#4 at most i’m sleeping all these demons away

Ich neige dazu, bestimmte Dinge unterschiedlich zu bewerten, und mir wird dabei manchmal eine Willkür oder sogar rassistische oder sexistische Tendenz unterstellt, die m.E. nicht da ist.

In meinen Rezensionen bewerte ich z.B. oft das Verhalten mancher Männer „strenger“ als dasselbe Verhalten, wenn es von Frauen kommt. Aber das ist maximal eine Reaktion auf Sexismus, nicht eine sexistische Wertung der Situation. – Ein männlicher Bodybuilder, der eine alte Frau schlägt, ist für mich einfach schlimmer, als eine Szene, in der eine 12 Jährige ihrem großen Bruder vors Schienbein tritt. Ich weiß ja auch nicht, wieso ich da solche Unterschiede mache. Bin bestimmt ein Feminazi.

Würde ein Mensch, spezifisch ein Mann, mich so behandeln, wie in „Different“ würde ich ihn vor die Tür setzen. Gleichzeitig kann ich absolut nachempfinden, wovon die Jungs in dem Song singen. (Was auch dafür spricht, dass mein Koreanisch langsam besser wird!) Natürlich mache ich persönlich daraus keinen Song und sage, dass man sich damit abfinden soll, dass ich so bin, „ich bin halt anders, als der Mann, den du dir wünscht, aber bleib trotzdem bei mir,“ sondern versuche, mich zu ändern, aber weil ich diese Gedanken verstehen kann, und sie trotzdem abwerte, in einer Gesellschaft, in der verlassene Frauen gerne verurteilt werden, Männer aber unterstützt -und hier spreche ich von der koreanischen Kultur aus der dieser Song stammt- dann ist das wohl „Reverse Sexism“ und „Feminazi“, nicht eine Frage der Perspektive.

Aber das Ganze passiert auch genau andersherum, oder nicht? Mütter, die ihre Kinder verlassen, werden doppelt verurteilt. Frauen, die fremdgehen, sind nicht nur Arschlöcher, sondern auch Huren. Es wird hier also tatsächlich davon ausgegangen, dass die Mentalität von Frauen, aller Frauen, sie emotionaler macht, sie also besonders scheiße sein müssen, um ihre Kinder im Stich zu lassen -anders als Väter, die sich da einfach nicht helfen können- und dass sie aktiv die Entscheidung treffen, ihren Partner zu verletzen, anders als Männer, die sich nicht gegen ihre bösen Triebe wehren können. – Und da ist es tatsächlich Sexismus, denn es geht nicht um das Individuum, das physisch stärker ist, oder die Gesellschaft, die nachweislich auf eine bestimmte Art wertet, sondern eine Gruppe von Menschen, die grundsätzlich so oder so eingeschätzt und danach behandelt wird.

Es geht mir in diesen Fällen nicht um das Geschlecht der Person, sondern die Wertung, die darauf gelegt wird. Wenn ein Erwachsener ein Kind schlägt, werde ich das anders bewerten, als wenn ein Kind einen Erwachsenen schlägt. Wenn ein Schwarzer, dessen Eltern bereits in den Staaten gelebt haben, dessen Großeltern versklavt waren, dessen Vorfahren aus ihrem Land gerissen wurden, sagt, dass er echt genug von Weißen hat, dann werte ich das anders, als wenn ich hier ohnmächtig die neuesten PEGIDA-News sehe.

Genauso werde ich einen Spruch wie „Scheiß Weiße“ anders bewerten als „Scheiß N-Wort“, solange wir uns dabei in einem weiß-dominierten Land befinden. (Dementsprechend andersherum, wenn in Japan jemand Koreaner beleidigt, oder was auch immer.) Offensichtlich bin ich also auch Rassistin. Ich furchtbarer Mensch.

Nicht falsch verstehen. Es gibt Situationen, in denen ich tatsächlich aktiv daran arbeiten muss, nicht vorzuverurteilen, oder in denen ich durch meine eigenen Erfahrungen nur im Kontext dieser Erfahrungen denke, einen Filter vor Augen habe, der es mir leicht macht, Fakten auszublenden, die gegen meine Wertung sprechen.

Vor einigen Jahren fiel es mir z.B. sehr leicht, weibliche Figuren in Büchern zu verurteilen, für alles, was sie gemacht haben. Ich musste mich aktiv damit auseinandersetzen, wieso ich das getan habe. Wieso ich zum Beispiel ständig Frauen in Serien Antipathie gegenüber empfunden habe, ihren männlichen Gegenstücken aber nicht, selbst, wenn es gerechtfertigt gewesen wäre, diese Figuren zu hassen. Und es war absolut kein schöner Prozess, genauso, wie es jetzt kein schöner Prozess ist, meine eigene Rolle in dieser Dynamik anzuerkennen, und etwas dagegen zutun. – Besonders, wenn mir dabei vorgehalten wird, genau das zu sein, was ich aktiv versuche, aus meinem Denken zu schieben.

Ein gutes Beispiel wäre dabei wohl Bella aus der Twilight-Reihe. Ich hab bis heute gemischte Gefühle. Einerseits hatte sie wenig Persönlichkeit.. oder? Sie mochte Jane Austen, sie war gerne allein, sie war relativ unabhängig, bevor sie Edward getroffen hat, sie war ab und an sarkastisch, mochte bestimmte Musiker, hatte kein Gleichgewichtssinn, konnte gut kochen, vermutlich, weil ihre Mutter sehr abwesend, wenn auch mehr oder weniger liebevoll, war. Aber diese Dinge hatten meist wenig Einfluss auf die Handlung. Sie hatte also wenig „Agency“, also eine beinahe „Selbstbestimmtheit“ innerhalb der Reihe. War das ihre Schuld? Sollte man wirklich auf der 17 Jährigen rumhacken, die in einen sehr schönen, sehr klugen, und sehr höflichen Typen verliebt ist, anstatt auf dem 100 Jährigen Typen, der eine 17 Jährige stalkt, beim Schlafen beobachtet, Menschen getötet hat, seine manisch-depressiven Züge mit manisch-depressiver Euphorie auslebt?

Trotzdem habe ich das getan. Ich hab sie dafür verantwortlich gehalten, was ihr angetan wurde. Dass sie depressiv wurde, als der Typ, der sie in eine Abhängigkeit zu ihm gebracht hat, sie verlassen hat, nachdem sie in eine neue Stadt gezogen war und durch ihn nicht unbedingt durchweg gute Erfahrungen in dieser Stadt gemacht hat, mehrere emotionale Traumata durchlebt hat, isoliert wurde, usw. Dass sie sich nach ihm gerichtet hat, als ob es schlimm wäre, wenn das ihr Wunsch wäre, und als ob es schlimm wäre, wenn sie es getan hätte, weil sie sich dazu verpflichtet gefühlt hat. – Was schlimm ist, ist, dass ein uralter Mann eine Jugendliche emotional ausnimmt. Aber er funkelt. Das macht das alles besser, ich vergaß. Und es ist kein Problem, dass ihr Vater dem Mann gratuliert hat, der sie sexuell genötigt hat. Sie reagiert da völlig über.

Wenn ich mich also zB in der Buchbloggersphäre befinde, und dort hauptsächlich so über Bella gerichtet wird, ist es dann von mir „sexistisch“, entgegensteuern zu wollen?

Ich finde nicht, dass ich paradox oder willkürlich urteile. Ich finde, dass es schwer ist, ob als ausländischer, als schwarzer, als behinderter, als homosexueller, als nichtbinärer.. MENSCH, in einer Gesellschaft zu leben, in der so getan wird, als gäbe es keine Unterschiede in der Art, wie wir behandelt werden. In der, wenn es ginge, auch ein Mensch mit amputiertem Bein im Sportunterricht nach den Maßstäben der beidbeinigen Mitschüler zensiert werden würde, denn es ist ja „so unfair“, dass es diesem körperlich behinderten Menschen so viel einfacher gemacht wird, wie kann man es nur wagen!?

Wenn irgendetwas paradox ist, dann, dass wir unseren Kindern nicht bewusst machen, wie wichtig es ist, differenziert zu denken. Dass wir uns selbst nicht anstrengen, daran zu denken, dass wir nicht der Maßstab der Dinge sind. Dass die Privilegien, die uns zu Teil werden, für viele Menschen Luxus und Träume sind. Tatsache ist, dass ich innerhalb dieses Textes bestimmt viele Fehler gemacht habe. Menschen komplett vergessen, in dem ich bestimmte Pronomen benutzt oder nicht benutzt habe; indem ich aufgelistet habe, aber nicht vollständig. Indem ich irgendein Wort benutzt habe, dass beleidigende Konnotationen hat. Muss ich dran arbeiten. Aber es ist nicht „unfair“ oder „willkürlich“, dass ich daran arbeite, und die Zeit nicht damit verbringe, irgendjemandem Gefallen zu tun, der gar keine braucht.

(Und nein, das hier ist kein „feministischer, deutschlandfeindlicher Propagandatext“; was ich zur Zeit im Internet mitbekomme, ist einfach nur fragwürdig und Beleidigungsanregend, meine Fresse..)

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59 Kommentare zu „#4 at most i’m sleeping all these demons away

  1. Manchmal schwirrt mir der Kopf, weil du in so einen relativ kurzen Text so viel reinpacken kannst. :-)

    Gibt es denn tatsächlich Leute, die keinen Unterschied darin sehen, ob ein Bodybuilder eine Frau älteren Semesters schlägt oder ob ein junges Mädchen ihrem großen Bruder vors Schienbein tritt?
    Ich denke, diese Situation lässt sich ein Stück weit mit Bella und Eyebrow-Ed in Verbindung bringen. Ich habe ja die Bücher nicht gelesen und nur den ersten Film gesehen, aber du sagst ja, dass Edward es geschafft hat, Bella in eine Abhängigkeit ihm gegenüber zu führen. Und ich denke, genau da liegt der Unterschied bzw die Verantwortung, die er trägt. Ich gehe mal davon aus, dass er sich dessen sicher bewusst ist. Was dazu führt, dass er mit der von ihm herbeigeführten Situation dementsprechend umgehen muss. Er weiß, dass er Bella gegenüber eine gewisse Macht ausübt und einen starken Einfluss auf sie hat.

    Ebenso denke ich, weiß ein Bodybuilder um seine physische Stärke oder ein trainierter Kampfsportler um seine Fähigkeit, anderen körperlichen Schaden zuzufügen.
    Ein Kind von 12 Jahren, dass ihrem großen Bruder auf den Arm schlägt, weil er es gerade geärgert hat (geschlechtlich umgekehrt natürlich auch), kann, denke ich, die Situation in so einem großen oder komplexen Rahmen nicht erkennen. Es ist wohl eher eine Momentaufnahme, eine Reaktion auf etwas unmittelbar erlebtes.

    Ich begreife allerdings nicht, wie man dir Sexismus vorwerfen kann, weil du Bella „verteidigst“. Du hast eine andere, vielleicht weiträumigere Sicht auf sie und Edward, als es vielleicht andere haben. Das kann ich natürlich nur vermuten.

    „Genauso werde ich einen Spruch wie “Scheiß Weiße” anders bewerten als “Scheiß N-Wort”, solange wir uns dabei in einem weiß-dominierten Land befinden.“

    Ich glaube, hier triffst du einen Punkt, den ich immer öfter gerade auf öffentlichen Facebook-„Diskussionen“ erlebe.
    Ich habe den Eindruck, dass viele Leute nur noch in Extremen denken. Wenn du sagst, dass du „Scheiß Weiße“ anders bewertest als „Scheiß N-Wort“, werden wohl manche Menschen davon ausgehen, dass du „Scheiß Weiße“ in Ordnung findest. Eben, weil es ihnen nicht gelingt, sich zwischen den Extremen zu bewegen. Es gibt nur entweder, oder!

    „Wenn ihr nicht für mich seid, seid ihr gegen mich!“ (Anakin Skywalker) – „Nur ein Sith kennt nichts als Extreme!“ (Obi Wan Kenobi)

    Ich wurde, weil ich die Pegida… naja, nicht lächerlich finde, aber einfach nicht nachvollziehen kann, oft als linksextremer Spinner tituliert. Da ich erahnen kann, von was für Personen so etwas kommt, trifft mich das nicht sonderlich, denn wer nicht gewillt ist, sich meine Argumente anzuhören und zu verstehen, warum ich so denke, dessen Meinung nehme ich mir auch nicht vollkommen zu Herzen.

    Mir gingen eben so viele Sätze durch den Kopf, die mir gerade wieder entfallen sind. Das ärgert mich jetzt. Wenn sie mir wieder einfallen, kommen die aber noch. :-)

    1. Effizient, ich weiß. :D Dabei würde es auf Englisch noch mal so viel einfacher gehen, glaube ich. Aber man möchte ja versuchen, sich auch in seiner Muttersprache verständlich zu machen. (Oder auch nicht, wie du in deiner letzten E-Mail erwähnt hast..)

      Meine Beispiele waren einfach sehr offensichtlich. Man könnte jetzt an irgendwelche historischen Ehen denken. Wie schlimm ist es, wenn dort eine machtlose Frau -denn die Kirche, die Verfassung und die Gesellschaft haben sehr klar gemacht, wie wenig Macht sie hatte- ihren Ehemann geschlagen hat, im Vergleich dazu, dass er es machen konnte, und niemand nur mit der Wimper gezuckt hätte? Körperliche Gewalt ist in jedem Fall schlimm, aber so zutun, als wäre es alles dasselbe, ist lächerlich.

      Ganz ehrlich, selbst wenn Edward das nicht beabsichtigt hat, was durchaus möglich ist, darf man hier weiterhin nicht vergessen, dass er weiterhin über 100 Jahre alt war. Man kann Bella ruhig dumm finden, aber es kommt mir heuchlerisch vor, sie so zu verteufeln.. und ihn nicht. Bella war ihm in vielen Dingen grundsätzlich unterlegen. Erfahrung, Bildung, Alter, Stärke, Finanzen, Macht. Und wir wollen wirklich auf ihr rumhacken? Ich weiß ja nicht.

      Stimme dir zu. Es gibt einen Unterschied, wenn die Person sich wohl bewusst ist, wie viel Macht sie hat -ob physisch, emotional, wasauchimmer- oder wenn es eine Affekthandlung ist, die vielleicht auch noch vollkommen aus dem Kontext gerissen wurde.

      Es ist sexistisch von mir, so diese Leute, weil ich Edward grundsätzlich verteufle. Weil ich ihn, weil er ein Mann ist, etwas wofür er ja nichts kann, nicht mag, und alles an ihm kritisiere. Natürlich beweist das, wie wenig sachlich sie meine Aussagen gelesen haben, aber es regt mich trotzdem auf.

      Das in Extremen-Denken erinnert mich an etwas.. „A ist schlimmer als B. Wenn du denkst, dass ich damit sage, dass B nicht schlimm ist, dann bist du ein Idiot.“

      In Amerika „Scheiß N Wort“ zu sagen ist schlimmer, vor allem, da Ferguson noch weiterläuft, als „Scheiß Weiße“. Das heißt nicht, dass „Scheiß Weiße“ für mich mein neues Motto ist. Ich werd mir den Spruch nirgendwo hintättowieren lassen. Trotzdem gibt es einen Unterschied.

      Klar, es gibt Dinge, in denen ich nur in Extremen denken kann. Wenn jemand nicht gegen Pegida ist, dann kann er nicht für mich sein, denn ich bin zufälligerweise nicht Deutsch, und die Pegida-Maschen erinnern mich zu sehr an Dinge, die wir in der Vergangenheit lassen sollten. (Dazu kommt, dass meine Schwester in der Schule aufgefordert wurde, ein Klettergerüst zu verlassen. Sie habe hier eh nichts zu suchen, da sie nicht Deutsch ist. Als sie sagte, dass sie aber Deutsche ist, wurde ihr erklärt, dass das nicht stimmen könne. Ihre Haut sei dunkler, und sie habe schwarze Haare; alles Zeichen dafür, dass sie nicht Deutsch sein kann, und dementsprechend keinen Anspruch auf deutsche Klettergerüste hat.)

      Aber das ist eine offensichtliche Frage. Es gibt Dinge, die sich absolut ausschließen. Ich kann nicht NPD wählen und eine tolerante Einstellung gegenüber der Einwanderungspolitik vertreten. Geht per Definition einfach nicht.

      Darüber hinaus? Pfft.

      Wenn dir die Dinge einfallen, bitte ich um Kommentar. ;)

      1. Ich musste das, was deine Schwester da erlebt hat, mehrfach lesen, um es zu glauben. Sie ist ja, wenn ich mich recht erinnere, einige Jahre jünger als du, oder? Waren es Kinder in ihrem Alter, die so etwas gesagt haben? Unfassbar!

