#8 where the hood at?

Ich finde es schwer, zwischen Ziel und Weg zu differenzieren. Wann sind mir Beweggründe wichtiger als Resultat? Wann ist mir das Ergebnis wichtiger als Intentionen?

Optimal wäre es vermutlich, wenn beides im Einklang wäre. Wenn man „gut“ möchte,  weil man „gut“ ist, das „gut“ macht, und zum Schluss „gut“ erreicht. Wenn ich helfen möchte, und tatsächlich eine Hilfe bin. Auf einer sozialen Ebene ist es vielleicht sogar genug, wenn man verletzen möchte, und tatsächlich verletzt, weil es der Mehrheit leichter fallen wird, sich mit einer eindimensionalen Verkörperung von „Schlecht“ auseinanderzusetzen, als mit Komplexität. Und tatsächlich sind Beweggründe niemals eine Entschuldigung, oder das, was „Rechtfertigung“ impliziert. Es ändert nichts, zu wissen, dass der betrunkene Fahrer gerade durch eine schlimme Trennung geht, wenn dein Hund trotzdem tot* ist.

Gleichzeitig ist es doch relevant, dass Menschen mehr als nur Eindimensionalität wahrnehmen, denn die Art, wie wir mit Verbrechen umgehen, blutet in unser Verhalten. Wenn wir männliche Opfer von Vergewaltigung fragen, wieso sie sich nicht gewehrt haben, oder weibliche Opfer fragen, ob sie getrunken haben und was sie trugen, dann färbt das wiederum unsere Gesellschaft.

Vor einiger Zeit hatte ich angefangen, über ein Gespräch zu schreiben, dass ich mit der australischen/philippinischen J. geführt habe. Sie hatte mich gefragt, ob ich religiös bin, und welcher Religion ich zugehöre, was für mich eine unglaublich komplizierte Thematik ist.

Was ich zum Schluss aber mit Sicherheit sagen konnte, war, dass ich (mehr oder weniger) unabhängig von Religion ein Bild von der Welt habe, dass mein Verhalten prägt: Ich „glaube“ an subjektive Wahrnehmung, an abhängige/bedingte Existenz, und daran, dass Ignoranz die größte interne Ursache für Leid ist.

Ich „glaube“ ebenfalls, dass Religion zumindest zu einem Teil definitiv ein kulturelles Produkt ist, und dass, selbst wenn Gott existiert, das, was wir wahrnehmen, nur ein Schatten ist, was für mich bedeutet, dass wir unser Verhalten nicht durchweg daran anpassen dürfen, was wir meinen, wahrzunehmen.

Ich könnte sagen, dass es irrelevant ist, wieso jemand etwas tut, solange etwas Gutes daraus resultiert. Aber ich denke, dass das eigentlich redundant ist.

Wenn jemand etwas Gutes aus den falschen Gründen macht, dann sehe ich diesen Ablauf nur als singuläres Ereignis an. Aber diese „falschen“ Gründe hören nicht in diesem einen Ereignis auf. Wenn ein homophober Mensch einen kleinen Jungen vor einem Pädophilen rettet, der zusätzlich nun einmal homosexuell ist, dann ist das in diesem Moment ein gutes Ergebnis. Aber da endet es nicht. Es geht weiter, wenn dieser Mensch anderen Homosexuellen unterstellt, ebenfalls pädophil zu sein, was eindeutig Leid verursacht.

Und ich glaube, hier habe ich meine Frage auch für mich selbst zum Teil beantwortet.

In vielen Situationen kann nur dann ein insgesamt gutes Ergebnis eintreten, wenn es „gute“ Gründe gibt, denn die Negativität in unseren Intentionen hört nicht auf, zu existieren, und wir hören nicht auf, mit unserer Umwelt zu interagieren.

Ich denke allerdings, dass das nicht zu einem Rückkehrschluss führt. Gute Intentionen zu haben, resultiert nicht automatisch in einem guten Ergebnis. Ich kann eine Hilfe sein wollen, aber trotzdem die Küche in Brand setzen, und um ehrlich zu sein bestärkt mich das darin, anzunehmen, dass Ignoranz tatsächlich das meiste Übel verursacht. Hätte ich mich selbst gut genug eingeschätzt und gekannt, dann hätte ich wohl realisiert, dass ich meinen Mitmenschen einen Bärendienst erweise, wenn ich mich in die Küche stelle. Stattdessen wollte ich aber unbedingt helfen.

Vielleicht ist aber auch da noch ein Unterschied zu treffen. Denn dieser Wunsch, eine Hilfe zu sein, ist nur oberflächlich „gut“. Und zudem kommt, dass es weiterhin möglich ist, dass ich nur helfen wollte, damit ich mich selbst bestätigen kann, oder, weil ich ein schlechtes Gewissen hätte.

