#7 The me who thought love ended when it’s over.

Ich muss etwas ausholen.

Sagen wir, dass es allgemein oft so ist, dass wir Dinge insbesondere dann ablehnen, wenn sie auf uns zutreffen. Dass wir einen Protagonisten eventuell weniger mögen, weil er uns an uns selbst erinnert, und wir projezieren. – Für mich ist das ein Teil des, hm, Charakterentwicklungsprozesses, nehme ich an. Ich besitze eine Eigenschaft, dann ändere ich mich und lehne sie für eine Weile ab, und daraufhin lerne ich, sie in Anderen, und vielleicht sogar mir, zu akzeptieren.

Zum Beispiel gibt es viele Mädchen, die gerne davon sprechen, dass sie „anders“ sind als die anderen. Und wir fühlen uns vermutlich auch anders. Warum auch nicht? Gerade als Frau wird man oftmals dazu erzogen, sich als „anders“ zu beweisen. (Unter Anderem, weil typisch feminine Charakterzüge unerwünscht sind, wenn die Gesellschaft davon nicht gerade profitiert. Und auch wenn sie das tut, denn immerhin kann man doch trotzdem auf Kosten der Marktgruppe, die einen finanziert, ein paar Scherze raushauen.)

Innerhalb Deutschlands, und den meisten Ländern, leben wir in einem ständigen Konkurrenzkampf. Nicht nur Mädchen oder Frauen, sondern Menschen. Wir fühlen uns bedroht. Von anderen Frauen, die die wenigen Vorteile, die wir haben, bekommen könnten, weil sie hübscher, lustiger, lockerer, intelligenter sind. Von Ausländern, die mit ihren zwei Euro im Asylheim sicherlich unsere Jugend korrumpieren werden – anders als Pegida-Propaganda – oder von unserem perfekten Mitarbeiter, der irgendwie alles schafft, das Arschloch.

Und nun wollen 13 jährige Mädchen eben beweisen, dass sie anders sind als die anderen Mädchen, und natürlich sind sie durch diesen Wunsch genauso wie alle anderen, aber ich hab keine Lust mehr, mich darüber aufzuregen, wenn es ihnen gar nicht anders beigebracht wird. Nicht zwangsläufig von ihren Eltern, sondern von unserer Gesellschaft. Es wird uns gar nicht anders vorgelebt.

In diesem Fall habe ich es also mehr oder weniger geschafft, anderen die Freiheit zu lassen, Dinge, die ich in mir als Fehler ansehe, auszuleben, ohne etwas zu ändern. — Mein eigentliches Problem im Moment ist nur, wie so oft, dass ich die Komplexität einer spezifischen Situation nicht einschätzen kann. Ich realisiere, dass Lernprozesse Zeit beanspruchen, aber es reicht mir nicht. Ich lerne nicht schnell genug. Ich verändere mich nicht schnell genug. Ich verinnerliche nicht schnell genug. Und in diesem Fall kann ich nicht richtig einschätzen, womit das zutun hat oder wie ich das ändern könnte.

Wenn man meinen Blog liest, dann würde man bestimmt den Eindruck bekommen, dass ich von Dingen geprägt werde, die im Wahrheit nicht viel tatsächlichen Einfluss hatten. Einige prägende Kräfte in meiner Kindheit waren vielleicht Angst oder Narzismus -zu diesem Zeitpunkt personifiziert in einigen Schlüsselfiguren, jetzt in mir- aber viel tragendere Resultate hatten trotzdem die positiven, leisen, beständigeren Situationen und Personen.

Wenn ich mir meine Kindheit und Jugend genau ansehe, dann waren es nicht wirklich die negativeren „Schlüsselfiguren,“ die mich eindeutig geprägt haben. Es war nicht mein rassistischer Großvater, sondern meine tolerante Mutter. Es gibt Millionen von Rassisten auf der Welt, ein Großteil ist scheinbar auch mit mir verwandt, aber sie sind alle austauschbar in ihrer Rollenerfüllung, und mehr Hindernis als Wegweiser.

Gerade lehne ich es für mich ab, Menschen für mich die Verantwortung zu geben, die mir nichts „gegeben“ haben.

Ich bin nicht ich, weil mein Vater spielsüchtig war/ist, oder weil mein Opa die Ironie seiner Situation nicht realisieren möchte. Ich bin nicht ich, weil irgendein Kind mich gefragt hat, ob ich Katze esse, oder weil irgendein Mädchen eifersüchtig auf mich war.

Leider hatten und haben all diese Dinge Einfluss auf mich, und leider oft mehr als ich das möchte, aber wenn wirklich etwas Einfluss auf uns hat, dann sind das doch die Menschen und Ereignisse, die uns hier her bringen, nicht die, die uns aufhalten, oder nicht? Es ist nicht mein rassistischer Großvater, der mich geprägt hat, sondern meine Mutter, die mir immer das Gefühl gegeben hat, dass ich ein Recht habe, zu leben, und dass andere Menschen das ebenfalls tun.

Es war nicht mein Vater, der mir beigebracht hat, einen Scheiß darauf zu geben, was Typen von mir denken. Es war meine Mutter, die mich unabhängig von meinen zweifelhaften Phasen weiterhin geliebt hat.

Wieso sollte ich ICH sein, nur, weil irgendein Arschloch sich hingestellt hat, und dachte, dass es unwichtig ist, wie schädlich er sein kann, dass seine Wünsche und Bedürfnisse wichtiger seien als ich? Natürlich, ihr hattet alle Einfluss auf mich, und vielleicht habe ich bestimmte Jungs geküsst, weil ich dachte, dass es mir dann besser geht, aber ich bin nicht ich, weil mir schlechte Dinge widerfahren sind. Ich bin ich, weil ich noch nicht laufen konnte, und schon wusste, dass ich geliebt werde. Euer Einfluss hat nichts zu sagen, wenn man beide Seiten sieht.

