#28 in the end there’s only clouds in darkness;

Ich habe mich gestern oder vorgestern mit einer Diaspora*-Vietnamesin aus Ohio unterhalten. Sie spricht Vietnamesisch nicht sehr gut, und meinte, dass sie meine Frustration verstehen kann. (Ich möchte gerne Vietnamesisch sprechen lernen, so als Anfang, seit Jahren. Leider gibt es dafür keine Möglichkeiten, und scheinbar ist dem nicht nur in Deutschland so.)

Es macht viele Leute sehr wütend, wenn ich sage, dass ich Asiatin bin. Oder Deutsche. – Würde ich sagen, dass ich hungrig und müde bin, würde es sie nicht so sehr stören.

Habe ich jetzt meinen Magen verraten, weil ich gleichzeitig auch müde bin? Ich furchtbarer Mensch.

Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass sie jemals verstehen werden, wieviel Frustration es in einem Menschen auslösen kann, wenn er von seiner eigenen Genetik entfremdet wird.

Sind meine deutsche und vietnamesische Herkunft nur Formalitäten? Was genau bin ich dann?

Ich könnte mich schwerdepressiv schreiben an diesem Thema. Man kann es nicht mal ansprechen, ohne seltsame Blicke zu bekommen. „Es gibt größere Probleme auf der Welt,“ und „Das bildest du dir nur ein,“ oder andere Plattitüden. Sehr hilfreich, danke.

Ich würde eher Verständnis dafür empfangen, Kinder mit Steinen bewerfen zu wollen, als für den Kabelsalat von Gründen, durch die ich mich unweigerlich isoliert fühle. – Und wenn ich ehrlich bin, schaffe ich es nicht einmal, die Kabel auseinanderzuwirren, weil es so viel schlimmer wäre, die Worte nie sagen zu dürfen.

Was für ein bescheuertes Privileg, diese Zugehörigkeit, und wie sehr ich es hasse, dass ich nicht zurückreisen kann und der zwölfjährigen Patricia sagen, dass das keine Einbildung ist. – Dass es für meine Mitschüler selbstverständlich war, und deswegen ein Privileg. Dass es für die Vietnamesen selbstverständlich war, und in diesem Kontext ein Privileg.

 

Es ist ein sehr wohltuendes Gefühl, jemanden neben sich zu haben, der die gleichen Pflaster an den gleichen Stellen kleben hat, möchte ich wetten.

Heute also auf der Suche nach jemandem mit meinen Pflastern.

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9 Kommentare zu „#28 in the end there’s only clouds in darkness;

  1. Ich glaube, fast immer ist es tröstlich, wenn jemand die selben Pflaster trägt. Ich kann deine leider nicht nachempfinden, weil, da gibt es nicht zu drehen, ich habe echt „Glück“ gehabt.
    Alle 4 Jahre, wenn ich den Weg zur Wahlurne schaffe, gehöre ich einer Minderheit in diesem Land an, das wars.

    Aber warum ist es denn so schwer, Vietnamesisch zu lernen? :/ Wie können wir dir da helfen?

    „Es gibt größere Probleme.“ „Stell dich mal nicht so an.“ „Anderen geht es noch schlechter als dir.“ Das sind wohl die Äquivalente zu „Du musst mehr raus gehen.“ Für die nicht depressiv-sozialphobieischen Probleme, oder?

    1. Ich erinnere mich an einen Artikel darüber, zum Beispiel weißen cisMännern, die arm sind, zu erklären, dass es einen Unterschied gibt, zwischen ihrer Situation und der von ganzen Völkergruppen. Dass Reichtum zwar auch ein Privileg ist, aber Armut bei Weißen häufig Unglück und nicht Folge eines kaputten, korrupten Systems ist, oder eine andere Form von Unterdrückung, zB aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, einer Krankheit/Behinderung etc.. — Damals fiel mir sehr deutlich auf, dass es ohne Manipulation bei den Meisten nicht geht. Dass man sie in eine Ecke drängen muss, aus der heraus sie sich profilieren wollen. (Bei den ganz einfach gestrickten mit Opferhaltung reicht meistens schon, „Du bist Linkshänder, richtig? Kunst- und Musikunterricht, selbst normaler Deutschunterricht, in unseren Schulen ist nicht darauf angepasst. Vor ein paar Jahrzehnten maximal war es sogar absolut normal, Linkshänder umzuerziehen. Rechtshänder bekommen nicht einmal mit, wie viel günstiger und einfacher es ihnen gemacht wird. Keine besonderen Füller, kein Umsetzen, jeder Block perfekt für unsere Händrigkeit angefertigt.“ usw.)

