#22 goodbye, sir, you weren’t kind at all.

Umzingelt von der modernen Welt, die mir meine Abhängigkeit, alles dokumentiert zu wissen, so viel einfacher macht, mit Instagram, Twitter, Goodreads, Calibre, Mangaupdates und trakt.tv, verstärkt sich das Gefühl, dass ich eine Ansammlung von Ereignissen bin, die letztlich irrelevant sein werden -oder bereits sind- da ich ihren Zusammenhang beim Archivieren vergessen habe.

Als ich jünger war, habe ich mich in Mimik und Gestik nahezu verliebt. Wie jemand die Lippen geformt hat, wenn er eine bestimmte Silbe ausgesprochen hat, wie jemand seinen Bleistift gehalten hat, wie jemand sich die Haare immer mit nur einer Hand geflochten hat.

Diese „Schönheit“ existiert natürlich noch viel mehr in einer Abhängigkeit als ein aus der Symmetrie als attraktiv erscheinendes Gesicht, denn die jeweiligen Mitschüler, Lehrer, Freunde, Fremde.. empfand ich als interessant und schön, weil ich ich ihre verschiedenen Bewegungen und Ausdrücke empfunden habe, als würden sie etwas aus deren Leben widerspiegeln.

Damals habe ich bestimmte Bewegungen aufgezeichnet. Wie jemand lief, wie jemand seine Tasche auf den Tisch stellte. Es war nicht anders als es heute vielen Menschen geht, wenn sie jeden Augenblick festhalten, und selbst Konzerte nur durch ihre Smartphone-Kamera erleben. Es ist mittlerweile nicht mehr schlimm, Dinge zu vergessen. Sie sind auf unseren SD-Karten gespeichert, nehme ich an. Mein Verhalten in der neunten Klasse war nur deswegen weniger zwanghaft, weil mir die Möglichkeiten fehlten, vermute ich.

Was mich daran beunruhigt, ist, dass es nicht irgendwo aufhört. Mir kommt es so vor, als ob der Wert, der auf Familie oder Freundschaft gelegt wurde, langsam verschwindet. Das ist sicherlich für manch einen schön, und ich denke auch nicht, dass man zwanghaft an zwischenmenschlichen Beziehungen klammern muss, vor allem nicht, wenn sie einem schaden. — Unsere anerzogene „Unabhängigkeit“ ist für viele sicherlich sogar ein Beweis dafür, dass jeder emotionale Bund der Vergangenheit nur ein überlebenswichtiger Instinkt war. Ein kalkulierter Akt, selbst, wenn wir aktiv nicht kalkuliert haben.

Aber mir gefällt es nicht, wie wir einander auf eine genauso kalkulierte, egoistische Unabhängigkeit trimmen. Wie sich Eltern von ihren Kindern „abkapseln“ sollen, wie es „normal“ ist, dass man sich „aus den Augen verliert.“

Ich habe so viel aus den Augen verloren; eigentlich ist die Welt schon beinahe leer. Und ich brauche keine Plattitüden, die mir sagen, ich solle mich damit abfinden – als würde ich nicht trotzdem jeden Morgen aufstehen.

Der Mensch kann nicht in einem Vakuum existieren. Für manch einen vielleicht nur, weil er ersticken würde, aber zufälligerweise bin ich ein Mensch und darüber hinaus brauche ich Interaktion, die auf mehr basiert, als dem Wunsch nach mehr Facebooklikes. Ich brauche mehr, als zu sehen, wie jeder alleine um sein Leben kämpft und sich einredet, durch irgendeine Plattform Unsterblichkeit zu erlangen.

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11 Kommentare zu „#22 goodbye, sir, you weren’t kind at all.