Ich bin ich, weil ich erzogen wurde, wie ich erzogen wurde, und vielleicht haben tausend Ereignisse den Prozess verlangsamt, aber ich lehne es gerade sehr stark ab, zu denken, dass ich so toll sein könnte, wie ich es bin, nur, weil irgendein Arsch nicht da war, anstatt zu denken, dass es daran liegen könnte, dass jemand anders mir beigebracht hat, dass ich traurig und stark sein kann, und dass man nicht verliert, nur weil man aufhört. Weil diese Person eben wohl da war, und weil sie mir Stärke und Intelligenz gegeben hat, die mich niemals verlassen könnten, selbst, wenn mir noch fünfzig dieser Idioten unter die Augen kommen.

Und ich könnte neunzig Jahre alt werden, und all diese Menschen könnten tot sein, und ich würde immer noch ich sein; nicht, weil sie Ärsche waren, sondern weil jemand anders absolut kein Arschloch ist.

Aber obwohl ich das verinnerlicht habe, und glaube, fällt es mir schwer, zurückzudenken, und zu verstehen, dass nicht jeder Mensch so denken kann. Dass es zwar in meinem Fall so ist, aber nicht in jedem. Dass ich in der priviligierten Situation bin, sagen zu können, dass ich all die Eigenschaften, die ich von meiner Mutter, selbst meiner Schwester, selbst meiner Uroma, vorgelebt bekommen habe, immer in mir haben werde -selbst, wenn ich allein im Lidl von irgendeinem Rassisten angepöbelt werden sollte. Das ist Glückssache. Es gibt Menschen, die werden im Lidl angepöbelt, und sie werden in Verhaltensmuster zurückfallen, für die irgendein Arschloch verantwortlich ist. Ich sollte aufhören, zu hinterfragen, ob das sein muss.

Denn was mich persönlich wirklich stört, ist, wenn Leute irgendetwas für sich entdeckt haben, und sich dann hinstellen, und so tun, als müsste das für den Rest der Welt genauso funktionieren. Als müssten wir jetzt alle abends beten, oder keine Weizenmehlprodukte essen, oder mit Ziegenmilch gurgeln.

(Das hält mich trotzdem nicht davon ab, zusammenzuzucken, wenn meine Schwester meine Fehler wiederholt.)

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Wenn jemand hier Posts liest, und tatsächlich denkt, dass die Abwesenheit einer letzendlich unwichtigen Person mich mehr inspiriert hat als die Anwesenheit einer wichtigen, dann hoffe ich, konnte ich mit diesem Post zeigen, dass dem nicht so ist.

Vielleicht zucke ich für immer zusammen, wenn jemand mir an den Hals fasst, und vielleicht werde ich es immer schwer finden, Menschen zu vertrauen, aber ich hab mir auch von Katzen angewöhnt, immer nur auf Zehnspitzen zu gehen. Das mein Verhalten von emotionalen Traumata geprägt wurden ist, hat nicht sonderlich viel zu sagen. Es zeigt nur, dass manche Menschen scheiße sind; und zum Schluss weiterhin austauschbar und irrelevant. Aber mein Potential hat nichts damit zutun, wer mal wieder meinen Geburtstag vergessen hat, oder dachte, dass er mich anfassen darf, nur, weil ich existiere. Maximal sind das Negativbeispiele, um eigentlich wünschenswertes Verhalten für mich deutlicher zu machen.

Mich inspirieren bestimmt viele Menschen, aber die wenigsten davon sind Ärsche. Ich hab kein Interesse, sie mein Leben lang mit mir zu schleppen, nur, weil sie nicht die Kraft haben, alleine zu gehen.

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, zu versuchen, inklusiver zu sein. Mein Ziel für die nächsten paar Wochen: Wenn ich über etwas schreibe, dann sollte ich die Personen in den Mittelpunkt stellen, die es verdient haben. Das ist natürlich schwer, wenn ich mich über Rassismus aufrege, da die Opfer wenig dafür können.

(Randnotiz: Das ist ein Artikel, den ich vor ein paar Tagen mit Magenkrämpfen und auf eine 800er Dosis Ibuflam geschrieben habe. Ich übernehme keinerlei Verantwortung.. wie so oft im Leben.)

Advertisements

27 Kommentare zu „#7 The me who thought love ended when it’s over.

  1. „Wie einsam muss man eigentlich sein, um sich mit jemandem wie Dir einzulassen?“ schimpfte eine Bettbeziehung mich aus. Toleranz ist wohl immer auch eine Frage der Lebensumstände. Wäre es mir möglich mit einer Zeitmaschine zu reisen in das Hamburg des Jahres 1958, dort meine Mutter in ihrer vollsten Blüte zu treffen, müsste ich mich sicher gefasst machen auf eine Abfuhr: „Hau ab, Du Freak!“ würde meine eigene Mutter mich abblitzen lassen… Interessant vor allem, dass Du Dich offenbar als im Fluss begreifst, während Dein Umfeld irgendwie festgelegt scheint. Der Rassist. Der Spielsüchtige. Die Tolerante. Mit absehbarer Pflegebedürftigkeit entwickelt eigentlich jeder eine sogenannte „Altersmilde“, und nimmt dann auch liebend gerne Hilfe an von Personal mit stärkstem Migrationshintergrund. Und von wem sollte sich Unabhängigkeit besser lernen lassen, als von einem Spielsüchtigen, dem es doch wohl herzlich egal ist, wer ihn wie lange vor den Daddelautomaten hocken sieht. Wobei man für sich dann hoffentlich eine Leidenschaft entdeckt, die weder ins Geld geht noch an die Gesundheit. Dein Vater würde mich als Charakter in einem Roman jedenfalls mehr faszinieren, als all die sauberen Edwards und Harrys… Jahrelang las ich von einer Brieffreundin seitenlang Geschimpfe über ihren „Erzeuger“, bloß um sie jetzt auf Stayfriends Wange an Wange mit ihm zu sehen. Und weil sie weiß, was ich alles weiß, blockt sie mich nun knallhart. Weil ich eben zu ihrem „alten“ Leben gehöre, welches sie nun offenbar hinter sich gelassen hat. Und das macht mir richtig Angst, mit welch Unbekümmertheit die Leute von „Phase“ zu „Phase“ Menschen hinter sich lassen. Häufig genügt schon der Unmut des neuen Lovers, ob die Tochter sich nicht endlich was eigenes suchen will?

