#18 how dare you speak of grace?

Ich hab gewisse Probleme, hier zu schreiben. Seit einigen Wochen, aus verschiedenen Gründen. Einmal gibt es in meinem Privatleben nichts zu berichten, das ich berichten möchte, und ich konsumiere zu wenig Medien, um mich mental damit auseinanderzusetzen, wie kaputt der Fifty Shades Film wohl sein wird.

Andererseits beschäftigen mich aber Dinge, die ich ungern auf einer Plattform wie WordPress mit mir gegenüber eher anonymen Lesern teilen möchte. Ich habe zu viele Diskussionen auf anderen Blogs mitbekommen, bringe es selbst nicht mal mehr übers Herz, irgendwo aktiv an Diskussionen teilzunehmen, sondern bleibe meist eher ein passiver Mitleser. Natürlich immer noch etwas Anderes, wenn es um Facebook geht, denn man möchte Zuckerberg ja mit genügend Big Data versorgen, aber über die Monate bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich meine Lieblingsblogs nur noch über meinen Feedreader besuche.

Wie dem auch sei, diese Themen lassen mich nicht los, und es fällt mir schwer, darüber hinaus etwas zu schreiben, dass mir in den Momenten, in denen ich am PC sitze, teilenswert erscheinen.

Darüber hinaus, ich bin nicht informiert genug, um an Diskussionen bezüglich bestimmter Thematiken teilzunehmen. Nicht, weil Andere so viel besser informiert sind -im Nachhinein stellte sich bisher fast immer heraus, dass dem nicht so war- sondern weil ich mir meiner Ignoranz zu bewusst werde, und nicht einfach durch eine Diskussion donnere, ohne feste Belege zu haben. Was bedeutet, dass diejenigen, die auf eine fundierte Argumentation weniger Wert legen, natürlich ausnutzen, was ich ihnen an Lücken biete.

Das sehr offensichtliche Problem ist, dass ich mich weiterhin damit beschäftigen muss, um irgendwann an einem Punkt anzukommen, an dem ich aktiv teilhaben kann, aber mein größte Informationsquelle die offene Diskussion ist. Eine Quelle, die überwiegend abgestorben ist. Setz einen Deutschen ohne Interesse an Sport vor den Fernseher. Auch nach fünf Basketball-Spielen mit ESPN Coverage wird er höchstwahrscheinlich nicht verstehen, welche Regeln es gibt, was „the Zone“ bitte ist, wieso es unterschiedliche Regeln in der NBA und in Europa bzgl. Fouls gibt, wieso die Spieler nicht einfach unterm Korb stehen bleiben, was diese komische Sekundenanzeige soll. Weil die Kommentatoren nur sehr selten in normalen League Spielen die Regeln erklären, und man ohne Vorwissen schnell überfordert sein kann. Natürlich ist der Vorteil bei Basketball Spielen, dass es ein Regelbuch gibt, das allumfassend objektiv ist. Dagegen wird man keine objektive Meinung zu Spielern wie Lebron, Melo oder Kobe the fucking rapist Bryant finden. Man wird keine objektive Meinung zu Teams finden, oder zu Trainern. In jeder Tatsache versteckt sich ein Lob oder ein Tadel oder ein eher lethargisches Desinteresse.

Nun habe ich Vorwissen, und ich habe Menschen, mit denen ich mich unterhalten kann, aber es ist doch sehr einseitig. Es fängt dabei an, dass ich keine hypothetischen Fragen stellen kann, ohne einen langen Vortrag zu hören, der mir erklärt, wieso diese hypothetische Frage unnötig ist.