        Es spricht ja in manchen Dingen auch nichts dagegen, in Extremen zu denken. Dein Beispiel passt da ganz gut. Das du allerdings verteufelt wirst, wenn du Edward kritisierst, passt wieder zu dem Bild, dass ich so oft habe. Es wird oberflächlich gelesen und dann losgepoltert. Ich erlebe hier und in den Kommentaren bei mir so oft, dass du nahezu immer sämtliche Ausnahmen aufschreibst, auf jedes kleine Detail achtest, damit beim lesen keine Missverständnisse auftreten. Ich bin mir sicher, dass du es in den anderen Diskussionen ebenso tust. Und dann zu behaupten, du würdest Ede kategorisch schlecht machen oder ablehnen, klingt schon beinahe absurd.

        Und genau das meinte ich, als ich sagte, dass viele nicht in der Mitte denken. Man wird lesen „Scheiß N-Wort“ ist schlimmer als „Scheiß Weiße“. Und in vielen Köpfe wird es heißen „Ey, die Schlampe findet scheiß weiße in ordnung.“
        Ähnlich ist es in politischen Diskussionen. Wenn ich sage, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form in meinen Augen irgendwann dazu führt, dass das totale Chaos ausbricht, heißt es, ich wäre für den Sozialismus. Alle sollen gefälligst die gleiche Menge an Geld haben. Das ich das für genau so schwachsinnig halte, wollen manche dann gar nicht mehr hören. Es ist manchmal wirklich verzwickt.

        1. Das waren Grundschüler, ja. Ich kann es sehr gut fassen, was mich noch wütender macht. Zu meiner Schulzeit ging es mir ja oftmals ähnlich, aber nie so heftig. Aber ich bin halt Südostasiatin, also kam bei mir „Du frisst Katzen!!“ und bei meiner Schwester kommt, „Du kommst aus Afrika, du hast Ebola,“ zusammen mit, „Geh von meinem deutschen Klettergerüst,“ und in ein paar Jahren dann vielleicht, „Wieso trägst du kein Kopftuch, du Terroristin!!?“

          Das Traurige daran ist, dass es den Menschen egal ist, dass man selbst so wird, wie man wird, weil sie einen durchweg beleidigen und ausgrenzen. Sobald man dann erwachsen ist und sich von alleine fernhält, bestätigt man nur ihr fremdenfeindliches Anti-Ingegrationsbild. Klar, in meinem Fall war das anders, und im Fall meiner Schwester wird es hoffentlich ebenfalls anders sein -weil unsere Muttersprache Deutsch ist, weil wir nicht aus Kriegsgebieten geflohen sind- aber ist es nicht traurig?

          Hahaha, ja, das tue ich, und es macht mich meist auch eher unbeliebt. Da das aber nur bei Leuten der Fall ist, bei denen Antipathie ein Kompliment ist, stört es mich nicht mehr. :D

          Hmm, Diskussionen zu Kapitalismus vs Sozialismus/Kommunismus sind für mich zum Beispiel unmöglich schwer zu führen. Mein Urgroßvater war Parteisekretär und hat wirklich daran geglaubt. Hat sich nie ein Auto gekauft, eine der kleinsten Wohnungen gehabt, sich überall hinten angestellt, obwohl er sicher die Vorteile seiner Position hätte nutzen können. Aber genau diese Vorteile sind ja Elemente des Kapitalismus. Andererseits schwafelt mein Opa (der nicht mit meinem Uropa verwandt ist) gerne davon, wie schlimm der Kapitalismus ist, und man merkt, dass er das nur sagt, weil er persönlich nicht davon profitiert. Dann wäre das alles etwas Anderes. Es wäre dann eine schwer verdiente Leistung. So wie dicke Menschen, die sich so lange über fat shaming aufregen, bis sie selbst schlank sind. Dann sind alle übergewichtigen Menschen tatsächlich undiszipliniert, faul und verfressen. Ich nehme an, das Problem mit jedem System sind die Menschen, aber der Kapitalismus in sich selbst, so wie er jetzt existiert, fördert Korruptheit mehr als andere Formen das tun würden. — Womit ich sagen möchte, dass ich das Ganze viel zu komplex finde, vielleicht weil ich als Kind so geprägt wurde, und mich derzeit aktiv damit auseinandersetzen sollte, aber nicht die Kraft finde, es auch tatsächlich zutun. Unabhängig davon kommt es mir aber so vor, als ob jeder Wunsch nach Profit einen kapitalistischen Grundgedanken in sich hat, weswegen eben auch in der DDR kapitalistisch gedacht wurde. Man kann den Menschen nicht ihre Gier nehmen. Der Unterschied ist nur, in wieweit man das staatlich fördert. Aber das zu denken macht niemanden zum Sozialisten, hätte ich gedacht? /unnötiges blahblah zu Ende

          1. Ich weiß leider selten, was ich zu solchen Aussagen, wie du und deine Schwester (und deine Mutter sicherlich auch schon) sie hören müssen. Ich denke zwar, dass du aufgrund deines Alters eine andere Sicht auf sowas hast als deine Schwester, aber… Wie sage ich das? Ich kann es ja in keinster Weise nachvollziehen. Natürlich höre ich ab und zu mal „Scheiß Kartoffel“. Manchmal antworte ich „Scheiß Kartoffel reißt dir gleich die Eier ab!“ und mein Gegenüber ergibt sich solange in Beschimpfungen über mich und meine Mutter, dass er gar nicht merkt, wenn ich nicht mehr da bin.

            Also, ich weiß beim besten Willen nicht, wie man dich deswegen nicht mögen kann?! Es ist doch schön, wenn jemand versucht, niemanden in seinen Beiträgen auszugrenzen. Verstehe nicht, was daran verkehrt sein soll.

            Ich möchte auch um Himmels Willen keine Diskussion zu Kapitalismus vs Sozialismus vom Zaun brechen. Ich habe nur die letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, politisches Kabarret zu schauen, da ich ja sonst nicht viel von der Welt mitbekomme.
            Und wenn man hört, dass es Städte in den USA gibt, in denen Menschen ihre verstorbenen Angehörigen nachts auf die Straße legen, weil sie sich die Bestattung nicht mehr leisten können und es Unternehmen gibt, die eben diese Leichen am nächsten Tag aufsammeln… Bei sowas musste ich erstmal schlucken, wenn man bedenkt, dass andere Menschen Millionen verdienen, während ich hier schreibe. Und das sind die Zustände in einem angeblich reichem Land.

        2. Mami sieht zwar nicht unbedingt so aus, ist aber tatsächlich deutsch. Sie hat aber, weil sie eben so ist, wie sie ist, auch schon rassistische Sprüche (und Aktionen) erlebt. Mitunter schlimmere als ich. Was sie meinte, war, dass zwar in dem Moment, in dem es passiert ist, die Angst genauso schlimm war, sie aber danach wusste, dass sie sich einfach anders anziehen könnte, und damit hatte es sich erledigt, während andere Leute wissen, dass sie dieser Schikane nicht aus dem Weg gehen können, egal, wie sie sich anziehen. — Darüber haben wir vor Kurzem auch gesprochen. Der Unterschied war, dass man als Deutscher oft noch die Wahl hat. Darüber hab ich erst mit jemandem diskutiert, der meinte, er würde auch ausgeschlossen werden, weil er in Bayern lebt, aber nicht an Gott glaubt, und seine politische Einstellung nicht ganz hinpasst. Das ist m.E. nicht dasselbe. Seine Religion und politische Ansicht trägt man nicht so mit sich wie seine „Rasse,“ und wenn man seine Fresse hält -auch wenn das nicht sein sollte, und auch, wenn ich mich selbst dagegen wehre, und extra sage, dass ich nicht reindeutsches Blut in mir habe (hier bitte Naziakzent denken)- dann wird man nicht angepöbelt.

          Er meinte, dass man solche Dinge immer verstecken kann, so wie ich mich zB „Deutsch“ schminken kann. (Ein Beispiel, das ich selbst angebracht habe, da mir Leute geraten haben, das zutun.) Aber versteck solche Sachen mal, wenn du ein schwarzer Mann bist, und auch legal erst dann eine Daseinsberechtigung innerhalb Deutschlands hast, wenn dir irgendjemand aus guter Laune heraus deinen Asylantrag bewilligt. Wenn du weißt, dass niemand dich hier willkommen heißt. Klar, „Dumme Kartoffel,“ genannt zu werden ist scheiße. Aber maximal, selbst wenn jeder Ausländer was gegen dich hat, werden das ungefähr 2 Prozent der Bevölkerung in deiner Stadt zu dir sagen. Im Gegenzug weißt du als Ausländer, dass nicht nur Pegida dich scheiße findet, sondern ein Großteil der Deutschen irgendwas gegen dich hat. Dass du dir keine Arbeit suchst (was du nicht darfst, da es als Asylant für dich illegal ist ohne Arbeitserlaubnis, und du die erst beantragen darfst, wenn du ein Jahr hier warst. Du dann auch nur eine kriegst, wenn du einen Job vorweisen kannst, in dem man unbedingt DICH braucht, du aber gleichzeitig keinen findest, weil du ja keine Arbeitserlaubnis hast, und das Arbeitsamt zuerst alle deutschen Staatsbürger in Jobs kriegen möchte) oder du dem Neffen des Cousins der Freundin des Bruders der Deutschlehrerin den Job geklaut hast (was wirklich schwer machbar ist, wenn man sich den bürokratischen Hürdenlauf anschaut), dass du irgendne Deutsche aufgerissen hast, oder sie ins Kopftuch gezwängt, dass du hier auf Player machst, aber „da unten“ so und so, dass du deine Religion allen aufzwängen willst, aber dass du nicht genug für das Image deiner Religion in Deutschland machst..

          Es ist vollkommen egal. Wenn du ein Ausländer bist, vor allem aus einem hauptsächlich muslimisch-geprägten Land, dann hast du eben Pech. Weil, das Boot ist weiterhin voll.

          Finde ich es scheiße, wenn Ausländer sich hinstellen und Deutsche anpöbeln? Ja. Ich denke auch nicht, dass es dafür eine Rechtfertigung gibt. Aber ich kann es nachvollziehen. Irgendwann kriegt man, wenn man so behandelt wird, wirklich das Gefühl, dass man alle Deutschen in einen Sack stecken kann, draufkloppen, und immer nen Richtigen treffen.. immerhin wird man genauso ebenfalls behandelt.

          Das hat etwas mit Wortzahl zutun. Es wäre furchtbar, wenn ich den armen Leuten ihr Scheinwerferlicht nehmen sollte. Es waren größtenteils pubertierende Jungs, vielleicht erklärt das genug. Die Vorstellung, dass ich, als Mädchen, irgendetwas wichtiges zu sagen hätte, wenn ich stattdessen still sein könnte, damit man mir auf die Brüste starren kann, ohne so tun zu müssen, als würde man zuhören.. Furchtbar! ;)

          In Deutschland kann man seine Toten auch Kliniken geben.. ich weiß nicht, ob das kostet oder man vielleicht sogar Geld dafür bekommt, aber es ist heftig. Und dabei zu wissen, dass es diese 1% gibt, die sich nur dafür interessieren müssten, die nur irgendwo etwas unterschreiben müssten, damit es anders aussieht.. Tja. Aber das ist wohl zu viel verlangt.

          „They say, ’survival of the fittest,‘ But we’re not animals. We’re human.“

          1. Deine Situation und die vieler anderer und die des Menschen aus Bayern hält sich nicht wirklich die Waage, finde ich. Natürlich ist es blöd, wenn man aufgrund seines Denkens von anderen abfällig angesehen oder sogar ausgestoßen wird, obwohl es niemandem schadet. Aber wie du sagst, es ist etwas, dass man anderen nicht mitteilen muss, wenn man es nicht möchte.
            Sicher ist es wohl auch quälend, etwas aus Angst vor Ausgrenzung nicht sagen zu können/dürfen/wollen. Ähnlich wird es beim Outing von Homosexuellen, Transsexuellen, Wasauchimmeruellen oder bei nicht gesellschaftskonformen Fetischen sein. Aber als Mensch mit dunkler Hautfarbe hast du schon ein größeres Problem.

            Die jugendlichen Jungs… Jetzt verstehe ich wohl besser ;-) Daumen hoch, dass du trotzdem noch nicht resigniert hast. :-D

            Ich weiß nicht genau, was eine Beerdigung kostet. Ich weiß aber, dass sie zumindest bei uns sehr teuer sind und denke, dass viele Menschen es auch kaum übers Herz bringen würden, ihre toten Angehörigen nicht „ordentlich“ zu beerdigen.
            Ich begreife nur nicht, wie Menschen befürworten können, Milliarden in einen menschenverachtenden Krieg zu investieren, wenn die Bevölkerung dieser „Weltmacht“ teilweise nicht genug Geld für sowas hat.
            Das es in einigen afrikanischen, asiatischen und süd-amerikanischen Ländern ähnlich ist, verwundert da wohl noch etwas weniger.

    2. Ich glaube, man kann eine politische Einstellung nicht unbedingt mit sexueller Identität vergleichen, weil politische Einstellung nachweislich durch unser Umfeld geprägt wird, während man nun einmal in der Regel entweder heterosexuell ist.. oder eben nicht. Man hat die Wahl, seine politische Einstellung zu überdenken, aber während man sich vielleicht ausreden kann, ein bestimmtes Individuum zu wollen, würde es sicher schwerer werden, sich irgendeiner Frau hingezogen zu fühlen, wenn man zB ein heterosexueller cisMann ist, oder eine homosexuelle cisFrau.

      Hab ich aber. Also resigniert. Ich würde mich diesen Menschen nicht mehr erklären, aber würde dementsprechend missverstanden und genauso wenig gemocht, wie wenn ich es erklärt hätte, und deswegen „nervig“ gewesen wäre. Im Endeffekt verliere ich so oder so, also tue ich es lieber im Slytherin-Stil und akzeptiere meine Rolle.

      Das stimmt. Hm, morbides Thema. Ich erinnere mich an meine ehemalige Sozialkunde-/Geschichtslehrerin, Frau S., die davon sprach, dass sie ihren Körper der Forschung zur Verfügung stellen werde, wenn sie mal sterbe. Sie würde ihren Vater auch nicht mehr an dessen Grabstein spüren als zuhause oder so ähnlich. Damals wurde ich zum ersten Mal aktiv damit auseinandergesetzt, dass Körper natürlich auch Unis und so weiter übergeben werden und zum Schluss im Sondermüll landen.

      Seltsam, dass wir so sehr an Körpern festhalten, aber das ist zumindest konsequent menschlich. Andererseits, Profitgier ebenfalls.

      1. Manch einer unterscheidet wohl auch, ob es um seinen eigenen Körper geht oder um den eines geliebten Menschen. Denn was mit dem Körper nach dem Tod geschieht, bekommt man ja selbst nicht mehr mit.
        Meine Mutter hingegen würde zusammenbrechen, wenn sie nicht regelmäßig zum Grab meines Bruders könnte. Sie braucht diesen speziellen Punkt, einen realen Ort, an den sie gehen kann.

        Wir sind da aber schon wieder weit ab von deinem eigentlichen Beitrag. ;-)
        Denkst du eigentlich, dass deine Kommentare und Beiträge in Diskussionen von anderen anders gewertet werden würden, wenn niemand um dein Geschlecht wüsste bzw du dich vielleicht sogar als Mann ausgeben würdest?
        Frag mich jetzt bitte nicht, wie ich auf diese Frage komme. Es ist 4:30 Uhr am Sonntagmorgen. ;)

        1. Ja, sollte es nicht ein Leben nach dem Tod geben, indem es einem wichtig ist, sind die einzigen Betroffenen die Angehörigen.

          Ich find sone Fragen klasse. Hmm, bin mir absolut sicher, dass man von mehr als neunzig Prozent der Leute anders behandelt wird, abhängig vom Geschlecht. Wäre ich zB nonbinär, dann hätte ich in den meisten Gesprächen Arschkarte. Als Mann würden die meisten Leute mich ernster nehmen, da ja dann fest stehen würde, dass ich keine emotionale, hysterische Frau, die gerade ihre Tage hat, sein kann und meine Aussagen deshalb Gehalt/Wichtigkeit enthalten könnten/müssen. – Auf Tinder sind aber Südostasiatinnen super beliebt, die männlichen Gegenstücke hingegen nicht. (Klar, nur wegen der vielen Vorurteile, die man über Asiatinnen hat, aber trotzdem ein Beispiel.) Aus eigener Erfahrung fallen mir gerade keine passenderen Situationen ein, in denen man als Mann benachteiligt wird, auch wenn es welche geben muss, in denen es keinen Sinn macht. Kannst das sicher besser beurteilen.

