Ich bin in letzter Zeit mal wieder wenig am PC, und nach einem kleinen Unfall -wer hätte gedacht, dass Messer so scharf sein können?- ist tippen auch etwas schwer geworden. Aber ich wollte mich trotzdem einmal offiziell beschweren:

Wieso müssen Serien so verdammt scheiße sein? Wieso ist es nicht möglich, einfach mal sinnvolle Charakterentwicklung in Betracht zu ziehen? Wieso ist Melodrama so viel wichtiger als Authentizität? GAH! Gaaaah!!!

Werd mich wieder zurück in meine Kissenfront kuscheln. GAAAAAH!!!

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5 Kommentare zu „

  1. Neulich gönnte ich mir eine halbe, dreiviertel Stunde „Breaking Bad“: wenn Hollywood es schafft einen Produzenten von Crystal Meth zum Helden zu krönen, fühlt auch mein Lebenswerk über das selbstbestimmte Sterben sich an, als wäre es nur einen Kinofilm entfernt vom Weltruhm. Obendrein wird ja mit Walter White einem normal dummen Menschen gehuldigt, dem erst ums 50. Lebensjahr der Lungenkrebs auf die Sprünge hilft. Während etwa Stephen King als unterbezahlter Lehrer mit zahlreichen Nebenjobs bereits während der Familiengründung heimgesucht wurde von dem Gedanken, dass das für seine Familie und ihn wohl nicht ewig so weitergehen könne… Herrlich auch wie entsetzlich leer sich der groß gefeierte 50. Geburtstag von Walter White anfühlt: Ein Schulterklopfer mehr meine Zeit nie sonderlich mit Gastgebereien und Freundeskreisen verbrannt zu haben… Aber so sehen wohl nur wenige „Breaking Bad“. Eher vielleicht als beruhigendes Konsumversprechen, dass nach der Party noch ’ne viel abgefahrenere Party losgeht. Tut es aber nicht. Aus vielen Interviews mit Sterbenden weiß ich, dass Walter White in echt höchstens einen Bordellbesuch riskiert hätte, während daheim bereits die Nummer der Lebensversicherung griffbereit liegt…
    Aber an solcher Realität sind all die vielen Sackgassenbewohner draußen auf den Fernsehsofas natürlich nicht interessiert.
    Der Charakter eines Menschen ist für mich die Summe seines Tuns und Unterlassens. Insofern empfand ich die erste halbe, dreiviertel Stunde von „Breaking Bad“ als verdammt realistisch: Neunundneunzig Prozent aller Studenten heute werden enden wie Walter White. In einem Fegefeuer von Chemieunterricht, vor desinteressierten Wohlstandsgören den zündelnden Clown zu machen, bis sie endlich(!) sterben dürfen am Lungenkrebs.

  2. Ich frage mich, ob du Gaaaaaah! nur schreibst oder auch ausrufst, während du schreibst. :-D
    Gab es eine besondere Serie als Anlass zum Beitrag oder wolltest du das immer schonmal los werden?

    1. Schreie ich nicht, während ich es schreibe. Aber wenn ich mich über Dinge aufrege, äußere ich öfter mal ein resigniertes „Gah“ oder auch ein ernsthaft angewidertes „GAH!!!“ – meist aber nur ein unaffektiertes „Mhe“ oder „Meh“ (wobei Letzteres meist noch eine Note von „Ist ekelhaft, wundert mich aber trotzdem nicht“ mit sich trägt) also.. ja..

      Nein, ich glaube nicht. Ich denke, es ist eher der Mangel an Serien, der es verursacht hat. Ich schaue ja derzeit sogut wie gar nichts mehr. Weil ich an keiner Serie nichts auszusetzen hätte – und meistens sind es sogar wirklich viele und wichtige Dinge, die mich stören. So wie bei Supernatural, worüber wir uns ja erst noch unterhalten hatten. Nun sind CW Serien oftmals wirklich noch weit unter dem normalen Fernsehniveau, habe ich mir sagen lassen, aber im Endeffekt doch nicht.