  1. „Wie jemand die Lippen geformt hat, wenn er eine bestimmte Silbe ausgesprochen hat, wie jemand seinen Bleistift gehalten hat, wie jemand sich die Haare immer mit nur einer Hand geflochten hat.“

    Genau das ist es, was ich an deinen Texten so mag. In meinen Augen achtest du auf Dinge, die ich gar nicht bewusst wahr nehme und die es mir unmöglich machen, ein Buch zu schreiben. Neben 1000 anderen fehlenden Dingen.

    Ich habe, wenn ich den Zusammenhang irgendwie treffend hinbekomme, deine Beschreibung der Unabhängigkeit und der Kalkulation kürzlich erst wieder erlebt. Eben bekam ich eine Nachricht auf FB, dass einer ehemaligen FB-„Freundin“ ein Kommentar von mir zu ihrem Foto gefallen hat. Ich habe sie schon vor Monaten von der Liste entfernt. Kennen gelernt hatte ich sie über ein befreundetes Pärchen und es war damals prima, nicht das 3. Rad am Wagen sein zu müssen, wenn ich mal eingeladen wurde oder wir etwas unternehmen wollten. Und noch viel wichtiger: Niemand hat versucht, uns zu verkuppeln.
    Irgendwann aber wurde der Kontakt zum Pärchen auch weniger und damit zwangsläufig der zu ihr. Was ihr aber auch nicht viel auszumachen schien. Also beendete ich den Kontakt und die gegenseitige Existenz auf der Freundesliste. Und es ist mir kein Stück schwer gefallen. So böse das jetzt klingen mag, zu der Zeit war sie „nützlich“ für mich. Ich konnte aus der Bekanntschaft einen Vorteil ziehen. Der ist jetzt weg. Und dadurch auch der Kontakt.
    Sicherlich klingt das jetzt so, als hätte ich sie schamlos ausgenutzt und vielleicht habe ich das auch. Aber ich glaube, es passt einfach zu dem, was du geschrieben hast.
    Und mal ehrlich.. Wie viele Freunde hatten wir als Kind, von denen wir uns nicht vorstellen konnten, sie eimal aus den Augen zu verlieren?

    Gleichzeitig war am letzten Freitag ein alter Freund zu Besuch. Leider hatten wir nur eine knappe Stunde, um zu reden, aber es war toll. Ungezwungen, herzlich, lustig. Was wieder zeigt, dass es ohne einfach nicht geht. Zumindest nicht für mich oder bei mir.
    Oft denke ich aber auch, dass diese „gewählte Einsamkeit“ lediglich Fassade ist. Sehr häufig lese ich „Ich brauch keinen Mann/keine Frau, ich komme alleine klar.“ Oder auch „Freunde sind wichtiger als Beziehungen.“ Nur selten aber habe ich den Eindruck, dass die Freunde dem Partner das Wasser reichen können. Zu oft bekommt man einfach kaum noch Zeit, Gespräche finden nur kurz und knapp statt und man wird vor der Tür stehen gelassen.
    Und in meinen Augen verhält es sich auch so, wenn jemand sagt, er wolle erstmal seine Freiheit genießen. Was so viel bedeutet, wie: „Ich bummse was auch immer da kommen möge!“
    Im Endeffekt sind aber auch solche Freundschaften mit Extras nicht anderes als die Suche nach Nähe, denke ich. Egal, wie Unabhängig man sein möchte und vorgibt zu sein, Bindungen sind überlebenswichtig. Das mag auf vielen Ebenen möglich sein. Zwischen Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau, mehreren Männern und mehreren Frauen, zwischen Mensch und Gottheit, Mensch und Tier oder was auch immer. Wir sind Rudeltiere.

    Und so sehr ich mich auch freue, wenn jemandem der Kokolores, den ich zu gern auf Facebook von mir gebe gefällt, es ersetzt in keinster Weise die Umarmung und das „Schön dich wieder zu sehen, alter Freund“, dass ich letzten Freitag erhielt.

