#21

Als ich vierzehn oder fünfzehn Jahre alt war, sind wir für eine Woche nach Berlin gefahren und haben dort die 1 Zimmer-Wohnung eines Bekannten belegt. Furchtbarer Block. Bestimmt fünfzehn+ Etagen, aber die Lage war top.

Meine Schwester war damals ungefähr zwei Jahre alt, und hatte die gesamte Woche über leichtes Fieber. Mittags bin ich öfter mal rausgegangen und habe mich umgesehen. Fünf Minuten entfernt war ein Internetcafé, tausend Geschäfte, ein Park, und für jemanden aus einem so inzestuösen Nest wie dem, in dem ich mein Leben verbracht habe, war es alles eine paradoxe Mischung aus Altbekanntem und Neuem:

Obwohl die Atmosphäre so völlig anders war als in meinem Kuhkaff, waren die Wände trotzdem aus Stein. Die Kastanienbäume sahen nicht wesentlich anders aus. Berlin war, letztendlich, eine bessere Mischung derselben Inhaltsstoffe.

Im Erdgeschoss des Blocks, den wir belagerten, war es kühl. Ich weiß nicht, ob ich mich deswegen öfter dort auf die Treppen gesetzt habe, oder, weil ich einfach keine Lust hatte, mich wieder in meinem für mich selbst als „sicher“ befundenen Radius umzusehen, und zu erkennen, dass die Anonymität der Großstadt auch dann nicht weniger anonym wird, wenn man freundlich guckt. – Seltsam, aber als Person, die den meisten Leuten das Gefühl gibt, man kenne sich bereits seit fünf Jahren, war es merkwürdig, dass ich zum Schluss so wenig Menschen kennengelernt habe. (Eigentlich nicht seltsam. Fast alle hatten eine „Don’t Touch“-Aura.)

Regelmäßig kam ein Ausländer runter oder gerade rein, und hat ein bisschen mit mir gesprochen. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie genau er aussah, aber ich glaube, dass ich ihn als Iraker, Kurden oä. eingeschätzt habe. Irgendwann hat er mich gefragt, wie alt ich bin, und meinte dann, „Oh. Fünfzehn. Gefährlich.“

Hab ich damals, glaube ich, nicht verstanden. Ich weiß nur noch, dass ich, „Warum,“ gefragt habe, und er nicht wirklich antworten wollte. Bevor jemand das Schlimmste befürchtet, ich habe, falls ich es damals noch nicht wusste, mittlerweile verstanden, dass es darum ging, dass Sex mit Minderjährigen illegal ist. Er war im Übrigen 24, glaube ich.

Irgendwann, als ich dort unten saß, kam ein älterer Mann vorbei. Eventuell Rentner. Er hat mich gefragt, ob ich nicht mit zu ihm hoch kommen wolle, um Tee zu trinken. Wenn das nicht mein idealistisches Gehirn ist, war das der Zeitpunkt, zu dem oben erwähnter Eventuelliraker ebenfalls kam, und dem Mann sehr deutlich erklärt hat, dass er bitte gehen soll. Gegebenfalls hatte er sogar einen Freund dabei. Eventuell hat er mir danach noch irgendetwas gesagt. In welcher Reihenfolge all diese kleinen Dinge passiert sind, kann ich irgendwie nicht mehr sagen.

Ein paar Tage zuvor, als ich draußen war, um D. auf SchülerVZ zu berichten, dass Döner unglaublich günstig sind, oder etwas ähnlich bewegendes, hatten mich zwei Männer, Mitte zwanzig?, angestarrt und gepfiffen oder etwas gesagt. Ich hab sie angelächelt, sie blieben stehen und haben mir hinterhergestarrt.