Also müsste ich wohl sagen, dass undurchdachte Handlungen ebenfalls nicht prinzipiell „gut“ sind (und, wenn sie durch ein gutes Resultat verstärkt werden, sogar sehr viel Mist anrichten können, weil man auch zukünftig weiterhin undurchdacht an Situationen herantritt), und dass eine „Haltung“ nicht dasselbe ist, wie die Durchführung. Wenn ich helfen möchte, nur, um eine Hilfe zu sein, weil ich denke, dass die andere Person sich nicht zu sehr verausgaben sollte, dann hätte ich auch fragen können. Ich hätte über mein Ego hinaus einsehen können, dass ich nicht gut kochen kann, und stattdessen andere Dinge übernehmen sollte. Den Müll rausbringen, einkaufen, die Straße freischaufeln.

.. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich da heute nicht weiterkomme, und da ich die letzte halbe Stunde darüber nachgedacht habe, gebe ich jetzt erstmal auf. (Vielleicht sollte ich aufhören, meine Gedankengänge öffentlich zu machen… Wer mich schon alles ausgelacht haben muss…)

* Ich wollte ursprünglich etwas viel.. graphischeres schreiben, aber das kam mir unschön vor.

Advertisements

Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

10 Gedanken zu „#8 where the hood at?“

  1. Bei Instagram geile ich mich gerade auf an dem Foto einer 16-jährigen, wie sie das Jagdgewehr neben sich hat und stolz von ihr erlegtes Wild präsentiert… Für die meisten Menschen weder „gut“ noch „schlecht“, sondern bloß ein Schulterzucken: Und? Wie auch anders, wenn wir Pokemon spielen können in dem Wissen, dass überall auf der Welt Menschen verrecken. Jedenfalls getraue ich mich längst nicht mehr in einer Kategorie wie „Gut“ zu denken. Ich käme mir lächerlich vor. Ob Frühling oder Winter, ob Feldhase oder Löwenzahn – alles erledigt seinen Job. Bloß die Schöpfung Mensch will irgendwie nicht raus aus dem Bett. Statt einfach ans Werk zu gehen, wird sich in den Ecken herum gedrückt, ob das denn auch „gut“ sei? Fleisch fressen können sie, poppen können sie, alles kein Problem, aber wenn es wirklich mal darum geht, schöpferisch zu sein und was zu reißen, geht es husch husch zurück ins Bett: Meine Mutter braucht mich!

    1. Kann ich nicht zustimmen. Die meisten Menschen würden das Mädchen ver- oder beurteilen. Schon allein, weil es ein Mädchen ist. War sie denn hübsch? Da würde es dann weitergehen. Und all diese Faktoren würden mitbestimmen, ob das, was sie tut, als gut, schlecht, oder „egal“ berurteilt wird. Außerdem sollte dem Text klar entnommen werden können, inwieweit es mir um fiktive gut-böse-Beziehungen geht, und wo es dann doch in positiv-behaftete oder negativ-behaftete Attribute umspringt, oder in anderen Worten, selbst, wenn ich mir die Zeit nehmen würde, tatsächlich den moralischen Wert „gut“ zu definieren, dann wäre das viel weniger Zeitverschwendung, als zu äußern, dass ich mir lächerlich vorkomme, in Kategorien Gut/Schlecht/Böse zu denken.

      Eine Handlung in ihrem Wesen zu entschuldigen, weil sie dem Wesen des Handelnden entspricht, ist genauso unsinnig, denn Menschen heben sich sich über ihr planendes Denken, ihre Schlussfolgerungen, etc. von anderen Lebewesen ab. Insofern kannst du natürlich für den Rest deines Lebens argumentieren, dass das unsere Natur ist, aber ich hatte nie das Interesse, meine Schwester unter einen Baum zum Sterben zu setzen, als sie Fieberkrämpfe hatte. Die mir bewusste Authentizität dieser Gefühle und Gedanken, egal wie verwandt diese biochemischen Prozesse mit denen eines Elefanten, reicht also zumindest mir, um die gesamte Argumentation ohne ausreichend Belege als sinnfrei zu erklären.

      Im Übrigen wurden Medien schon immer benutzt, um Menschen abzulenken, und der Staat hat das schon immer unterstützt. Wenn Psychologen und Co daran arbeiten, Spiele, Serien, Bücher, etc. rauszubringen, die auf ganz spezielle Gruppen angepasst sind, dann kann zumindest ich keinem davon Vorwürfe machen; andererseits ist mir natürlich bewusst, dass es viele Menschen gibt, die sagen werden, dass ich das eh nicht dürfte, weil ich selbst zu viel konsumiere.

      Ich weiß auch nicht ganz, was du zur Zeit für Probleme hast, dass du erst bei mir Spitzen lassen musst, vor ein paar Monaten denkst, dass es sinnvoll wäre, meiner Mama zu schreiben (sie meinte zu mir, es sei wenig amüsant gewesen?), aber deine Wertvorstellungen treffen nicht auf mich zu. Einerseits esse ich ein Minimum an Fleisch und hab wenig Interesse daran, mit irgendjemandem „zu poppen“ (2004???), andererseits schiebe ich meine Mama nicht vor, wenn es darum geht, „schöpferisch zu sein und was zu reißen“ (was zu reißen?). Im Gegenteil, denn „Self-Awareness“ ist tatsächlich für mich relevant.