    1. Ich glaube, bevor man solche Beispiele anbringen kann, sollte man eventuell auch in der Art der Freundschaft unterscheiden. Nach Aristoteles, den ich ungern anbringe, aber es bietet sich an, imsosorry, hattest du mit dieser Freundin eine Nutzfreundschaft. Per Definition ist es ganz eindeutig, dass diese Freundschaft sich dann auflöst, wenn der Nutzen verschwindet – Und das ist auch in Ordnung. Es war nie mehr oder weniger als das.

      Was mich stört, ist, dass wir oft dazu „erzogen“ werden, Nutzfreundschaften aufzubauen, und „wahrhaftige“ Freundschaft als naive Kindheitsfantasie zu belächeln.

      Was die Bindungen und unseren Wunsch danach betrifft, kann ich dir mit einer Ausnahme zustimmen: Es ist nicht pauschal so, dass jeder Mensch ein Rudeltier ist/Beziehungen möchte. Das bringe ich auch nur an, weil ich mir vorgenommen habe, in meiner Wortwahl vorsichtiger zu sein, um niemanden zu diskriminieren.. Und in dem Fall wären das Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder natürlichen Neigungen, durch die sie zwischenmenschliche Beziehungen nicht oder weniger oder auf eine andere Weise als wünschenswert empfinden. Das hindert sie nicht daran, ebenfalls zufrieden oder glücklich zu sein. (Ich fühle mich gerade unangenehm politisch korrekt. Aber muss halt manchmal sein, wenn man sich schon was vornimmt und so..)

      Aber ein Großteil von uns möchte tatsächlich dieses „Rudel“, und in vielen Fällen ist es scheinbar sogar so, dass wir diese Hierarchie wollen. Wir wollen jemanden, dem wir vertrauen können, uns zu helfen, wir wollen genau wissen, an welcher Stelle wir stehen, usw. — Natürlich ist es unabhängig davon auch so, dass wir einfach soziale Wesen sind. Selbst ein Tiger braucht zwischendurch mal etwas Kontakt.

      Es ist im Endeffekt vielleicht auch egal. Es sind Oberflächlichkeiten und endloses Knipsen. Ob ich daran viel ändern kann?

      1. An die eine Ausnahme dachte ich beim Schreiben auch, aber ich glaube, ich bin einfach oft zu hastig und mache mir nicht so viele Gedanken beim Schreiben.
        Und ob du oder ich oder irgendwer daran viel ändern kann? Das ist allerdings eine gute Frage. :/

        1. Ich hab auch erst angefangen, „integrativer“ zu sein, also würde ich es keinem vorhalten. Aber meine Zwanghaftigkeit hat gewonnen, also musste es mit in meine Antwort. ;)

          Wenn ich darüber nachdenke -und das tue ich gerade nicht sehr intensiv, also würde ich für folgende Aussagen ungern Haftung übernehmen- dann ist es vielleicht auch so, dass es nicht daran liegt, ob die Dinge so sind, wie sie sind, oder ob ich als Individuum andere Menschen davon abhalten kann. — Auch im ursprünglichen Text ging es mir ja nicht darum, jedweige Oberflächlichkeit als „böse“ abzutun. In vielen Situationen hilft es, oder ist es zumindest nicht schädlich, zu kalkulieren, Zweckgemeinschaften zu bilden etc. Stattdessen ist es eher die Art und Weise, auf die wir diese Beziehungen und Eigenschaften pflegen: Hirnlos. Wir hinterfragen nicht, ob es denn wirklich besser ist, isoliert von unserer Kernfamilie zu leben, weil wir zufällig volljährig sind, oder wir nehmen irgendwelche Pharma-gesponserten „Studien“ hin, die erklären, dass man dann vieeel ausgeglichener ist und auf jeden Fall mehr Sex hat.