Zu diesem Zeitpunkt war meine Erfahrung mit Jungs weiterhin zum Großteil die, dass sie super sind, wenn man Fangen spielen möchte, weil sie nicht meckern, wenn man sich an Orten versteckt hat, die verwuchert waren, und, dass sie mir vermutlich gerne Dankesbriefe dafür geschrieben hätten, dass ich Shirts mit Ausschnitt trug. Oder prinzipiell Shirts, nicht Zelte. Vermutlich wollten sie viel mehr meinen Eltern dafür danken, dass ich Brüste hatte. – Es wäre also keine Lüge, zu sagen, dass wir Grundschüler mit einem untypischen Hormonhaushalt waren. Wenn ein Junge kommentiert hat, wie ich aussehe, dann nicht, weil er dachte, dass ich deswegen plötzlich erkenne, dass ich drittens, unconditionally and irrevocably in love with him war. Oder mir meine tollen Shirts vom Leib reißen würde. (Ich hatte allerdings auch gelernt, dass man nicht mit Jungs wrestlen sollte, die eine Insulinpumpe tragen, denn die reißt schnell, und das ist ungut. True story.)

Wenn meine Freunde irgendwelche Machosprüche rausgehauen haben, dann in dem Wissen, dass ich sie nicht ernst nehmen würde. Hoffe ich. (Ich hab, unverzeihlicherweise, die Chance verpasst, ihnen ebenfalls Machosprüche vor den Kopf zu werfen.) Wenn wir so getan haben, als wüssten wir, was Flirten ist, dann war das amüsant, aber unschuldig. Oder mein eigenes unschuldiges und idealistisches Gehirn möchte, dass ich das glaube. Wer weiß.

Aber Berlin hat mir ein paar Dinge verdeutlicht, die mein Freundeskreis nicht konnte; vielleicht weil ich ihn idealisiert habe oder Ausreden fand, und „Jungs eben Jungs sind,“ aber vielleicht auch einfach, weil ich großes Glück hatte.

  • Männer werden mit dir schlafen wollen, und vielen wird es egal sein, dass du fünfzehn bist.
  • Männer pfeifen dir nicht hinterher, damit du dich besser fühlst. Sie bleiben sogar geschockt stehen, wenn du positiv reagierst.
  • Du ziehst Typen an, die älter sind als du.

Letzteres ist jetzt vielleicht kein prinzipielles Problem mehr, weil es kein Verbrechen mehr wäre, mit mir zu schlafen, sollte ich das wollen, aber die ersten beiden Punkte sind irgendwie.. ernüchternd gewesen. (Wobei es ebenfalls ernüchternd ist, zu wissen, dass man nur mit Menschen längere Gespräche führen kann, oder überhaupt anzieht, die mindestens 5-10 Jahre älter sind.)

Die beiden Männer in der Einkaufshalle haben mir nicht hinterhergepfiffen, weil sie irgendeine positive Reaktion erwartet hatten. Sie waren geschockt, als ich gelächelt habe, auch wenn das Lächeln Reflex war. Wussten sie ja nicht. Eventuell haben sie daraufhin sogar von allen Frauen erwartet, ebenfalls positiv zu reagieren.

Der alte Mann im Hausflur wusste weder meinen Namen, mein Alter, noch irgendetwas Anderes. Er sah Frischfleisch. Ein Mädchen, das er hätte vergewaltigen können. Perfekte Beute, direkt vor seiner Tür. Oder der Tür des Aufzugs. Im Nachhinein, hätte ich es gemeldet, hätte ich mich rechtfertigen müssen. Was hab ich getragen? Habe ich ihn provoziert? Wusste ich wirklich nicht, was er wollte? Wieso habe ich mich nicht ausreichend gewehrt? Meine Mutter war im Haus, wieso habe ich nicht um Hilfe gerufen? — Damals überkam mich kein Schauer oder ein „ungutes Gefühl,“ oder irgendetwas derartiges. (Falls doch, dann hat mein Gehirn das zumindest gut verdrängt. Dankeschön, Gehirn.) Ich war viel zu verwirrt. Ich war, mehr oder weniger, unschuldig. Es brauchte den „Fünfzehn, gefährlich“-Typen, um mich wirklich aus der Situation zu entwinden. Ihn, und seinen 24 jährigen, fitteren Körper, der zwischen mir und dem alten Mann stand. Ihn, und sein viel weniger unschuldiges Verständnis davon, was beinahe passiert wäre.