    1. Ich gehe schnell alles durch:

      – Ist es nicht ein etwas unangebrachter Gedanke, ob man die eigene Mutter anbaggern würde, und dann denken, es würde gegen einen selbst oder gegen sie sprechen, dass sie nicht drauf anspringt? „Meine eigene Mutter flirtet nicht mit mir! Die Schande!“

      – Einzelne Faktoren einer Person können beständig sein, ohne, dass sie selbst deswegen nicht weiterhin dynamisch ist.

      – Unabhängigkeit lernt man nicht zwangsläufig -und in meinem Fall absolut nicht- von einem Menschen, der selbst abhängig ist, oder der einem das Gefühl vermitteln möchte, dass der eigene Wert abhängig von seiner Bestätigung ist. Wobei es hier auch nicht wirklich um Unabhängigkeit ging. (Würde ich aber jedes mal erwähnen, dass du am Thema vorbeiredest, dann wäre das wohl alles, was ich sagen würde..)

      – Ich glaube nicht, dass eine Person, die es tausend Mal auf der Welt gibt, so viel interessanter sein kann als irgendeine andere Person, die es ebenso oft gibt. Aber das ist eine Frage der Perspektive und des Geschmacks.

      – Wie du mitbekommen solltest, wenn du diesen Post liest, ist das Verhalten deiner Freundin und mein Gedankenprozess so weit von einander entfernt wie Bananen vom Menschen. Klar, die DNA ähnelt sich, aber zum Schluss ist es trotzdem etwas Anderes.

  2. „Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag du bist nicht da wo du hinwolltest wegen Ihm oder wegen Ihr oder sonst jemandem. Schwächlinge tun das , und das bist du nicht, du bist besser!“
    Dieses Zitat hat mir, als ich es die ersten male gehört bzw gelesen habe, viel beim umdenken geholfen. Ich bin längst nicht da, wo ich sein wollte. Und es gibt Gründe dafür. Aber mir ist, als ich darüber nachgedacht habe, klar geworden, dass ich Dinge erreicht habe.
    Als ich etwa 15 oder 16 war, hat meine Mama damals gesagt: „Tu mir bitte einen Gefallen. Mach mich nicht zu früh zur Oma und lass dich bitte nie von der Polizei nach Hause bringen.“

    Ich habe ihr den Gefallen getan. :-D

    Und es sind noch andere Dinge, die mir beim lesen jetzt wieder in den Sinn gekommen sind. Ich bin noch nie durch irgendeine Prüfung gefallen. Ich hab es immer geschafft irgendwie. Ich bin unglaublich gut in meinem Job. Und das bin ich wegen M., der mich damals fantastisch ausgebildet hat und wegen mir. Weder J. noch R. oder sonstwer können das ändern. Nicht die kleinen Arschlöcher, die Mobbing und Hinterlist als liebsten Zeitvertreib haben.

    Früher habe ich ständig daran denken müssen, was S. alles getan hat, um mich wirklich fertig zu machen. Und natürlich nagt das noch an mir. Natürlich bin ich deswegen noch manchmal traurig oder wütend. Aber ich kann mittlerweile viel öfter darauf achten, was ich erreicht habe und weniger darauf, was ich nicht erreicht habe.

    Viel wichtiger als die Tatsache, dass mein Nachbar wöchentlich mit irgendwelchen Briefen nervt (Mülltrennung und das Chaos am Fahrradständer) ist die Tatsache, dass G. ohne zu zögern seine Hose anziehen und barfuß zu mir laufen würde, wenn ich ihn nur darum bitte. Ohne zu fragen, warum! Es ist mir viel öfter egal, dass G. mich hasst oder J. mich nicht liebt oder H. mich nicht mehr als Traumtyp sieht.
    Ich spüre und weiß, wie sehr sich meine Mama freut, wenn ich sie besuche. Das sogar meine Schwägerin in Spé sich freut, wenn wir ein paar Minuten Zeit finden, um zu plaudern.

    Das es Menschen gibt, die in Situationen, in denen sie nicht weiter wissen und mich wirklich um Rat oder meine Meinung bitten, daran habe ich einen großen Anteil. Und einen großen Anteil daran hat meine Oma, die mir, wenn ich daran denke, eigentlich nur 2 Ratschläge mit auf den Weg gegeben hat. „Nimm dich selbst nicht so wichtig.“ und „Lass immer einen kühlen Kopf entscheiden.“ Das hilft mir viel weiter als die Tatsache, dass ich wegen S. so schrecklichen Liebeskummer hatte.

    Und vielleicht habe ich deinen Post völlig falsch verstanden und hier jetzt nur absoluten Blödsinn geschrieben! Tut mir leid.

    1. Selbes Buch, anderes Kapitel, würde ich sagen?

      Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Diskussion zwischen meiner Mama und Schwester. „Du bist KEIN Opfer,“ waren dabei sehr wichtige Worte, die meine Schwester aber leider nicht zu verstehen schien. Insofern ist es sicher irgendwo verwandt, aber ich denke nicht, dass es ein Problem ist, zu sagen, wo die Ursache liegen könnte. Es ist kein Problem, meines Erachtens, zu sagen, dass man traurig ist, weil der Nachbar die Katze getötet hat. Oder zu sagen, dass man nicht für den Lateintest gelernt hat, weil man sich erst vom Freund getrennt hat und deswegen einfach nicht den Kopf hatte. — Es wäre wohl eher ein Problem, wenn man irgendwann keinen Job findet, und sagt, „Das war, weil ich mich in der neunten Klasse von meinem Freund trennen musste.“

      Aber Ursache ist ja nicht gleich Entschuldigung. Wenn meine Schwester oder ich von unseren Opa etwas Dummes vorgelebt bekommen, dann ist es immer noch unsere Entscheidung, ob wir dieses Verhalten nachahmen. Natürlich hätten wir dieses Verhalten ohne ihn (oder eine Person WIE ihn) nicht erlernen können, aber genauso haben wir uns ja dazu entschieden.