      US-Serien sind natürlich oftmals besonders traurig. The Vampire Diaries, bei denen die Moralität der Erzählung direkt nach den Handlungen der Protagonisten bemessen wird; The Big Bang Theory, bei der Asexualität und Autismus nur kleine Unterhaltungsfaktoren sind, Nice Guys immer zum Schluss kommen, und Penny keinen Nachnamen braucht; How I Met Your Mother, wo nach fünfzehnhundert Staffeln Charakterentwicklung beschlossen wird, dass Robin all ihre Selbstbestimmung verliert, damit Ted zum Schluss doch bei ihr sein kann, Barney wieder zurück zu einem Playboy transformiert, Lily und Marshall tatsächlich das langweilige Pärchen ohne wirkliche (tragende, gut erzählte) Handlungsstränge werden; Teen Wolf, eine Show, die alles hätte sein können, und nichts davon war; und all die Serien, die vergessen, dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung nicht weiß, heterosexuell, männlich und gesund ist. Jede Serie, in der imense Collegeschulden und das unmenschliche System dahinter nur ein kleiner Scherz am Rande sind. Jede Serie, in der alle Figuren einen Job finden oder haben, oder es keine wirklichen Auswirkungen hat, wenn dem nicht der Fall ist, weil sie wie durch Zufall in New York eine Wohngemeinschaft finden, die sie aufnimmt. Jede Serie, in der Krebspatienten die Weisen Wegführer werden, die sich „eins mit der Welt“ fühlen, und den Sinn des Lebens entdecken, bevor sie an ihrer Chemotherapie sterben.

      Aber es hört dort auch nicht auf. Es geht bei den Briten gleich weiter:

      Wir haben Sherlock, in dem die Homosexualität einer Frau von einem manipulativen Soziopathen „kuriert“ wird, während man John Watson’s Heterosexualität gerne mal als Scherz vergisst. Wo seine Neue furchtbar und schrecklich dafür ist, etwas getan zu haben, weil sie es musste, während Sherlock das eben einfach so tat und ihm relativ schnell dafür, vor allem von den Fans, verziehen wurde.

      Doctor Who, was vor allem seit Moffat, der bekanntermaßen auch Sherlock schreibt, vollkommen den Bach runter geht. Eine Serie, die wirklich unendlich viel Potential hat, aber ihren Charme verliebt, weil Moffat immer nur Episodenknüller bringen möchte, anstatt einen langfristigen, emotional packenden Plot.

      Downton Abbey, wo die traumatische Vergewaltigung einer Angestellten zum Schluss wohl doch nur dazu dient, zu zeigen, wie es ihrem Mann dabei geht. Nicht, weil er so ein Mensch ist, sondern weil die Schreiber sich eben lieber auf ihn konzentrieren wollen. Jep.

      Es ist nicht eine spezifische Serie, die mich so ankotzt. Es ist der Mangel einer Serie, die diese Dinge nicht tut. Einer Serie, die ich auch legal schauen könnte, wenn ich das wollte. Die die finanzielle Unterstützung durch Zuschauerzahlen und Network hätte, um sich bestimmte Episoden, Schauspieler, Schreiber, Effekte, etc leisten zu können. Die sich Dinge trauen darf, weil man ihren Rücken hat. — Und natürlich habe ich jetzt ein paar Serien auf meiner Watchlist (How To Get Away With Murder, Daredevil, eventuell Orange Is The New Black) und es gibt Serien, die schon besser in ihrer Repräsentation sind oder zumindest aktiv die Fehler ansprechen (Community, vielleicht Orphan Black) aber es ist ein insgesamt trauriges Bild, das sich da ergibt. Wenn The 100 eine der derzeit einzigen Shows mit einer jüngeren Demographie ist, in der die Hauptfigur eindeutig bisexuell ist, ohne, dass es sonderlich thematisiert wird (da es in der Zukunft spielt und der Gedanke war, dass man von ein paar unserer Vorurteile abgelassen hat, als man um sein Überleben gekämpft hat, nehme ich an) dann ist das derbe traurig.. Denn auch The 100 ist eine CW Show.