Ich weiß nicht mehr wie er heißt, oder wie er aussieht, oder was genau er gesagt hat, aber ich denke, dass er danach mit mir gesprochen hat, und dass die Worte, die er benutzt hat, um den Rentner loszuwerden, sehr bedacht gewählt waren. Er hat mich gewarnt, und er hat den Rentner weggeschickt, ohne dabei gewaltbereit zu wirken oder beleidigend zu werden. Nicht, weil er den Mann respektiert hat, sondern, weil er mir keine Angst machen wollte.

Und das ist etwas, dass mir ebenfalls kein Junge aus meinem Freundeskreis hat vermitteln können: Minderjährige Mädchen haben es verdient, beschützt zu werden. Ohne Ewartungshaltung. In dem Wissen, dass sie in ein paar Tagen wieder in ihrem Kuhkaff sein werden, deinen Namen vergessen, und dir niemals dafür danken können, dass du sie davor beschützt hast, vergewaltigt zu werden.

Wenn dieser Mann mir jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, wie ich ihm helfen könnte. Hab ich mich überhaupt bedankt?

Als wir abgereist sind, konnte ich nicht einmal wirklich Tschüss sagen. Ich kam nie auf die Idee, ihn zu fragen, wieso er wusste, was passiert, ohne wirklich dabei gewesen zu sein; oder wieso er so reagiert hat, wie er reagiert hat. Wieso er so bemüht war, mir zu zeigen, dass alles in Ordnung war. Wobei diese Fragen vermutlich viel persönlicher gewesen wären, als angebracht.

Wir gingen raus, der Vater von meiner Schwester hat ihn gesehen als ich ihn (zurück)gegrüßt habe, und ich hab das Gefühl, dass das nicht die beste Entscheidung meinerseits war. Wer weiß, was genau aus ihm wurde. Ob er in Deutschland geboren wurde, oder eventuell Asylant war, und vielleicht schon lange abgeschoben. Ob seine Familie gestorben, oder seine Mutter eine beliebte Zahnärztin in Berlin Mitte ist. Ob er, obwohl er mir sehr viel Trauma ersparrt hat, vielleicht ansonsten ein riesengroßer Arsch ist.

Aber als ich fünfzehn war, und Berlin mir erklärt hat, dass es überall gleich scheiße sein kann, und mir für die Zukunft ein paar gute Anekdoten zum Thema Vergewaltigungen und Catcalling mitgegeben, war er da, um einen Rentner davon abzuhalten, mich zu vergewaltigen, und hat, was mir erst jetzt auffällt, immer physisch Abstand gehalten. Wie dankbar ich meinem Gehirn und den Umständen sein kann, dass ich damals nicht wusste, dass es darum ging, mir das Gefühl zu vermitteln, „sicher“ zu sein.

Was ich eigentlich sagen wollte: Damals war ich ein wirklich oberflächlicher Mensch. Ich hab Leute angelächelt, die vermutlich Mädels, minderjährige Mädels, belästigen würden, wenn sie könnten, und auf keinen Fall ein Problem damit haben, ihnen hinterherzupfeifen oder Kommentare entgegenzuwerfen, von denen sie bisher wussten, dass sie nicht mit offenen Armen empfangen würden. Ich habe mich nicht wirklich mit Herrm Fünfzehn, Gefährlich unterhalten, oder ihn kennengelernt. Ich hatte keine Ahnung, was ablief, und obwohl ich es hätte tun können, habe ich Berlin nicht so erkundet, wie ich es jetzt wohl tun würde. (Und das unabhängig von Smartphones und Google Maps.)

Ich wusste nicht zu schätzen, wie mir Fünfzehn, Gefährlich geholfen hat. Ich hab nicht darüber nachgedacht, den Rentner zu melden, oder darüber, dass es nichts bringen würde.

Und es wäre wirklich wunderbar, wenn ich dem Mann danken könnte, und ihn fragen, ob er Geschwister hat, oder wie sein Tag war.