          Auf tablet schreiben is blöd, also hör ich lieber auf. Nur noch: Bist du schon oder eeneut wach? Abhängig von deiner Antwort jedenfalls entweder einen guten Morgen oder ein Schlaf Schön! ;p

          1. Ich bin schon wach. Der Frühschichtrhythmus gepaart mit kurz nach 8 einschlafen. Meine Wochenenden sind schon richtig Rock ’n Roll! ;-)

            Ich muss jetzt mal stark überlegen, ob ich Situationen kenne, in denen ich als Mann Nachteile habe, die keinen Sinn haben. Eine Situation fällt mir da auf der Arbeit ein, obwohl die auch nur auf Biegen und Brechen passt. Stell dir folgende Situation vor:
            2 Aushilfen machen bei uns den selben Job. Beide machen ihn gleich gut und gleich gerne. Sobald sich die Auftragslage etwas entspannt, wird eine Aushilfe weniger benötigt. In geschätzt 3 von 4 Fällen lässt unsere Führungsriege (Nach Rücksprache mit den Kollegen) die männliche Aushilfe zuerst ausscheiden. Natürlich nur so lange die weibliche Aushilfe allgemeinhin als attraktiv wahrgenommen wird.
            Nun ist das natürlich auch ein Indiz dafür, dass die Dame wegen ihrer Optik länger bei uns bleiben kann. Kann man natürlich auch als sexistisch ansehen.

            Aber ich werde darüber nochmal nachdenken, denn das Thema könnte wirklich interessant werden.

            Ich wünsche dir auch eine gute Nacht oder einen guten Morgen. :-)

    3. Im Prinzip wird für dich ein extra Kapitel in Please Kill Me eingebaut werden, indem du aus der Retrospektive dann erklärst, wie genau du durch Zeitreise Einfluss auf das gesamte Genre und die Generation genommen hast.

      Die simpelste Definition von Sexismus ist, anders behandelt zu werden, weil man weiblich/männlich ist, also würde ich sagen, ist das wohl sexistisch. Da fällt mir aber zu deinem Beispiel auch etwas auf.. Wäre es eine obere Position gewesen, wäre sie statistisch gesehen entlassen bzw. nicht eingestellt wurden. Als Aushilfe sind Frauen natürlich relativ beliebt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dem in der oberen Etage weniger der Fall ist. :/

      Hmm. Ich überlege gerade, aber bin da wohl im Moment etwas zu sehr in der Defensive, um gute Beispiele zu finden. Mir fällt nur sowas ein, wie, dass selbst in Situationen, in denen es direkt um Frauen geht, Männer ernster genommen werden, wie zB in der ganzen Abtreibungspolitik oder schlicht in Diskussionen über Menstruation und Geburt.

      Wo ich ganz dolle schlucken musste, war, als jemand irgendwo einen Status veröffentlicht hat.. Vielleicht kennst du ja das Video, wo zwei Holländer sich an eine Wehensimulationsmaschine anschließen lassen und dann rumheulen und aufgeben und so weiter? Die Person meinte, „Ich finde es traurig, dass Weiße sich Blackface anschließen, oder Fatsuits anziehen. Kann man Fetten nicht einfach glauben, dass sie schlechter behandelt werden? Nein, es muss eine schlanke Person sich verkleiden, denn Fetten kann ja nicht vertraut oder geglaubt werden.“ — Darüber hatte ich nie nachgedacht. Es gibt ja auch die Mädels, die sich für einen Tag Hijabs anziehen und so weiter, und ich dachte immer, „Hey, ist aber eigentlich schön, dass sie es nachvollziehen wollen,“ was sicher nicht falsch ist.. nur.. irgendwie ist es tatsächlich traurig. (Oops, voll vom Thema abgekommen.. ._.‘)

      Wenn dir noch was einfällt, lass es mich bitte wissen! Ich merke nämlich gerade, wie mein Gehirn nur auf dieser einen Schiene fährt, und das nervt ein wenig. Möchte ja nicht irgendwann zu Recht „Männerhasser“ genannt werden. :’D

      1. Ich stimme dir vollkommen zu, dass die junge Dame in einer höheren Position nur den zweiten Platz belegt hätte. Hier hat man es sich aber auch einfach gemacht. Aus der „Sekretärin“ wurde die „Assistentin der Geschäftsleitung“. Hat sie seitdem andere Aufgaben? Mehr Einfluss? Darf sie eine Stimme abgeben, wenn es um Entscheidungen geht, die das ganze Unternehmen und damit auch sie betreffen? Natürlich nicht. Sie steht direkt nebem dem Steuerpult, aber ans Ruder gelassen wird sie natürlich nicht. Das ist Männersache. Es heißt dann oft „Frauen sind einfach zu weich und zu sentimental dafür. Da werden die Entscheidungen zu oft durch Emotionen beeinflusst.“

        Ich meine, das Video einmal gesehen zu haben. Auf Umwegen, weil ich zuvor eine Diskussion miterleben durfte/konnte/musste, in der es darum ging, ob die Geburt eines Kindes schmerzhafter ist als ein fester Tritt in die Genitalien eines Mannes. Ein Wettbewerb der Schmerzen. Wir haben wirklich Probleme.

        Wir sind ja immer schneller mit dem Richterhammer unterwegs, als man gucken kann. Sich in einen Fatsuit zu stecken und dann zu behaupten, man wisse, wie sich fettleibige Menschen fühlen, halte ich für eine Farce. Natürlich kann man für eine gewisse Zeit die Diskriminierung, die Hänseleien und die Probleme im Alltag miterleben. Aber dennoch sollte man sich danach nicht hinstellen und sagen „Jetzt weiß ich, wie es ist.“ Denn der Gedanke, dass man sich in 5 Minuten davon befreien kann, verschwindet wohl niemals ganz aus den Köpfen, denke ich.
        Wenn Paris Hilton und Nicole Richard ein paar Wochen auf einem Bauernhof leben, werden sie sicherlich auch nicht wissen, wie es ist, nicht reich zu sein. Denn die Tatsache, dass es Menschen gibt, die nach einem 15stündigen Arbeitstag dennoch nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen, werden die beiden einfach nie kennen lernen. Ebenso wie die meisten Menschen,die sich diesen Unfug ansehen.

        Vor ein paar Jahren verfolgte ich eine Diskussion auf youtube. Es war ein Ausschnitt aus der Serie „Band of Brothers“. Welche genau, weiß ich nicht mehr. Es ging dort irgendwann darum, welche Verbrechen während des Krieges von den Soldaten begangen wurden. Ich hatte irgendwann den Eindruck, dass es nur noch darum ging, wie viele Vergewaltigungen und Exekutionen die Soldaten einer bestimmten Nation während und nach des Krieges begangen haben. Nun ist beides ein Verbrechen, absolut. Und ohne es auch nur ansatzweise zu rechtfertigen, denke ich, hat niemand von uns das Recht, sich hinzustellen und zu sagen: „Ich hätte das nie getan!“ Wobei hier ja auch in der großen Mehrheit die Männer gemeint sind. Ich denke einfach, dass niemand, der diese Zeit direkt miterlebt hat sich vorstellen kann, wie es damals gewesen ist. Kein noch so guter Film, keine Dokumentation mit Originalbildern und -videos kann uns in genau die gleiche Lage versetzen.
        Klar sitze ich auch hier und schimpfe über Rassisten, Faschisten, Bushido und Homohasser, aber woher will ich denn wissen, dass ich 1939/1940 in Paris nicht ganz vorne mit dabei gewesen wäre, wenn es darum ginge, Frauen zu vergewaltigen oder alte Menschen abzuknallen? Verstehst du meinen Gedankengang? Ich bin immer recht unsicher, wenn ich diese Meinung von mir gebe. :-/

        Ein Gedanke schoss mir aber eben durch den Kopf, weil ich mich daran erinnerte, wie du einmal eine Diskussion beschrieben hast, in der es um das Bild eines angeblichen Plus-Size-Models neben dem eines Klischeemodels a la Ghandi ging. Darüber kam ich irgendwie kurz auf Magersucht. Und dort, so habe ich zumindest den Eindruck, werden Männer irgendwie außen vor gelassen. So lange man nicht intensiv in die Materie eintaucht. Man liest oft „xyz% der Frauen zwischen 14 und 29“, aber ich kann mich nicht erinnern, dass über betroffene Männer berichtet wurde oder dort eine Zahl genannt wird. Ich muss aber auch sagen, dass ich seit Jahren nichts mehr in der Richtung gelesen habe.

        Obwohl ich mir auch sicher bin, dass es dann wieder heißen würde,die Männer seien ernsthaft krank während die Damenwelt sich von den Medien und der Modewelt hat einlullen lassen und auf Biegen und Brechen aussehen möchte wie Kate Moss. Zumindest in einigen Schmierblättern, die mir spontan einfallen.

        Ich bin ja heute mal wieder knapp 2 Stunden vor dem Frühschichtwecker wach geworden. In einer Spätschichtwoche. Daher habe ich jetzt noch eine Menge Zeit und werde mal versuchen, dieses Thema bei mir irgendwie aufzugreifen. Ich hoffe, du schläfst gerade gut oder schläfst gleich gut oder hast gut geschlafen und wirst es auch weiterhin. ;-)

      2. Da musste ich mal ganz dolle lachen. Irgendein Mädel war so frustriert von dem ganzen „Frauen emotional blah!!“ Zeug, dass sie sich hingesetzt hat, und das alles umgekehrt hat, und dabei kamen Sachen raus wie, „Wir dürfen Männer nicht an die Front lassen. Nur wer Leben gibt, kann auch wissen, wie man Leben nimmt,“ oder ähnliches. Bei ihr klang es so richtig typisch Politikerdorfzelt-Gelaber. War klasse.

        Ja, das gibt es ja doch oft. Obwohl ich da tatsächlich eine Meinung zu vertrete, und zwar die, dass einem Mann ja nicht über mehrere Stunden immer wieder in die Eier getreten wird, und so weiter.. ;P

        Genau! Selbst, während man in dem Fatsuit steckt, weiß man, dass man gleich wieder raus kann, und dass man die Blicke „gar nicht verdient,“ hat, da man ja in Wahrheit gar nicht fett ist und so weiter.

        Ich kann den Gedanken absolut nachvollziehen, immerhin ist es unmöglich, zu sagen, wie man sein würde, wäre man anders aufgewachsen usw. Aber ich bin etwas zu übermüdet, um den Zusammenhang zu finden. ._.‘ Oder ging es um Empathie/Verständnis im Allgemeinen, also dass es sich nicht nur auf Unterpriviligierte beschränkt, sondern auf vielen Ebenen existiert?

        Das stimmt. Magersucht ist ja eine typische „Frauenkrankheit,“ weil aus verschiedenen Gründen. In der Diskussion ÜBER Magersucht sind auch wieder Männer mehr gefragt, (um uns zu sagen, dass ECHTE Frauen nicht nur Knochen sind usw) aber als Opfer der Krankheit werden sie gerne ausgelassen. Wobei, weißt du, was mir da auffällt? — Das wird meistens bestimmt von Männern. Frauen würden viel eher akzeptieren, dass ein Junge magersüchtig sein könnte, während Männer ihm vermutlich erzählen würden, er soll nicht so ein mädchenhaftes Weichei sein. Es wird als etwas „weibliches“, also „unerwünschtes“ dargestellt, und das blutet dann natürlich auch in die Repräsentation ein. Andersherum werden die meisten Frauen von Männern UND Frauen schlecht gemacht, vermutlich, weil Mädchen schon sehr früh beigebracht bekommen, zu konkurieren. /seufz

        Ich hab es aber auch, als ich noch aktiv auf Foren war, mitbekommen.. Es wurde immer davon ausgegangen, dass ein neuer Forumsmensch ein Mädchen/eine Frau sein muss. An trans/nonbinär hat man (ich) damals natürlich noch gar nicht gedacht, aber an Männer ebenfalls nicht.

        Ach du meine Güte… Dann wünsche ich dir viel Glück? D: Und ich suche erst einmal etwas zum Knabbern. Hab Bauchschmerzen. (Bitte um Mitleid) Eigentlich müsste ich in die Stadt, um noch ein paar Sachen zu kaufen, aaaaaaaber ich bin müde. ._.‘ Und ich weiß nicht, wie der Schlafrhythmus meines Opas aussieht, aber eigentlich müsste ich den auch noch anrufen und fragen, ob er denkt, dass man statt Heißklebepistole auch Sekundenkleber nehmen kann und ob er Silberdraht hat. D: Kommerzielle Feiertage machen mich verrückt, ngl

        (Da fällt mir ein.. ob es auf Amazon Amethysten und Lavendel gibt? Ich komm mir vor, als ob ich in Harry Potter wäre.. „Heute brauen wir Felix Felicis!“)

        1. So, jetzt aber… Nur wer weiß, wie man Leben gibt weiß auch, wie man Leben nimmt? Könnte aus nem Film mit Jean Claude can Damme stammen. Unglaublich. :-D

          Diese Erfahrung aus den Foren erinnert mich ja jetzt an dein Beispiel mit den beiden Schulfreunden, die sich nach langer Zeit wieder sehen. Wo man automatisch zwei Weiße in seiner Vorstellung hatte.
          Ich glaube, so langsam trennen wir uns von den Vorstellungen bzw davon, zu einem bestimmten Ereignis ein bestimmtes Geschlecht zu erwarten. Oder einen Moslem, einen Homosexuellen oder Roberto Blanco. Aber es ist wohl noch ein weiter Weg. Wenn das überhaupt irgendwann mal komplett funktioniert.

          1. Filmempfehlung, bitte! (Und ich fand den Spruch auch genial.)

            Whoaaa, ja, stimmt. Irgendwie hab ich das vollkommen im Hinterkopf behalten, anstatt gleich die Verbindung zu sehen. ._.‘

  2. Früher amüsierte ich mich herrlich über das Verhalten von Frauen, die einen Geliebten hatten, wie sie ihre Ehemänner belächelten als symphatische Trottel, während der Geliebte angebetet wurde als Seelengefährte. Besonders die „Brücken am Fluss“ von Robert James Waller beeindruckten mich, mit über acht Millionen Exemplaren einer der erfolgreichsten Romane überhaupt. Am Ende verweigert die Farmersfrau sogar das Grab neben ihrem Ehemann, um bei einem Geliebten verstreut zu werden, mit dem sie bloß ein einziges Wochenende verbrachte. Passt zu all den Vermisstenfällen im Fernsehen, wo Vätern nachgestellt wird, die sich über Jahrzehnte einen Scheiß kümmerten um ihre Kinder. Derart wie Götter werden diese Männer verehrt, dass eine junge Frau gar schreiend zusammen brach, als sich in einem Township in Südafrika endlich die Tür öffnete… Früher grinste ich darüber wie ein cleverer Investmentbanker, als Popstar von einem Schriftsteller für wenige Phrasen vielleicht mehr verehrt und zitiert zu werden, als die treusorgenden Eltern meiner Fans ihr Leben lang. Mittlerweile aber selbst ein Ehemann, stürze ich mich mit Zähnen und Klauen auf die ganze Seitensprungliteratur. Null Verständnis mehr dafür, dass ein Herz von einem Farmer sich auf dem Sterbebett noch dafür entschuldigen muss, seiner Frau nicht all ihre glamourösen Wünsche erfüllt zu haben. Null Verständnis mehr für Testamente, wo Mutti ihren Kindern gesteht, das Familienleben auf der Farm in der Kleinstadt nur ausgehalten zu haben, weil sie in weiter Ferne einen Geliebten hatte. Unsere Sichtweisen werden also wohl ausnahmslos davon bestimmt, auf welcher Seite der Welt wir uns gerade befinden.

    1. Die treusorgenden Eltern deiner Fans verdienen all die Verehrung der Welt – so wie jedes Elternteil, das sich um sein Kind kümmert.

      Das Ganze hat aber m.E. absolut nichts mit meinem Post zutun.

