#9 the ones we’ve inherited

Ich hab ja vor einiger Zeit mal sehr vegetarisch bis nahezu vegan gelebt. Letzenendes muss man sich den Lebensstil wirklich leisten können, wenn man gleichzeitig gesund bleiben möchte, aber dadurch wurde ich ab und an gefragt, ob ich keine größeren Probleme hätte, als nach Shampoo zu suchen, dass nicht an Tieren getestet wurde.

Wenn Celebrities Geld spenden oder sammeln, dann wird ihnen oft vorgeworfen, seltsame Prioritäten zu haben, und es nur für PR getan zu haben. Es ist egal, dass sie dabei tatsächlich helfen, Letzenendes wird es immer auf Medienpräsenz runterreduziert, die höchstwahrscheinlich nicht einmal über den Wunsch, dadurch noch mehr Geld für gute Zwecke zu verdienen, gewollt ist. Nicht, dass nicht immer irgendwo kalkuliert werden wird. (Und selbst wenn, als ob das relevant wäre, wenn Hurricane Opfern geholfen wird.)

Wenn Ellen Page ihr Coming Out hat, dann wird spekuliert, welchen Film sie wohl damit bewerben möchte, und der aktive NFL Spieler, der vor einigen Tagen sein offizielles Coming Out hatte, ist wohl nur ein Trittbrettfahrer, der erhofft, sich so nationalere Bekanntheit zu skandalieren. (Ja, das Wort existiert jetzt.)

Egal, was uns am Herzen liegt, es scheint, dass solange noch Kinder in Afrika hungern, dürfen wir uns für diese nicht einsetzen. Du darfst nicht für dein lokales Museum Geld spenden, du darfst nicht darüber sprechen, dass in einem amerikanischen Bundesstaat homosexuelle diskriminiert werden dürfen, falls man einer Glaubensrichtung zugehört, du darfst dich nicht daran stören, dass bestimmte Kaffeeprodukte Unmengen an Müll produzieren, damit wir uns chic fühlen können, wenn wir bei Tchibo einkaufen.

Natürlich dürfen wir auch nicht diesen Kindern Geld zukommen lassen, da „es eh nicht bei ihnen ankommt“. Eigentlich dürfen wir uns nur über die Korruptheit aufregen, und ihr dabei zuarbeiten. Böser Kapitalismus… Eh, kauf nicht Bio-Eier, die sind zu teuer.

Und mir fiel es immer schwer, zu erklären, aber ich wünschte mir, ich hätte den Leuten damals sagen können, „Ich hab nicht vor an brennenden Menschen vorbeizulaufen, um auf der NYFW Models mit Ketchup zu beschütten. Aber wenn der brennende Mensch gelöscht ist, kann ich dann nicht auch die Katze vom Baum holen?“ Und viel wichtiger, „Wenn ich sowieso Shampoo kaufen muss, kann es dann nicht frei von Tierquälerei sein?“ oder, „Wenn ich schon Zeit mit Freunden verbringe, können es dann nicht Menschen sein, die nicht homophob sind?“

Unsere Alles-oder-Nichts Mentalität ist so heuchlerisch. Die, die sich am Meisten aufregen, sind doch die, die sich in ihrem Lebensstil angregriffen fühlen. Als wäre ich jemals mit Infozetteln rumgelaufen, und hätte meinen Mitschülern die Putenbrust vom Sandwich gestohlen. Vor Kurzem meinte irgendein Stammtischpolitiker am Bratwurststand, es sei eine Schande, dass unsere Stadt tatsächlich Spendengelder annimmt, um den Zoo zu erhalten, sie sollte lieber in ordentliche Parkmöglichkeiten investieren.