          Ein Beispiel: Innerhalb des deutschen Schulsystems ist es üblich, dass Klassen mehrfach aufgelöst werden. Mindestens einmal, wenn der Wechsel von Grund- zu Sekundarschule/Gymnasium/wasauchimmer stattfindet, und im Laufe der nächsten 6-9 Jahre erneut. Bei mir in der siebenten und zehnten Klasse. Daraus resultierend, bestand in der elften und zwölften Klasse kein „Klassenzusammenhalt“ mehr. Man besuchte sowieso Kurse, und nur die vier Kernfächer wurden im Klassenverband unterrichtet. — Im Vergleich dazu wird in Japan sogar (zumindest ab der High School, aber vermutlich auch schon davor) jedes Jahr die Klasse aufgelöst. (Und die Suizidzahlen sprechen nicht gegen die Theorie, dass sich viele Menschen in diesem Land im Stich gelassen und isoliert fühlen.)

          Man wird also systematisch immer dann auseinandergerissen, wenn man gerade angefangen hat, festere Freundschaften zu bilden. Warum? Damit man lernt, mit gaaanz vielen Menschen klarzukommen. Aber eben immer nur oberflächlich. Das ist auch kein Problem. Schule bringt uns bei, im späteren Leben klarzukommen. Aber vielleicht ist das spätere Leben auch besonders oberflächlich, weil Schule so prägt.

          Ich denke, es ist richtig -oder wenigstens nicht grundsätzlich falsch, leistungsmindernd, oder entwicklungsschädigend- zumindest ein-zwei Mal Klassen neu zu ordnen. Das macht mehr Sinn, weil die neuen Stundenpläne an die Kurswahl der Schüler angepasst wird, und weil es tatsächlich gut für die Entwicklung sein kann. Aber es sollten trotzdem Gegenmaßnahmen getroffen werden, die Schülern mehr vermitteln, als „Zweckgemeinschaft“. Vor allem an kleinen Schulen wie meiner hätte man ein Schülerinternes Nachhilfe-System aufbauen können, mehr Unterrichtsergänzende (und Klassenumfassende) Projekte gestalten etc. Es reicht nicht, „Teamwork“ in den Raum zu schreien.

          Vielleicht ein eher suboptimales Beispiel, aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine? Es ist nicht die Zweckgemeinschaft, die ich hinterfrage, sondern die Ignoranz dahinter. Wir hinterfragen nicht, wir merken nicht einmal, dass wir da gerade etwas akzeptieren -weil wir nicht realisieren, dass es überhaupt eine Wahl geben könnte. Und das ist.. naja, doof.

  2. Dein Beispiel mit der Schule ist interessant. Gerade, weil ich ähnliches in den letzten Monaten auf der Arbeit erlebt habe. Unsere Abteilung ist nochmal in 3 oder 4 Bereiche unterteilt. Und ich habe in der Vergangenheit öfter mal bei den Kollegen aus dem anderen Bereich ausgeholfen. Ich kenne sie alle auch mit Namen, man grüßt sich und plaudert mal. Aber es ist doch ein Unterschied zu den Kollegen, mit denen ich sonst 8 Stunden am Tag zusammen bin.
    Und viele meiner Kollegen finden es furchtbar, für einen Tag in einen anderen Bereich zu wechseln. Weil sie die Leute halt nicht kennen.
    Ein ähnliches „Problem“ erlebt gerade eine Bekannte von mir. Ihr Arbeitgeber hat ein neues Gebäude bezogen und aus ihrem kleinen Büro zog sie jetzt um in ein Großraumbüro. Eine der beschissensten Ideen überhaupt, wie ich finde. Man wird gezwungen, sich in der Nähe von vielen Kollegen aufzuhalten. Ohne räumliche Trennung. Ich würde durchdrehen, weil man ja immer auch Menschen hat, die man am liebsten gar nicht sehen möchte. Ob es im Endeffekt wirklich dazu führt, dass der Zusammenhalt oder der Teamgeist gestärkt wird, weiß ich nicht. Aber es wirkt auch da so aufgezwungen. Mich wundert es dann immer wieder, dass die Menschen, die so etwas entscheiden, für kein Geld der Welt ein Büro mit jemand anderem teilen würden.