      Ich versteh schon, dass du denkst, dass die Welt ganz oberflächlich und heuchlerisch ist, und wie kann sie es wagen, dich als „Freak“ (Wo?) nicht zu nehmen, wie du bist, aber um Edward und Bella ein Trara zu machen, aber vielleicht darf ich dich auf die erste Break-Up Szene aus The Social Network hinweisen. Egal, worauf du es runterrationalisierst, du hast kein Interesse an meinen Gedanken, du willst nur irgendwo etwas hinterlassen. Ist ja okay, aber das kannst du in Zukunft entweder wo anders oder eben tatsächlich im Grundsatz anders machen, weil es mich mittlerweile wirklich nervt, deine Kommentare freizuschalten, und dann unkommentiert zu lassen. Gleichzeitig ist es aber genauso störend, darauf zu reagieren, und meine Zeit und WordPress‘ Bandbreite und MySQL dadurch effektiv zu verschwenden. Stattdessen hätte ich im Bett liegen können, und überlegen, ob es nicht eine moralisch gute Handlung ist, nichts zutun, oder damit anfangen, eine pro und kontra Liste zum Thema Autofahren zu führen. Hey, es ist wahr, eigentlich sollte ich meinen Führerschein nie benutzen, denn immerhin trage ich damit zur globalen Erwärmung und Umweltverschmutzung bei… Das Karma!

      1. Hey, das ist doch mal eine Ansage! Erinnert mich daran, wie ich einige Male den Stecker vom Schachcomputer bei meiner Mutter deponierte, um schlicht keine Zeit mehr vor dem Ding verschwenden zu können. Und jetzt hast Du mir hier eben den Stecker gezogen. Bei Dir lesen werde ich aber natürlich weiterhin, weil ich nach bald vier Jahren schon viel zu weit im Text bin, um das Buch von jetzt auf gleich sein lassen zu können. Wobei ich Dir für etwas mehr Handlung dankbar wäre. So wie in Nachbarblogs eben auch von einem Schulbesuch, einer Lehre oder einem Freund geschrieben wird. Wenn Du Dich schon ernst nimmst, dann richtig. Während ich mich derart als eine Witzfigur erkenne, dass ich keinen dieser wundervoll emotionalen Texte auch bloß im Ansatz hinbekomme. Du hast Donald Duck in Deiner Kirche gehabt, aber jetzt schnattert er in anderer Leute Kirchen. Wobei ich insgeheim hoffe, dass er keine anderen Kirchen mehr findet, und so verdammt ist, weiter immer weiter an einem Lustigen Taschenbuch zu schuften, das sein Leben als Donald Duck möglichst weit übertrifft.

  2. Ich habe jetzt die letzten beiden Artikel gelesen und ich muss zugeben, mir schwirrt ein wenig der Kopf. Ich hoffe, es liegt daran, dass ich kaum geschlafen habe, aber ich bekomme es nicht auf die Reihe, darauf etwas sinnvolles zu sagen.
    Aber ich habe immer mehr den Eindruck, dass man sich mit dir hinsetzen könnte, dir einfach 2 bis 3 Begriffe an den Kopf werfen könnte und sich dann stundenlang mit dir darüber unterhalten könnte, ohne, dass es langweilig wird. Beeindruckend :)

    1. War gestern auch schwer müde, um ehrlich zu sein, aber ich muss die Woche immer sehr früh aufstehen (oder eben, für meine Verhältnisse früh. Um 4 ist vermutlich für die meisten Menschen mehr oder weniger akzeptabel.) und kann abends einfach nicht einschlafen. ._. Ich wollte ja eigentlich wieder weniger Koffeinprodukte zu mir nehmen (obwohl ich auch so meistens nur 3-5 Mal die Woche einen Cappucino oder Latte Macchiato getrunken hab, also verhältnismäßig wenig), aber gerade sitze ich mehr oder weniger kraftlos vorm PC und versuche, mich davon zu überzeugen, dass ich SUPER WACH bin. (GAH)

      „Beeindruckend“ /Haar hinter Schulter werf : D

  3. 4 Uhr ist alles andere als akzeptabel, finde ich :-D
    Ich habe einen beinahe kompletten Koffein-Energy-Entzug hinter mir. Und mittlerweile zeigt beides sogar wieder Wirkung bei mir :-)

    1. Na dann muss ich mich ja nicht schlecht fühlen, dass ich so lustlos bin. ;P

      Energydrinks entziehen sich völlig meinem Verständnis. Hatte ich einmal zusammen mit Vodka, und fand’s furchtbar. (Hab auch einen Schluck pur probiert, und meeeh.) Vielleicht hat das was mit meiner Ernährung als Kind zutun? Damals musste ich mich immer sehr gesund ernähren, weil meine Leber so kaputt war, und vielleicht hat sich das irgendwo verfestigt.. Irgendwann bring ich mich mal dazu, Red Bull oder so zu trinken.. Irgendwann… vielleicht… (Und dann spring ich durch die Wohnung..)

        1. Bin da eher für Mais aus der Dose und so.

          Aber natürlich. Zum Soundtrack von Kuroko no Basuke. An Alley Oop! With herself!! Ich dunke dann meine Sachen in den an der Decke angebrachten Wäschekorb, um authentisch zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s