Nicht, dass die finanziellen Entscheidungen hier wirklich optimal wären. (Sie sind nicht einmal mehr suboptimal) Aber bisher habe ich nicht gesehen, dass die Stadt nicht auch Gelder für andere Zwecke angenommen hätte. Was ist dein Problem, Bratwurststand-Mann? Eltern an der Schule meiner Schwester spenden maximal für die Schulhoferneuerung, wenn man aber mit Unicef zusammenarbeitet und gleichzeitig Raucher ist, dann erscheint ihnen das wohl sinnlos. Scheinbar muss jedes materielle Pölsterchen in seiner Vollkommenheit für Turnschuhe in Südafrika gespendet werden, ansonsten ist man ein Egoist, der auf gut machen möchte.

Diese Unterstellungshaltung ist so ignorant und lächerlich. In ihrer Annahme, dass sie bereits wüssten, weswegen man A macht, versperren sie sich den Weg, jemals zu verstehen. Und es ist nicht so, dass ich verstanden werden möchte, aber wenn ich mich diesen Leuten nicht aufdränge, und ihnen über Uganda’s furchtbare LGBT*QIA-Diskriminierung erzähle, wenn sie gerade ihre Kinder abholen, dann müssen sie mir doch auch nicht ungewollt ihre Meinung bezüglich meines Lebensstils aufdrängen?

Investitionen in Software, Start-Ups etc. sind scheinbar „viel zu erste Welt“, als dass man sie auch nur nebenbei erwähnen dürfte. Reden wir lieber über Fußball. (Aber nur in bestimmten Saisons, denn sonst könnten wir etwas über uns verraten, dass niemand wissen darf. (Entweder, dass wir nur WM schauen, oder dass wir Geld für Bundesliga bezahlen… Warte, wir reden lieber doch nicht über Fußball.)) Übrigens, Basketball und jedweigen stark-Amerika-behafteten Sport dürfen wir nicht mögen. Außerdem, wer hat Geld für einen NBA League Pass? Right. Gib das Geld lieber für gar nichts aus, so ist’s richtig.

Nicht, dass ich mich nicht oft genug frage, ob R. nicht zehn Euro im Monat sparen könnte, anstatt ein weiteres Paar Schuhe zu kaufen, und genauso frage ich mich, wieso sie nicht wählen gegangen ist. Noch nie, obwohl sie Mitte 20 ist. Es geht mir nicht darum, jedweigen Konsumerismus oder Sparfreudigkeit vom Tisch zu denken, oder zu implizieren, dass es uns absolut nichts angeht, was unsere Freunde mit ihrem Leben so anstellen.

Nur. So? Ehrlich, Deutschland? Ganz ehrlich?

Gut, dass hier kein Starbucks steht, sonst hätte ich vielleicht unbewusst ein politisches Statement gemacht, wenn ich mir dort einen Frappucino geholt hätte.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

5 Gedanken zu „#9 the ones we’ve inherited“

  1. Jetzt, wo Ellen Page sich geoutet hat, schwindet auch meine letzter Wunsch auf Eheschließung. :-D

    Ich weiß gerade nicht so wirklich, ob ich das alles so verstanden habe, wie du es gemeint hast. Also versuche ich es mit einem Beispiel, wenn das ok ist:
    Ich las vor einiger Zeit auf FB eine „Diskussion“ zwischen Veganern und Nicht-Veganern. Abgesehen von den ewigen Beleidigungen kam mir immer wieder komisch vor, dass das Argument der gesunden Ernährung immer wieder auf den Tisch kam. In etwa „Denk doch mal an deine Ernährung! Was dir alles fehlt, wenn du kein Fleisch ist.“ Oder eben:“Was für einen Mist du mit dem Fleisch in dich aufnimmst!“

    Und ich habe mich ständig gefragt: Was um alles in der Welt geht mich die Ernährung von anderen Leuten an? Das Argument, dass meine Krankenkassenbeiträge steigen würden, wenn sich die Menschen ungesund ernähren, lasse ich dickköpfigerweise einfach nicht gelten. Denn dann sollte man Menschen, die Extremsportarten oder Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko betreiben, ebenso ins Visier nehmen.