Es ist wie der 10.Klasse Vortrag des Polizisten in unserer Schule. „Kein Fahrer lässt das Lenkrad los, wenn er irgendwo reincrasht. Es ist unmöglich.“ – „Aber ich möchte wissen, was passieren würde.“ – „Es würde nichts passieren, denn es ist unmöglich.“

Erst einmal, es *ist* möglich. Ich hab’s nämlich geschafft, und zwar, weil noch viel stärker als der „Das Lenkrad gibt mir Kraft“-Instinkt, mein „Ich muss meine Hände an den Nacken halten und meinen Kopf zwischen meine Arme pressen“ Instinkt ist.* – Aber das wusste ich damals gar nicht, und es ging mir nicht darum. Ich wollte nur die Folgen eines solchen Crashs kennen. Denn auch wenn der Fahrer die Hände am Lenkrad hat, und deshalb seine Arme zertrümmert, der Beifahrer eben kein Lenkrad vor Augen hat. Tatsächlich hat der Beifahrer eventuell nicht einmal Hände und Arme.

Wie dem auch sei, es ist sehr schwierig, pseudo-objektive Informationen zu finden, wenn jeder eine Wertung in seine Aussagen legt, und es ist noch schwerer, wertungsfreie Fragen zu stellen (damit die Antwort so unbeeinflusst wie möglich ist), ohne mit irgendwelchen Mutmaßungen konfrontiert zu werden.

Ich befinde mich in einer eindeutig priviligierten Situation, in der ich hypothetische Fragen stellen kann, anstatt mich mit der Realität auseinanderzusetzen zu müssen und dadurch keine Zeit für sie zu haben, und meine Unzufriedenheit mit der unzureichenden Informationslage reicht nicht an die Ungerechtigkeit der tatsächlichen Situation heran, aber ich wurde von mehreren Personen gefragt, wieso denn nichts mehr käme.. Und das ist momentan der Grund.

Ich hoffe, dass der Grund bald anders aussieht. Dass es vielleicht keine Gründe mehr gibt. Vielleicht werde ich ab morgen schreiben, obwohl jeder Grund noch existiert, weil ich mich ablenke, aber ich hoffe, dieser Gründe wegen, es gibt bald keine Gründe mehr.

*Das habe ich nicht in einem Unfall mitbekommen, sondern in der Fahrschulstunde, in der Herr H. mich notbremsen üben lassen hat. Er war entsetzt. (Hab ich davon nicht sogar schon mal geschrieben? Das Problem mit meinen vielen Entwürfen ist, dass ich mich möglicherweise viel zu häufig wiederhole..)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

9 Gedanken zu „#18 how dare you speak of grace?“

  1. Also, ich bin ja was Sport angeht auch eher der Trainer. Lass die anderen schwitzen und rennen und das tun, was ich ihnen sage. :-D
    Gibts wirklich Unterschiede bei den Foulregeln? Das war mir wirklich neu. Wieder was gelernt :)
    Ich finde die Aussage des Polizisten auch merkwürdig, denn mir fiel gleich beim Lesen ein, wie ein Freund erzählte, dass er zu einem Unfall gerufen wurde (er ist Feuerwehrmann) und berichtete, wie der Mensch es tatsächlich geschafft hat, sich vor dem Aufprall abzuschnallen und sich halb auf dem Sitz, halb im Fußraum ganz klein zusammen zu kauern. Das hat ihm höchstwahrscheinlich das Leben gerettet, denn Lenkrad und -säule befanden sich nach dem Aufprall eher Richtung Rückbank.
    Zumal ich die Aussage, etwas wäre „unmöglich“ eh oft sehr bescheiden finde. Natürlich werden Menschen in den seltensten Fällen fliegen können, aber die Geschichte hat uns schon oft genug gezeigt, wie unmöglich manche Dinge sind. Nämlich gar nicht.

    Wirst du dir Fifty Shades anschauen?