      Wie auch immer, mir ging es nicht unbedingt um die Opferposition, in die man sich spielt, wenn man davon spricht, wer alles für einen verantwortlich ist, sondern einen gesunden Stolz und die angemessene Dankbarkeit, die man entwickeln könnte/sollte.

      Erstens, ich bin wirklich klasse. Zweitens, das hat sehr wenig mit euch Idioten zutun. Das Leben ist kein Tauschhandel, in dem mir zwangsläufig solche Dreckfressen vor die Augen kommen mussten, damit ich jetzt toll bin. (Wobei ich tatsächlich glaube, dass uns oft schlechte Dinge passieren müssen, damit wir die nötige Perspektive finden.)

      Also, wie gesagt, gleiches Buch, anderes Kapitel. Wobei ich das sogar besser finde, weil es dann gleich etwas komplexer wird. Gerade bezüglich der Schuldfrage und so weiter.

      1. Hab schon ganz oft gelesen „Ich danke den Menschen, die nicht ehrlich zu mir waren und versucht haben, mich fertig zu machen. Denn durch sie bin ich der Mensch geworden, der ich heute bin.“
        Solche Sprüche fand ich schon immer irgendwie grenzwertig. Denn würde mein „Ich“ heute aus den Menschen geformt worden sein, die ich lieber nie kennen gelernt hätte, wäre ich wahrscheinlich jetzt tot. Natürlich spielen auch die negativen Erlebnisse eine charakterbildende Rolle, aber nicht ausschließlich. Wenn ich jetzt mal 2 Beispiele an Menschen nehmen würde und ihren Einfluss irgendwie „abwiegen“ könnte..

        Auf der einen Seite S., die mich fast in den Suizid getrieben hat und auf der anderen Seite S2, die ein Quell der Lebensfreude war. Ich denke, dass S2 auch heute noch einen größeren Einfluss auf mich hat bzw ich öfter an ihren Charakter denke und mich deutlich öfter an Dinge erinnere, die sie gesagt oder getan hat, als es bei S. der Fall ist. Was natürlich auch damit verbunden ist, dass die Erinnerungen im Fall von S2 auch von angenehmerer Natur sind.

        Dreckfressen ist übrigens ein tolles Wort. Erlaubnis, es weiter zu verwenden? :-D

        1. Ist Dreckfresse nicht eine übliche Beleidigung? : O Kotzbrocken und Dreckfressen benutze ich zumindest mental häufig, um meine Mitmenschen adäquat zu betiteln.)

          Ja. Das meinte ich mit angebrachter Dankbarkeit. Ich danke nicht denen, die scheiße waren. Ich danke denen, die für mich da waren, als diese Idioten mich fertig gemacht haben, denn ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht, wer und wo ich bin.

          Du hast also ein Ding für Menschen, deren Namen mit S anfangen. /filed under „for future reference“

          Meine Erinnerungen sind in vielen Dingen eher bruchstückhaft, also kann ich nicht beurteilen, ob es bei mir auch so ist, oder ob es daran liegen würde, dass die Erinnerungen von angenehmerer Natur sind oder so, aber ich glaube, man erreicht oft im Leben einen Punkt, in dem man realisiert, wie einfach es ist, grausam zu sein, und deswegen zu schätzen weiß, wenn jemand sich dagegen entscheidet, bzw. man erreicht den Punkt, dass einem klar wird, dass ein paar liebe Worte einem keinen Zacken aus der Krone brechen, und überdenkt, was man von Menschen gehalten hat, die einem noch nicht mal einen guten Morgen wünschen konnten.

          1. Kotzbrocken kannte ich. Dreckfresse war mir absolut neu, hat mich aber auf Anhieb begeistert.

            Ich habe wirklich den Eindruck, dass es einen bleibenderen Eindruck macht, wenn man zwischendurch mal ein paar nette Worte hört, bei denen man weiß, dass sie nicht nur so daher gesagt sind. S2 hat mir einmal ein kleines Paket geschickt mit einer wunderbaren Karte und etwas zu naschen. Als ich mich dafür bei ihr bedankt habe, meinte sie nur:“Ich wollte dir eine Freude machen mit einer kleinen Überraschung.“ Und ich habe mich wirklich sehr gefreut. Und weil ich mich gefreut habe, hat sie sich noch umso mehr gefreut. Und das sind die Dinge, die mir eher im Gedächtnis geblieben sind und an die ich viel lieber zurück denke als an die weniger netten Dinge.

          2. Komisch. Ich überlege, wo ich das Wort her habe.. Ich würde sagen von Mami. Wir haben sehr viele kreative Beleidigungen. Ist ja auch nötig, um die Menschen von einander zu unterscheiden. Immer nur „Arsch“ zu sagen wäre einfach zu verwirrend.. ;)

            Das ist unglaublich süß! D: ICH WILL AUCH NASCHKRAM IN EINEM PAKET!!

  3. Auf der Arbeit sind „Hafensänger“, „Bananenbieger“ und „Gurkengräber“ sehr beliebt. Ein englischer Kollege übersetzt gern mal 1:1 und kommt dann mit „Fickgesicht“!

