#6

Man soll sich hinterfragen.

Ich saß gestern sicher eine halbe Stunde auf dem Balkon und habe darüber nachgedacht, ob ich die moralische Verpflichtung hätte, als Koch meine früheren Opfer darüber zu informieren, dass ich mir nicht immer die Hände gewaschen habe, als ich ihr Steak zubereitet habe.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle zurückspulen und das Ganze etwas erklären..

Ich hatte eine ganz spezifische Situation im Kopf, aber da ich die nicht ansprechen möchte, musste ich aus mir einen Koch für diesen Beitrag machen. Also bin ich gerade ein von Gewissensbissen zerrissener Koch, der realisiert, dass er auch kein Urinsteak essen möchte und sich fragt, was genau in einer solchen Situation gemacht werden sollte.

Der erste Schritt ist natürlich, sich von dem Zeitpunkt an immer die Hände zu waschen. Aber sollte man sich entschuldigen? Würde man das für sich oder die Anderen machen? Entschuldige ich mich jetzt, damit es mir besser geht, oder weil ich denke, dass es das Richtige ist?

Und wenn ich mich dazu entscheide, mich nicht zu entschuldigen, weil es frühere Gäste nur traumatisieren würde -oder das Restaurant schließen und all meine Angestellten ihren Job verlieren würden- ist das dann eine Entscheidung, die ich treffen darf? Ist die Tatsache, dass ich erleichtert bin, nicht dazu stehen zu müssen, (ist dem überhaupt so?) ein Grund, wieso ich mich doch entschuldigen sollte? – Aber sollte ich für meine eigene Charakterentwicklung tatsächlich doch meine ehemaligen Gäste traumatisieren? Nur, um mich schlecht zu fühlen, als wäre „sich schlecht fühlen“ das Ziel?

Weitergehend, was sagt es über mich aus, dass ich denke, dass die Konsequenzen meiner Taten automatisch unbequem sein müssen, um richtig zu sein? Was sagt es über mich aus, dass die bequemen Konsequenzen (sich nicht entschuldigen, nur das Verhalten ändern) mich mit Misstrauen füllen?

Man soll zu erst ein Ziel festlegen. Ich möchte, als Koch, wissen, wie ich zukünftig zu handeln habe, wie/ob ich es wieder gut machen kann. Aber diese Ziele sind sehr stark verbunden mit der Tatsache, dass wir Europäer scheinbar denken, dass fünf Vater Unser uns in den Himmel bringen; nur manche Schäden kann man nicht entschädigen, weil sie nun einmal permanent sind. Mit manchen Dingen muss man leben. Ich hab mir mein Bett gemacht, und jetzt sollte ich darin auch liegen lernen.

Diese Gedankenkette endet nicht. Ich musste aufhören und reingehen, und habe währenddessen darüber nachgedacht, wie viel es wohl meine Faul- und/oder Dummheit ist, die mich in mein Bett drängt, nur um dann zu hinterfragen, was daran schlimm sein soll, oder eben auch nicht. Es hört nicht auf.

Ich würde gerne meinen Grundschullehrern auf den Fuß treten, dafür, dass sie dachten, uns -spezifisch mir- erklären zu wollen, wie wichtig es ist, Dinge zu hinterfragen, nur um dann jede Form von Skepsis zu verschmälern und zu belächeln. Ich kann so viel besser hinterfragen als ihr, und diese zwanghafte Neigung lässt mich wundern, wieso genau ich überhaupt hinterfragen muss.

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6 Kommentare zu „#6

  1. Ich finde es immer schwierig, wenn die Konsequenzen aus meinem Handeln, auch anderen Nachteile bringen. Also in deinem Fall wären es die Angestellten des Restaurants. Da würde ich wohl sagen: Nein, ich gebe mein Fehlverhalten nicht zu, denn dann hast du ein schlechtes Gewissen nur wegen deines Handelns, nicht auch noch, weil andere darunter jetzt leiden müssen.
    Aber die Situation ist wirklich nicht leicht. :/

    1. Zumal man ja auch da immer im Hinterkopf hat: Klar, das ist *ein* Grund, wieso ich es nicht melde, aber ist das der einzige Grund? Und zum Schluss wird man das wohl mit sich vereinbaren müssen, und sich dahin trainieren, dass man zukünftig tatsächlich NUR aus solchen Gründen diese Entscheidungen trifft. Denn ein Zusatzgrund könnte immer sein, „Ich möchte mich nicht mit Konsequenzen rumschlagen, vor allem nicht im sozialen Bereich.“ (Sprich, dass Leute einen verurteilen, weil man sich nicht die Hände gewaschen hat, etc.)

      Das ist das Kind in mir, dass es doof findet, noch gestraft zu werden, wenn es bereits daraus gelernt hat, glaube ich. Denn zu dem Zeitpunkt, zu dem man zugibt, einen Fehler gemacht zu haben, ist der Lernprozess ja schon beendet. Man hat bereits realisiert, dass es falsch war, und wird hoffentlich die moralischen Standards haben, daraus resultierend oben erwähntes Verhalten nicht zu wiederholen. Habe ich mit sieben schon furchtbar empfunden, und bis heute schaffe ich es nicht ganz, mir das abzutrainieren. ._.‘

      1. Und oft nagt es ja auch noch sehr, sehr lange an einem selbst. „Wie konntest du das nur machen?“ Finde ich sowas von ätzend. Und wenn dann aber noch Standpauken und ewige andere „Strafen“ dazu kommen, dann macht es das nur noch schlimmer. :/

        1. Wenn man vom Teufel spricht: Ich durfte letzte Woche bei einem meiner Nicht-Chefs antreten, und mir eine Standpauke anhören. Für etwas, das so, wie dargestellt, noch nicht einmal passiert ist -und wofür ich bereits von einem anderen Nicht-Kollegen einen vor den Latz bekommen habe. Aber zu diskutieren würde es in solchen Fällen nur noch schlimmer machen.. *seufz*

          1. Es ist so ähnlich passiert. Aber hätte ich es erklärt, wäre es nur als „Rausreden“ aufgefasst wurden. Selbst das, was ich gesagt habe, wurde völlig missverstanden. *seufz*

            Jetzt bin ich schon in einer anderen Klasse (N. hat jetzt nämlich einen Integrationshelfer bekommen! Sogar einen Mann! :o) und trotzdem verfolgt man mich. ;)

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