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5 Kommentare zu „#21

  1. Wenn umgekehrt der Rentner den 24-jährigen aufgefordert hätte Dich bitteschön in Ruhe zu lassen, wie würde die Situation sich dann für Dich darstellen? Genau genommen schützte das Gesetz Dich gerade auch vor dem 24-jährigen. Jedenfalls musste ich nicht lange googeln, um eine Mutter wüten zu sehen über die Beziehung ihrer 15-jährigen Tochter zu einem 24-jährigen Albaner. Andererseits war hier in Hamburg lange Zeit die Beziehung einer 15-jährigen zu einem 63-jährigen „Sex-Rentner“ Thema…
    Ich vermute mal, dass beide in ihrer Weise auf der Lauer lagen. Wobei der 24-jährige eben mit dem schöneren Körper punktete. Wie MAD es mir Teenager mal bebilderte: Ist man reich, ist man „mit vielen Kindern gesegnet“. Ist man hingegen arm, vermehrt man sich „wie die Karnickel“. Und so wird ein schöner Mensch wohl bedeutend seltener für einen Triebtäter gehalten, als ein unappetitlicher Alter.

    1. Vorweg: Ageism ist furchtbar. Davon musst du vermutlich den wenigsten cisFrauen erzählen. Die meisten von uns merken das spätestens, wenn wir keine Brutkastenfunktion mehr haben.

      In keiner wirklich durchdachten Reihenfolge:

