#19 i’m sorry if i smothered you

Auf meiner privaten Facebook-Seite schreiben mir ab und an Menschen, die ich flüchtig kenne. Aus der Fahrschule, durch gemeinsame Freunde. Ich nehme die wenigsten Freundschaftsanfragen an, ich interagiere wenig mit den Menschen dort, aber ich versuche, sie nicht vollkommen zu ignorieren, wenn sie mir eine Nachricht schreiben.

Es fällt mir dabei aber schwer, mich zu kontrollieren. Mit Sicherheit würden sich alle denken, ich sei ein „Spielverderber“ und furchtbar pedantisch, wenn ich jedes Mal den Mund aufmachen würde, wenn mir etwas gegen den Strich geht, was sie äußern:

  • „Ich bin so depressiv zur Zeit,“ (Hast du eine Diagnose? Geh zum Arzt. Geh zum Therapeuten.) oder
  • „Die ist total behindert,“ (Es gibt Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. „behindert“ ist keine Beleidigung, es ist ein Zustand.) oder
  • „Der gehört in die Klapper,“ (Psychische Krankheiten sind genauso wenig Beleidigung, wie gebrochene Beine oder Grippe) oder
  • „Sollen die zurückkriechen, wo sie herkamen,“ (Die meisten wurden hier geboren, kamen aus guten Gründen her, und wäre es nicht erzwungener Inzest, würde ich dich auch zurückkriechen lassen, wo der herkamst, du gefährdest die Allgemeinheit mit deiner gewollten Ignoranz) oder
  • „Den müssen sie durch die Tür quetschen,“ (Übergewicht ist ein gesundheitliches Bedenken, kein architektonisches) oder
  • „Wie schwul! [Bild von Freunden, die sich umarmen, einfügen]“ (Ich wusste gar nicht, dass X und Y schwul sind. Wann hatten sie ihr Coming-Out?)

– Ich denke, das spricht gerade nicht unbedingt für mich. Womit umgebe ich mich eigentlich, wenn auch nur virtuell und alle vier Monate? Aber ja, Schande über mein Haupt, meine Kuh und meine Familie. 

Vor einigen Wochen hatte mir ein Bekannter aus der Fahrschule geschrieben. Er (M) und sein Freund (J) waren während des Theorieunterrichts immer relativ unterhaltsam. Aus traurigen Gründen dachte die Welt scheinbar, dass ich Interesse an J. habe. Selbst Herr H., was traurig ist, weil Herr H. das doch besser wissen sollte. Wie auch immer, M. schrieb mir vor einiger Zeit und war genau so primitiv, wie man (ich) das hätte erwarten sollen, anscheinend motiviert, weil ich offensichtlich nicht mit J. zusammen bin.

Er hat mir vor Kurzem wieder geschrieben, wollte mir dabei sogar ein schlechtes Gewissen einreden, weil ich mich nicht gemeldet habe, als hätte ich irgendwo ein Dokument unterzeichnet, dass mich dazu verpflichtet, oder es ihm anderweitig versprochen.

Ich sollte hier anbringen, wenn ich jemanden kennenlerne und irgendwann realisiere, dass er scheinbar Interesse an mir hat (in dem Fall habe ich es da mitbekommen, als er mich fragte, ob ich ihm nicht einen blasen möchte; ja, wenn man mit mir flirten möchte, sollte man das ankündigen und wenn man mich nicht wirklich kennt, sollte man mich mit Sicherheit nicht um sexuelle Dienstleistungen bitten) ich meistens direkt äußere, dass ich absolut kein Interesse habe. Nicht an Sex, nicht an einer Beziehung. Nicht mit ihm, nicht mit ihr, nicht mit irgendeinem Star. Das ist eigentlich mein Standardspruch.

Natürlich habe ich an ihm noch viel weniger Interesse, weil er bestimmte Voraussetzungen allein für eine Freundschaft nicht erfüllt: Kein Interesse am Weltgeschehen, an Büchern, die ich mag, an Serien, die ich mag, an Themen, die mich beschäftigen, nicht an Musik, an bestimmten Menschen, an Spielen, nicht mal an Manga oder Comics. Keine eigenen Themen, die ihn beschäftigen. Mein Gegenüber muss nicht zwangsläufig interessant sein, denn eine Freundschaft basierend darauf, dass der Andere „interessant“ ist, endet, sobald mal den Großteil über die Person weiß, und sie nun nicht mehr interessant ist. Aber es ist -für mich- notwendig, Gespräche führen zu können, weil Kneipenpolitik, Bier und Technomucke -für mich- wenig attraktiv sind. Mit wem ich nicht über mehr als seinen Tagesablauf sprechen kann, mit dem kann ich nicht langfristig Zeit verbringen.