    1. *lässt Finger knacken, weil lange Antwort*

      Ja, die Regeln sind zumindest bezüglich der Nummer der erlaubten Fouls unterschiedlich. In der NBA wird ein Spieler erst nach sechs Fouls aus dem Spiel gezogen, in allen oder fast allen anderen Ländern nach fünf. Das hab ich aber auch erst mitbekommen, als ich ein All Stars Game auf ESPN geschaut habe, und danach das Spanien:USA Spiel von 2012 aus den olympischen Sommerspielen. Oder eventuell war es das.. Argentinien Spiel? Ich bin mir nicht sicher, aber ich dächte, es wäre Spanien. Der ESPN Kommentator meinte dort, und sonst schaue ich mir meistens Spiele ohne ESPN Coverage an, dass die Spieler bezüglich der Nummer ihrer Fouls aufpassen sollten. Daraufhin hab ich gegooglet, und so kam das dann. Ich weiß nicht, was ich sonst wohl alles *nicht* weiß, einfach, weil es nicht erwähnt wird.. Meeeeh. D:

      Boah! :O Krass. Naja, ich muss ehrlich zugeben, dass ich von der Polizei in meiner Heimatstadt unterm Strich nicht sehr viel erwarte. Das sind immerhin die, die zueinander meinten, „Is die Frau [Name] da?“ – „Weiß nich, wieso?“ – „Da wurde eine vergewohltätigt und will jetz nur mit ner Frau reden.“

      Ich werde Fifty Shades definitiv schauen, aber auf keinen Fall im Kino. Irgendwie Zwang, dass ich den Film schauen „muss“, weil ich öfter in Diskussionen verwickelt werde. Deswegen habe ich mir auch Großteile der Buchreihe angetan. Man muss ja wissen, worüber man spricht usw… Zum Schluss wird mir trotzdem vorgeworfen, ich würde kink shamen (Kink-shaming = einer Person das Gefühl geben, ihre sexuellen Vorlieben seien furchtbar/beschämend/schamhaft.), wenn ich die hauptsächlich problematischen Inhalte der Reihe anspreche. Es ist meistens auch vollkommen egal, dass bereits nachgewiesen wurde (von Psychologen an der Michigan State University und Ohio State University) dass die Buchreihe „gefährliche Missbrauchsmuster perpetuiert“, und fast in jeder Begegnung der zwei Protagonisten Gewalt zwischen/gegen vertrauten Partnern allgegenwärtig ist. Noch irrelevanter scheint es zu sein, dass die Implikation der Autorin, man bräuchte eine psychische Störung und verschiedene Kindheitstraumata, um mit dem BDSM Lebensstil zu liebäugeln, viel eher kink-shamed, als jedweige Kritik meinerseits. —- E.L. James ist an sich kein schlechter Mensch. Sie hat mir damals auf Twitter/Facebook ne PM geschrieben, wenn ich mich richtig erinnern kann, und war immer freundlich. Die Fifty Shades Reihe hat als „Master(s?) of the Universe“ Fanfiction funktioniert, weil innerhalb der Fanfiction Gemeinde üblicherweise bestimmte Warnsysteme benutzt werden. Auf Archive of our own wird beispielsweise SEHR gut gewarnt, wenn Non-Con/Dub-Con etc. Inhalte in Geschichten auftauchen, und Stories wie Fifty Shades würden als NOT SSC getagged werden. Damit ist dem Leser zu jeder Zeit bewusst, dass diese Geschichten nicht nur fiktiv sind, sondern nicht widerspiegeln, wie BDSM Beziehungen in der Realität funktionieren sollten. — Das sind alles Voraussetzungen, die Fifty Shades als eigenständige Buchreihe nicht mehr erfüllt.

      Wie auch immer. Werde ich schauen, werde mich höchstwahrscheinlich aufregen. Aber wer weiß.