      Noch viel mehr stört mich, dass ich in Gesprächen vermutlich die Spielverderberin wäre. Ich bin sehr gut darin, über Popkultur zu sprechen. Weil ich viel konsumiert habe, und auch über dieses Konsumverhalten Medien konsumiere. Blogs, Bücher, Berichte, andere Dinge, die mit B anfangen. Wenn jemand mir eine Serie nennt, dann ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich sie kenne. — Und hasse. Was einen nicht sympathisch macht. Auf Facebook hat jemand Dean erwähnt. Ich meinte, dass ich ihn nicht mag. Die Frauen dort sind beinahe auf mich losgegangen, als sei ich der Antichrist. Wieso? Ist es denn falsch, was ich von ihm denke? Ihr könnt den Schauspieler ja gerne attraktiv finden, aber es ist unmöglich -wirklich unmöglich- sich lange mit seinem Verhalten auseinanderzusetzen, und danach nicht zu dem Schluss zu kommen, dass er ein riesen Arschloch ist.

      Und das Problem ist, ich fühle mich mit diesen Gedanken wirklich im Recht. Es gibt Dinge, wo ich nicht akzeptieren kann, dass andere Leute meine Meinung nicht teilen. Gut, bei meiner Haltung gegenüber Goethe schon, einfach, weil ich nicht alles von ihm weiß, und einfach nur immer mehr kotzen möchte, je mehr ich über Faust I nachdenke. Aber viele dieser Serien und Filme und Bücher habe ich voller Länge „genossen,“ und niemand kann sich hinstellen, und sagen, dass Fifty Shades im Kontext eines veröffentlichten Buches mit Filmvertrag nicht negative Folgen auf unsere Gesellschaft hat. Die Buchreihe glorifiziert emotionalen Missbrauch und Stalking und es gibt massig Leser, die das romantisch finden. Wo ist das nicht schädlich?? Wo ist es nicht schädlich, dass innerhalb einer Serie wie Supernatural die Schreiber sich größte Mühe geben, das Missbrauchsverhalten von Dean als gerechtfertigt, gerecht, fair, etc. darzustellen? Weil Medien ja nicht in unsere Gesellschaft bluten? Genau. Noch nie hatten Geschichten einen Effekt auf uns Menschen. Deswegen lesen wir unseren Kindern Märchen vor. Weil sie keinen Effekt haben. Deswegen schauen wir traurige Filme, um zu heulen, und Dokus, um zu lernen, und Komödien, um zu lachen. Wenn wir Medien konsumieren, sind unsere Schutzschilde unten. Wir konsumieren nicht „kritisch“ und nehmen bestimmte Dinge wahr. Wir schauen. Wir lesen. Wir hören. Hinterfragen steht hinten an.

      Medien existieren nicht in einem Vakuum. Und leider gibt es viel zu viele Serien, die in einem Vakuum existieren MÜSSEN, um mich nicht ernsthaft anzukotzen.

      Wie schwer kann es schon sein, einen Farbigen einzustellen, statt Butawhiteboy Cantbekhan? Eine tatsächliche trans* Schauspielerin, statt Jared Leto, der seine Figur als „beautiful creature“ beschrieb, anstatt „human being“ zu sagen? Wie schwer ist es, nicht immer die Farbigen sterben zu lassen? Wie schwer ist es, mal auf Kosten anderer Witze zu machen, anstatt immer auf der, der Benachteiligten? Des eigenen Publikums?

      Es kotzt mich unglaublich an. Eine Autorin meinte irgendwo in einem Interview, dass sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt keine Figur einer bestimmten Minderheit geschrieben habe, weil sie Angst habe, Fehler zu machen. Sie lebe ja nicht das Leben als Teil einer Minderheit und ihr fehlen daher die Erfahrungen. Das macht Sinn. Was keinen Sinn macht, ist, dass sie Betaleser hat, und sich noch neue aus dieser Minderheit dazu holen könnte, die drüber lesen und ihr Fehler zeigen könnten. Was keinen Sinn macht, ist, dass Autoren wirklich jeden Scheiß recherchieren, aber hey, wenn es um die Repräsentation einer „Minderheit“ geht, dann ist das zu viel verlangt, und ich mein es ja nur gut? Sie schreibt keine Fanfiction, dass ihr die Mittel dazu fehlen würden.