Viel wichtiger, ich hab keinen Grund, um ihm zu vertrauen. Wenn ich einen Menschen nicht als Freund zählen kann, könnte ich ihn niemals in irgendeinem anderen Licht sehen. Denn das Gespräch, „Du Übrigens, das letzte Mal, als mich wer geküsst hat, hab ich ihn aus Reflex geschlagen, obwohl ich ihn ebenfalls küssten wollte,“ ist etwas, dass ich sicherlich niemandem erzählen würde, der hier lebt und dem ich gleichzeitig nicht vertraue. (Außer, um ihn sehr schnell abzuschrecken. Man erinnere sich an A.L., dem ich erzählt habe, dass ich Sex unglaublich langweilig und furchtbar finde. Er hat sich nie mehr gemeldet. Tragisch.) Trotzdem ist es ein notwendiges Gespräch.

Wie auch immer, absolut kein Interesse.

Außer, dass es wohl nicht ankam. Ich weiß nicht, ob er zu viele „Frau-Deutsch Deutsch-Frau“ Facebook-Posts gelesen hat, oder jeden Abend, bevor er sich hinlegt, eine Übersetzung von Blurred Lines liest. Vielleicht denkt er, Nein heißt Ja, oder dass er die große Ausnahme ist. Aber es ist offensichtlich, dass er nun mit mir „befreundet“ sein möchte, um mit mir zu schlafen. Dass jeder schmutzige Witz, den ich sonst machen würde, unmöglich ist, dass ich jedes Wort überdenken muss, weil er es als Aufforderung sehen würde. Dass es ist egal ist, was ich sage, und falls ich mich tatsächlich mit ihm anfreunde und irgendwann in einer Beziehung bin, ich dann nur eine weitere Schlampe bin, die mit dem Arschloch ausgeht, statt mit dem „netten Typen“, der die ganze Zeit für sie da war. Er würde mich natürlich nicht Schlampe nennen. Er würde da sitzen, jemandem davon erzählen, und dann nicht widersprechen, wenn sie diesen Schluss ziehen. Denn er ist ein netter Typ, und er sagt das Wort „Schlampe“ nicht. Er nennt Prostituierte nur Huren, weil es furchtbar ist, Geld für Sex entgegen zu nehmen. (Viel mehr, sollten sie nicht ihm Geld geben?)

Natürlich ist er nicht für mich da, und natürlich werde ich nicht mit einem Arschloch zusammen sein. Aber das ist die Art Mensch, die mir schreibt. Und er ist nur einer von vielen.

Er verdeutlicht mir, wie wenig ich in seinen Augen eine vollwertige Person bin, und für wie toll er sich fühlt, hinter seinen christlichen Werten und seiner nicht-existierenden Ausländerfeindlichkeit. Tatsächlich, ich sollte allein aus Dankbarkeit Sex mit ihm haben. Danke, dass es dich gibt, M. Du bist so toll. Lass mich deepthroaten, ich hab das in meiner bulimischen Karriere geübt. (Ich hoffe, es würde vollkommen fehlschlagen und ich würde sofort loskotzen, so aus Reflex. Bulimischer Reflex. Oder Ekel. Vermutlich Beides.)

Es ist ihm vollkommen egal, wer ihm nun einen bläst, hauptsache, irgendjemand tut es. In wirklich kalt-kalkulierten Worten könnte man sagen, dass er mir nichts bietet, dass ich bräuchte, um ihm den Gefallen zutun.

Kein einziges seiner primitiven Komplimente („Du bist so eine geile Frau, die Augen von fast jedem Mann in der Fahrschule sind bei dir mal etwas gewandert“ Ugh), oder noch primitiveren Flirtversuche/Angebote („ich könnte dich ja massieren mit öl“) ist ansatzweise schmeichelhaft. Im Gegensatz fühle ich mich mehr und mehr abgewertet, und beinahe wie ein schlechter Mensch dafür, dass ich das tue.

Weil, er hat ja Benehmen. Egal, wie primitiv, er sagt nicht einfach „Will dich nageln, hasse Zeit?“ (Was bis jetzt zu besseren Freundschaften geführt hat, als das mit ihm je der Fall sein wird. Weil, den Leuten kann man sagen, „Nö,“ und entweder, sie gehen, oder sie bleiben und wissen, dass nix passieren wird) und ich bin mir sicher, er ist sich nicht mal bewusst, wie unangenehm die Gespräche mit ihm für mich sind, egal, wie deutlich ich das mache. Egal, wie oft ich wiederhole, dass ich kein Interesse habe, er macht weiter.