      Wenn denn wenigstens anerkannt werden würde, dass ich Pflaster brauche. Aber da ist scheinbar nicht mal eine Schürfwunde. (Und sich dagegen auszusprechen, bedeutet ja auch zwangsläufig, dass ich alle Deutschen hasse.. Weil.. genau.. ??)

      Ja, ist irgendwie blöd. Es gibt keine Seiten dafür. Duolingo, memrise usw. bieten keine (guten) Kurse an, es gibt hier keine Gemeinde, bei der ich mich einklinken könnte und so weiter. Tja. Lerne ich eben stattdessen Koreanisch oder Arabisch und zeige allen den Finger. /seufz Koreanisch könnte ich zumindest aussprechen und das Alphabet…… Ist mehr als ich zu meinem Vietnamesisch sagen könnte. (Ich kann die û usw Töne alle nicht aussprechen. Oder kh. WIE??? WARUM SO SCHWER???) — Sie selbst, also die Frau, mit der ich gesprochen hatte, lebt ja in den Staaten, aber hat selbst noch nicht geschafft, über A1/A2 Level zu kommen. Das ist so unvorstellbar für mich. Wobei ja auch Japanisch und Koreanisch eher verbreitet sind, weil die ganzen Weeabos und Koreaboos ihren „Oppa“s „Saranghaeeee“ entgegenschreien wollen, oder „DAISUKE!!!“ etc. Yay, Fetischisierung!

      Möglich. Wobei ich ebenfalls höre, ich solle öfter rausgehen. Von Frau K. kam das auch regelmäßig. Kann also sein, dass ich da manche Sachen überschneiden.

      Hab Bauchschmerzen, nichts macht Sinn, was ich schreibe, sorry. ._. (Und mein Smartphone ist weiterhin etwas seltsam. Überlege, ob die „2 Jahre“-Verschwörungstheorie doch zutrifft, und alles beabsichtigt früh kaputt geht.. Ich will die unzerstörbaren Nokias zurück..)

      1. Das mit den fehlenden, guten Kursen ist ja wirklich blöd. :/
        Du musst mir übrigens irgendwann mal Sarangaeeee und Daisuke übersetzen. ;)

        Einer meiner Arbeitskollegen ist linkshänder, mitte 40. Und ihm sollte in der Schule auch noch beigebracht werden, mit der rechten Hand zu schreiben, etc. Es ist also wirklich noch nicht so lange her.

        Vor ein paar Monaten postete ein Kollege auf FB einen Bericht über Aramäer in der Türkei. Dort kam unter anderem ein arbeitsloser Anwalt zu Wort, der in der Türkei nicht praktizieren darf, weil er Aramäer ist. Ich glaube, daran sieht man gut, dass es einen Unter schied macht, ob ich aufgrund der wirtschaftlichen Lage keine Arbeit finde oder weil ich als Aramäer, Afrikaner, Homosexueller oder was auch immer auf die Welt gekommen bin. Oder als Nicht-Arschkriecher. Oder in Vorstellungsgesprächen ehrlich antwortender Mensch.
        Diese Zustände werden aber so gut es geht tot geschwiegen, als absurd abgetan oder durchs Dschungelcamp und Titten in der Bild aus den Köpfen verbannt.
        Man sagt dann gerne:“Du musst dich nur mehr anstrengen.“

        Stelle ich mir gerad bildlich vor, wie dieser Mensch mit hochrotem Kopf und geballten Fäusten daheim steht und versucht, nicht mehr aramäisch zu sein.

        Mama bekommt vielleicht zu Weihnachten ein Smartphone. Magst du vielleicht ihr altes Nokia haben? Kann gerne mal fragen. :)

        1. Wenn man als jüngeres Mädchen einem älteren Sänger (männlich) sagen möchte, dass man ihn liebt, dann sagt man vermutlich „Eoppa, saranghaeyo.“ Ist Koreanisch. Auf Japanisch würde man eher „Ich mag dich,“ sagen, was „Daisuke“ ist, wobei ich annehme, dass es da auch einige koi/aisheterus gibt. Da weiß ich leider nicht, wie man es richtig schreibt.. Koreanisch ist 사랑해요 und da weiß ich, wie man es romanisiert. Hmm.. Egal. Zumindest beides einfache Sprüche, die Fans gerne ihren Sängern entgegenschreien..