      1. „Vor einigen Jahren fiel es mir z.B. sehr leicht, weibliche Figuren in Büchern zu verurteilen, für alles, was sie gemacht haben.“ Daraus schloss ich, dass bei Dir noch manches im Fluss ist, was etwa Deine Meinung über Bella betrifft. Also hielt ich es für nicht gar so abwegig, meinen größten Sinneswandel zum besten zu geben, was den Genuss von Trivialliteratur betrifft. „Nur Narren ändern sich nicht!“ gibt der Volksmund sich relativ ungerührt, während ich eigentlich ganz gerne ein Narr bin wie „Forrest Gump“, der bleibt, was er ist, während alle Welt sich ändert und ändert und ändert (mit den üblichen Kollateralschäden). „Ich glaube, wir haben das Jahr 1997!“ war jedenfalls das größte Kompliment, das eine langjährige Bekannte mir neulich machen konnte, dass ich bereits seit Jahrzehnten konsequent meinen Weg gehe. Und dazu gehört eben auch die unbedingte Flexibilität, dass eine durchaus emanzipierte Frau wie Anastasia Steele sich vielleicht einen Mann später bereits erwärmen kann für einen Sklavenvertrag. Soll heißen, ich steigere mich selten hinein in die Meinung anderer, sondern ich folge dem grundsätzlichen Fluss, und gehe eben vom Flussverlauf her ein auf die Menschen, womit ich natürlich manch zeitlicher und örtlicher Gegebenheit nicht immer gerecht werde…

        1. Forrest Gump, wenn ich mich recht entsinne, war geistig behindert. Trotzdem blieb er nicht wie er war, und versuchte sehr schwer, die Welt zu verstehen. Er litt darunter, und fragte, ob sein Sohn auch so sei wie er, nur um dann vollkommen erleichtert zu sein, als er hörte, dass dem nicht der Fall war. Forrest Gump ist eine unglaublich traurige Geschichte darüber, dass ein Mann nicht versteht, aber weiß, dass er es nicht versteht, und darunter leidet. Es ist auch eine Geschichte, in der gezeigt wird, wie viel einfacher es ist, wenn man sein Leben auf Dinge reduziert, ohne sie vor sich selbst oder anderen zu rechtfertigen, und sicher noch viele andere Sorten von Geschichten.

          Aber es geht nicht um einen Narren, der sich aktiv dazu entscheidet, sich nicht weiterzuentwickeln, oder durch diesen Zustand voller Freude sein Leben lebt und genießt.

          Zusätzlich ist hier auch noch die Frage, wie man Veränderung definieren möchte. Ein Stein im Ozean wird allein durch die Zeit immer kleiner und abgerundeter, ein natürlicher Prozess, und dann ist es auch Veränderung, wenn er stattdessen groß und kantig bleibt, weil es ein aktiver Prozess ist, der die natürliche Veränderung „verändert“. Andersherum ist es genauso Veränderung, wenn er sich mit dem Wasser und seiner neuen Form anfreundet, zusammen mit jedem anderen Stein.

          Mir fehlt die Allwissenheit, um mich hinzustellen, unverändert, wenn mir jemand einen Ozean an Information übergibt. Unabhängig davon, ob ich rund oder kantig sein werde, es ist in jedem Fall eine Veränderung.

          1. Mit dem Stein, der mit den Jahren immer kleiner wird, verhält es sich wiederum paradox: während ich mein in sich zerbröseltes Sein anerkenne und zum Endspiel übergehe, verweigern viele meiner Mitmänner sich der Erkenntnis, dass die Welt ihr Herz nicht mal mehr geschenkt haben will… Im Jenseits von Gut und Böse lebe ich einige wenige Gesetze der Natur, statt mich auf Jahrmärkten besinnungslos zu drehen. Für mich zählt allein, wie ein Mensch dem Meer begegnet, oder wie er sich ihm verweigert: „Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele.“ Nietzsche hat völlig Recht, wenn er predigt, dass ein Mensch erst zum Kamele, dann zum Löwen, und erneut zum Kinde werden muss. Vielleicht bin ich auch tatsächlich auf eine Weise behindert, denn meine Frau scheint mitunter ernsthaft zu befürchten, dass ich ein Autist sei, Asperger oder so. Wie Laien das eben so sagen. Aber daher nehme ich auch mein Recht, mich in meinem Lebenswerk tausend Seiten weit zu beschreiben, wie Günter Grass seinen „Blechtrommler“. Bloß dass ich mich bei Stress vor den Schachcomputer flüchte ;-)

          2. Es gibt tausende Menschen, die sich auf dem Autismus-Spektrum befinden. Wenn ihr oder dir diese Diagnose helfen sollten, dann ist es sicherlich nicht schlecht, sich damit auseinanderzusetzen. „Paradox“ ist sicherlich ein treffendes Wort, immerhin hast du zu erst ein Beispiel angebracht, wie sehr du dich verändert hast, dann davon erzählt, dass du lieber ein sich nicht-verändernder Narr bleiben willst, um jetzt zu erklären, dass du dich verändert hast. Aber so ist das Leben. Vielleicht sollte man sich dann nur treffender ausdrücken. — Vor allem, wenn man tausend Seiten Narzissmus ausleben möchte.

          3. „Bei den Jungs ist es wahrscheinlich die Vorstellung, dass wenn sie sich freizügig ablichten, die Mädchen damit in Ekstase versetzt werden. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ich kann den jungen Männern nur davon abraten dies zu tun, da Mädchen eher angewidert reagieren, als dass sie dies wirklich erotisierend empfinden.“ Ein Naturgesetz, dem sich hoffentlich viele junge Männer unterwerfen, selbst wenn exhibitionistische Phantasien sie bis zum Irrsinn erregen. Da bleibt dann nur die Kreditkarte für realitv teure Paysites zum Fetisch „CFNM“, wo Schauspielerinnen widernatürlich so tun, als wären sie absolut wild danach selbst einem Hundertjährigen noch die Klamotten vom Körper zu reißen… Wohl kaum ein Hundertjähriger, der nicht lichterloh für Bella brennen würde: „So warst du denn im Paradies empfangen, als wärst du wert des ewig schönen Lebens;
            dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen, hier war das Ziel des innigsten Bestrebens, und in dem Anschaun dieses einzig Schönen versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Tränen.“ So der greise Goethe in seiner Marienbader Elegie an die 18-jährige Ulrike von Levezow.
            Eben weil niemand in der Schule das Naturgesetz vom „emotionalen Missbrauch“ lernt. Wurde mir übrigens auch nicht beigebracht, weder in Biologie noch sonstwo. Für etwas Nachhilfe wäre ich daher dankbar, wie sich das anfühlt emotional missbraucht worden zu sein. Erspart vielleicht später im Altenheim so mancher Praktikantin traumatisierende Elegien… Ginge es nach mir, würde ich sofort bei den Phönix Chess Systems für knapp 3.000 Euro den Schachcomputer „Revelation II“ erwerben und auf Jahre in die entsprechende Community abtauchen. Aber es ist definitiv so, dass ich meinen Körper wahrnehme als einen 44 Jahre alten Gebrauchtwagen, der den Naturgesetzen des Verschleißes in extremster Weise ausgeliefert ist. Da bleibt für Vergnügungsfahrten keine Zeit mehr, obwohl ich weiterhin der Freak bin, zu dem mich mein erster Schachcomputer 1984 machte. Ich respektiere lediglich die Naturgesetze. Doch das erkläre mal meinen Mitmenschen, von denen viele in aller Seelenruhe kreuzworträtseln, als hätten sie noch tausend Jahre bei bester Gesundheit!
            Übrigens macht sich bei einem 44-jährigen wohl kein Arzt mehr wirklich die Mühe einer Diagnose, ob Autist oder wasweißich: „Ich sehe hier nur einen Mann, der sein Leben gehabt hat!“ verweigerte sich Dr. House neulich völlig zu Recht.
            Mit Hengstmann schreibe ich das, was ich selbst leidenschaftlich gerne lesen möchte: Ein Narzisst, der sich im Angesicht des Todes über tausend Seiten bilanziert? Sofort her damit! Etwas Kostbareres, als das innere Erleben meiner Mitmenschen gibt es für mich nicht.

        2. Und ich habe keine Ahnung, wo Anastasia Steele emanzipiert war, oder was das mit einem „Sklavenvertrag“ zutun haben soll. Einmal ging es nicht um Sklaverei, sondern um romantisierte „Tätlichkeiten“, die so taten, als hätten sie etwas mit BDSM zutun; zudem ist eine durchdachte, eigenbestimmte Entscheidung, einer solchen Beziehung zuzustimmen nicht weniger emanzipiert als sich dagegen zu entscheiden. Anastasia Steele war allerdings völlig überfordert und hat stattdessen mit ihrer inneren Göttin gesprochen. Ein Therapeut wäre sicherlich ratsamer gewesen, aber Christian Grey hätte sie sicherlich auch dort noch gestalkt. Wie dieses Buch nicht kritischer empfangen wurde, auf der Basis, dass wir alle Menschen sind, ist mir unverständlich. Mir tun nur all die Menschen in BDSM Beziehungen oder mit solchen Vorlieben Leid, dass sie mit diesem Buch on einen Topf gesteckt werden. Safe, Sane, Consensual? Von wegen.

          Aber ich muss zugeben, dass ich Fifty Shades niemals objektiv oder neutral entgegentreten werde. Die Schwangerschaftssexszene hat mir jeden Wunsch nach Kindern genommen und mir viel Zeit meines Lebens geraubt. Wozu Leute den Göttern danken, dass die Tamponszene nicht im Film ist, wenn es noch so viel schlimmere Dinge gibt? Hat sie ihre Hautfarbe nicht auch als kommunistisches Manifest beschrieben, einfach, um nicht „rot“ zu sagen? E.L.James war vermutlich unglaublich weggedröhnt, als sie diese Fanfiction geschrieben hat. Nehm ich ihr nicht übel. Aber ich habe mich bis heute nicht von diesen Büchern -oder den Dingen, die ich zu lesen geschafft habe- erholt.

          1. Mir ging es eher um ihre Neigung, sich animieren und beschwatzen zu lassen. Eben wie die meisten Roadmovies ablaufen: man trifft beliebige Menschen an beliebigen Orten zu beliebigen Sachen, und nennt das dann „Entwicklung“. Anders in meinem Lebenswerk, wo Hengstmann am Ende allein das Gift im Sinn hat, das ihm den Übergang maximal erleichtert. Spielhallen, Kneipen, Bordelle, Altenheime: Hengstmann sucht Orte auf, wo ihm Freitode logisch erscheinen, immer ganz Ohr für die Namen „verständnisvoller“ Apotheker oder Ärzte. Von Beliebigkeit also keine Spur. Ein Mann. Ein Wort. Ein Weg.

          2. Hengstmann hat ein großes Problem mit seiner Männlichkeit, möchte ich kurz erwähnen. Die Geschichte kommt mir im Übrigen bekannt vor.. Ich glaube, es war Faust, nur dass der ganz verzweifelt zugegeben hat, dass er leben und leben möchte. Wer so verzweifelt nach einem Weg sucht, schmerzfrei zu gehen, dass er Ewigkeiten verbringt, Menschen auszufragen, der hängt wohl mehr an seinem Nicht-Schmerz als er glaubt. Keine Beliebigkeit, aber ich würde es ihm nicht abkaufen, als Leser. Es erinnert mich eher an den perfekten Abschiedsbrief, der Jahre lang geschrieben wird, nur, damit man nicht wirklich Abschied nehmen muss. Und das Gehirn sagt einem natürlich, dass es auch ganz relevant ist, die perfekten Worte zu finden.. immerhin würden es die letzten sein, die man jemals von sich gibt. Den Slogan würde ich übrigens nicht auf das Buchcover setzen, außer, das Coverbild ist von einem Politiker. Aber dann würden die Leute sicherlich wieder etwas anderes erwarten..

          3. Ein Problem mit seiner Männlichkeit hat Hengstmann bestimmt nicht, so wie ich mich gerne als „Männchen“ bezeichne und anderen in Gesicht lache, weder Schwimmen zu können noch einen Führeschein zu haben. Der Themenkomplex Paarung/Nestbau/Nachwuchs ist lediglich ein „Trojaner“, damit nicht jeder mein Lebenswerk angewidert zur Seite legt. Sich wie Werther wegen einer Lotte das Leben zu nehmen, ja, da können viele mitfühlen! Auch wegen eines Gretchens zwar sich selbst nicht zum Teufel zu jagen, dafür aber seine „Alte“ (im Namen der „Liebe“ wohlgemerkt), wird vielen ihr Herz erwärmen. Die eigentlichen Gründe will ich dem Leser untermogeln, so wie mich als Kind wohl bereits das „Paar der Woche“ beeinflusste, nicht wirklich Gas zu geben bei Mädchen, Gel ins Haar, Markenklamotten und so. Meine Mutter hatte nämlich die Freundlichkeit, mir Freitags immer die „Neue Revue“ mitzubringen, die völlig offen beim Friseur lag, aber mit dem „schönen Mädchen von nebenan“ weitaus mehr zeigte, als die „Bravo“. Unter anderem eben auch das „Paar der Woche“, wie es sich paarte und dann – zack! – nackt im Liebesnest abgelichtet. Dieser Möbelhausschick des Liebesnestes läutete mir Kind vielleicht bereits das Sterbeglöckchen, das Kafka tatsächlich erst mit seiner Verlobten im Möbelhaus hörte… In der Literatur ist es wie beim Schach: alles begeistert sich für die Eröffnung und für das Mittelspiel, keiner schert sich um das Endspiel. Dabei entscheidet regelmäßig das Endspiel die Partie. Bella wird das Endspiel so wenig überleben wie Harry Potter, beide aus dem Nichts verdrängt durch einen selbstverlegten Zarathustra. Das Endspiel um einen „guten“, schmerzfreien Tod, wer will das nicht gewinnen? Mit eskalierendem Pflegenotstand wird Hengstmann von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr ins Licht drängen, und 2120 dann der erste Kinofilm: „Linny! based on a novel by Christian Schlesinger.“

        3. Wenn du denkst, dass Frauen nicht ebenfalls nackte Menschen erotisch finden, dann hast du einfach nicht genug Zeit im Internet verbracht. Der Großteil der heutigen Fankultur wurde erschaffen von Frauen und wird von diesen populiert. Ein Großteil der Produkte, die durch diese Fankultur entstanden sind, sind erotische Kurzgeschichten, Zeichnungen, Trailer, Songs, Gedichte. Ich hab vor einiger Zeit eine Ode an Tyler Hoechlins verschwitzten Oberkörper gesehen. Es gibt Blogs, die sich nur damit befassen, zu spekulieren, ob bestimmte Stars beschnitten sind oder nicht. Das Ganze geht für mich zu weit, aber es ist zumindest „Indiz“ genug, um zu sagen, dass es nicht daran liegt, dass Frauen nackte Körper nicht erotisierend genug finden.

          Wie wenig ich von Goethe halte, ist vermutlich klar, wenn man meine Deutschlehrerin kennt.. aber das tust du höchstwahrscheinlich nicht, also sagen wir es so: Goethe mag für seine Zeit ein kluger Kopf gewesen sein, aber Faust war ein Marty Sue. All das, was Goethe frustriert hat, in einer Figur. Wie unkreativ, aber wenigstens stand er dazu. Wie ekelhaft, als alter Mann in jungem Körper eine 14 Jährige zu verführen, sie zu schwängern, im Stich zu lassen. Aber zum Schluss ist alles gut, denn es irrt der Mensch, solang er strebt, und jetzt los, ab in den Himmel.

          Naturgesetze, also Gesetze, die aus der Natur entstehen, implizieren, dass du mir jetzt erklärst, was „Natur“ ist, denn eigentlich ist alles, was entsteht, Natur; oder es ist nichts „Natur,“ auf das der Mensch Einfluss nimmt. In jedem Fall verliert der Begriff an Bedeutung. Sexuelle Perversionen sind also entweder natürlich oder nicht, denn sie entstehen, aber vermutlich durch ungesunden Einfluss von der Außenwelt. Es ist also „nicht natürlich,“ dass jemand nur dann sexuell erregt ist, wenn er gewürgt wird, oder es ist natürlich, denn es passiert ja nun. Möchte man wirklich das Wort Naturgesetz in den Raum werfen, wenn man ständig gegen die Norm diskutiert? Ich hab Angst, dass du bald die Familienbibel zückst. „If a man lies with a male as with a woman, both of them have committed an abomination; they shall surely be put to death; their blood is upon them. Leviticus soundso!!“ ABOMINATION! NOT NATURAL!

          In jedem Fall würde es also entweder ein Naturgesetz gegen den emotionalen Missbrauch anderer Menschen geben, weil wir es erschaffen haben, weil wir ein moralisches Empfinden anerzogen bekamen, dass uns das Gefühl vermittelt, dass etwas falsch ist, in diesem Fall das emotionale Ausnehmen einer Minderjährigen, oder es ist das genaue Gegenteil, aber aus demselben Grund.

          In Ethik oder Philosophie wird im Übrigen über emotionale Abhängigkeit und emotionalen Missbrauch gesprochen, wenn auch nicht viel. Sollte aber tatsächlich nur von Relevanz sein, was in der Schule beigebracht wurde, dann muss ich sagen… Springseilspringen ist wichtiger als Kochen.