Es wäre sicherlich einfacher, ihm zu sagen, wie furchtbar sein Verhalten ist, aber dann wäre ich genauso nur eine Schlampe, die nicht zu schätzen weiß, wie gut er es doch alles meint. — Egal, was ich hier tue, solange es mir irgendwo wichtig ist, wie es rüberkommt, bin ich die „Verliererin“. Die kleinkarierte, pedantische Spaßverderberin. Die, die nicht mal einen kleinen Scherz verstehen kann.

Entweder, ich muss mir selbst den Mund verbieten, damit er mich nicht anspringt, oder ich muss ihm sagen, dass es für mich „unangenehm“ ist. Es ist aber nicht unangenehm. Es ist frustrierend und deprimierend. Nach einem solchen Gespräch fühle ich mich klein, hilflos und dreckig. Ich fühle mich, als wäre ich ein Opfer, und ich bin wütend und fassungslos, weil ich einem nahezu Fremden erlaubt habe, mich so fühlen zu lassen. Dass es mir wichtig ist, wie ich wahrgenommen werde: Die undankbare Schlampe zu seinem christlich-guten Retter.

Und vielleicht ist er kein MRA, vielleicht wäre er ein klasse Kumpel, wenn ich nun einen Penis hätte, und mir ist bewusst, es gibt zu jedem Zeitpunkt so viel Schlimmeres. Aber für mich ist es gerade schlimm genug.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

5 Gedanken zu „#19 i’m sorry if i smothered you“

  1. Jetzt bin ich mit total gemischten Gefühlen aus diesem Artikel gegangen. Teilweise war ich echt schockiert, wie primitiv meine Artgenossen scheinbar immer noch sein können… “ich könnte dich ja massieren mit öl”. Ob sowas irgendwann mal klappt?
    Andererseits fühle ich mich, hoffentlich zurecht, ein wenig verstanden. Auch, wenn du gar nicht weiß, wie diese ganzen Beziehungsgeschichten und das drumherum für mich sind.
    Wenn es ok ist, versuche ich mal zu erklären, wie ich es meine.

    Nun ist es bei mir so, dass ich generell einer Beziehung gegenüber nicht abgeneigt bin. Nur müssen die Vorraussetzungen einfach da sein. Bis ich vor einigen Monaten auf Facebook erklärt habe, der nächsten Person, die meint, mich verkuppeln zu wollen, das Gesicht mit Pflastersteinen zu panieren, haben mir oft Leute Ratschläge gegeben, wie ich endlich unter die Haube komme. Da hieß es oft „Ja, guck doch mal. Die ist nett und hat keinen Freund.“
    Das stimmt wohl beides. Und jetzt? Soll ich jetzt eine Beziehung mit ihr eingehen, nur um nicht Single zu sein? Nur, damit ich halbwegs regelmäßig Sex habe?

    Man sagt ja, dass man seinen neuen oder potentiellen Partner nicht an der/dem Ex messen soll. Aber man darf doch wenigstens „verlangen“, sich in der Beziehung ähnlich wohl zu fühlen, oder?
    Ich denke, wenn 2 Menschen es schaffen, 14 Stunden am Tisch zu sitzen, zu reden, sich gegenseitig die unmöglichsten Fragen zu stellen, sich Rätselaufgaben zu stellen und das so zu genießen, dass man, obwohl beide schon rote Augen vor Müdigkeit haben, einfach nicht aufhören wollen… Ich denke, ich habe das Recht, solche Stunden mit jedem Partner verbringen zu wollen.

    Und wenn die Dame, wie du sagst, einfach nicht ansatzweise die selben Interessen verfolgt wie ich, dann ist das einfach nicht möglich.
    Mich interessiert es nunmal nicht, wer bei DSDS in den Recall gekommen ist oder wer bei der Wok-WM dabei ist.
    Ich finde, zusammen schweigen zu können unglaublich gut, aber nicht, wenn man aus mangelnden Themen dazu gezwungen ist.