    Ich habe an Weihnachten tatsächlich ein Paket mit Naschkram bekommen. Aber mit Schokolade, die leider nicht zu meinen Favoriten gehört. :-/

    1. Dabei höre ich auch fuckface nicht oft.. Ist aber auch schön. Eine amerikanische Bekannte, Amy, fragt mich oft nach deutschen Beleidigungen oder Sprüchen, und dabei fällt mir immer wieder auf, wie sehr wir uns auf Hintern und Kot fixieren.. Dreckfresse u.ä. sind da einfach angenehmer.
      Aaah, armer Manuel. :<

      1. Ja, das stimmt. Unsere Schimpfwörter sind wirklich sehr darauf fixiert. In einem Buch las ich diese Woche, dass der amerikanische Autor es so toll findet, dass wir Deutschen selbst beim Beleidigen sehr präzise sind. Während der Amerikaner „Fuck you“ sagt, sagt der Deutsche oft „Fick dich ins Knie“. Da wird gleich noch mitgegeben, wohin. :-D

        1. Ohh, Titel bitte! :D

          In wieviel Sprachen das wohl so ist? Wenn ich da an die Kurden hier denke.. Die sind teilweise dann noch nicht fertig, jemanden zu beleidigen, wenn man selbst dabei mental beide Faust Tragödien rezitiert.

          Wobei ich hier sagen muss, dass ich selbst meistens nur dann Schimpfworte benutze, wenn ich nicht versuche, zu beleidigen. (Also, für mich ist es oft ein Instinkt, genau dann nicht zu beleidigen, weil man ja sonst als „hysterisch“ betitelt wird, da man Eierstöcke hat.) Das geht auch anders. Und meistens sind es die Leute nicht wert, kreativ zu werden. Wenn mir wirklich keine bessere Beschreibung für jemanden einfällt als „Dreckfresse,“ dann benutze ich eben das Wort. Das beleidigt aber wohl eher meinen Wortschatz.. ;)

          Wobei es auch Situationen gibt, in denen ich mit viel Freude Schimpfworte um mich schmeiße. Aber meistens eben aus anderen Gründen. :/

          Trotzdem ist mir die kreative Art, zu beleidigen, die viele Ausländer haben, oftmals viel angenehmer, als das deutsche „Schlampe! Arschloch!“ Gelaber.

          1. Das Buch heißt „Dono’t worry, be german“ von John Doyle.

            „Pissflitsche“ fand ich auch immer toll. Ich versuche gerade, mich zu erinnern, wann ich jemanden das letzte mal mit einem Schimpfwort direkt angesprochen habe. Das muss wirklich lange her sein. Ich glaube, ich habe kürzlich mal im Chat jemanden gefragt, ob er vielleicht nicht unbedingt „die hellste Kerze auf der Torte“ sei.
            Werde ich mit zunehmendem Alter entspannter? Oder unkreativer? Oder freundlicher?

            S2 hatte übrigens die Angewohnheit, Doofmann zu sagen. Ich habe in all den Jahren, in denen ich sie kannte, nie ein stärkeres Schimpfwort gehört als das. Nicht einmal das Wort „Scheiße“ hat sie benutzt. Sie hatte allen Ernstes noch „schlimme Wörter, die man nicht sagt“. Ich habe wirklich lange gebraucht, um in ihrer Gegenwart nicht versehentlich zu fluchen.

          2. Werd ich mal suchen gehen! :D

            Das hab ich ja noch NIE gehört. O_O Ach du..

            Ich glaube, man wird eventuell resignierter?

            Hah! Doofmann. Wie genial. :DDD Ich hab oft Blödkopf gesagt, was aber von einer Freundin kam, würde ich meinen. Zu der Zeit war meine Schwester aber auch in dem Alter, in dem sie noch nicht in der Schule war und so, also wollte ich ihr keine Beleidigungen beibringen, die sie sonst nie gehört hätte. Jetzt kennt sie vermutlich mehr als ich. ._. Ich halte sie trotzdem vom Wohnzimmer fern, wenn mein Opa und meine Mama Fußball schauen. Die WM war brutal.. ;D

  4. Resigniert könnte auch sein. :D
    Blödkopf ist auch schön. :-) Ich finde es aber doch irgendwo toll, wenn jemand ohne schlimmere Schimpfwörter auskommt. Obwohl es wie gesagt am Anfang manchmal etwas schwer und lästig war, sich zu entschuldigen, wenn es einem mal rausgerutscht ist.
    Pissflitsche kanntest du nicht?

    1. Kannte ich echt nicht. ._.

      Ja, ist irgendwie.. ich weiß nicht. Erinnert mich an eine Diskussion mit meinem Großvater. Darüber wollte ich ursprünglich auch einen Artikel schreiben. (und hab das sogar getan, aber nicht veröffentlicht) Wenn man seine Wut oder seine Missmut ausdrücken kann, ohne dabei Schimpfworte zu benutzen, dann kann das oftmals einen sehr großen Effekt haben. Dem Zucken meines Opas nach ist dem zumindest so..

      1. Ich denke, wenn man sowas kann, wird man in einer Diskussion oder einem Streit auch eher ernst genommen, als wenn man 20 Minuten vor sich hin flucht. Hast du viele Artikel, die unveröffentlicht bleiben?

        1. Er hat zumindest ziemlich geschluckt. Ich glaube, weil er gerne so tut, als wären Argumente, die man auf Emotionen zurückführen kann, irrelevant und unwahr. Wie die Leute, die sagen, dass Ausländer nicht über die Ausländerpolitik sprechen sollten, weil sie da ja viel zu vorbelastet sind. (Macht absolut Sinn, hm-hm. /smh) Da ich aber in seinen Augen eine sehr eiskalte, rationale Person bin, und dann noch nicht einmal geflucht habe, konnte er sich damit nicht „beruhigen“ und vor Reflektion bewahren. Natürlich hat er irgendwelche anderen Gründe gefunden, wieso das, was ich gesagt habe, nicht wichtig/richtig ist, aber gegen gewollte Ignoranz kann ich eben nichts tun.

          Ich hab gerade nachgeguckt..