      Eine koreanische Schauspielerin hat in Teen Wolf sich selbst gespielt. Und dann auch noch ihre eigene Mutter. Das Problem? Die Mutter in der Serie ist Japanerin. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kira (die Figur) genauso aussieht wie ihre Mutter das in ihrer Jugend tat, ist unwahrscheinlich. Aber ich nehme an, da alle Asiaten gleich aussehen, ist es egal, ob sie innerhalb der Serie Halb-Koreanerin/Halb-Japanerin war. (Und es ist auch nicht nötig, klarzustellen, wie genau Eltern aus so einer komplizierten Zusammenstellung zusammenkamen.. Weil, die Geschichte Asiens ist nur wichtig, wenn man Geishas, Fuchsgeister, Ninjas, Samurai und Ehrenmord anbringen kann.

      ICH BIN SO ANGENERVT.

      …. Werde demnächst, wenn ich mich in der Lage dazu fühle, auf die E-Mail und anderen Kommentare antworten. War nur kurz (hahahaha..) hier, um zu antworten, bevor ich es noch länger vor mir herschiebe. : x Hoffe, es geht dir gut/besser/soähnlich? Hab zu einem deiner letzten Posts tausend Gedanken. Aber nicht genug Hirn. /seufz

      /winkt

      1. Ich muss in etwa 1 Stunde los, es geht für 4 Tage nach Holland. Am Montag werde ich hoffentlich Zeit finden, dir zu antworten, aber deinen Kommentar nehme ich mit und werde versuchen, jetzt schon darüber nachzudenken. Mir schwirren nämlich schon wieder viele Fragen im Kopf herum. :-)

      2. Sooo, jetzt versuche ich es noch einmal.
        Einige der Serien, die du genannt hast, kenne ich sogar und ich kann deine Gedankengänge verstehen. Über Dean hatten wir uns mal sehr ausführlich unterhalten, daran erinnere ich mich noch.
        Es gab mal ein Bild bezüglich The Walking Dead. Darauf war T-Dog zu sehen und es stand dort geschrieben: „T-Dog is going where no black man has ever gone before… Season 3!“

        Ich bin nicht mehr sicher, wo ich es gesehen habe, aber an einige Kommentare erinnere ich mich noch. Es ging fast nur um die Serie im Ganzen, aber nur ein oder zwei User hatten die Tatsache, dass schwarze nur selten die ganze Serie über dabei sind im Thema. Ähnliches passierte bei einem Bild in dem Yoda seinen Satz sagte „Always 2 there are. No more, no less.“ Auch hier wurde dann unten eingefügt „Sith? No! Black people on The Walking Dead!“

        Ich glaube, der Unterschied von dir zu vielen anderen ist, dass sie auf sowas nie wirklich achten. Würde man fragen, wer bei TBBT an einer Krankheit leidet, käme wohl eher Rajs Schwierigkeit mit Frauen zu sprechen in den Sinn, als Sheldons Autismus.

        Mir fiel neulich auf, dass Boston Legal, immerhin eine meiner absoluten Lieblingsserien trotz aller Sozialkritik die beiden Hauptfiguren ungestraft als gefeierte Sexisten durchkommen lässt. Kaum eine Frau bietet den beiden Parolie. Und wenn, dann verschwindet sie ein paar Folgen später wieder. Selbst die so charakterstarke und mitunter kühl wirkende Shirley Schmidt wird am Ende noch verheiratet und überlässt den letzten großen Fall Alan.

        Aber woran liegt das? Haben viele Macher von Serien Angst, die Zuschauer zu erschrecken?

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