    Warum wird heute so oft gedacht, dass man in einer Beziehung sein muss, egal, mit wem? Klar, in meinem Alter heißt es: Denk doch mal an Kinder. Und bei dir würde es wohl oft heißen: „Hey, dass ist so eine attraktive Frau, die muss doch nen Freund haben. Pure Verschwendung, wenn nicht.“

    Ich verstehe auch nicht, warum man als erwachsener Mensch einfach nicht akzeptieren kann, wem man gegenüber steht. Wenn ich zu einer Frau sage: „Hey, ich finde dich wahnsinnig heiß und würde gerne mit dir über die Laken rollen“, und bekomme ein „Nein“ als Antwort, dann kann ich das doch akzeptieren. Dann aber auf eine platonische Freundschaft zu „drängen“, in der Hoffnung, dass sie irgendwann doch mal Lust hat… Argh, ich finds abartig!

    Ich drücke die Daumen, liebe Patricia, dass du bald etwas mehr Ruhe vor solchen Leuten hast und dich nicht selbst deswegen in Zweifel ziehst.

    1. Erst einmal möchte ich dir für den Kommentar danken. Mir geht es nach dem Lesen ernsthaft besser.

      Zum Inhalt.. Ich denke nicht, dass der Spruch für ihn jemals klappen wird. Würde es ein Scherz sein, zwischen sehr guten Freunden, von denen einer ebenfalls diesen Spruch zu hören bekommen hat, vielleicht. Ich weiß, dass ein Freund und ich uns immer mit dummen Sprüchen angegraben haben, aber eben im vollen Bewusstsein, dass sie dumm sind.

      Über ähnlich gut gemeinte Ratschläge habe ich vorhin sogar geschrieben. Vielleicht sollte ich den gesamten Gesprächsverlauf mal kopieren..