          Nicht-Arschkriecher würde ich da aus der Liste eher ausnehmen. Weil, wenn du schwarz bist und kein Arschkriecher wird alles, was du tust, viel härter bewertet als bei deinem weißen, ebenfalls Nicht-Arschkriecher-Kollegen. — Man kann sich ja anders benehmen, wenn man das wollte, aber seine Hautfarbe, sexuelle Orientierung etc kann man einfach nicht ändern. Das war auch ein Problem, worum es in dem Artikel ging: Privilegien im Zusammenhang mit Unterdrückung haben eine andere Dynamik als einfache „Nachteile,“ und so weiter. Wenn man also Arschkriechertum und weiße Haut auf eine Stufe stellt, dann unterstützt man damit ungewollt all die weißen, gesunden, cishet Männer, die so tun, als ob die Probleme von bspw schwarzen transFrauen eigenverschuldet sind. (Während wohl Beispiele wie Händigkeit (mit Erwähnung, dass es auf einer anderen Skala ist) effektiver sind, da man ebenfalls damit geboren wurde und so weiter.)

          (Obwohl ich trotzdem denke, dass Ehrlichkeit oftmals bestraft wird und man zum Schluss blöd da steht, während jemand Anderes den Job oÄ bekommt, obwohl er weniger qualifiziert gewesen wäre. Aber das ist, als würde ich sagen, die Vietnamesen hier wären mir gegenüber „rassistisch,“ obwohl dem gar nicht so sein kann. Sie haben (bisher?) keine politische Macht, um mich und jeden *wie mich* zu unterdrücken, und haben das historisch gesehen auch nie getan. (Im Gegenteil, sie selbst waren häufig die Opfer irgendwelcher weißen Imperialisten.) Es wäre vielleicht horizontale Diskriminierung, aber die Kräftedynamik ist eben einfach zu unterschiedlich, um es ebenfalls Rassismus zu nennen, obwohl es im Kleinen ähnlich aussieht. — Bin da sehr kleinkariert, sorry. :D)

          Ist es denn eines ohne Farbdisplay, was auch vom Riesenrad fallen kann und überlebt? :D (Erinnere mich gerade an das Bild, „What Captain America’s Shield is actually made of,“ wo sie „rangezoomt“ haben, und es waren alles alte Nokias.)

          1. Ok, nehmen wir die Arschkriecher heraus. Obwohl ich die wirklich nicht leiden kann. :-D
            Mama müsste noch ein 3210 von Nokia haben. Aber ganz genau weiß ich es nicht.

            Zu dem Thema, dass jemand einen Job trotz geringerer Qualifikation bekommt, könnte ich dir ein klasse Beispiel nennen. Da war die Ehrlichkeit ein absolutes Hindernis. Aber ich weiß nicht, ob das hier der richtige Platz dafür wäre. :)

  2. Stell dir folgende Situation vor:
    Mensch absolviert in einem Beruf eine Ausbildung, schließt mit einem Gesamtschnitt von 1,9 ab. Bewirbt sich daraufhin in einer Abteilung des Unternehmens, weil die eigene geschlossen werden soll. Für die Akten wird ein Vorstellungsgespräch angesetzt, in dem die dämliche Frage „Warum sollten wir ausgerechnet SIE einstellen?“ gestellt wird. Mensch antwortet mit etwas, wie:“Boah, wie ich diese Frage hasse.“ Mensch bekommt daraufhin die Stelle nicht.

    Anderer Mensch arbeitet über eine Zeitarbeitsfirma schon seit Jahren in einem Job, den er nachweislich nicht beherrscht, wird aber durch Chef geschützt, weil Chef 2 mit Sohn des anderen Menschen sehr gut befreundet ist. Das der andere Mensch seine Aufgaben fast durchgehend nicht beherrscht, weiß auch Chef. Nach dem Vorstellungsgespräch wird dann der andere Mensch auf den Posten fest eingestellt, auf den sich der erste Mensch beworben hatte.