          Nicht dein Schachcomputer macht dich zu einem Freak, du titulierst dich so. Niemand hier, wenn auch sicher an anderen Orten, hätte dich als Freak wahrgenommen, hättest du das Wort nicht an jeder möglichen Stelle in dem Raum geworfen. Jetzt wirst du als Freak wahrgenommen, weil du besessen von dem Wort bist.

          Seltsam, wie kostbar das Innenleben anderer Menschen für dich sein soll, wo du so wenig Interesse daran zeigst, es tatsächlich nachzuvollziehen. Immerhin sind es nur die Naturgesetze, die du respektierst — und die allem Anschein mehr an die Regeln innerhalb eines Rudels erinnern -„Ja man tötet den Nachwuchs des früheren Leitwolfs/Löwen/Häschens“- als denen der Evolution. Kann das Innenleben anderer Menschen wirklich so wichtig sein, wenn du von emotionalem Missbrauch in der Schule nie gelernt hast?

          Zu dem anderen Kommentar.

          Ist Hengstmann also du? Ein weiterer Marty Sue in der Geschichte der Literatur, als hätten wir nicht genug von Romanen, in denen Professoren plötzlich Affairen mit ihren Sekretärinnen anfangen? Rote Heringe und Trojaner werden dir keine treuen Leser bereiten, wenn sie etwas erwarten, und nur enttäuscht werden. Ich poste auch keine Werbung auf Facebook, dass ich hier Schminke verlose. Andererseits nenne ich mich auch nicht „Venusmuschel,“ oder „Miezeblümchen,“ also fehlt mir hier vielleicht die Perspektive, nachvollziehen zu können, womit genau das etwas zutun haben mag.

          Eventuell ist ja auch meine eigene Sicht zu unterentwickelt, dass mir deine Anmerkungen „ständig“ vorkommen, obwohl sie für jeden anderen Menschen nur „ab und an“ sind. Aber dennoch hat sich bei mir der Eindruck entwickelt, dass du wirklich sehr besessen von Dingen bist, denen du, wie du hier sagst, so wenig Beachtung schenkst. Wobei, sich selbst „klein“ zu nennen, heißt nicht, dass man nicht von Größe besessen ist. Ich rede gerne von Hintern, und das größtenteils, weil ich keinen habe. Vielleicht veranlasst mich mein Aberglaube dazu, jeden Hinternsong in einer Playlist zu speichern, und die immer abzuspielen, wenn ich Squats mache. „Because you know it’s all about that.. wiggle wiggle wiggle.“ Aber natürlich habe ich keinen Komplex, immerhin stehe ich dazu, keinen Arsch zu haben?

          Harry Potter und Twilight haben die derzeitige Kultur so sehr beeinflusst, dass Kinder nach ihnen benannt wurden, jede zweite Katze Minerva heißt. Der Herr der Ringe -bzw der Hobbit- und Narnia sind genauso zur Bettlektüre für Kinder geworden, und bringen Generationen zusammen, wie das viele andere Werke getan haben und tun werden. Harry selbst ist Teil der derzeitigen Generation. So fest, dass spekuliert wird, wie Harry wohl als Urgroßvater seine Urenkel auf dumme Ideen bringt. Wie Ginny zusammen mit Harry allen Kindern Quidditsch beibringt und ihre Enkel Schulfreunde nach Hause bringen, um ihnen zu beweisen, dass ihre Oma wirklich DIE Ginny ist. Dass ganze Welten existieren, in denen über die Marauders, die Hogwartsgründer, alle erwähnten Charaktere, alle Bücher geschrieben wird. So ein fester Bestandteil, dass ich dir koreanische Netizens frühstmöglich in deiner Karriere an den Hals wünsche, damit du ähnlich arrogante Fehler nicht wiederholst, während du selbstverlegst. Hierarche ist ein Naturgesetz, musst du wissen. Wenn du so viel Respekt davor hast, dann solltest du dich vielleicht auch so benehmen.

          1. „Es war ziemlich plötzlich über mich gekommen, mit Mitte zwanzig, als ich für die Vogue gearbeitet hatte, eine Flutwelle. Als diese Welle anbrandete, sah ich überall, wo ich hinging, Babys. Ich folgte ihren Wagen auf der Straße. Ich schnitt ihre Fotos aus Zeitschriften aus und hängte sie an die Wand neben meinem Bett. Ich schlief damit ein, dass ich sie mir vorstellte: Ich stellte mir vor, sie zu halten, ich stellte mir den Flaum auf ihren Köpfchen vor, ich stellte mir die weichen Stellen der Schläfen vor, ich stellte mir vor, wie ihre Augen sich weiteten, wenn man sie ansah.“ Das empfinde ich als den Kern weiblicher Sexualität: die strikte Prämisse der Paarung. So wie ein Füllfederhalter absolut sexy wirken kann durch Phantasien von den Meisterwerken, die sich mit seiner Tinte schaffen lassen. Ist im Grunde auch völlig okay, da es ansonsten wohl eine Sünde gewesen wäre, meinen jungen Körper vorm Schachcomputer zu parken. Wobei ich mir die Diskussionen der Frauen im Netz gewiss nicht vorstelle wie einen Gottesdienst, sondern was für ein Schwänzchen der Bär von einem Ernährer wohl haben könnte?
            Anders der ältere Herr neulich im Bahnhofsbuchhandel, wie er ein Heft mit „Boys“ studierte: Das war Anbetung, das war Leidenschaft! Mein Bild für regelmäßige Anflüge von Zwangshomosexualität in den Penisforen.
            Die Familienbibel ist ein Grund, warum ich im Jenseits von Gut und Böse ziemlich ernüchtert bin über meine Familie und deren im Grunde frei aus der Luft gegriffenen Wertvorstellungen: Von einem Vater erwarte ich mir reifere Maßstäbe, als die Familienbibel. Ein Wesen erwarte ich mir, das Jahrzehntausende zurück reicht und bis weit über die Sterne hinaus.
            „Ich beschränke den Missbrauch also nicht nur auf den sexuellen Aspekt, sondern beziehe die emotionale Ausbeutung des Kindes oder die Ausbeutung seiner Begabungen in den Begriff mit ein… Ich denke ungefähr 90 Prozent der Weltbevölkerung wurde auf diese Art und Weise mehr oder weniger schwerwiegend missbraucht.“ Scheint also beinahe ein Naturgesetz zu sein, hat mir aber vor allem einen ziemlichen Wohlstandsbauch. Soll ich etwa die Kindheit der jungen Bettlerin vor der Postbank, die zweifelsohne alles Erbettelte abliefern muss, analysieren mit dem Märchen vom Rotkäppchen? „Sie schickt ihre kleine Tochter in einen gefährlichen Wald und erklärt dies zu einer ehrenvollen Aufgabe, denn die arme Großmutter ist ja schließlich krank. Ich empfinde diese Mutter als grausam, bösartig, sogar als pervers.“
            Meine Naturgesetze dagegen sind so simpel, dass niemand sie ernsthaft wird ausdiskutieren wollen. Die nackte Angst sozusagen, das rasende Etwas in der Brust. Stell Dir vor, Du würdest leben mit einem entsicherten Revolver an Deiner Schläfe: wäre Dir da noch nach Rotkäppchen, nach Vergangenheit?
            Das Innenleben meiner Mitmenschen ist mir wichtig in Bezug auf ihre Handlungen. Du etwa wirkst auf mich um so vieles sozialer als ich, scheinst Dich aber bedeutend leichter „verpuppen“ zu können, da etliche Deiner Aktivitäten scheinbar nicht auf Anerkennung zielen. Infolgedessen unterstelle ich meinen Mitmenschen auch oft, dass ihnen das Sterben leichter fällt als mir. Und wie können die Hand in Hand in Empryohaltung hinnehmen, was mir so unfassbar schwer fällt?
            Natürlich treibt mich das um, wie drei Körperöffnungen sich hochschreiben lassen zu drei Bänden „Fifty Shades of Grey“! Da hänge ich blutend an ein Fragezeichen genagelt vor Abermillionen von Lesern, die sich leider nicht abtun lassen als unerfahrene Halbwüchsige.
            Hast Du mal auf Twitter geschaut, wer nicht müde wird Harry Potter und Bella zu zitieren, und wer Nietzsches selbstverlegten „Zarathustra“? Dann bekommst Du vielleicht den gewaltigen Kräfteunterschied zu spüren, was Substanz und Haltbarkeit betrifft.

          2. Deine eingeschränkte Wahrnehmung des anderen Geschlechts haben wir ja bereits als unumweichlich anerkannt, also nützt eine Diskussion dazu nichts, würde ich sagen. Solange du davon ausgehst, dass es etwas gibt wie „weibliche Sexualität,“ die alle Frauen gemeinsam haben, würde ich dir sogar raten, tumblr aus dem Weg gehen, damit dein Weltbild nicht erschüttert wird.

            Eine Welt, in der Frauen akzeptieren, dass Sex tatsächlich etwas schönes für sie sein könnte, nicht nur ein Mittel zum Zweck, sprich einem vorzugsweise männlichen Erben, und in der Männern nicht vor der Hochzeitsnacht erklärt wird, es vorzugsweise schnell und schmerzhaft zu machen, damit ihre Angetraute niemals auf den Gedanken kommt, sich irgendwo anders umzusehen? Eine Welt, in der all diese alten Vorstellungen langsam nicht mehr ziehen? Ach du meine Güte!

            „Weibliche Sexualität“.. das ich nicht lache. Geht es nicht nur weiter darum, zwischen Mutter und Schlampe auseinanderhalten zu können? Mutter, die Versorgerin, in allem, nur ficken wird man dann die Schlampe, die man, nachdem man sie benutzt hat, schlecht spricht, weil sie es wagen kann, Sex zu haben, ohne irgendwelchen puritanischen Standards zu folgen?

            Fang niemals mit Rotkäppchen in meiner Nähe an. Eine Geschichte, in der einem nur dann etwas passieren kann, wenn man nicht auf festgelegtem Weg geht, weil Wölfe natürlich eine Wegphobie haben. Aber zum Glück kam der gute Jäger.

            Zum Schluss ist es aber auch ein Trugschluss, anzunehmen, dass du irgendetwas tun sollst. Bist du verpflichtet, das Leben der Bettlerin vor der Postbank zu analysieren? Wozu dieser Vergleich? Um ein Zitat mehr anzubringen?

            Andersherum, wäre den wenigsten Menschen nach einer geschriebenen Unendlichkeit, wenn sie einen gelebten Moment dafür eintäuschen könnten. Deine Unsterblichkeit ist ein absoluter Trugschluss, weil du nichts davon erleben kannst, und auch jetzt nicht erlebst. Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Ruhm, so wie du mir einmal geraten hast, mich doch einfach zu verstellen, wenn alles, was ich wollte, Freunde seien. Ich wollte aber keine Freunde, nach deiner Definition alle Mittel zum Zweck und austauschbar, sondern Freunde, nach meiner Definition Individuen, die das Leben bereichern.

            Vielleicht ist meine Ansicht zu meiner eigenen Sterblichkeit etwas anders als die anderer Menschen, weil ich nicht älter als fünf Jahre alt werden sollte und mir von diversen Ärzten viele Dinge gesagt wurden, nicht zuletzt, „Eine Wunderheilung! Am Besten testen wir jetzt diese Chemo, das ist bestimmt extra effektiv!“ und in Anbetracht meiner Depressionen kann ich nur spekulieren, aber die Verzweiflung im Angesicht meiner Sterblichkeit kenne ich durchaus. Weil ich Dinge verpassen werde. Die Urenkel meiner Nichten und Neffen. Aliens, Bücher, Musik. Aber nicht, weil die Welt mich verpassen könnte, als wäre ich denn so wichtig, oder als wäre diese Wichtigkeit davon abhängig, wieviel Menschen von mir wissen. Ich bin mir selbst wichtig genug, die Bestätigung habe ich vielleicht mal von meinem Vater gewollt, aber irgendwann realisiert man, dass es nur leere und ignorante Vorstellungen sind, die keine Notwendigkeit und keinen Nutzen in der Realität haben. Würde es mir um Unsterblichkeit gehen, hätte ich nun die Mittel, würde ich wohl eher reisen und die Welt erleben. Ich würde versuchen, Schulen in Afrika aufzubauen, und Praktika in chinesischen Kindergärten machen, Menschen unterstützen, die geniale Ideen oder große Ziele haben. Vielleicht würde ich in einer Kneipe eine Schlägerei anzetteln, oder Elbisch lernen und auf einer Convention Nerdcred sammeln. Aber ich werde trotzdem nicht unsterblich, und ist das nicht ein großer Tritt in den Hintern?

            Handlungen sind nie Innenleben. Handlungen sind Folgen des Innenlebens, aber würde es interessieren, dann müsstest du wohl weiterhin respektieren, anstatt frei hineinzuinterpretieren, was gerade am Besten in den Plot passt.

            Fifty Shades of Grey ist ein gutes Beispiel dafür, das ein Großteil der Menschheit unglaublich dumm ist. Ich halte ihnen das meistens nicht vor, aber es ist so. In all den unendlichen Möglichkeiten, die EL James hatte, das Buch zu verändern, hat sie es unterlassen, weil man wohl weiterhin damit Zeit verbringen möchte, Abhängigkeit zu romantisieren. Als ich fünfzehn (?) war, war ich besessen von Stockholm Syndrom. Was für ein Gedanke, dass man dankbar dafür ist, dass der Mensch, der einen gefangen hält, einem Tee gibt. Dass in NCIS Kate, obwohl sie sich dessen bewusst war, eine Verbindung zu Ari gespürt hat und nichts dagegen tun konnte, bis sie dann starb. Ist es nicht gnädig, wenn der Mensch, der die gesamte Macht hat, sich darauf hinablässt, sie nicht gegen einen zu nutzen, vermutlich, weil man ihn amüsiert? Aber dann, wieviel Menschen halten die Bibel dankend gen Himmel?

            Worauf möchtest du hinaus, bzgl Twitter?

  3. Das Stockholm-Syndrom ist ein gutes Beispiel, dass unser Innenleben allzu oft die Folge unseres Handels ist. Du kennst das „Milgram-Experiment“? Wobei ich mich alledem näherte über Glaubensgemeinschaften (Sekten), und das dann hochrechnete auf sämtliche Gemeinschaften, wie sie Fehlverhalten ahnden mit schlimmsten Liebesentzug. Jener enorme Gruppendruck, welcher etwa auf dem „Sexting“, der Intimrasur und dem „erste Mal“ lastet. „Verklemmtheit“ als eine Form des sozialen Selbstmordes: „Du willst es doch auch!“ versucht die männliche Sexualität sich unter dem Deckmantel der „Befreiung“ herumzumogeln um das Eheversprechen. Und wenn Frau nachgibt, ja, dann muss sie ihre neu gewonnene „Freiheit“ stockholmäßig wohl auch irgendwie gut finden, während die „Pickup Artists“ sich in den Foren ausschütten vor Lachen.
    So wie Frauen sich beim Alkoholkonsum ihrem „Macker“ anpassen, lassen Frauen sich mitunter jahrelang beim Sex schlagen, fordern gar aktiv dazu auf, ehe eine neue „große Liebe“ sich entsetzt weigert. Prompt hagelt es Blogposts, warum man sich eigentlich all die Jahre hat schlagen lassen, ob das wirklich „Liebe“ war?
    Natürlich, die Gruppe der „Cockaholics“ bei den „Suicidegirls“ wurde gegründet von einer jungen Asiatin. Aber anhand der feministischen Bücher in ihrem Profil könnte das wohl glatt im Rahmen einer Doktorarbeit gewesen sein, warum Männer zwanghaft ihre „Cocks“ präsentieren müssen? Und bei den Suicidegirls, die da richtig Wind machen, auf der Arbeit und sonstwo unter großem Beifall ihre Hosen herunter lassen, ist stets ein „Hubby“ im Hintergrund, den es wohl erregt, dass viele Männer seine Frau verehren als „Goddess“!
    Über allem wirst Du mir wohl zustimmen, dass es heute kein Mann mehr mitmacht, noch wie in den 1950ern eine Frau über Monate freizuhalten, ehe sie dann vielleicht einem Verlöbnis zustimmt und ihn, als Zeichen gewachsenen „Vertrauens“, an ihre mit BH gepanzerten Brüste lässt. Dafür seid ihr alle schon viel zu sehr „befreit“.
    Ein Psychologe, der grußlos vorbeieilt an einer Bettlerin, darauf aber eine Kassenpatientin stundenlang analysiert, fühlt sich nicht richtig an. Bedeutend wahrhaftiger erscheint mir die Realität von Fjodor Dostojewski, in dessen „Schuld und Sühne“ eine Mutter ihre Tochter anschreit, warum sie sich nicht prostituieren wolle? Der Vater sei Alkoholiker, die Geschwister hungerten, und was das Bewahren „solch eines Kleinods“ noch wert sei? Vielleicht übt manch junge Frau sich deshalb im Hungern, weil sie lieber sterben können will, als sich in der Not prostituieren zu müssen… Ich glaube, dass es auch hier bald wieder lebensgefährlich ist, aus anderen Gründen eine Beziehung einzugehen, als aus materiellen. Ob ich dann wirklich den Hengstmann mache, oder ob ich in den Häusern älterer Damen parasitieren gehe, weil das lebensgeile Tier in mir stärker ist?
    In Deiner Jugend stand mir selbstverständlich auch noch nicht so der Sinn nach Unsterblichkeit. Da waren die Gegenwart junger Frauen und die Musik im Kino noch derart übermächtig, dass ich das alles gewinnen wollte mit dem Geld und dem Ruhm eines Schachweltmeisters oder eines Bestsellerautors.
    Sehr erleichtert aber bin ich, dass man als „Vater“ vielleicht doch einen Hebel in der Hand hat. So wie Freud und Jung während der Therapie wegen eben dieser „Übertragung“ große Chancen sahen, den Gang des Lebens verändern zu können.
    Auf Twitter musste ich fünf Kanäle Nietzsche stummschalten, weil seine Werke derart erfüllt sind von „Quotes“, dass man alles unmöglich auf einmal durchdenken kann. Hingegen „Harry Potter“ wohl perfekt dafür geeignet ist, sich in Trance zu lesen und „abzuschalten“. Routinierte Spannungsliteratur, die rasch „durch“ ist, so wie Bella und bald auch die „Tribute von Panem“. Aussortiert zugunsten neuer „Straßenfeger“.
    Das Geld aus einem solchen Bestseller würde ich Dir allerdings wünschen: liest sich wirklich gut, was Du damit auf Auslandsreisen machen würdest!