      M
      Sooo früh schon wach?
      und was ich echt cool finde is, das du dich um deine familie kümmerst wenn einer krank is und sie pflegst. ^^
      Patricia
      Seit um 2. Schlafstörungen und so weiter. Meh.
      Ich pflege niemanden, ich sorge mich nur und schaue aus einer Distanz zu, wie sie leiden.
      M
      Oh vielleicht könnte sport helfen oder wenn du darauf kein bock hast auch sex oder nimm ne pille
      Du da hab ich was anderes gelesen
      Patricia
      Unglaubliche Tipps. Hab ich noch nie versucht, hab das ja nur schon seit drei Jahren.
      M
      Danke für deine Ironie
      Patricia
      Gerne. ;P
      M
      Ich mein es nur gut und will dir helfen
      Aber gut dann helfe ich den Leuten die meine Hilfe auch haben und annehmen wollen
      Patricia
      Aber solche gut-gemeinten Tipps sind eben irgendwann nur noch nervig. Sicherlich kann kein Einzelner etwas dafür, aber jeder, den ich treffe, gibt mir genau die gleichen Tipps. „Hast du schon mal Sport versucht?“ „Nimm mal die und die Tablette!“ „Vielleicht isst du nicht genug Fleisch!“ „Vielleicht isst du zuviel Fleisch!“ „Trink mal was vorm ins Bett gehen. N Glas Wein oder so.“
      M
      Hmm
      Dann kann nur der Arzt helfen
      Patricia
      Das Problem dabei ist, dass mir die Leute damit unterstellen, daran selbst noch nicht gedacht zu haben, dabei bin ich doch die Person, die zwei Stunden schläft, nicht sie. Natürlich habe ich schon all das gemacht, natürlich war ich schon beim Arzt, natürlich hab ich schon Schlaftabletten genommen, und Sport gemacht, und anders gegessen, und und und. — Wenn ein Erwachsener Schnupfen hat, stell ich mich dann hin und sag ihm „Vielleicht solltest du Nase putzen und immer Hausschuhe tragen!“ ?
      Patricia
      Niemand ist so bekloppt und denkt nicht daran, Tabletten zu nehmen, Sport zu machen, zum Arzt zu gehen. Wenn mir Leute diese Tipps geben, sagen sie mir: „Du bist so bekloppt, also geb ich dir jetzt den Rat.“ oder „Ich hab einen Retterkomplex und denke bei meinem Wunsch, mich zu profilieren/zu helfen, nicht darüber nach, dass du mehr Gehirn als ein Huhn besitzt.“
      M
      Also als dumm habe ich dich nicht hingestellt und mit dem Arzt wollte ich auch nich behaupten das du nie da warst. Gut ich habe nen helfer komplex gebe ich zu. Aber ich wußte nich was du alles schon ausprobiert hast und was nicht.
      Und bevor ich was falsches sage frag ich dich ma ob du schon ma im schlaf labor warst
      Und irgendwas unterstellen möchte ich nich. Ich helfe nur meinen freunden gern ^^ weil sie mir nunmal was bedeuten. Versteh das bitte nicht falsch
      Patricia
      Ich verstehe das nicht falsch, ich finde nur die Implikationen .-ob bewusst oder unbewusst- beleidigend. Wie schon gesagt, das ist nicht die Schuld des Einzelnen -ob deine, die einer gut-meindenden Tante, etc.- aber es häuft sich an, also sage ich sofort, dass ich diese Tipps nicht brauche, solange die Person nicht selbst betroffen war/ist. Wenn die Leute dann weiterhin solche Tipps geben, spreche ich nicht mehr darüber, wie es mir geht. (Was natürlich öfter mal zu beleidigten Tanten führt. „Wieso hast du heute Morgen nicht das Telefon agenommen?“ – Ich kann hier natürlich nicht mehr antworten, dass ich es lautlos gestellt habe, in der Hoffnung, endlich einzuschlafen, denn dann werde ich wieder hören, dass ich mal X, Y oder Z versuchen soll. Also gebe ich keinen Grund an, mein Gegenüber ist beleidigt, und ich denke mir „Was ist nur mit euch Allen los? Ist die Welt untergegangen, weil ich nicht ans Telefon gegangen bin?)
      Nein, kommt bei mir aber auch nicht in Frage, aus bestimmten Gründen. Das ist keine Situation, für die es irgendeine gradlinige Lösung gibt, und natürlich ist es schön, dass du helfen möchtest, aber wenn ich sage, dass ich irgendeine Krankheit habe -und davon gibt es viele- dann erwarte ich keine Ratschläge oder Mitleid oder irgendwas. Ich sage es, weil eine Frage mich veranlasst hat, es zu sagen. Sowas wie „Du bist schon wach?“ – „Ja, ich hab Schlafstörungen und bin schon seit um 2 wach,“ oder „Du trinkst nicht?“ – „Nein, ich hab einen angeborenen Leberschaden.“ [Anm. Ich trinke aus vielen Gründen nicht, aber ich hab nur den genannt, weil die meisten dann zumindest nicht versuchen, mich „umzustimmen“ und ER auf jeden Fall nicht fragen wird, ob wir mal einen trinken gehen] Wenn ich danach jedes Mal erklären muss, dass eine Implantation für mich nicht in Frage kommt, dann sind verbringe ich die Hälfte aller Gespräche nur noch damit, darüber zu sprechen, womit ich eh schon einen Großteil meiner Zeit verbringe: Irgendwelchen Gesundheitsfragen, die keine Lösung haben.
      :// Es tut mir also Leid, wenn es von meiner Seite aus „unfreundlich“ oder „aggressiv“ rüberkommt, aber anders kann ich es alles nicht beschreiben, und es ist nicht negativ oder böse gemeint, sondern einfach als Erklärung.
      M
      ok dann vielen dank für die kleine weiterbildung
      gut dann werde ich dir in zukunft keine ratschläge mehr erteilen was dies betrift, stehe aber mit rat und tat zur seite oder bin da wenn du wen zum reden brauchst, egal welche themen auch immer, dann würde ich dieses thema jetzt abschließen und wir können uns einem anderen widmen
      Patricia
      gerne
      M
      xD
      schlägst du eines vor? bei mir kommt gerade net viel bei raus, bin aus der nachtschicht gekommen, noch leicht verpeilt und habe wie immer nur ficken im schäddel xD
      Patricia
      leg dich doch dann lieber hin!
      M
      bin zwar verpeilt aber noch net müde und ich liege ja
      Patricia
      offensichtlich meinte ich mit hinlegen auch schlafen :<
      hmmmm… mir fällt aber auch gerade nicht viel ein. mach ne liste für ne freundin mit büchern und serien, die sie lesen/gucken soll, also bin ich gerade eh in gedanken bei orphan black u.ä.
      M
      okk
      schade dachte wir können ma wieder über sex schreiben [Anm. Wir haben nie darüber gesprochen, außer, als ich ihm mitteilte, in ein Bordell zu gehen, und dass ich kein Interesse habe]
      Patricia
      ich hab vor kurzem teens react auf youtube gesehen. da wird teenagern zeug gezeigt, zum beispiel "alte" filme, oder komische trends oder musik oder was auch immer. daraufhin kam sowas wie "großeltern react" und ich konnte nicht mehr vor lachen als sie dieses komische floppy bird teil gespielt haben und nur noch geflucht. fiel mir gerade ein. [Anm das habe ich geschrieben, bevor sein Stuss kam]
      Patricia
      ich hab absolut kein interesse, über sex zu schreiben.

