#24

Gestern gegen Mitternacht kam plötzlich ein alter Schul“freund“ sichtlich betrunken bei mir an. Er war auf jeder Ebene furchtbar für mich. Zwei Bekannte sind mit ihrem Kind an uns vorbeigegangen (vermutlich war ein Familienfest) und haben sich sicherlich Dinge gedacht, über die ich nicht weiter nachdenken möchte. Er hat ein paar unüberlegte Sprüche gebracht, die mich ehrlich verletzt haben. Letzenendes war er so hackedicht, dass er beinahe angefangen hätte, sich an mich ranzumachen.

Die Zusammenfassung ist eigentlich nur, dass ich einmal mehr realisiert habe, dass man sich oft in der Situation befindet, dass (mehr oder weniger) schlimme Sachen gesagt oder getan werden, und man so getroffen davon ist, dass man sich dafür schämt, zuzugeben, dass sie einem gesagt wurden, oder dass sie einem passiert sind.

Und es hat sich mir erneut sehr klar gezeigt, dass Alkohol ein Problem ist. Während sich M. an mich ranmachen wollte, oder Spaß hatte, oder irgendwelche Stammtischpolitik vom Besten geben, und mir mansplainen (herrklären?), was es mit Gewerkschaften wirklich auf sich hat, hab ich mich ziemlich elend gefühlt. Aber das wurde ihm nicht klar. Denn Alkohol.

Ich erinnere mich daran, dass ein Tequilla wirklich die Stimmung steigern kann. Aber wer mindestens eine halbe Flasche Schnapps und sechs Bier trinkt, der weiß nicht mehr, dass neben ihm und seinem Bedürfnis nach Anerkennung noch andere Menschen mit einem Gefühlsleben existieren. Als ich ihn endlich rausschmeißen konnte, „denn nein, ich kann nicht schlafen, wenn jemand anders im Raum ist, nein, du kannst hier nicht übernachten, aber ich fahr dich nachhause, wenn du möchtest,“ musste ich mein Zimmer entlüften, so eine heftige Fahne hat er durch den Raum geschwungen.

Und als er meinte, „Patricia, irgendwann werden wir heiraten und dann guckst du dumm aus der Wäsche und ich sage dir, ‚Habs dir ja gesagt,'“ dachte ich nur daran, dass ich sicher nicht die Fehler meiner Vorfahren wiederholen werde. Würde ich jemals weniger bindungsphobisch sein, und Interesse daran, zu heiraten und/oder mich zu reproduzieren, dann wäre er unabhängig von all seinen anderen Makeln von der Liste gestrichen, weil er säuft wie ein Weltmeister, ohne darüber nachzudenken, wie verantwortungslos das eigentlich ist, jemanden sechs Stunden lang wachzuhalten und vollzukeksen. Und nein, halt die Fresse mit deinem scheiß 2.100 Euro Nettogehalt. So weit kommts noch.

Jede Religion, die den Konsum von Alkohol verbietet, kommt mir plötzlich so viel glaubwürdiger vor.

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