      • Ich habe vorausgesagt, dass du so etwas schreiben würdest. Frag Manuel, der kann das bestätigen. „Bestimmt werde ich mit einer Benachrichtigung aufwachen, dass mein einziges Problem sein Alter war, nicht die Tatsache, dass mich ein Mensch beinahe vergewaltigt hätte,“ oder so ähnlich.
      • Du sagst, dass mein Problem Äußerlichkeiten gewesen sind. Die zwei Mittzwanziger waren ziemlich gut aussehend. Damals hatte ich zusätzlich auch noch ein paar Probleme mit bestimmten Ausländern, zum Beispiel Kurden und Irakern, weil ich noch ein paar Sachen verarbeiten musste, also hätten die Beiden und der alte Mann für mich schmeichelnd sein müssen. Der Ausländer war nicht nur jünger, er war auch, soweit ich mich erinnern kann, unattraktiv. Und, da er Kurde/Iraker gewesen ist, wäre er auch dann nicht mein Typ gewesen, wenn er denn in meinem Alter gewesen wäre, oder älter, oder jünger, oder attraktiv. (Ich habe nicht vor, hier darauf einzugehen, was ich zu verarbeiten hatte, oder inwieweit mich das rassistisch, oberflächlich etc. gemacht hat. Wer denkt, das bewerten zu müssen, kann das gerne irgendwo anders machen.)
        • Tatsächlich sollte sehr klar sein, dass ein Mädchen, dass einen Großteil der Zeit mit Fangen spielen verbringt, sich auch nicht wohl gefühlt hätte, wenn stattdessen ein jüngerer Vergewaltiger sie zum Tee eingeladen hätte. Natürlich hätte besagtes Mädchen erst einmal richtig verstehen müssen, was da ablief.
      • Du vergisst in deinem Kommentar, dass ich das Thema Sex mit Minderjährigen (was nur ein Euphemismus für Vergewaltigung ist, denn Minderjährige sind zum Großteil nicht in der Lage, Einverständnis zu geben; statutory rape, fertig) sogar zu allererst in Verbindung mit dem evtl-Iraker angebracht habe, und ihn im gesamten Text „Fünfzehn. Gefährlich“ genannt habe. Es ist also lächerlich, anzunehmen, dass mir fremd wäre, dass Gesetze mich auch vor ihm „schützen“ würden, sprich, ihn eventuell bestraft hätten, hätte er mich vergewaltigt. (Natürlich ihn viel eher und viel lieber, denn es ist immer schön, einen Grund für die Abschiebung zu haben.) Eigentlich war es sogar ungerecht von mir, ihn mit Vergewaltigungen in Verbindung zu bringen, wo er der Einzige gewesen ist, der mich nicht belästigt hat.
        • Die Frau hat absolut nichts mit dieser Situation zutun. Immerhin sprach sie von einer „Beziehung,“ egal, was meine Ansichten zum Thema „Beziehungen mit Minderjährigen“ sind.
          • War ihr Problem das Alter oder die Nationalität? Denn die meisten Eltern hetzen besonders gerne, wenn es Ausländer sind, nicht, weil es unangebracht ist, in einer Beziehung mit einem wesentlich älteren Mann zu sein, wenn man selbst nicht mal legal Bier trinken darf.
      • Ich habe den fitteren Körper angesprochen, weil mein eigener Körper scheinbar keine Verteidigung gegen einen Mann ist, der mich vergewaltigen möchte. Egal, wieviele Einkäufe ich hochtrage, ich bin nicht in der Lage, mir sicher zu sein, dass ich mich wehren kann, wenn mich jemand vergewaltigen möchte. Ich war Peach in dieser Geschichte. Das war ernüchternd, kein Kompliment.
      • Fünfzehn, Gefährlich war nicht deswegen kein Triebträter, weil er 24 war, sondern, weil er sich sofort zurückgenommen hat, als er wusste, wie alt ich war. Das war sogar eine seiner ersten Fragen. Weil er immer Abstand gehalten hat, und die Situation nicht ausgenutzt hat.
      • Mich sprechen fast immer, wenn ich rausgehe, ältere Männer an. Weit über 60, wenn ich das richtig einschätze. Entweder, sie sagen etwas Freundliches, oder sie starren mir auf die Brüste und bringen sehr unangenehme Sprüche. Ich glaube nicht, dass ich mich darüber häufig hier aufrege. Ich habe mich in diesem Text darüber aufgeregt, dass von vier Männern drei dachten, dass es in Ordnung sei, eine Minderjährige verbal zu belästigen oder vergewaltigen zu wollen. Mein Problem war nicht, dass der alte Mann alt war. Im Bezug zum Alter war MEIN Alter viel eher ein Problem. Aber es ging um Belästigung und Vergewaltigung, und darum, dass ich nie auf die Idee kam, dem Menschen, der mir half, und der eventuell sehr viele eigene Probleme hatte, wirklich zu danken, oder ihm zu helfen.
      • Mit fünfzehn (ich befürchte, ich war sogar erst vierzehn) befand ich alles über 18, auf jeden Fall über 20, als zu alt für mich. Weil in diesem Alter schon ein einziges Jahr einen riesigen Unterschied macht. Worüber, so mein Gedanke, sollte ich mich mit jemandem unterhalten, der aus der Schule raus ist, als ich gerade eingeschult wurde? Und damals hätte ich auch nicht viel zu sagen gehabt. Eine Mitschülerin hatte einen 17 Jährigen Freund, glaube ich. War für mich verwirrend, und etwas unangenehm, und gruselig. Die Vorstellung, was dieser Junge eventuell von ihr erwartet.
      • Pädophile Tendenzen werden nicht schlimmer, wenn man älter wird. Vergewaltigung wird nicht schlimmer, wenn der Täter älter ist. Ein 30 Jähriger ist genauso krank wie ein 60 Jähriger. Ich habe im gesamten Text benannt, wie alt die Männer waren, weil es relevant gewesen ist, und ich zusätzlich dazu sonst keine Marker hatte. Es war notwendig, zu erklären, dass die Männer beim Einkaufen nicht 18 waren, sondern Mitte zwanzig. Ich hab mich noch vage daran erinnert, dass Fünfzehn, Gefährlich meinte, er sei 24 Jahre alt. Der alte Mann war alt. Er war nicht die große, böse Ausnahme. Der einzige Typ, bei dem ich erwähnt h#tte, wie alt er ist, und ihn über diese Eigenschaft dann beleidigt. Tatsächlich habe ich auch das wieder nur bei Fünfzehn, Gefährlich gemacht: Er war Ausländer.

      Durchaus möglich, dass ich irgendetwas vergessen habe. Bin mir sogar sehr sicher.