          Insgesamt: 660 Artikel, davon 290 veröffentlicht; 193 Entwürfe; 177 Private; 1 Papierkorb (??)

          Ich nehme also an, man könnte sagen, ich habe viele Entwürfe? So im Verhältnis zumindest.

          Oft veröffentliche ich sie nur nicht, weil ich das Gefühl habe, dass sie, hm.. repetitiv oder verletzend sein könnten. In Richtung, „Es ist nicht nötig, dass ich diese Dinge veröffentliche,“ oder „Es ist nicht nötig, dass bestimmte Leute, die mir folgen, das hier lesen.“ — Entweder, weil sie es falsch verstehen könnten, und sie das verletzen würde, oder, weil sie mich mit ihren Meinungen nerven könnten, und das oftmals einfach unnötig ist.

          Im Fall meines Opas allerdings mehr, weil es.. hm, nicht wertungsfrei genug war. Meine eigene Darstellung ist natürlich immer absolut subjektiv, (wie, wenn man darüber nachdenkt, natürlich alles immer subjektiv ist; und spezifisch alles sein wird, egal, wie sehr ich versuche, verschiedene Perspektiven darzulegen) und würde er es lesen, wäre er sicher der Meinung, ich würde „manipulieren,“ um „beliebter“ zu sein. Ist nicht der Fall, aber so sehen es Menschen eben. Natürlich ist meine Darstellung relativ einseitig.. Ich stelle ja auch MEINE Seite dar. Und selbst, wenn ich ihre Seite anbringe, dann tue ich das automatisch aus meiner Perspektive; eben, weil nur meine eigene Perspektive HABE.

          Aber zusätzlich ist es schwierig, einen Konflikt, der so lange anhält, darzustellen. Würde ich nur diese Diskussion teilen, dann würde vermutlich jeder denken, dass ich herzlos, respektlos und furchtbar bin, weil ich einem armen, alten Mann aufgeführt habe, dass er schrecklich ist. — Aber auch, wenn ich erkläre, wie er ist, würde man vermutlich fragen, wieso er sich dann noch in meinem Leben befindet, oder welchen Einfluss das wohl auf mich genommen haben mag.

          In anderen Worten, es ist mir oftmals auch zu privat. Ich brauche es nicht, dass Leute wie Schlesinger sich hinstellen, und meinen, diese Dinge an irgendwelchen anderen Stellen anzubringen, zumal diese Leute das ja nicht einmal differenziert tun. Weil ich meinem Opa die Meinung gesagt habe, muss ich offensichtlich fremden alten Männern auf der Straße sagen, dass sie Sexistenschweine sind, oder was auch immer.

          Wenn ich also das nächste Mal davon berichte, dass mich ein 30 Jähriger bei Aldi angefasst hat, dann könnte so etwas kommen wie, „Deinem eigenen Verwandten hast du eine Moralpredigt gehalten, aber bei diesem Typen hattest du Angst?“ Mit der Implikation, dass ich irgendwas überspiele, oder lüge, oder was auch immer. – Nur als Beispiel, da mir nicht ganz klar ist, wie genau bestimmte Argumente zustande kommen.

          Veröffentlichst du alles, oder hast du auch Entwürfe?

          1. Ich hatte, wenn ich mich richtig erinnere, auf meinem alten Blog einen einzigen Entwurf. Warum der nicht online gegangen ist, weiß ich gar nicht mehr. Zu sinnlos? Nichtssagend? Dumm? Gehässig?
            Mir fehlt ja nach wie vor die Fähigkeit, mir vorm Schreiben etwas Zeit zu nehmen, um den Reaktor runterzufahren, wenn gerade etwas passiert ist, worüber ich schreiben möchte.

            Ich kann gut verstehen, dass dir manches zu Privat ist. Ich bin da ja manchmal zu fahrlässig, was ja schon zu einigen Problemen und damit zur Schließung des alten Blogs geführt hat. Und da dein Verhältnis zu deinem Opa ja nicht 5 Minuten alt ist, würde es wohl vielleicht auch den Rahmen sprengen, das hier zu erläutern. Vor allem, wenn du, was ich von dir einfach mal annehme, auch seine Seite darlegen würdest.

            Aber ich bin froh, momentan wieder öfter von dir zu lesen. Auch, wenn ich das Gefühl habe, zu inhaltslos zu antworten. ;-)

          2. Oh, wow! Ich glaube, würde ich mehr mit meinem Leben anfangen, als zuhause zu sitzen und hübsch auszusehen (wobei das sicherlich auch keine wirkliche Leistung ist, wenn man auslässt, dass ich mir dafür regelmäßig das Gesicht wasche..) würde ich wohl auch weniger Zeit für Entwürfe haben. Im Endeffekt poste ich auch immer drauf los, aber vermutlich habe ich erst dann den Impuls, wenn der eigentliche Inhalt schon irgendwo in meinem Kopf rumspukt. Dass ich ihn dann zum Schluss nicht poste, ist wieder eine andere Geschichte.. :D

            Aber solange ich die Dinge relativ neutral halte, also nicht über spezifische Situationen spreche, sondern eher über die umfassendere Problematik, fällt es mir leichter, zu schreiben. Natürlicht macht es mir das auch wieder schwerer, das Geschriebene zu veröffentlichen, weil es ja offensichtlich nicht „komplett“ ist, und somit nicht an dieses umfassendere Problem heranreicht.

            Ja, daran erinnere ich mich noch. Hm, nein, ich würde natürlich sagen, dass er grundlos ein Rassist ist, und dann frühere Spekulationen darüber, ob man Feuer vorwerfen darf, dass es heiß ist, in den Wind werfen. Er wäre eben einfach ein schlechter Mensch. ;) Nein, quatsch. Du hast schon Recht, meine Zwanghaftigkeit könnte mich dazu verleiten, einen Roman über seine Kindheit im Nachkriegsdeutschland zu verfassen. :’D

            Finde ich gar nicht. Über deine Kommentare freue ich mich immer! Zumal sie meistens auch dafür sorgen, dass ich Dinge noch mal extra überdenke. So inhaltslos kann etwas nicht sein, wenn es dafür sorgt, dass jemand andere Perspektiven versucht, anzunehmen.