    Sehr interessant aber der Abschnitt mit den Promis, die Geld für Wohltätige Zwecke sammeln. Der Gedanke, dass die Spenden einfach höher sind, wenn Thomas Gottschalk 2 Stunden auf der Bühne steht und moderiert, scheint den meißten Leuten einfach nicht zu kommen. Dagegen können sich 25 freiwillige Mitarbeiter der UNICEF 1 Woche lang in Hamburg auf die Straße stellen und bringen nicht annähernd so eine Summe auf.

    Vielleicht ist besonders in diesem Fall das Sprichwort „Tust du’s ist es schlecht, lässt du’s, dann erst recht.“ wirklich etwas dran.

    1. J. hat sich, soweit ich das beurteilen kann, gefreut, denn während Behind Two Souls hat sie nicht aufhören können, sie anzucrushen. :’D

      Ich denke, das Problem bei dem Veganismus-Beispiel ist, dass man dabei tatsächlich informiert sein müsste, was die meisten Menschen nicht sind. Tatsächlich kommt täglich etwas Neues hinzu. Gestern sollten wir wöchentlich drei Fleischgerichte essen, morgen täglich. Diese gesamte Informationsflut kommt also gar nicht bei den Massen an.

      An sich ist die Gesundheitsdiskussion ja nicht falsch, immerhin sind wir voneinander abhängig, und tragen alle zum internationalen Vergleich zu, oder? Es ist die Art, die mich daran stört. Letzenendes müssen wir unseren Mitmenschen ihre Entscheidungen lassen. Ob sie sich Pommes reinziehen oder nicht.

      Worum es mir ursprünglich ging, ist, dass Menschen wie zB Veganern/Vegetariern/etc in einem Atemzug eine Masse von Dingen vorgeworfen wird:

      – Sie essen kein Fleisch u.ä. weil sie gegen Tierquälerei sind (bei einer nur veganen Ernährung, nicht etwa einem veganen Lebensstil können viele andere Gründe die Ursache sein, zB die Empfehlung eines Arztes, für eine gewisse Zeit vollkommen auf tierische Produkte zu verzichten.)
      – Sie wollen, dass die gesamte Menschheit es ihnen nachahmt
      – Sie halten sich für etwas Besseres
      – Sie verurteilen Menschen, die nicht auch vegan/vegetarisch/etc leben

      Es ist eine riesen Kette an Gedanken, die den meisten Menschen nacheinander durch den Kopf geht. „Hält sich für was Besseres und Gesünderes, dabei [füge weiteres Vorurteil zur Ernährung ein, zB dass der Person Proteine fehlen].“

      Die Menschen greifen diesen Lebensstil an, weil sie sich in ihrem eigenen Lebensstil angegriffen fühlen, anstatt zu reflektieren, und glauben meistens ehrlich, was sie so sagen. Dass man erst mal das Geld, dass man in Tofu investiert, kleinen Kindern zukommen lassen sollte, oder das und das, oder was auch immer.

      Das nervt.

      Wir brauchen eine gesundheitliche Revolution, das ist sicher irgendwo richtig, aber das bedeutet nicht, dass sich jeder das Recht nehmen darf, irgendwelche Pseudowissenschaften mit der Welt zu teilen. Um sich dieses Recht zu nehmen, muss man auch die Stunden gearbeitet haben.

      Auf lange Sicht verlieren Anti-Veganer die Diskussion, denn es ist schon lange bekannt, dass mit den finanziellen Mitteln jeder vegan lebende Mensch, falls er keine Krankheiten hat, die dies beeinflussen, genauso gesund (und lecker) leben kann, wie ein nicht vegan lebender. Stattdessen tragen Veganer aber nicht Tierquälerei bei, sie fördern nicht Massenhunger in dritte Welt Ländern (Getreide, dass dort ankommen könnte, wird stattdessen Massen an Tieren gegeben. Ich weiß leider die Zahlen nicht mehr, hatte mich damals aber schockiert.), und sie fördern ebenfalls nicht die ganzen Gase, die zB die Rindfleischproduktion produziert. (Allein die amerikanische Rind-Industrie produziert so viel Abgase, wie alle Flugzeuge, Züge und Autos auf der ganzen Welt, hab ich vor ein paar Jahren mal gelesen.)

