#32 everything looks grey: grey city, grey buildings, grey roads, grey rain.

Ich bin ein wenig ausgebrannt.

Nicht falsch verstehen, die einzigen Momente, in denen ich komische Dinge denke, sind weiterhin die, in denen ich neugierig bin, was passieren würde, wenn. (Etwas, das laut verschiedener Onlinebögen auf Persönlichkeitsstörungen hinweist..) – Wo mir einfällt; ich habe irgendwo mal gelesen, dass man wohl oft einen Impuls empfindet, zu springen. Nicht, weil man suizidal ist. Einfach aus Gründen. (Gründe, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.. Was mich gerade verrückt macht.)

Das Wetter macht mir zu schaffen. Die Menschen machen mir zu schaffen. Ich höre die falsche Musik, und ich hasse all die bescheuerten Bücher, mit ihren bescheuerten Charakteren, die alle gesund und so unwissentlich amerikanisch sind in ihrer Überzeugung, dass Waffen etwas Essentielles sind.

Ich habe die letzten Wochen mehr oder weniger erzwungenermaßen über ein paar Dinge nachgedacht. – Mein nichtvirtuelles Leben hat übrigens ein bescheuertes Timing und genau da zugeschlagen, als ich an einem Tiefpunkt war.

Vor vielen, vielen Jahren (ungefähr vier, psht) konnte ich auf meinem alten Blog nicht darüber schreiben, dass ich bulimisch bin. Ich weiß nicht, wieso genau, und ich bin mir auch nicht sicher, wie genau ich dieses Verhalten (oder die Tatsache, dass ich mich verändert habe) im Nachhinein bewerten soll.

Derzeit geht es mir ähnlich.

Ich hab eine neue Kategorie gefunden.

Und hier möchte ich einmal einfügen, dass meine Hassliebe für Schubladen weiterhin kein Ende gefunden hat. Die Mehrheit der Leute, die ich kenne -inklusive mir- regt sich ja liebend gerne über Schubladendenken auf, aber dann möchte ich uns mal ohne unsere Label sehen. Was, wenn man nicht mehr X ist?

Diese neue Kategorie.. fühlt sich gut an. In einer besseren Welt, in einer vernetzteren Welt, in einer zugänglicheren Welt, würde sie sich sogar perfekt anfühlen. Aber so.. fühlt sie sich gut an. Und schlecht. Furchtbar schlecht. Es fühlt sich ein wenig so an, wie auf Diät zu sein und eine Hose zu finden, die perfekt passt.. in einer Größe, die nicht mit der Tapete übereinstimmt, von der man sich die letzten fünf Wochen ernährt hat.

In meinem Kopf ist ein Sturm, und solange er wütet, fühle ich mich in dieser Kategorie beinahe wohl, weil ich endlich etwas habe, das zutrifft. Ich habe Zuckungen und Kopfschmerzen, weil alle drei Sekunden neue Erinnerungsfetzen ihren Weg in mein Bewusstsein hämmern, aber dadurch, dass die Säcke Staffel laufen, sind sie meistens zu schnell weg, um daran kleben zu bleiben. Es wird statisches Rauschen. Nervig, aber nichts, was Ibuprofen nicht irgendwo dämmen könnte. Ein, „das erklärt es alles,“ wenn man so will, und ich würde sagen, es geht über die menschliche Sucht nach Selbsteinschätzungstests hinaus, wie gut es tut, sich kurzzeitig irgendwo wiederzufinden; aber dann wird es still und ich realisiere, dass diese Kategorie keineswegs die ist, die ich mir für mich wünsche, oder mit der ich mich wirklich anfreunden kann.

Sie ist wie die gelbe Haut, die ich nicht von mir ziehen konnte, und die Augenform, gegen die auch kreatives Lidstrichführen wenig macht.

Keine Kategorie, die mit irgendwelchen Privilegien zusammenhängen würde. Eine, die ich nicht aussprechen möchte. Eine Kategorie, die zu Fragen führt, oder zu Stille. Eine Kategorie, die eventuell nur eine Folge der Entscheidungen anderer Menschen gewesen ist. – Kein „Ich entscheide mich dafür, nicht wählen zu gehen,“ sondern ein „Ich wurde am Stuhl festgebunden, als ich mich für die Wahl hätte registrieren sollen, und jetzt kann ich nicht hingehen, während alle anderen ihr Ding machen und ihr Kreuzchen setzen,“ und es ist lächerlich, aber es stört mich so sehr.

Sie liegt mir auf der Zunge. Ich möchte jedem sagen, dass ich der Kategorie zugehöre, aber ich kann einfach nicht. Ich kann mir die Fragen nicht antun. Oder die laute Stille. Oder die Theorien. Oder all die Dinge, die sich verändern könnten. Es herrscht weiterhin Sturm.

Ich habe mich daran gewöhnt, wie ich aussehe, und dass das Nachteile mit sich zieht. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich krank bin, und dass meinen Alltag unglaublich beeinflusst. Aber diese Kategorie fühlt sich wie eine Krankheit an ohne eine zu sein. Weil ich das Gefühl habe, infiziert worden zu sein, anstatt geboren, und reden wir gar nicht erst von Entscheidungsgewalt.

Ich bin einerseits ekstatisch. Eine Kategorie. Ein Ausgangspunkt. Aber dann realisiere ich, dass es kein Anfang ist, sondern ein Ende. Der Strich unter der Rechnung. Mein offizieller, „Daraus wird nichts,“-Stempel.

Und der Sturm ist zu laut, und das Leben viel zu kompliziert, um herauszufinden, ob diese Kategorie wirklich ich bin, oder nur die Dinge, die mir widerfahren sind.

Abnormal. Es fühlt sich abnormal an. Ich fühle mich abnormal an. Und jeder Mensch, der an mir vorbeigeht, ist laufende Neonreklame.

Es ist nicht die Kategorie, es ist alles, was ich damit assoziiere, und das ist furchtbar. Und es tut mir sehr Leid für all die Anderen in dieser Kategorie- ich weiß, dass ich gerade kein klasse Mensch bin. Es ist sicherlich nicht tröstlich, zu hören, dass ich nur mich als abnormal empfinde?

Ich glaube, ich erinnere mich daran, wieso ich nicht darüber sprechen wollte, dass ich bulimisch bin. Es war mir peinlich. Ich habe mich schwach gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass mein Normalgewicht und meine ~angebliche Essstörung~ nicht zueinander passten.

Diese Kategorie passt. Und ich möchte sie wirklich lieben, aber ich sehe keine Möglichkeiten, die Dinge, die ich langfristig, in einer abstrakten Zukunft, eventuell gewollt hätte, zu bekommen, während ich mich in dieser Kategorie befinde. Und es erscheint, als wäre es ein sehr permanenter Aufkleber. Einer, den mir andere Leute auf die Stirn geklebt haben.

Ich hab offiziell angefangen, einen -ismus zu internalisieren. Man hätte ja gedacht, damit hätte ich aufgehört, aber neue Kategorien bieten neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel, sich aus ganz neuen Gründen wie ein menschenförmiges Desaster zu empfinden, einfach, um die eigenen Selbsthass und -mitleid Horizonte zu erweitern.

Wir auf formylittledecoy dot wordpress dot com legen Wert darauf, uns weiterzubilden.

– In der Hoffnung, mich in vier Jahren nicht für eine Kategorie zu schämen, die eigentlich ganz schön wundervoll ist, und mit Sicherheit keine Krankheit;

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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