    Die Frage „Warum sollten wir ausgerechnet SIE einstellen?“, würde der andere Mensch erst gar nicht verstehen.

    1. HILFE! Was sind das denn für Zustände? (Obwohl mir da zu Vorstellungsgesprächen was einfällt.. Brauche ggf deine „Du bist erfahrener und weiser und all diese Sachen“-Hilfe.)

      Wobei es natürlich echt hammer kommt, zu sagen, dass man die Frage hasst. Das impliziert ja so gar nicht, dass der Fragende voll einen kleben haben muss.. Hah. Find ich super. :D

      Was ich mich frage, ist aber auch, was man darauf antworten soll. Ich hab da vor Kurzem mit einer Frau gesprochen, die beim Amt arbeitet und wohl auch viel damit zutun hat. Sie hat mir eine Horrorstory nach der nächsten erzählt, wie zB sie einem Mädchen helfen wollte/sollte, aber das Mädchen hatte dann per E-Mail den Termin abgesagt, denn sie haben sich schon „onleine“ beworben und das klappt so alles viel besser.

      Ich hatte sie dann gefragt, was sie prinzipiell empfiehlt, und sie meinte, dass man wirklich beinahe schon dreist sein muss. Es sei beinahe irrelevant, ob das übertrieben ist, denn solange man nicht regelrecht lügt, haut das hin, und da die Konkurrenz ebenfalls übertreiben wird, ginge es wohl gar nicht anders. In meinem Fall meinte sie, wäre das wohl dann irgendwann in ferner Zukunft noch einmal etwas schwieriger durch die lange Zeit, die ich krankgeschrieben bin.. Aber auch da meinte sie, sollte ich einfach über meinen Schatten springen und von all den Heldentaten berichten, die ich vollbracht habe, obwohl ich krank war. Ich fands unglaublich.

      Es gibt bestimmte Fragen, die ich verstehen kann. Es gab da mal diese komische Aufgabe mit einem Bleistift und Radiergummi, und wie teuer der Bleistift einzeln ist, wenn der Radiergummi X Prozent plus soundso viel günstiger ist oder was auch immer. (Warte.. Ich glaube: Gesamtpreis 1,10€. Und das Ergebnis war 95ct und 15ct? Aber was genau war die Aufgabe? Ohjee.. zu spät/früh.) Da ging es eher darum, zu sehen, ob der Bewerber einfach drauflos antwortet, oder erkennt, dass er tatsächlich rechnen muss etc. Oder bestimmte Szenarien. Aber.. „Wieso gerade SIE?“ ist so lächerlich. Man kennt ja die Konkurrenz noch nicht mal, dass man da wirklich etwas zu äußern könnte.. Meh.

      1. Naja, die einzig richtige Antwort auf die Frage wäre wohl so etwas, wie:“Weil ich das Geld brauche.“
        Ich glaube aber auch, dass in Vorstellungsgesprächen gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Und selbst wenn ich dann so Dinge sage, wie: Ich bin flexibel, bin ein Teamplayer und kann auch Verantwortung übernehmen… Woher möchten die Leute wissen, dass es tatsächlich so ist?
        Ich fände es daher schon hilfreicher, einem Bewerber bestimmte Szenarien darzulegen und ihn entscheiden zu lassen, wie er reagieren würde.
        Allerdings hatte ich bisher nur Ferienjobs, kann also über die Personalsituation in anderen Unternehmen nicht viel sagen. Aber bei uns gibt es wohl im Logistikbereich einige Mitarbeiter, die nicht lesen könne. Was natürlich in anderen Abteilungen zu Problemen führt.
        Ein Grund für die teilweise sehr schwache Ausbildung vieler Mitarbeiter ist bei uns aber auch der Irrglaube, dass man dem „Arbeiter“ an der Maschine alles mit Händen und Füßen erklären muss. Er muss ja nur schleppen und ein paar Knöpfe drücken. Die Realität sieht allerdings anders aus. Bin übrigens damals mit meiner Ehrlichkeit beim „Führungskräftenachwuchsentwicklungsprogramm“ in der ersten Runde gescheitert.
        Und ständig fragen mich alle, warum ich denn nicht meinen Meister mache und in der Hierarchie aufsteigen will. Ein Elend ist es manchmal.

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