      (Traurigerweise werde ich in solchen Diskussionen als Nicht-Veganerin von anderen Nicht-Veganern ernster genommen, als die, die so sogar tatsächlich leben. /sigh)

      Jede Entscheidung, die wir treffen, kann dazu beitragen, unsere Umwelt zu verändern, also geht es irgendwo auch tatsächlich jeden etwas an. Was mich stört, ist viel mehr, dass so viele ignorante Diskussionen existieren. Die Welt nach Yahoo! Answers.

      Im Übrigen finde ich deinen Sportler-Punkt SEHR gut! Ich hab nicht mal an Krankenkassengelder gedacht. Ich hätte eher angebracht, dass Milchprodukte direkt mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden können, und Übergewicht genauso, wenn nicht sogar ungesünder sein kann, wie ein angeblicher Mangel an Proteinen. (Der meist nicht existiert, weil einfach Proteinshakes, Nüsse, etc. gegessen und getrunken werden.) Dein Argument ist da viel stärker.

      Tja, die meisten Promis machen auch nicht bekannt, wieviel Geld sie selbst spenden (als wäre es relevant), weswegen sich dann Leute gerne noch hinstellen und meinen, „Das Geld, das wir da spenden sollen, geben die doch allein an einem Wochenende aus! Wieso sollten wir, können doch [füge Namen ein] selbst übernehmen.“

      Hauptsache, man kann sich rausreden. Als ob die Entscheidung, 10.000 Euro zu spenden, von Promi A auf IRGENDEINER Ebene den Spendenzweck beeinflusst. Wer stellt sich hin und denkt, „Ja, wenn Johnny Depp 250.000 USD spendet, dann müssen die Überflutungsopfer ja wirklich schlimm dran sein!“

      Andersherum aber: Meistens werden sie eher sagen, „Heh, wenn der schon so viel spendet, dann reichts ja, wenn ich den Rest dem Rest überlasse.“ oder „Na, nee, wenn der Depp nur 100.000 USD spendet, dann können Erfrierungsopfer unter den Obdachlosen in [füge Land ein] ja gar nicht so große Probleme haben.“ Oder auch, „Selbst schuld, sollen sie sich nen Job und ne Wohnung suchen, meine Fresse.“

      Und damit meine ich, wer denkt so etwas TATSÄCHLICH? Wer ist TATSÄCHLICH davon überzeugt, dass es außerhalb von PR ausschlaggebend ist, wieviel Promis spenden? Wer denkt TATSÄCHLICH, dass es irgendeine Formel für Spendengelder gibt?

      Promi Status * in den ersten Stunden gespendetes Geld / vom Promi gespendetes Geld = X

      Wenn X > 25, dann X/Personen, die im Haushalt leben = Y
      Wenn X < 15, dann X spenden.
      Sobald Y = X < 15, dann Y spenden, ansonsten so lange Y/Personen, die im Haushalt leben, bis Y = X < 15

      Oder in kurz, what’s with all the excuses, guys?

    1. Da komm ich mir dann aber immer so blöd vor, weil ich drei Romane und eine Kurzgeschichte schreibe, und dann darunter so.. weißte, wie auf Facebook, wenn man jemanden nicht mag, und deswegen nur „alles gute“ auf die Pinnwand schreibt, ohne Satzzeichen. Klar, man wünscht der Person auch ~Alles Gute~, aber eben ohne Satzzeichen, und ohne auf Groß- und Kleinschreibung zu achten. (Macht das IRGENDeinen Sinn?) Nicht, dass ich dir das unterstelle, nur.. drei Romane und eine Kurzgeschichte. Da hop i mia zo ne Müh ‚keben!

      (In dem Tee gerade muss irgendwas gewesen sein..)

  2. Ich mag deinen Humor. Und ich werde mir Mühe geben, etwas ausführlicher zu schreiben. Versprochen :)
    Nur die Mathematik möchte ich bitte außen vor lassen. Das war nie mein Ding :-)

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