      1. Anders als mit Ekel und Abscheu vor dem Rentner konnte ich es mir nicht erklären, dass eine Einladung zum Tee offenbar umgedeutet wird zu einer versuchten Vergewaltigung. Ich denke, dass dem Rentner in seinen Phantasien etwas Einvernehmliches vorschwebte, wofür er sich gerne auch geduldet hätte bis zu Deiner Volljährigkeit). Obwohl bereits das alles eine ziemliche Unterstellung ist. Vor einiger Zeit war ein Prominenter mal groß in der Boulevardpresse mit seiner Beziehung zu einer 16-jährigen. Aber wo immer jemand in den Foren in Deinem Sinne den Hals aufmachte, waren sofort zwei, drei da, ob er Probleme hätte mit unserem Rechtsstaat? Und die Mutter, die dem 24-jährigen Lover ihrer 15-jährigen Tochter am liebsten eine scheuern wollte, musste sich offenbar auch geschlagen geben, als ihre Tochter ihr versicherte, dass alles einvernehmlich sei und ohne Druck geschehe… Eine Einladung zum Tee. Punkt. Vielleicht hast Du den Rentner erinnert an seine früh verstorbene Tochter, und er wollte Dir 50.000 Euro vererben?!

        1. Es ging dir nicht darum, dass ich einen Menschen hätte missverstehen können -und es muss wunderbar sein, das Privileg zu haben, nicht tausend Gedanken haben zu müssen, bei JEDEM MANN, wenn man in so einer Situation ist, angefangen von „Wo ist mein Pfefferspray,“ und „Wenn ich mich wehre, macht es das schlimmer?“ und endend irgendwo, an viel dunkleren Orten- sondern um die dir sicher sehr sympathische Idee, dass ich oberflächliche, da weiblich, Person sicher nichts gegen Fünfzehn, Gefährlich gehabt hätte, sondern eine starke Verfechterin der Altersdiskriminierung, samt Shirt, bin. Dich jetzt rauszuwinden zu wollen, ist ziemlich billig und transparent. Deine Prioritäten sind eindeutig, und in welch zauberhafter Welt du leben musst, wo das Risiko, vergewaltigt zu werden so gering ist, oder so viel weniger wert, als die Chance, 50.000 Euro geschenkt zu bekommen.

          Im Übrigen, und das kann ich gar nicht ernsthaft genug sagen: Du solltest dich unglaublich schämen. Während ich diesen Kommentar schreibe, werden Menschen vergewaltigt. Von Familienmitgliedern, Freunden, Fremden. Das Erste, was wir unseren Kindern beibringen, ist, nicht mit Fremden mitzugehen. Wenn Mädchen älter werden, wird ihnen beigebracht, wie sie die Verantwortung für ihre eigene Vergewaltigung zu übernehmen haben -wie sie sich kleiden sollen, verhalten sollen, wo sie nicht lang gehen dürfen, dass sie nicht provokant sein sollen- und das Ganze wird so paradox wie möglich gemacht: Wehr dich nicht, damit du nicht umgebracht wirst. – Sind Sie sich sicher, dass das eine Vergewaltigung war? Wieso haben Sie sich nicht gewehrt?

          Eine Einladung zum Tee ist eine große, rote Fahne. Es ist nicht mal „schön,“ dass du das nicht so einschätzen kannst oder lernen musstest, und mir deswegen vermeintlich Dinge vorwerfen möchtest. Es ist einfach nur traurig, wie egal es dir zu sein scheint, in welcher Realität sich ein sehr großer Teil der Menschheit befindet.

          Und die 50.000 Euro kann er gerne einem Frauenhaus, Pro Asyl, oder der Gentechnik spenden. Ich bin nicht seine Tochter und habe das Geld bestimmt nicht über meine (wenn auch durchaus entzückende) DNA verdient; wenn ich mich prostituieren möchte, setze ich Amazon Partnerprogramm-Links rein.

          Selten einen Kommentar gelesen, der so Übelkeit verursacht hat.

          1. Es verdirbt mir immer ziemlich den Tag, wenn ich mich Dir gegenüber einmal mehr nicht rauswinden konnte. Und dass das, was dann eindeutig, billig und transparent vor Dir steht, nur noch für Brechreiz sorgt… Ich nehme als Erkenntnis mit, dass die weltweite Bedrohung durch Mißbrauch und Vergewaltigung Dir mindestens so wichtig ist, wie mir der Umstand, dass ich in mir und um mich herum bloß Verfall, Sterben und Tod wahrnehme.

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