  5. Ich glaube, darum beneide ich dich. Also darum, dass du den eigentlichen Inhalt schon irgendwie im Kopf hast. Bei mir muss man sich das manchmal so vorstellen:
    Arbeitskollege benimmt sich wie ein Arsch. Ich komme nach Hause, setze mich hin und nenne ihn einen Arsch. Artikel fertig.
    Ich nehme mir kaum mal 5 Minuten um auf die Hintergründe wirklich einzugehen. Zumal es sich bei dem Kollegen schon über Jahre hinzieht.
    Und ich lasse dann gern auch mal einige Umstände weg. Nicht, weil ich Angst habe, dass mein Eindruck, er sei ein Arsch, dann wohl komplett haltlos werden würde, sondern weil ich es in dem Augenblick für nicht ganz so wichtig erachte. So nach dem Motto „Wenn ich das sage, stimmt das auch.“
    Würdest du diesen Kollegen kennen, würdest du wohl deutlich mehr von den Hintergründen erzählen, viel mehr erläutern und erklären.

    Das bekomme ich oft genug nicht hin. Vor einigen Jahren hatte ich mit dem Arschkollegen und seinem Scheißkollegen etwa 6 oder 7 „klärende“ Gespräche im Jahr, in denen wir herausfinden wollten, wie wir das Arbeitsklima und die Produktivität verbessern könnten. Mein damaliger Chef sollte als neutrale Person dabei sein. Er war auch dabei, nachdem er dem Arschkollegen ganz neutral den roten Teppich ausgerollt hat. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er zwischendurch noch seine Schuhe poliert hätte.

    Vor solchen Gesprächen habe ich mir jedesmal Zeit genommen, alle möglichen Argumente von Arschkollege und Scheißkollege aufzurufen und die passende Antwort darauf zu finden. Ich kann mich an kein Gespräch erinnern, an dem sie nicht irgendwann sinnlos gestammelt, gestarrt oder „trotzdem“ gesagt haben.
    Ich begreife nur nicht, warum mir das beim Bloggen nicht so gelingt. Ich sehe viel zu oft nur eine Seite der Medaille. So sehr ich mich auch bemühe.

    Möglicherweise habe ich Angst, dass es Leser gibt, die einen Artikel mit mehr als 167 Wörtern nicht lesen? Dabei kenne ich alle Leser und weiß, dass es nicht so ist.

    1. Das könnte an meiner Erziehung liegen. Also, dass ich eher einen allgemeinen Charakterzug verblogge, als spezifische Personen, und dementsprechend dann mehr darüber schreibe. Und dass ich erst wirklich darüber schreibe, wenn ich genug „Futter“ im Kopf hab, ist wohl eher eine Patricia-Sache, weil ich innerlich immer weiter mit mir diskutiere. Wenn ich also schreiben würde, „Was ein Arschloch,“ dann würde in meinem Kopf gleich kommen, „Wieso? Was war denn? Heißt das echt, dass du ihn jetzt Arschloch nennen darfst?“ und so weiter. :’D

      Aber es ist ja nicht falsch, stattdessen auf den eigenen Alltag direkt zu reagieren. Stattdessen ist das ja sogar auf vielen Ebenen eine viel ehrlichere Form, sich mitzuteilen. Ich überdenke und überdenke, und finde dann die genau richtigen Beispiele, um meine Meinung zu untermauern. Aber würde ich nur ein Beispiel anbringen, dann würde jeder es im Kontext seiner Singularität ansehen, und dementsprechend würde eine ganz andere Form von Kommunikation stattfinden. — Meiner Meinung nach ist also keine Form besser oder schlechter. Wir schreiben halt anders. Es wäre für mich zum Beispiel wünschenswert, Augenblicke festhalten zu können, aber ich schaffe es einfach nicht. Sobald ich anfange, und das habe ich schon oft versucht (siehe Anzahl der Entwürfe) schweife ich plötzlich ab. Selbst bei dem Post über meinen Opa ging es dann nicht mehr um ihn, sondern um Diskussionsfreude und so weiter. Das ist furchtbar. Ich wollte nur über diese eine Diskussion sprechen, aber nein.

      Diese klärenden Gespräche klingen ehrlich ein wenig wie die Hölle. Im Übrigen super, dass du das IRL schaffst. Bei mir ist es oft andersherum. Sobald ich schreibe, und selbst, wenn ich das in derselben Geschwindigkeit tue, wie ich spreche, fallen mir bessere Argumente ein. Ich glaube, ich bin ein zu visueller Mensch, und die Dinge, die ich äußere, zu sehen, hilft, noch mehr und vor allen noch bessere Argumente nachzuschieben. — Zum Schluss klappt das auch in normalen Gesprächen, aber meistens muss ich da eben kurz überlegen, wie genau ich erklären kann, dass mein Gegenüber scheinbar Scheiße statt Hirn im Kopf hat.

      Hmm.. ja, kenne ich. Mittlerweile blogge ich nur, weil es seltsam befreiend ist, und achte nicht darauf, welche Posts mehr oder weniger Klicks kriegen (mit Ausnahme der Pro Ana Sachen.. ich hab vor einiger Zeit einen Artikel dazu verfassen wollen, damit die Leute, die so auf den Blog finden, vielleicht etwas mehr finden als Satire) aber ich erinnere mich daran, weniger schreiben zu wollen. Genauso wie ich jetzt ja Momente habe, wo ich Dinge aus ähnlichen Gründen *nicht* schreibe.

      Es ist irgendwie seltsam, wie man sich durch bestimmte Sachen in Richtungen gedrängt fühlt. /seufz

      Ich würde mich zumindest über längere Artikel nicht beschweren. ;) Es ist nur möglich, dass ich manchmal etwas länger brauchen könnte, um zu reagieren.