      M
      oh ok sorry
      dann störe ich dich net weiter
      Patricia
      nee, ich meine nur, wieso sollte man über sex schreiben?
      M
      kp
      ich weiß machen is besser
      Patricia
      nee, darum gings mir gar nicht
      M
      sorry
      P
      naja, egal. ich gehe, weil offensichtlich ist das ja das einzige thema, das interessant genug wäre, um "mich zu stören", wie du sagtest. /verwirrt
      M
      ?
      jetzt bin ich verwirrt
      sorry patricia ich wollte dir net vork kopf stoßen, tut mir sehr leid, es gibt auch andere themen über die man schreiben kann, net nur sex…..
      es tut mir leid
      z.b. gab es ma eine zeit, da stand ich total auf dich und das meine ich jetzt net sexuell gesehen, sondd
      sondern weil du eine echt schöne frau bist mit der man echt übel viel spaß haben kann

      Gut gemeinte Ratschläge sind beleidigend. Nicht, weil dein Single-sein (in Kombination mit dem Gesprächsauszug gleichgesetzt) eine Krankheit ist, obwohl man oft genug so behandelt wird, als ob man krank wäre, weil man in keiner Beziehung ist, sondern, weil Leute einem Ratschläge und Dates andrehen, an denen man kein Interesse hat, egal, wie oft man das sagt. Weil sie einen nicht in dieser Entscheidung respektieren, oder weil sie mutmaßen, dass man nicht schlau genug ist, um ein Date zu finden. Es ist egal, dass man Ansprüche hat, oder einfach bestimmte Gründe, was auch immer. Es ist eh egal. Die Anderen wissen es so viel besser, auch wenn man selbst viel mehr Zeit mit sich verbringt, als sie das tun.

      Was du bezüglich Voraussetzungen geschrieben hast, besonders Gesprächsthemen (und schweigen zu können, nicht, weil man dazu gezwungen ist) könnte ich so unterschreiben. — Auch, dass es nichts mit „Vergleichen“ zutun hat, wenn man „gleich“ glücklich/zufrieden/verliebt sein möchte. Du vergleichst nicht die Personen selbst, sondern die Intensität deiner Gefühle. Wäre es nicht allen gegenüber unfair, wenn du mit jemandem zusammen wärst, bei dem du weißt, dass du weniger empfindest als für dich möglich? Ich bin sicherlich kein Verfechter von „Liebesheirat“ über Ehevertrag, oder was auch immer man mir vorwerfen könnte, und ich bin nicht naiv oder romantisch veranlagt, wenn ich sage, dass es einfach relevant ist, bestimmte Vorstellungen zu haben, und diese gegenseitig zu erfüllen. Selbst, wenn ich in der Schule Partner für Vorträge wählen sollte, hätte ich das getan: Mit wem kann ich am Besten zusammenarbeiten, wer versteht, was ich meine, wer kann gut recherchieren, wer kann gut diskutieren, wer hat vollkommen unterschiedliche Ansichten? Das Ergebnis soll immerhin *gut* sein. Wer eine (langfristige) Beziehung möchte, sollte diese Dinge ebenfalls einschätzen. Vielleicht eher auf emotionaler als rationaler Basis, vor allem anfangs, aber trotzdem. Und wenn er bereits weiß, dass er zu mehr in der Lage ist, dann sollte er sich nicht mit weniger zufrieden geben müssen, nur damit Bekannte aufhören, rumzustressen.

      Ich hoffe, du musst demnächst nicht von der Stadt verordnet irgendwelche Asphalt-Parkplätze zu reinigen, nur weil du mit ein paar Leuten American History X nachgespielt hast. Manchmal würde ich, wenn ich sowas höre, am Liebsten durch den Monitor krabbeln (jedes asiatische Stereotyp erfüllen; zumindest, falls ich die Leute 7 Tage davor anrufe..) und sie dann langsam und qualvoll fast-erwürgen, während ich sie anschreie „DU KRIEGST KEINE LUFT? HAST DU ES SCHON MAL MIT ATMEN VERSUCHT?????“ oder „DU ERSTICKT, WEIL DU NICHT MIT ZWANZIG GEHEIRATET HAST WIE WIR DAMALS!!“ oder „DU MUSST ZAHNSEIDE BENUTZEN!“ (ok, Letzeres wendet sich eher an Amerikanische Zahnärzte, aber du weißt, was ich meine.)

