nur so kannst du zeigen, dass es eben anders geht. Geh mit gutem Beispiel voran und weisst du was? Auch wenn du das schaffst – danken wird es dir keiner. Es wird dich auch keiner loben und sagen: Super, dass du das alles so hinbekommen hast – Klasse, dass du deine Schnürsenkel selbst binden kannst – Und das Studium? Toll wie du das machst…. Aber eben wie Millionen andere auch. Relativ gesehen soll das ein Erfolg sein? Wenn, dann nur für dich. Schöpfe aus diesen Situationen Kraft und Mut, anstatt sich dieses hierdurch rauben zu lassen. Beiss die Zähne zusammen und pack’s an! Das ist deine einzige und wahre Chance. Trotzdem fand ich deinen Seelenstrip mitreißend und unglaublich einnehmend. Schön, dass du so über deine Gefühle schreiben kannst. Ich hoffe, es befreit dich von deinen Blockaden und du gehst es jetzt an! Viel Erfolg!

    1. Das ist lieb von dir. ;) Aber war nicht nötig – Ich hab kein Interessse daran, die Dinge zu schmeißen, empfinde mein Leben nicht als tragisch, und bin derzeit auch nur mittel- bis leichtgradig depressiv, weswegen mein Gehirn mehr oder weniger kooperativ ist. (Was immer eine Frage der Perspektive ist, ich weiß, aber wer eine Lebenserwartung von 5 Jahren hatte, der sieht das meistens sowieso etwas skurriler ;P) – Aber ich war übers Wochenende im Krankenhaus, und danach mecker ich prinzipiell gerne rum. (Mein Neuro-Aufenthalt wegen der eventuell-MS war noch meckriger, haha ;)) Dankeschön für deine Erfolgswünsche.

        1. Der Tag begann schon 4.45 ;PP – Ich war sogar schon auf Arbeit, um mich abzumelden und geh jetzt zum Arzt. *Haar hinterwerf* *Kopf greif, weil Migräne* *mecker mecker mecker* ;)

  2. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon geschrieben hab, dass ich nicht weiß, was ich schreiben soll, ohne dass es doof oder kitschig oder heuchlerisch anhört, weil ich eben kein sonderlich toller Kommentarschreiber bin und irgendwie klingt das trotzdem total kitschig, aber: Ich bin stolz auf dich, dass du das so hinkriegst. Keine Ahnung, ob dir das was bringt, gute Gefühle oder so’n Schmu.

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