    1. In der Verhaltenspsychologie gibt es ein sehr simples Konzept, in dem Gedanken, Verhalten und Gefühle eine Spirale sind, die einander beeinflussen. Deswegen sollen Depressive rausgehen und Dinge machen, die anderen Freude bereitet. Das Gehirn, das diese Aktivitäten ja eigentlich mit Freude assoziiert, soll wohl dann auch das eigene Empfinden beeinflussen.

      Aber auch, wenn Handlung Empfinden beeinflusst, ist Handlung dementsprechend weiterhin eien Folge vom Innenleben; somit kann man das Eine nicht ohne das Andere als relevant empfinden.

      Ich habe nicht einmal in meinem Leben gesextet, auch, wenn sich die Chancen geboten hätten. Mir wurde von einem Jungen gesagt, dass er sich fragt, ob ich rasiert sei oder nicht. Scheinbar wäre er mit beidem zufrieden gewesen. „Dass ich es doch auch will,“ ist der erste Schritt zur Vergewaltigung.

      Und auch hier ist es dir scheinbar unmöglich, differenziert zu denken. Es gibt Frauen, die tatsächlich gerne mit jedem schlafen, der sich ihnen in den Weg wirft, und es gibt Frauen, die das nicht tun. Genauso gibt es Männer, die asexuell sind. Das *ist* aber ihre Sexualität, und dementsprechend eine weitere Form männlicher Sexualität. Die Chancen, dass sie jemanden sexuell nötigen werden stehen geringer, sollten sie nicht eine andere Persönlichkeitsstörung aufweisen.

      Aber natürlich passt auch das nicht in dein Weltbild, in dem der Mann der „Täter“ ist, also der, der Frau ausnutzt, der handelt, tut, während Frau darauf reagiert, akzeptiert, hinnimmt, sich abfindet. Es ist nicht im Ansatz möglich, dass ich genauso sexuell frei bin, in meiner Entscheidung, nicht mit den Menschen zu schlafen, die mir das anbieten, wie das Mädchen, das es annimmt. Und wenn doch, dann nur, weil wir beide eben NICHT frei sind, sondern einfach nur zwei Seiten derselben Männerdominierten Mediamünze. Nicht, dass dem nicht oft der Fall sein wird. Ich bin mir sicher, dass es viele Frauen gibt, die sich durchaus so oder so verhalten, aber nützt es irgendetwas, zu verallgemeinern? Andererseits könnte dein Hengstmann wohl nicht genug Schneeflocke sein, wenn dem Rest der Welt dasselbe zustehen würde?

      Das machen viele Männer noch mit. Ich verweise dich hier kurz in die Richtung aller muslimischen Länder, der Amisch, der Mormonen, der orthodoxen Christen und Juden, vieler Hinduisten und Buddhisten, und einer breiten Menge anderer Kulturen. Ebenfalls könntest du dich eventuell mit demisexuellen Paaren unterhalten, oder Blogs von Opfern sexueller Gewalt lesen.

      Du bist also ein Psychologe, dass es deswegen von Relevanz für dich ist? Zum Thema Prostitution kann ich wenig sagen, weil ich persönlich von Frauen weiß, die sich im Nachkriegsdeutschland prostituiert haben, um ihre Kinder zu ernähren. Diese Kinder haben sie dafür durchgehend verteufelt. Vor langer Zeit habe ich den Blog einer Prostituierten aus Hamburg oder so gelesen. Unglaublich aufschlussreich.

      Seitdem du mal erwähnt hast, wieviel meine vermeintliche Jungfräulichkeit im Internet wert sei, schwirrt mir zum Beispiel noch immer der Kopf. Natürlich könnte ich auch von dem Geld nicht die Therapie bezahlen, die ich danach bräuchte, aber wäre ich nun anders, wer weiß, ob ich mich nicht informieren würde, einfach, um die Medikamentenrechnung bezahlen zu können, ohne, dass auf andere Dinge verzichtet werden muss?

      Väter haben keinen Hebel in der Hand, wenn er ihnen nicht gegeben wird, nehme ich an. Aber das ist eine Frage der Erziehung.

      Harry Potter hat bei mir nichts mit Abschalten zutun. Tatsächlich habe ich Sturzflüte geheult, als mir Rufus Beck von einer spezifischen Beerdigung vorgelesen hat. Wobei natürlich auch hier die Frage ist, ob Abschalten nicht sogar eine gute Form der Massenmanipulation ist? Nein, die Frage ist, auf welcher Ebene man kreativ und wach wird, und Harry Potter ist die Reihe, die in vielen, sehr sehr jungen Köpfen, den Drang geweckt hat, sich ebenfalls daran zu beteiligen. Ganze Harry Potter Rewrites, tausend verschiedene Interpretationen. Harry lebt seit bald 20 Jahren in unzähligen Köpfen, und sicherlich wird es irgendwann nicht mehr so sein, einfach, weil alles endet, aber genauso wie meine Freunde und ich in der Grundschule, reden jetzt die Freunde meiner Schwester darüber; und was, wenn es eine Kindergeschichte ist, wo diese so viel schwerer zu schreiben sind, weil sie jedes Publikum ansprechen müssen, einfach, damit Eltern sie fertig vorlesen? Was, wenn Rowling sich dazu hinabgelassen hat, Wertigkeiten so zu vermitteln, wie sie es für richtig gehalten hat?

      Wenn der Wert eines Werkes ausschließlich daran gemessen wird, wie oft er zitiert wird, dann spricht das nicht für uns.

      1. Ein Schlüsselerlebnis war wohl, dass mein Vater mir ausgerechnet während des Wehrdienstes ein Jahresabo der „Frankfurter Allgemeinen“ schenkte. So fand ich Wochenende für Wochenende fünf Exemplare der „Frankfurter Allgemeinen“ in meinem Zimmer vor. Fünf Aufforderungen, jedem vergangenen Wochentag auf differenzierteste Weise gerecht zu werden. Wie hätte ich es sonst wagen können, von einem Freitagnachmittag aus über den gewesenen Montagmorgen zu urteilen? Da nahm ich lieber gar nichts für wahr und gab mir keine Mühe eine Meinung zu erarbeiten, die eh niemanden interessierte. Stattdessen suchte ich in allen Exemplaren bloß Fortsetzungen der autobiographischen „Jugend in Berlin“ von Günter de Bruyn, wie ihm im Luftschutzbunker ein Mädchen eröffnete, dass sie nicht zusammen kommen könnten, weil er die Kirche liebe und den Papst, sie aber Deutschland und den Führer. Ja, so redeten Mädchen eben damals. Nicht alle, ich hatte schon viel gelesen von Sophie Scholl, aber ich hielt eine Verallgemeinerung dennoch nicht für verkehrt. Eben weil ich längst mehr in der Zukunft lebte, als in Gegenwart und Vergangenheit.
        Wie soll ich Menschen gerecht werden, die noch gar nicht geboren sind? Generationen mit nie dagewesenen Lebenserwartungen weit über ein Jahrhundert hinaus, denen quasi widerfahren wird, was ich bloß aus Horrorcomics kenne, wo jemand sich vom Teufel Unsterblichkeit wünscht, dann aber mit zerschmetterten Knochen in einer Schlucht leiden muss bis in alle Ewigkeiten. Solchen in noch mehr „Phasen“ zerfallenden Leben kann ich bloß schreiben im Rahmen gröbster Naturgesetzgebung!
        Hilfreich scheinen mir dabei Weblogs, wo Zukunftaussichten eine gewaltige Rolle spielen sollten, weil das Leben in seinem „normalen“ Lauf dort offenbar gestolpert ist: kein Abitur, das einen ins Studium trägt, ins Berufsleben, in ein Liebesnest… Wie wird dort umgegangen mit einer Welt von Morgen, welche sich aller Normalität und allen Differenzierungen verweigert?
        Familie Kafka engagierte Privatdetektive, die Familie von Franz seiner Verlobten auszukundschaften, mit wem alles man bald an einem Tisch saß? Schlechte Privatdetektive allerdings, die nicht herausfanden, dass Felice Bauers Bruder Geld unterschlagen hatte und quasi flüchten musste nach Amerika, was man Kafkas selbstverständlich verschwiegen hatte.
        Heutzutage wird es wohl schon als heftigen Eingriff in die Privatsphäre empfunden, wenn man des vollständigen Bildes wegen einer Frau auf mehreren sozialen Netzwerken folgt…
        Vorbildlich hingegen die Kontaktanzeige, die ich in den 1990ern las: „Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Ex-Ehemann erforderlich!“ Da blieb selbst mir nicht mehr viel hinein zu interpretieren.

        1. Soll also bedeuten, dass die Komplexität der Gegenwart keinen Einfluss nimmt auf eine vermutlich ebenso komplexe Zukunft?

          “Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Ex-Ehemann erforderlich!” hat mir den Tag bzw die Nacht versüßt. Danke dafür! :’D

          1. „Was bedeuten diese Häuser? Wahrlich, keine grosse Seele stellte sie hin, sich zum Gleichnisse! Nahm wohl ein blödes Kind sie aus seiner Spielschachtel? Dass doch ein anderes Kind sie wieder in seine Schachtel thäte! Und diese Stuben und Kammern: können Männer da aus- und eingehen?“ nimmt Nietzsche die Gegenwart der Reihenhäuser vorweg. Am Anfang seines Lebens mag einem die Gegenwart tragischerweise als sehr weitreichend erscheinen. Möbelhäuser sind voll von jungen Paaren, wie sie sich mit Herzklopfen um ihr erstes Liebesnest sorgen. Er obendrein stolz wie ein Hahn, gleich als „Familienvorstand“ seinen ersten Kundenkredit aufzunehmen: Lebe jetzt! ist natürlich auch das Möbelhaus im Sinne des Abverkaufes daran interessiert, den Zauber der Gegenwart aufrecht zu erhalten, und degradiert die Zeche großzügig zur „Zahlpause“, so fern in der Zukunft, dass es geradezu närrisch wäre, JETZT daran zu denken.
            Fakt ist doch, dass ich bis aufs Sterbebett geradestehen muss für all mein Handeln und Unterlassen. Was nützt mir also der Augenblick, der stets die Geisel meines Fleisches ist (Hunger, Geilheit, Müdigkeit…), wenn mein Geist vierzig Jahre darunter zu leiden hat?
            Natürlich kann man sich prima verstecken in der Gegenwart, wegen des drängenden Fleisches fast noch besser, als in der Vergangenheit. Aber wenn man mal liest, wie sehr Sterbende vor allem leiden unter der Zukunftslosigkeit ihrer Tage, holt man sich ohne Perspektiven wohl das Unglück noch in das behaglichste Reihenhaus.

  4. Ich habe den Vergleich auch nur noch vor Augen gehabt, weil ich vor dem Kommentieren gerne nochmal alles lese. Oder es versuche. Weil ich sonst durcheinander komme.

    Ich glaube, wirklich einen Film dazu gibt es gar nicht. Und ob man ruhigen Gewissens einen Film mit van Damme empfehlen kann? Da bin ich mir auch nicht so sicher. ;-)

    Mir fallen aber irgendwie jetzt immer mehr Beispiele dazu ein. Eine ehemalige Bekannte hat einige Zeit auf einem Amateur-Erotik-Portal Fotos und Videos verkauft. Und sie war sowas von überrascht, als sie eines Tages feststellte, dass einige der Käufer weiblich waren. Natürlich sehen sich auch Frauen so etwas an, aber man hat doch irgendwie immer noch die Vorstellung, dass Männer allein bares Geld für Videos von „Jane Normal“ ausgeben.

    Oder fragt man mal jemanden nach dem Lieblingsschauspieler… Zumindest in meinem Bekanntenkreis würden wohl ausschließlich männlicher Darsteller genannt. Nur der Bruder eines Freundes schwört auf Judi Dench als das Beste, dass Film und Fernsehen jemals gesehen haben. Und irgendwie hatte mich auch das überrascht. Warum, weiß ich allerdings nicht.

    1. Ich üblicherweise auch, aber diesmal war es einfach zu viel Text. (Shame on us. Shame on our cows.)

      Vermutlich also eher nicht. ;P Wie oft erwähnt, ich kann mir weder Namen noch Filme merken, also hab ich gerade absolut keinen Zugang zu dem Typen, obwohl ich mir sicher bin, dass ich ihn kenne. ._.‘

      Ach herrje. Über etwas Ähnliches haben Mami und ich uns vorhin kurz unterhalten. (Das heißt, eigentlich hatten wir über die Huren – Hurenbock Geschichte gesprochen, und nebenbei vielen die Worte Pornoindustrie und Kundschaft.. irgendwie sind unsere Gespräche immer etwas.. äh.. inhaltsreich?) Muss ich mal drüber nachdenken.

      Bezüglich der Schauspieler.. Ich unterstütze ja grundsätzlich erstmal nur Tatiana Maslany, weil ich sie werden möchte, wenn ich mal groß bin, aber das ist ein Thema, mit dem ich mich nur im meta-Sinn beschäftigt habe. Wirklich in meinem Umfeld wollte ich mich nie umhören, weil aus offensichtlichen Gründen.

      Da fällt mir ein – Wo du gerade so fleißig kommentierst.. Anfang 2014 hattest du hier ne Kommentarwelle gestartet, aber nirgendwo geantwortet. ;P Wenn du willst, verlink ich mal die jeweiligen Artikel. *Wink mit dem gesamten Vorgarten*

        1. Mir ist beim Suchen viel mehr aufgefallen, wo ICH noch alles antworten muss, also hör ich lieber auf, zu winken… o____o

          Hab gerade geguckt, und hab auch keine Ahnung. Vielleicht viel der Name mal auf tumblr in irgendeiner Diskussion? Ein paar Filme kenne ich vom Hören, aber seitdem ich auf Google war sind schon wieder 2 Tage her, also erinner ich mich nicht mal mehr ordentlich DAran. /seufz

          1. Oh, und hör dir mal Hozier’s Take Me To Church an und sag mir, was du von dem Text hältst, falls du die Zeit findest. /puppy eyes

  5. Dazu brauchst du doch keine puppy eyes :-D

    Ich musste mir ehrlich gesagt den Text dazu nehmen, weil ich gleichzeitig 2 Ideen zum Lied hatte. Bzw zum Text. Beim ersten mal und bei den ersten Zeilen dachte ich eher an eine Frau. Ebenso wie bei der Zeile „The only heaven I’ll be sent to is when I’m alone with you“.

    Aber zum großen Teil war es wohl doch ein sehr Kirchenkritisches Lied. Oder welchen Eindruck hast du davon?