      Falls du also jemals jemanden brauchst, der Leute für dich anschreit, du weißt jetzt, ich hab bereits einen Plan, und nachdem dein Kommentar mich aufgemuntert hab, kannst du ruhig ein-zwei Leute auf die Liste setzen. ;)

      Hier noch ein kleiner Ratschlag-Slash-Date. Ich hab vor Kurzem ne ganz Süße gesehen und musste sofort an dich denken. Wenn du möchtest, schicke ich dir ihre Telefonnummer. Falls das nicht klappt, hast du es schon mal mit Online-Dating versucht? Wenn nicht, vielleicht haben andere Mütter keine schönen Töchter, aber ich bin mir sicher, zumindest ein paar Söhne bleiben übrig.

      So viel dumme Menschen, und sie sind noch nicht mal gezwungen dämlich. Das ist bei denen doch schon ne Karriere.

      1. Ich glaube, ich habe heute dank dir das erste mal richtig gelacht! “DU KRIEGST KEINE LUFT? HAST DU ES SCHON MAL MIT ATMEN VERSUCHT?????” Großartig. :-)

        Aber ich merke schon, dass die Ratschläge irgendwie immer gleich sind. Du hast Problem A und jedem Menschen kommt Lösung B, C und D in den Sinn. Automatisch. Als wäre es angeboren. Und wenn man von seinem Problem erzählt, werden einem Lösung B, C und D vorgeschlagen.
        Es ist ja oft lieb gemeint, aber ich verstehe genau, wieso du so genervt darauf reagierst. Und auch dieses von M angebotene „..wenn du mal wen zum reden brauchst…“.

        Sicher tut es oft mal gut, über bestimmte Dinge zu reden. Aber in Maßen. Wenn mich momentan jemand fragt, wie es mir geht und ich ehrlich antworte und daraufhin dann gefragt werde, warum es mir scheiße geht und ich Depp dann noch ernsthaft drauf antworte, kommt: „Vergiss die. Die hat dich nicht verdient.“ „Geh doch mal auf so ne Dating-Seite im Internet. Da gibts total viele Mädels, die bestimmt total nett sind.“
        In Gedanken reinige ich dann schon mein Gewehr, um im Wiederholungsfall vom Glockenturm aus auf sie zu schießen.
        Wirklich, sowas macht mich total sauer.
        Antwortet man dann aber: „Ich möchte nicht darüber reden, weil es nichts bringt und du sowieso nicht helfen kannst“, sind sie oft noch beleidigt. Und ich sage dann so etwas, wie: „Bist du im Besitz einer funktionierenden Zeitmaschine? Wenn nicht, kannst du nicht helfen. Ende. Aus.“

        Vor einer halben Stunde etwa, schrieb mir eine Freundin und fragte nach meinem Befinden. Als ich dann schrieb, dass ich mich einsam fühlte, kam von ihr in etwa:“Tja, ich habs dir angeboten, aber du lässt ja nichts zu.“
        Erst einmal klingt angeboten, wie ich finde, entweder total nach Mitleid oder sie möchte Geld von mir. Beides kommt für mich aber nicht in Frage. Und es fühlt sich wieder so an, als solle ich doch gefälligst froh sein, wenn überhaupt jemand wollen würde. Verstehst du, wie ich das meine?

        Du bist einsam und ich möchte mit dir zusammen sein. Also los jetzt! – Nein, verdammt!
        Es würde für mich keinen Unterschied machen, aber sie verstehen es nicht.
        „Tonight, I won’t be alone, but you know that don’t mean I’m not lonely.“ Das hat Bon Jovi mal gesungen. Dieser kleine, aber feine Unterschied, der vielen nicht auffält.

        Natürlich habe ich nichts gegen körperliche Nähe oder Sex, aber was mich wirklich belastet, ist die eine fehlende Person, die du in den Arm nimmst und festhälst, die dir nachts die Bettdecke klaut und sich morgens darüber beschwert, dass du geschnarcht hast. Die beim Einkaufen mit dir schimpft, weil du das teure Salz gekauft hast und nicht das von JA! oder die ihre Haare im Bad verliert und du sie am liebsten aufsammeln möchtest, um sie zu klonen, damit sie auch da ist, wenn sie eigentlich keine Zeit hat.