    1. Wie oft musstest du zu deiner Schulzeit die Klasse „wechseln“? Würde mich jetzt im Zusammenhang interessieren. : x

      Ich persönlich hätte damit tatsächlich ebenfalls große Probleme. Die meisten meiner Freunde, Bekannte und Lehrer haben das nie glauben wollen, weil ich zumindest früher sofort „Anschluss“ gefunden habe und innerhalb kürzester Zeit eine zentrale oder zumindest eindeutige Rolle eingenommen habe, aber das war ein unglaublicher Kraftakt, zu dem ich heute wohl nicht mehr im Stande wäre. (Und der vielleicht erneut ein Zeichen dafür ist, dass ich schon damals manipulierend war..)

      Das frage ich mich aber auch. Es gibt ja viele Psychologen, die sich damit auseinandersetzen, welches Arbeitsklima in welchen Berufen wünschenswert ist und wie es am Effektivsten zu erreichen ist, aber dabei berufen sie sich auf Lehrbücher und Statistiken, die wenig bringen, wenn das gesamte Unternehmen Klaustrophobiker, Zwangsgestörte oder Choleriker eingestellt hat. Persönlichkeiten und Persönlichkeitsstörungen beeinflussen, wie effektiv diese Methoden tatsächlich sein werden, würden wir davon ausgehen, dass sie unter optimalen Umständen 100 Prozent erreichen würden. — Aber das zweifle ich stark an. Diese ganzen Strategien basieren auf Theorien. Ich könnte sogar meine Paranoia ins Spiel bringen und sagen, dass die meisten derzeitigen Studien usw. einen scheinbar nur zum Apotheker bringen sollen, um dort Geld für Fluoxetin und Aspirin oder Ibuprofen auszugeben, aber unabhängig von meiner (m.E. rationalen) Paranoia bezüglich der Pharmalobby, gibt es bisher keine mir bekannten Langzeitstudien, die empirisch oder anders nachweisen, dass Großraumbüros -zumindest die klassischen- wirklich zu besseren Leistungen führen. Stattdessen erscheint es so, als ob die jeweiligen Arbeiter sich mehr unter Druck und Beobachtung fühlen. Das heißt, zu erst legen sie zu, dann lässt ihre Leistung nach, meist sie versuchen durch Koffein oder Medikamente nachzuhelfen, bis sie krank werden, oder sie legen instinktiv eine Pause ein. Hab selten einen Büroler aus dem Gebäude hüpfen sehen, fröhlich vor sich her singend. Im Vergleich: In China springen sie zumindest öfter mal von den Gebäuden. Da gibt es vermutlich sogar noch viel mehr Großraumbüros als hier. — Zum Schluss wird das doch nicht die Statistik sein, auf die man sich hier in Deutschland beruft, wenn man Menschen in neue Räumlichkeiten befördert? „Großraumbüros führen zu super Leistung. Siehe: China. Richtig viel Umsatz. Klar, unterbezahlte Mitarbeiter, aber irgendwo muss man halt einsparen. Und hey! Nur 0,001 Prozent der Menschen in diesen Berufen bringen sich um. Klar, das sind immernoch sieben pro Tag, aber es rückt auch immer einer nach. Kein Grund zur Sorge.“

      1. Das muss ich jetzt zuerst machen… „In China springen sie zumindest öfter mal von den Gebäuden.“ Ich finds toll, wie du sowas in einem Satz einbringst. :-D

        Wir hatten einen Abteilungsleiter, der gern auf China verwies, wenn es darum ging, neue Arbeitsmethoden einzubringen. „In China ist es so, die Chinesen machen das so, Chinesische Unternehmen haben/tun dieses und jenes…“ Ich habe dann irgendwann mal gesagt:“Die schmeißen sich auch vom Dach oder in Japan in ihr Schwert, wenn sie 2 mal etwas falsch gemacht haben. Soll das hier auch Tradition werden?“
        Der Vergleich mit China hinkt so unglaublich.