    1. Man muss ja sicher gehen, also puppy eyes. ;P

      Ich hab es von Anfang an so gesehen, dass es um eine Frau geht. Hab mir aber noch nicht so viele Gedanken gemacht, wie ich das sonst versuchen würde, bevor ich jemanden frage.. So gesehen wäre es vielleicht zu eindeutig, wenn es wirklich um eine Frau ging, und stattdessen ist die Liebhaberin die Kirche, oder sie und die Kirche sind eine Metapher dafür, wie verloren er sich fühlt, und wie gerne er einfach Erlaubnis hätte, damit er sich nicht schlecht fühlen muss? Wie die Menschen, die gerne jemanden haben, dem sie Folgen können.

      Warte..

      My lover’s got humour
      She’s the giggle at a funeral
      Knows everybody’s disapproval
      I should’ve worshipped her sooner

      a) Er empfindet es als unglaublich wünschenswert, diese Einstellung zu haben;
      b) Ihr Kichern ist eine Metapher dafür, wie unwichtig Zeremonien sind, es wird zum Schluss belächelt

      Ich denke eher a, da er b sicher nicht anbeten möchte

      If the heavens ever did speak
      She’s the last true mouthpiece
      Every Sunday’s getting more bleak
      A fresh poison each week

      Sie ist das Sprachrohr des Himmels, sollte der Himmel jemals sprechen.
      Nach dem Sonntagsgottesdienst sieht sein Leben immer furchtbarer aus. Jedes Mal kriegt er neue Gifte.

      Letzteres würde ich so sehen, als dass er Probleme damit hat, seinen Lebensstil mit den Werten, die die Kirche (wofür auch immer sie steht, also ob es Kirche, Gesellschaft, Familie ist) ihm aufdrängen möchte, zu vereinbaren. (Immerhin kommt man für vorehelichen Sex ins Fegefeuer..)

      Die Frage ist, ob er ihre Worte einfach glauben möchte, also ob sie etwas Anderes sagt und es ihm gefällt, und er es deshalb wahr haben will, oder ob sie dasselbe sagt, was aber nicht passen würde, m.E.

      ‚We were born sick, ‚ you heard them say it

      „Ist doch okay, dass wir kaputt sind.“

      My Church offers no absolutes
      She tells me, ‚Worship in the bedroom.‘
      The only heaven I’ll be sent to
      Is when I’m alone with you—

      Er soll daran glauben, dass er kaputt ist, aber es keine Lösung gibt. Und dann kommt sie, und gibt sie ihm. Oder sie gibt ihm eine Möglichkeit, zu ignorieren und so zutun, und sich in etwas Anderem zu verlaufen als einer Religion.

      I was born sick,
      But I love it
      Command me to be well
      Amen. Amen. Amen. Amen.

      Soweit sogar, dass er ihr die Verantwortung für sich übergibt, die er davor der Kirche geben wollte. Er liebt es, abhängig davon zu sein.

      Take me to church
      I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
      I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
      Offer me that deathless death
      Good God, let me give you my life

      Verstärkt meine Theorie. Ich liebe die Zeile, „I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife,“ obwohl ich die Menschen, die diese Dinge ausnutzen, nicht ab kann.

      If I’m a pagan of the good times
      My lover’s the sunlight
      To keep the Goddess on my side
      She demands a sacrifice

      Im Prinzip.. er braucht keinen Gott, solange es ihm gut geht, aber er braucht natürlich diese Göttin, damit es so bleibt, und sie möchte, dass er Dinge opfert. (Ergänzt: Natürlich ist hier die Frage, ob „My lover’s the sunlight“ tatsächlich, wie ich ursprünglich dachte, bedeutet, dass sie die Göttin ist, die dann Opfer verlangt, oder ob sie die Sonne ist, und er weiter die Götter besänftigen möchte.)

      Drain the whole sea
      Get something shiny
      Something meaty for the main course
      That’s a fine looking high horse
      What you got in the stable?
      We’ve a lot of starving faithful

      Eine Liste der Dinge, passend zur Pagan/Sunlight Metapher. Sie nimmt seine Scheune aus, den ganzen See, will was Glitzerndes, Nahrung, was auch immer. Mein Problem hier ist, „We’ve a lot of starving faithful,“ was ja eher von der Kirche käme als von einer Liebhaberin. Inwieweit sollte das also dort reinpassen? Hier bin ich auch verwirrt, vielleicht, weil ich gerade nicht genug aktive Hirnmasse habe, oder Hozier einfach nur den Satz reinbringen wollte und die ursprüngliche Metapher ignoriert, oder weil er zeigen will, dass sie genauso ist, wie die „Kirche“.

      That looks tasty
      That looks plenty
      This is hungry work

      Take me to church
      I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
      I’ll tell you my sins so you can sharpen your knife
      Offer me my deathless death
      Good God, let me give you my life

      No Masters or Kings
      When the Ritual begins
      There is no sweeter innocence than our gentle sin

      In the madness and soil of that sad earthly scene
      Only then I am Human
      Only then I am Clean
      Amen. Amen. Amen. Amen.

      In Prinzip.. nur wenn er Sex hat fühlt er sich menschlich. Ritual ist hier natürlich eine Frage der Perspektive. Gottesdienst, Opfergabe, Sex. Aber „no sweeter innocence than our gentle sin; in the madness and soil of that sad earthly scene,“ impliziert das für mich, da sie auch anfangs sagte, „worship in the bedroom,“ und er nur dann im Himmel ist, wenn er mit ihr allein sein kann.

      Take me to church
      I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
      I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
      Offer me that deathless death
      Good God, let me give you my life

      Hier hab ich auch keine Ahnung. Deathless Death, würde zum französischen „kleinen Tod“ passen, und auch in die gesamte Geschichte, aber gleichzeitig ist Absolution natürlich auch ein kleiner Tod.

      Wenn ich überlege, wie oft ich in einen Satz fünf verschiedene Bedeutungen packe, sollte ich es Musikern nicht vorhalten, dasselbe zutun, yet here I am.

      Mami und meine Schwester schauen gerade einen Film (ich würde sagen letztes Drittel. Ich höre niemanden mehr weinen………..), sonst würde ich wohl auch Mami belagern, dass sie mir gefälligst sagen soll, wie sie das interpretiert. Tut mir Leid, dass du jetzt unter mir leiden musst. ABER ICH MUSS WISSEN, WIE ANDERE DIESEN TEXT VERSTEHEN AAGH. >________<

      1. “I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife,”
        Könnte man das auch so interpretieren, dass er bereitwillig so handelt? Das er, wenn es denn wirklich eine Frau ist, soweit geht, ihr alles zu beichten, obwohl er weiß, was für eine Macht bzw Kontrolle sie dann ausübt? Das kam mir gerade plötzlich in den Sinn.
        In etwa wie:“Ich lege mein ganzes Leben in deine Hände, mache mich von dir Abhängig und gebe dir Kontrolle über mich.“? Wie ein bedingungsloser Vertrauensbeweis?

        Vielleicht sieht er in der Liebe zu dieser Frau auch so etwas wie eine Erlösung? Das Gefühl, eine Linie in seinem Leben zu haben? Oder etwas, wonach er sich richten kann? Das er in ihr das findet, was die Kirche von ihren Gläubigen gerne hätte?

        Andererseits wird das dadurch, dass sie ein Opfer verlangt zu einer ausnutzenden Beziehung. In der der eine gibt und der andere nimmt. Auf der einen Seite eine beherrschende Kraft, auf der anderen Seite jemand, der sich nach Halt sehnt bzw seine Gedanken nur auf diese eine Person lenkt und ihn ihr dann etwas göttliches weil einzigartiges sieht?

        Möglicherweise sieht er die einzige Möglichkeit, dem Alltag oder seinem Leben zu entkommen, mit ihr allein zu sein. Möglicherweise eröffnet ihm der Sex mit ihr für die Zeit eine völlig neue Welt, etwas erleuchtendes vielleicht.

        Da hast du aber auch einen Text rausgesucht… Hossa. :-D

        1. Dass er in ihr eine Lösung sieht, denke ich auch. Er springt halt von a zu b über, aber zum Schluss ist es eine Abhängigkeit. „Command me to be well,“ in der Hoffnung, dass die Macht, die er ihr gegeben hat, (Good God, let me give you my life) dazu ausreicht. Und es erscheint ja wirklich sehr stark, als hätte er zu viel von seinen Umständen und Verantwortungen. Er will nicht verantwortlich für sein Seelenheil sein.

          Insgesamt stimme ich absolut zu, dass das bereitwillig von ihm ist.. wenn auch.. Hm. Eine erzwungene Bereitwilligkeit. Wenn dich die Umstände dazu zwingen, eine Person zu wollen, obwohl du weißt, was sie mit dir anstellen könnte, dann nutzt sie das vielleicht nur aus und zwingt dich nicht, aber zum Schluss ist es auch keine wirkliche Bereitwilligkeit. (Natürlich ist hier die Frage, inwieweit wir dann irgendwas aus freien Stücken tun, und ich habe heute so einen Tag, an dem ich wieder bei Anlage und Prägung stehen bleibe.)

          Aber, und das habe ich am Anfang nicht ganz mitbekommen, obwohl ich es sogar angesprochen hatte, sie ist halt scheinbar ein wenig Arschloch. — Aus mir jetzt unerklärlichen Gründen habe ich sie durch „I should have worshipped her sooner“ und „My lover’s the sunlight,“ als eine „gute“ Präsenz in seinem Leben wahrgenommen, also gut im Sinne von, sie ist kein Arschloch, auch, wenn sie vielleicht nicht gut für ihn ist, obwohl ich es natürlich schlecht fand, dass er sich so abhängig von ihr machen wollte. Deswegen war ich dann auch so verwundert, als sie plötzlich so wortwörtlich zu einer neuen Kirche wurde, glaube ich.

          Er sieht ihr Kichern anfangs als etwas anbetungswürdiges an, weil es ihr egal ist, wie über sie geurteilt wird, und das ist ja immerhin etwas, dass er als Gift in seiner Welt ansieht. Er möchte nicht verurteilt werden. Er will Absolution. Er will ein „Okay,“ in seiner Welt, damit er sich besser fühlen kann und so weiter. Es ist okay, wie er ist. Es ist in Ordnung. Er muss nicht den Regeln der Kirche folgen, die vermutlich eher für Einengung steht. Aber er braucht diese „Erlaubnis,“ und sie gibt sich einfach selbst eine.

          Und sie gibt sie ihm auf eine paradoxe Art ebenfalls. Aber dass ihre Gleichgültigkeit der Wertung anderer anbetungswürdig ist, bedeutet ja nicht, dass der Rest ihrer Persönlichkeit dem gleichsteht. Sie kichert zu Beerdigungen. Sie verlangt Opfer. Sie nimmt ihn aus. Sie ist eine Person, bei der er davon ausgeht, dass sie die Messer schärft. Aber er nimmt es eben in Kauf, scheinbar sogar ganz bewusst, und vermutlich weil er im Endeffekt „schwach/hoffnungslos“ ist. Und wohl auch, weil er es gar nicht anders kennt. Ist doch ganz normal. Alltag. Vertrau dich jemandem an, werd ausgenutzt, das ist Liebe.

          Er kann der Kirche nichts geben, weil sie von ihm verlangt, ein anderer Mensch zu sein, auf einer Ebene, die er nicht erreicht. Sie vergiftet ihn mit den Wertigkeiten und Strafen, die ihn erwarten, wenn er sündigen sollte. (Siehe each sunday/new poison) — Währenddessen will die Liebhaberin zwar IHN, aber es ist wohl einfacher, wenn es destruktiv auf so einer Ebene ist. Wenn sie ihm die „Wahl“ lässt, und genug Anreize, und er „sündigen“ darf, was er ja eindeutig mit Freiheit verbindet, auch, wenn er zum Schluss genauso wenig frei ist wie davor.

          Auf eine gewisse Weise würde ich das sogar verstehen. Wenn man in einem toxischen Umfeld aufwächst, und einen Ausweg sieht, dann greift man eventuell danach. Natürlich ist man vermutlich so geprägt von dem toxischen Umfeld, dass die Chancen hoch sind, dass man nur ein anderes Gift nimmt. Und vielleicht weiß man, dass es etwas Besseres gibt als Gift, aber zumindest weiß man beim Gift, was man zu erwarten hat. „We’ve a lot of starving faithful (..) This is hungry work,“

          Sieht man ja auch in vielen Beziehungen. Frauen, die in einer Familie aufgewachsen sind, in der die Eltern sie schlecht behandelt haben, enden zum Schluss bei Männern oder Frauen, die sie ebenfalls schlecht behandeln, obwohl sie anfangs sicher auf etwas Besseres hoffen, und Dinge in diesem Menschen sehen, die sie bewundern. (Inwieweit das bei Männern zutrifft, weiß ich nicht. In meinem Umfeld hatten die Typen alle eher Glück, mit Ausnahme meines Großvaters, bei dem ich aber nicht einschätzen kann (oder möchte) wie sehr sein Liebesleben von seiner verkorksten Kindheit zerschmettert wurde. Seine Partnerwahl war zumindest oft eher suboptimal.)

          Möglicherweise sieht er die einzige Möglichkeit, dem Alltag oder seinem Leben zu entkommen, mit ihr allein zu sein. Möglicherweise eröffnet ihm der Sex mit ihr für die Zeit eine völlig neue Welt, etwas erleuchtendes vielleicht.

          Das hätte ich sogar noch als Metapher empfunden. Natürlich wird es wohl auch wörtlich zutreffen, aber darüber hinaus ist Sex ein großes Kirchentaboo. Vor allem, wenn man Sonntagsgänger ist, und weiß, dass man keine Phrasen sagen kann, um nicht ins Fegefeuer oder die Hölle zu kommen. („My church offers no absolution.“ und warum auch immer ist es genau das, was er braucht.) — Wenn sie ihm also sagt, dass der Gottesdienst im Schlafzimmer stattfindet, also etwas „Verbotenes“ nicht nur erlaubt, sondern damit verbindet, „gut“ zu sein, egal, wie ironisch, dann würde wohl jeder darauf anspringen. Wenn mir jemand sagen würde, dass es gut ist, manipulativ zu sein, und dass man Mitgefühl vor allem dadurch zeigt, dass man die Menschen „in Frieden“ leiden lässt, dann würde ich mich wohl auch erleichtert fühlen, könnte ich es denn glauben. — Und leider kenne ich den Gedanken zu gut, Menschen Mittel zu geben, die mich kaputt machen könnten. Zum Schluss tue ich es nicht, weil ich sie nicht anbete, wie er seine Geliebte, aber der Gedanke, dass es einen Menschen geben könnte, der die Macht hat, das Leben wieder in Ordnung zu bringen, ist mehr als verlockend.

          Alles, was er tun wollte, gedacht oder getan hat, war ein Fehler. Und er hat nicht einmal die Möglichkeit bekommen, es wieder gut zu machen. Er war ein furchtbarer, schuldiger Mensch. Und dann kam sie, und hat ihm gesagt, dass er „richtig“ ist, und das jeder dieser Fehler gar kein Fehler war. Sie hat mit einer Gleichgültigkeit ins Gesicht des Knigge gelacht, und wer das so selbstsicher tut, kann doch nicht im Unrecht sein, oder?

          Und ja, vielleicht hat sie ihn ausgenommen, aber zumindest gab es jetzt eine Möglichkeit, es wieder gut zu machen. Denn höchstwahrscheinlich waren die Gedanken, dass er es nicht wert ist, da er ein furchbarer Mann ist, noch fest verankert, und er konnte nicht glauben, dass jemand ihn einfach so wollen würde. Also kann sie den See, und das Pferd, und sein Essen und sein Haus haben. Und seine Geheimnisse. Und vor allem sein Leben.

          Die optimistischere Version ist, dass er ihr seine Sünden beichtet, und sie ihm die Sünden wegkämpft. Aber das passt leider nicht zum Rest. v_v

          Aber es wäre schön, wenn es so wäre. Wenn ein Mensch so aufwächst, dann hätte er es durchaus verdient, dass jemand an seiner Seite kämpft, anstatt ihn auszunehmen.

          Ich hab den gar nicht rausgesucht! Es ist nicht der Zauberer, der den Zauberstab aussucht! — Den Song hab ich gestern im Radio gehört. Wir waren unterwegs, und da kam er, und war so trübe, aber ich fand ihn gut. – Ich kannte Hozier auch von irgendeiner Playlist schon, weswegen ich dann gesucht hab. Die Klimaanlage war aber so laut, und wir haben uns unterhalten, weswegen die einzigen Worte, die bei mir kleben blieben, „I’ll tell you my sins so you can sharpen your knife“ waren, sonst hätte ich Mami da gleich ausgefragt. (Wobei sie die Art von Kindheit genossen hat, um die es in dem Song m.E. geht.. Vielleicht hätte ich es also auch gelassen.)