      1. Vielleicht liegt die Tatsache, dass du dir beim schreiben schon bessere Argumente überlegst auch darin, dass es sie gibt oder du sie für nötig erachtest. ;-)
        Das ist bei meinen Kollegen nicht nötig, weil ihre eigentlich darauf beruhen, dass sie ihren Arbeitstag lieber damit verbringen wollen, einen Schatten zu werfen und Sauerstoff zu verbrauchen. Dagegen kommt man relativ leicht an. ;-)

        Möglicherweise fällt es mir aber auch schwerer, etwas allgemeiner zu bloggen, weil ich nicht deine Fähigkeit habe, niemanden auszuschließen. Ich weiß es nicht. Ich habe mal wieder doof geträumt und habe zu wenig gegessen.
        Das hole ich jetzt nach.

        1. Oh Gott, ehrlich? Ich würde gegen die Argumente deiner Kollegen dann vermutlich gar nicht gut ankommen. Wenn man so dazu steht, wer man ist und wieso man Dinge macht, dann ist es ja viel eher ein Prinzipienfrage. Aber vermutlich bin ich da auch vorgeschädigt, weil mein Opa innerhalb der letzten Jahre angefangen hat, so zu diskutieren und dabei auch lügt, nur, um „zu gewinnen,“ was mir sehr unsympathisch ist.

          Ich glaube nicht, dass es daran liegt. Ich schließe auch Leute aus, und hab das früher sogar noch viel mehr gemacht. (Wobei ich jetzt nicht mehr die Ausrede habe, bestimmte Minderheiten nicht zu kennen..) Und ganz ehrlich gesagt finde ich auch nicht, dass du allgemeiner schreiben müsstest. Es sind verschiedene Formen des Bloggens. Ich versuche, bestimmte Probleme anonymer zu gestalten, WODURCH sie dann eben allgemeingültiger werden. Bei dir hingegen hat man die Situation direkt vor Augen. Die Diskussion darunter kann sich auf beiden Seiten genau gleich gestalten. Ob ich sage, „Ich mag es nicht, wenn man mich anlügt,“ oder du sagst, „X hat mich angelogen, und das fand ich eher scheiße,“ — Der Inhalt kommt trotzdem an.

          Meiner ist nur meistens länger, weil ich ausholen muss, damit ich „anonym“ schreiben kann, ohne irgendjemanden zu beleidigen, weil ich mir nicht die Mühe gegeben habe, zu versuchen, Ausnahmen einzubinden. :D

          Ich hoffe, es hat gemundet! ;)

          1. Es hat gemundet, ja. :-)

            Das Problem mit meinen Kollegen ist, dass sie leider die Einstellung haben, es wäre in Ordnung, wenn andere ihre Arbeit für sie erledigen. Oder von anderen erwarten, ihr Pensum zu erhöhen, damit sie es ruhiger haben.

            Eine andere Kollegin hat mal gegenüber einem ehemaligen Abteilungsleiter den Satz gesagt:“Stell dir mal vor, ich musste meine Arbeit selbst machen.“
            Und sie war total entrüstet. Sowas muss man sich mal vorstellen. Da beschweren sich Menschen, weil sie das, wofür sie bezahlt werden, auch selbst tun müssen.
            Ungeheuerlich!

          2. Ist das nicht irgendwo eine Krankheit, die sich immer mehr verstärkt? Dass man denkt, dass einem wirklich alles zusteht, ohne jedweige Zuarbeit oder Eigenverantwortung? Wird vor allem meiner und jüngeren Generationen vorgeworfen. Nervig ist es in jedem Fall. Aber wenn jemand seinen Luxus so selbstverständlich nimmt, gibt es da m.E. wenig, was man sagen könnte. Ich würde nur noch schreien, nehme ich an. :D

            Hole mir jetzt auch Nahrung. :>

  6. Schreien läuft bei mir dann immer innerlich ab. :-D
    Bei uns gibt es die Möglichekeit für den Abteilungsleiter, am Ende des Jahres Sonderprämien auszuschütten an einzelne Mitarbeiter. Da geht es dann um etwas 200 bis 500 Euro. Wobei 500 wohl eher die Seltenheit sind.
    Und irgendwann saßen wir mal bei einer Besprechung zusammen und es ging eben um diese Premien. Und ein Kollege, der sie wohl noch nie bekommen hat, zeigte auf einmal mit dem Finger auf mich und meinte, warum ich die denn bekommen würde und er nicht. Es wäre doch gerechter, wenn jeder die bekommen würde.
    Ich war total überrumpelt und wusste gar nicht, was los war.

    Da meinte mein Chef:“Manuel beherrscht 4 verschiedene Anlagen. Er geht ohne zu murren in anderen Abteilungen aushelfen, macht kurzfristig Überstunden auch am Freitag, kümmert sich selbst um die meisten Dinge und reicht pro Jahr etwa 20 bis 25 Verbesserungsvorschläge ein, die oft weit über seinen Bereich hinaus gehen. Du machst einen Job und weigerst dich, auch nur für einen Tag woanders auszuhelfen. Wo wäre jetzt die Gerechtigkeit, wenn du die gleiche Prämie kriegen würdest wie er?“

    Die Antwort darauf fiel sehr, sehr wortkarg aus. Mir war das etwas unangenehm, aber so mit etwas Abstand fand ich das absolut richtig. Bezahlt werden wir ja jeden Monat. Alle. Und das auch immer pünktlich. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass Sonderprämien für Dinge bezahlt werden, die über das „Soll“ hinaus gehen. Und es sind scheinbar immer weniger bereit dazu, über das „Soll“ hinaus etwas zu tun. Komischerweise sind das aber bei uns eher die älteren Kollegen, die oft meinen, sie hätten sich das verdient. Hört man einige andere, waren die aber schon vor 25 Jahren keinen Deut fleißiger.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s