        Ich habe mal versucht, dieses Gefühl, welches ich bei H hatte, zu erklären. Stell dir vor, du packst alles, was du hast, jeden einzelnen Gegenstand in einen Schrank und machst die Tür auf und all die Sachen fallen über dich und drohen, dich zu begraben… So ist es oft in meinem Kopf. Da ist Karneval, Zirkus, Hurricane, Wut, Trauer, Ich-werde-zum-Hulk, Feuerwerk und Sturmflut gleichzeitig. Und sie wusste, wenn es soweit war. Und sie kam zu mir, hat mir die Hände aufs Gesicht gelegt und gesagt „Pscht, alles wird gut.“
        Und wenn man das ohne den geringsten Zweifel glaubt, dann, erst dann, ist es für mich die richtige Person. Und kein Ratschlag wird daran etwas ändern können.

        1. Freut mich. ;)

          Man darf hier auch nicht vergessen.. Ist es nicht irgendwie ekelhaft? Wieso sollte ich jemandem Dinge anvertrauen wollen, wenn der sie nur nutzen wird, um mich flachzulegen?

          Obwohl ich grundsätzlich zustimme, dass es oftmals keinen Sinn macht, mit Leuten darüber zu sprechen. Meistens bieten sie es an, um sich irgendwie zu profilieren. Sie konnten einem helfen! Whoo! Aber es ist keine Hilfe. Es ist das Gegenteil, wenn man sich nur noch unverstandener fühlt oder einfach nur genervt von ihnen ist, weil sie mit den gleichen Lösungen B, C und D ankommen.

          Das mit der Freundin ist aber auch.. ähm. So nach dem Motto, „Freundin ist Freundin. Kann man voll austauschen. Wenn mit A Schluss ist, holst du dir danach eben B.“ Als ob es so einfach wäre, und als wäre es nicht ziemlich respektlos euch allen gegenüber. Einfach die eine Person mit der anderen Person austauschen, damit man sich vortäuschen kann, nicht einsam zu sein. Nee, danke.

          Viele Menschen setzen Intimität mit Sex gleich, und das ist einfach nicht ganz wahr. Sex kann man Schlussendlich wohl mit jedem haben, wenn man es denn möchte. Aber das gibt einem nicht dasselbe Gefühl. Wenn da nicht Vertrauen, Freundschaft, etc. mit reinspielen, dann bleibt es eben „nur“ Sex. Was nicht schlimm ist, wenn er denn einvernehmlich ist, aber was weiterhin vermutlich -m.E.- nicht das sein wird, was du mit H hattest oder in Zukunft gerne wieder empfinden möchtest.

          1. Für viele ist es leider scheinbar so, dass Freundin = Freundin ist. Oder Freund = Freund.
            Der große Unterschied bestand für mich immer darin, wie ich mich in vielen Situationen gefühlt habe. Es gibt bzw gab ein paar Menschen, bei denen ich das Gefühl hatte, gebraucht zu werden. Eine Aufgabe zu haben. Teil von etwas zu sein. Ohne Verpflichtungen, ohne Erwartungen.

            Ich bekomme es oft mit, dass Paare gar nicht daran denken würden, dass einer von ihnen allein für ein paar Tage wegfährt. Weltuntergang, Apokalypse, Brot ist alle!

            Und ich möchte mit niemandem zusammen sein, der denkt „wir machen das jetzt so, weil Paare das so machen.“ Könnte ich gar nicht. Ich möchte, dass es ein „dich“ gibt, ein „mich“ gibt und ein „wir“!
            Nur ein „wir“ ist mir zu wenig. Ich möchte mit niemandem zusammen sein, der von mir erwartet, dass ich jede SMS, die ich irgendwem schreibe, durch ihn oder sie absegnen lasse.
            Ja, ich möchte Geheimnisse haben dürfen, denn es hat nichts mit Untreue zu tun, wenn ich meinem Partner mein Passwort nicht gebe.
            Es ist dieses kramphafte aneinander binden, dass mich abschreckt. Sich die Beziehung mit aller Gewalt so zu biegen, dass sie nach außen hin „perfekt“ erscheint. Obwohl sie das nicht ist.
            Und es ist einfach nicht das selbe, ob ich mit einer Frau einschlafe, mit der ich vorher möglicherweise tollen Sex hatte, aber mehr nicht, oder ob ich mit einer Frau einschlafe, mit der ich vorher tollen Sex hatte und die ich morgens an mich ran ziehe, weil ich nicht möchte, dass sie aufsteht.
            Und ich denke, wir sind alle alt genug um zu sagen: Hey, Sex ist toll, können wir gerne machen. Aber dafür müssen wir unseren Facebook-Status nicht in „In einer Beziehung mit…“ ändern.

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