          Irgendwie habe ich das Gefühl, höre ich zu viele Songs über traurige Menschen. Zusätzlich hab ich angefangen, die Harry Potter Hörbücher weiterzuhören, und möchte derzeit Harry von den Dursleys klauen, und ihm etwas zu Essen geben. Dass sie ihn fast verhungert lassen haben, macht mich immer noch krank. — Also habe ich dann nach fanfiction (kein Scheiß) gesucht, in der alles rosarot ist, und jetzt lese ich eben die. Können mich alle mal. Ich hab nicht umsonst auf Dragon Age II „Zerfleischen“ freigeschalten. D:

  6. Gestern Abend war ich extrem unterzuckert und heute Morgen bin ich total müde. Da ich aber ständig einem von beidem ausgesetzt bin, habe ich mich mit Kaffee bewaffnet und hoffe, nicht all zu viel Unsinn zu schreiben. :-D

    Mir sind 2 weit hergeholte Zeilen aus anderen Songs eingefallen, als ich nochmal darüber nachgedacht habe. Einmal „If you don`t love me, lie to me. Cause Baby you’re the one thing I believe.“ Bon Jovi. Ja, ich stehe dazu. ;-)
    Ist es vielleicht auch so, dass er nur bei ihr sein will, obwohl er weiß, dass er daran zerbricht?
    Wie in den Beziehungen, die du teilweise oben beschrieben hast. Von außen ist es augenscheinlich eine zerstörerische, ungesunde Beziehung und dennoch begiebt sich eine der beiden Parteien in diesen Zustand, Stück für Stück demontiert zu werden.

    ‚Ich weiß, dass es schwer zu verstehen ist‘, flüsterte sie. ‚Und auch, dass er nicht der ideale Mann für mich ist. Und ich ahne, dass es höchstwahrscheinlich kein gutes Ende nehmen wird.‘
    ‚Aber warum tust es dann, um alles in der Welt?‘
    ‚Weil ich mir sicher bin, dass die Zeit dazwischen es wert ist. Kannst du das nicht verstehen?‘

    Das ist aus Heike Wanners „Für immer und eh nicht“. Eventuell weiß er, dass es kein gutes Ende nimmt, aber er hat für bestimmte Momente das Gefühl, gut und richtig zu sein. Geliebt und verstanden zu werden. Mir geht es mit H. teilweise heute noch so. Ich weiß, dass jedesmal, wenn sie nach einem kurzen Besuch wieder geht, mein Glücksgefühl von jetzt auf gleich in Traurigkeit umspringt und jeder Abschied schmerzt etwas mehr. Dennoch möchte ich so viele Stunden wie möglich mit ihr verbringen. Weil ich bei ihr das Gefühl habe, dass sie mich nicht verurteilt. Das sie mir keine „guten Ratschläge“ gibt, sondern in mir jemanden sieht, der in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen.

    Das zweite Stück, dass mir eingefallen ist, ist „I was the one who was wahsing blood of your hands“. Guns ’n Roses mit dem alternativen Text zu „Don’t you cry“.
    Kann es auch sein, dass sie gar nicht weiß, was sie ihm bedeutet und in ihn jemanden sieht, den sie mag und dem sie zeigen will, dass er so, wie er ist, in Ordnung ist?
    Das er keine Kirche braucht, keinen Glauben, um Vergebung zu finden?

    Wenn wir doch den Songwriter nur fragen könnten!!

    1. Bin gerade selbst etwas benebelt -zu viele Informationen zu verarbeiten; wir waren bei der Uroma- also verspreche ich erst einmal gar nichts. ;)

      Ist es nicht gemein, von Bon Jovi, jemanden in die Position zu bringen? Stell dir vor, es käme jemand zu dir, der an nichts glaubt, und impliziert, dass er weiß, dass du ihn eventuell nicht liebst, aber bitte sag es trotzdem, denn an DICH glaubt er. Ist es also egal, wie du dich dabei fühlst? :/ Hauptsache, er verliert dich nicht?

      Aber zurück zum eigentlichen Zusammenhang — Durchaus möglich. Ich glaube, der Unterschied ist aber hier trotzdem, dass sich der Erzähler im Hozier Song nicht wirklich GUT fühlt. Nur eben lebendig. Seine Entscheidung, klar, aber im Endeffekt ist es nicht der Preis dafür, eine wunderbare Liebe zu empfinden. Es ist nur Abhängigkeit.

      Zum zweiten Zitat.. Ich glaube, dass es das ist, was sich Hozier’s Erzähler anfangs vielleicht einreden wollte, aber es kommt mir doch kalkuliert vor, was sie tut. Natürlich ist es möglich, dass sie wirklich einfach nicht weiß, was los ist, aber es scheint so, als sei sie kein Mensch, den es interessieren würde, selbst wenn sie das täte. In jedem Fall hab ich das Gefühl bekommen, dass er eben von ihr gesagt bekommen möchte, dass „keine Kirche braucht, keinen Glauben, um Vergebung zu finden,“ wie du schon sagtest. Ich weiß nur nicht, inwieweit sie das ihm mitteilen möchte, bzw ob sie das tut, weil er wichtig ist, oder weil es ein gutes Mittel ist, jemanden zu manipulieren. :/

      Was Anderes, was mir beim Autofahren einfiel:

      That’s a fine looking high horse
      What you got in the stable?

      Sie nimmt ihn offensichtlich sehr direkt auch emotional und mental aus. Alles, was er an mentalen Kräften noch hat -seine moralische Überzeugung, Selbstgerechtigkeit, möchte sie ebenfalls, und fragt noch, was sonst noch in seinem Stall sein könnte. Denn high horse ist nun einmal das hohe Ross. Natürlich ist es gleichzeitig einfach, sich dabei zu sagen, dass es hier um irgendwelche christlichen Lügen geht, auf denen seine Existenz aufbaut.

      Zweitens: Sie ersetzt nicht mal nur die Kirche.. sie wird erst das Sprachrohr des Himmels, dann Sonnenlicht, dann Göttin. Die Kirche postuliert vielleicht gerne, aber im Endeffekt hat die Liebhaberin nicht nur die Rolle der Kirche eingenommen, sondern eine höhere: Die Gottes. Was m.E. viele Implikationen mit sich trägt. (zB dass die Kirche -unsere Erziehung- uns so großzieht, dass ein Liebhaber nur noch die richtigen Knöpfe drücken muss -Knöpfe, die unsere Erziehung überhaupt erst angebracht hat- um uns auszunehmen wie eine Weihnachtsgans.)

  7. Diese Steigerung… Könnte die daher stammen, dass er diese Ausbeutung nicht als solche empfindet, sondern eher als wahrhaftes Interesse an ihm? Als Zuneigung vielleicht? Nach dem Motto: Es ist egal, wie du mich behandelst, so lange du dich mit mir beschäftigst?

    Das sie um ihre Macht weiß, wird durch die Sache mit dem hohen Ross und dem Stall wirklich deutlich.
    Irgendwie würde ich gern wissen, wie es weiter geht. Oder wie es ausgeht? Bleibt sie bei ihm und nimmt sich, was immer er auch von irgendwo her bekommt? Oder nimmt sie, was er hat und lässt ihn dann fallen?

    Ich bin heute leider etwas wortkarg. Mama ist krank und ich habe heute erfahren, dass ich einen Neffen bekomme. Bin ein wenig durcheinander, so gefühlsmäßig.

    1. Ich hab gestern oder so zum ersten Mal das Video gesehen, indem es um Homosexualität ging. — Der Text bezieht sich aber auf eine weibliche Liebhaberin, oder auf eine Figur, die weibliche Pronomen bevorzugt; der Sänger könnte natürlich ebenfalls einen männlichen Körper haben und trotzdem eine Frau sein, insofern weiß ich nicht, ob auch „er“ (oder sie) über Homosexualität singt, oder Homosexualität innerhalb des Musikvideos ein Beispiel dafür ist, wie die Kirche sein kann.

      Dazu zwei Videos: hier spricht Hozier über das Video (und damit ebenfalls teils über den eigentlichen Text) und fokussiert dabei die Kritik an der Kirche, nicht den Rest. Hier reagieren einige andere Leute auf den Text.

      Aber niemand geht dabei auf das Verhalten der Liebhaberin ein. Ich überlege jetzt also wirklich, ob das etwas ist, dass ich nur durch meine „abuse“-Brille gesehen habe?

      Zu deiner Ausbeutung/Gleichgültigkeit-Sache.. ich persönlich habe es (bevor ich die Videos gesehen habe und alles anzuzweifeln begonnen habe) so ähnlich gesehen. Nur für mich war es mehr so, dass er wohl auch ungefähr so viel Selbstwert hatte, dass er es als normal angesehen hat oder was auch immer. Halt in die Richtung.

      Ich wüsste es auch gerne.

      Ach du.. erst einmal eine gute Besserung an deine Mama! Und.. Neffe. Meine Güte.. ich hoffe ja, dass das bei mir noch ein Weilchen dauern wird, bevor meine Schwester überhaupt dran denkt. (Und ich müsste, wenn ich Kinder wollen würde, wohl auch warten müssen, damit der Altersunterschied zwischen meinen Kindern und ihr nicht geringer ist als der zwischen ihr und mir :’D) Wie auch immer, ich gratuliere! Und natürlich mein Beileid an die Mutter, die sich durch die Geburt quälen werden muss. Also wünsche ich wohl am Besten zusätzlich noch große Kreativität, damit sie im Kreissaal gute Beleidigungen findet, die sie dem werdenden Vater vor den Kopf werfen kann. :)

  8. Mit dem Video hat er ja wirklich viele Fragen beantwortet. :-)
    Aber ich glaube, wir haben den selben Optiker. Und möglicherweise würde er es, wenn man ihn darauf ansprechen würde, genau so sehen.

    Ich werde die Glückwünsche ausrichten. Ob die Mama im Kreissaal schimpft, werde ich mal erfragen. Eine Tochter hat sie bereits. Für meinen Bruder ist es allerdings das erste Baby. Ich denke, er wird danach auch ganz gut erledigt sein. Und mit dem Schlafen bis 10 Uhr am Sonntag hat es sich wohl auch erstmal einige Zeit erledigt. :-)

    1. Aber eben leider hauptsächlich in Bezug zur Kirche und des Videos. Was ich wirklich wissen wollte, kam nicht zur Sprache, soweit ich mich erinnern kann. Hab’s aber im Halbschlaf geschaut, werd also nachher noch mal gucken. :’DD

      Dann muss ich ihm also hinterherspionieren, und ihn dann auf der Straße ausfragen. „Mate, so whaddup with that lover, eh?“

      Hah! Hahaha, wer weiß. :’D Ist dein Bruder jemand, der sich um sein Kind kümmert/kümmern würde? Hab nicht viel Erfahrung mit Vätern/Männern in Vater-ähnlichen Rollen. (Vermutlich ein weiterer Grund, wieso ich mich vor Schwangerschaft und Familienplanung scheue.)

      1. Sag ihm schöne Grüße, wenn du ihn triffst. :-D

        Mein Bruder hat uns alle überrascht. L. ist 12 und die beiden kommen absolut wunderbar miteinander aus. Und sie hört auf ihn ebenso gut wie auf ihre Mutter. Ich muss mal fragen, wie er das gemacht hat. :-D

        Und deswegen bin ich auch absolut guter Dinge, was den Neuzugang angeht. Ich bin ja was Kinder angeht auch eher unsicher. :-/

        1. Werde ich natürlich tun.

          Klingt natürlich super. Also kann man nur hoffen, stellt er sich bei eigenem Nachwuchs ähnlich an, und dass es bei L. damit keine Probleme gibt. (Da fällt mir ein: Als meine Schwester damals geboren wurde, haben alle erwartet, dass ich schwer eifersüchtig werden würde. — Ich wurde, laut dieser Leute, zu einer undankbaren Göre verzogen und müsse dementsprechend unfähig sein, damit umzugehen, dass jemand neben mir Aufmerksamkeit bekommen könnte. Natürlich hat es sie etwas überrascht, dass ich absolut keinen Neid verspürt habe. Nicht, dass sie den Anstand hatten, sich dazu zu äußern und einzugestehen, dass sie im Unrecht waren. — Also hoffe ich natürlich, dass L. ebenso wenig Probleme mit der Situation haben wird, und zusätzlich dazu auch nicht so viele Augen auf sich, die nach Anflügen von Reizbarkeit oder Eifersucht suchen. :’D)

          1. Ich hoffe mal, dass sie damit keine Probleme haben wird. Ich glaube, die größte Herausforderung für meinen Bruder wird es sein, früh aufzustehen. Das ist etwas, was ich mir bei ihm noch weniger vorstellen kann als alles andere. ;-)

            Bemerkenswert, was Leute für Ideen bekommen. Undankbare Göre. Faszinierend. Hat man dir auch gesagt, für was du nicht dankbar genug bist?

            Ich habe ja immer noch nicht nach dem Namen gefragt, arbeite aber schon an den Plänen, wie ich dem kleinen Knirps einreden kann, dass sein Name Luke Skywalker ist, sobald wir allein im Zimmer sind.

          2. Hoffen wir nur, dass der kleine Luke bei seiner Partnerwahl nicht ähnliche Probleme hat wie sein Namensvetter.

            Undankbare Göre, weil ich etwas.. naja, ich war das Kind, das nicht jedem Erwachsenen die Hand gegeben hat. Ich hab sie gegrüßt, aber wenn sie mir gruselig vorkamen, hab ich das nicht gemacht, und meine Mama hat das auch so unterstützt. Ich war wirklich furchtbar schüchtern, und wirkte wohl zusätzlich auch etwas kalt/reserviert/ernsthaft auf Andere. — Eben ein wenig „Unkind.“

            Ich hab wenig im Haushalt mitgeholfen, außer, wenn meine Mama im Krankenhaus war. Ich hab dazu geneigt, vorlaut oder frech zu werden. Aber im Endeffekt waren das einfach nur ehrliche Reaktionen eines Kindes. Meine Mama hat nie versucht, mir Dinge abzudressieren, und dementsprechend war meine geistige Entwicklung eben etwas dynamischer und ehrlicher als die, der Kinder, die Dinge nicht gemacht haben, „weil sich das so nicht gehört.“

            Zusätzlich hatten wir damals durch unsere Geschäfte relativ viel Geld, und ich habe dementsprechend sehr viele Bücher, Filme, Spielzeug etc. gehabt. — In anderen Worten, ich habe das perfekte Bild eines Kindes abgegeben, dass mit nem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen ist.

            Und die meisten Erwachsenen in unserem Umfeld haben das halt alle nicht so gesehen wie meine Mama, und gingen fest davon aus, dass ich mal das verzogenste Stück werden würde, dass die Welt je gesehen hat. Dass ich kein Mitgefühl haben würde, und egoistisch durch die Welt ziehen. Dass ich denken würde, dass mir alles zusteht, und nur andere dafür ackern müssten.

            Ich bin egoistisch, habe oft kein Mitleid, und fänd es bestimmt nicht schlecht, wenn jemand anders all meine Arbeit machen würde, selbst, wenn ich nicht depressiv wäre, aber ich würde beinahe sagen, dass ich nicht das Monster geworden bin, dass sie alle prophezeit haben. ;)

  9. Wieder habe ich mal keine Benachrichtigung bekommen. :-/

    Was ich so vom schreiben her kenne, da muss ich sagen, die Leute haben sich tatsächlich geirrt. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn jemand anderes für mich kochen und putzen würde und Einkäufe erledigen würde, während ich nur die Dinge tue, die mir Spaß machen. Ich glaube aber, dass ist nicht immer ein Zeichen von „falscher Erziehung“.

    Also, falls es dich irgendwie freut, ich für meinen Teil schreibe gern mit der Frau, die aus der kleinen P. geworden ist. :-)

    1. Natürlich freut es mich. Zusätzlich zu all den gesunden Gründen allerdings auch, weil ich damit bestimmten Menschen noch viel mehr den Finger zeigen kann. ;) Nicht, dass sie durchweg Unrecht hatten. Ich hätte mich vielleicht anders entwickelt, wäre ich nie depressiv geworden. Andererseits war ich nur in meiner Pubertät weniger.. „nachdenklich“, da pubertärer Höhenflug. Ist ja auch eher egal, wie es kam. Sie waren zumindest alle schnell, zu urteilen, ohne darüber nachzudenken, dass es Gründe dafür gab, wie Mami mich erzogen hat. Idioten.

      Das mit den Benachrichtigungen ist aber irgendwie ein Problem in letzter Zeit. Manchmal könnte ich schwören, ich kriege keine, und dann finde ich sie drei Wochen später beim Inbox-Aufräumen. Oder sie kommen wirklich gar nicht. Oder ich hab vergessen, Abonnieren zu klicken. :’D (Meistens ist es das Letztere..)

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