        Mein nächster Vorgesetzter hatte bis vor etwa 1 Jahr ein Büro für sich allein. Naja, nicht ganz allein. Der andere Schreibtisch gehörte seinem Pendant aus der Gegenschicht. Aber man konnte immer mal zu ihm, die Tür schließen und unter 4 Augen mit ihm sprechen. Jetzt wurde das neu durchgewürfelt und er sitzt jetzt in einem großen Büro mit 4 anderen Teamleitern und Schichtleitern. Schrecklich ist das. Man kann kein Vertrauensvolles Gespräch beginnen. Wirkt sich also auch auf uns Mitarbeiter aus.
        Und ich denke, es ist immer ein Unterschied, wie groß die Gruppe ist. Ich selbst fühle mich im Stande, in einer Gruppe von insgesamt 5 oder 6 Leuten, das Kommando zu übernehmen. Meinetwegen auch 10. Aber alles darüber hinaus ist nicht mehr mein Ding. Da spiele ich gern mal den Unteroffizier. Und ich denke, ähnlich ist es in manchen Großraumbüros.

        Ich musste nach der Grundschule nur einmal die Klasse wechseln. Das war in der 7. Klasse, als wir zwischen Latein und Französisch wählen mussten.Und die 11. habe ich ja auf der weiterführenden Schule wiederholt. Da fiel es im 2. Jahr allerdings leichter, Leute kennen zu lernen, da außer mir noch 3 andere Klassenkameradinnen und -kameraden eine extra Runde drehen mussten. Und Kurse, in denen wir dann durcheinander gewürfelt wurden, gab es im Gegensatz zum Gymnasium, auf dem ich vorher war, dort nicht.

        1. Also hast du inklusive Grundschule 4 mal die Klasse gewechselt, davon aber zwei Mal durch Schulwechsel?

          In Japan schmeißen sie sich auch von Gebäuden, oder Erhängen sich oder nehmen Medikamente. Hab darüber vor laaanger Zeit mal ganz viel gelesen. Ich würde es sowieso keinem empfehlen, die Asiaten zu sehr nachzumachen. Manche Dinge klappen da Bestens, aber meistens auf Kosten des Einzelnen. Aber irgendetwas mit China zu vergleichen, und dann zu denken, das China das Optimum ist, das man zu erreichen habe…. ist irgendwie echt so selten bescheuert, dass mir beinahe die Worte fehlen.

          Ich denke, für manch einen könnte es super sein, in einem Großraumbüro zu arbeiten. Werdende Schauspieler, die Akzente, Dialekte, Mimik und Gestik lernen wollen, manche Narzissten, und einfach Menschen, die darin aufgehen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Ist ja auch alles klasse. Für diese Leute. Da ich aber realisiere, dass unter den gegebenen Umständen oft nichts Anderes möglich ist, bleibt mir wohl auch nichts übrig, als Mitgefühl mit den armen Seelen zu haben, die in Großraumbüros stecken und da verrückt werden. :/

          1. Ja, ich glaube, 4 mal ist richtig. Ich denke, gelesen hat bei uns so gut wie niemand. Aber für meinen ehemaligen Chef waren wir auch mehr Personalnummer, Kostenfaktoren, die leider nötig waren. Aber als Menschen hat er uns nur selten gesehen. Er wird auch nicht wirklich vermisst. ;-)

            Aber du hast schon Recht. Es wird, vielleicht, weil es einfach zu aufwendig ist, bei solchen Entscheidungen der Einzelne nicht berücksichtigt. Es gibt nunmal Leute, die einfach besser allein arbeiten. Ich merke das bei mir selbst. Habe ich einen Arbeitsplatz, an dem ich allein arbeite, fühle ich mich oft wohler. Auch, wenn es bedeutet, niemanden zum Reden zu haben. Dann wird halt im Kopf gesungen. :-D

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