      1. Das man eine psychische Störung oder ein Kindheitstrauma braucht, um Freude und Gefallen an BDSM zu finden, war mir auch neu.
        Und ich glaube, ich hätte niemanden im Bekanntenkreis, mit dem ich so „tiefsinnig“ über das Buch diskutieren könnte. Wobei ich auch glaube, dass ich selbst es kaum könnte. Selbst, wenn ich es gelesen hätte. (Ich hab mit dem Hörbuch des ersten Teils aufgehört, weil ich es irgendwann einfach nicht mehr ertragen habe.)
        Den Film werde ich höchstwahrscheinlich nicht gucken, obwohl er wohl in sämtlichen Netzwerken ganz oben auf der Themenliste stehen wird.

        1. Doch, doch. Und wenn man davor keine hatte, dann wird sicher der Therapeut eine für einen finden. Die Opfermentalität der Menschen würde da vielleicht sogar mitspielen.. /seufz
          Wie auch immer, spätestens nach dem Lesen des dritten Bands und der Baby-mag-Sex-Szene ist bestimmt jeder irgendwie traumatisiert genug..

          Ist bei mir auch nicht wirklich im Freundeskreis, sondern im Buchbloggerkreis. Da bin ich aber gerade (as in: gerade-gerade, gerade in diesem Moment) an eine Frau geraten.. Ich lerne einfach nie. ._. Ging aber nicht um Fifty Shades! Yay!

          Oh Gott, wie hast du da überhaupt irgendwas geschafft? Ich glaub, ich wär heulend weggelaufen. Hab ja J. damals eine gesamte Sexszene auf die Mailbox vorgelesen, damit sie ebenfalls was davon hat. Ich glaube, mit Bayrischem Akzent? Bin mir nicht sicher, ob sie mir je verziehen hat…

          Tragisch! Du wirst sicherlich viel verpassen. :’D

  2. Also, von dir mit bayerischem Akzent würde ich das Hörbuch sogar nochmal anfangen! :-D
    Diese Baby-mag-Sex-Szene hattest du hier schonmal erwähnt, daran erinnere ich mich noch. Gruselig sowas.
    Überlege ernsthaft, jetzt in die BDSM-Szene einzusteigen und dann zu schauen, was mein Therapeut da für mich ausgraben würde. :-D

    1. Ich denke auch, dass ich da eine Karriere haben könnte, aber ich vermische immer Akzente. Und dieser seltsame Berlin-Bayern-Russen-Hybrid ist vermutlich nicht vermarktbar.

      FURCHTBAR.

      Hah. Ich hoffe, du führst dann aber auch wieder Blog! Das war alles zu amüsant, um es der Welt vorzuenthalten. — Aber, ich kann dir auch so ein paar psychische Störungen raussuchen. Mit viel Fantasie hat jeder etwas Diagnostizierbares. ;) Nicht, dass du irgendwann in einer Sexschaukel stecken bleibst, an dieses Gespräch zurückdenkst und mich heimlich verfluchst, weil die lokale Feuerwehr in 5 Minuten dich und deinen Partner rausfräsen muss.

      1. Du hast ja schon eine herrliche Phantasie. :-D Also, ich meine die Sache mit der Feuerwehr. :-)
        Sollte ich jemals in diese Kreise einziehen, werde ich mit Sicherheit wieder bloggen. Allerdings unter einem neuen Pseudonym. ^^
        Jetzt, während ich mir die Haare färbe, werde ich mir vorstellen, wie der Berlin-Bayer-Russen-Hybrid klingen mag. :)

        1. Ich erwarte, dass mir dann aber trotzdem die URL mitgeteilt wird. Das möchte ich nämlich nicht verpassen.

          Haare färben? Viel Erfolg! :D

          Ich sollte auch mal zum Friseur, aber ich hab kein Geld.. Vielleicht muss ich das mit der Hörbuchkarriere wirklich durchziehen. (Dazu muss man fairerweise sagen, dass meine Haare mittlerweile ellenlang sind, und Durchstufen da mit Sicherheit mehr kostet als das Färben von eher kurzen Haaren.)

          (Prinzipiell natürlich furchtbar, aber in diesem Kontext offensichtlich hoch-erregt; es blieb ihm ja nichts Anderes übrig.)

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