#56 aint no fault of mine

2013 12 30 the little mermaid

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10 Kommentare zu „#56 aint no fault of mine

  1. „Aber das interessiert mich auch gar nicht mehr, was meine Mutter gemacht hat. Ich habe viel von ihr übernommen, und meine Tochter hat auch viel von mir übernommen. Ich hatte ein normales Leben, finde aber, dass ich es zu etwas gebracht habe. Ich habe immer mein Geld verdient, wir sind sauber, ordentlich, pünktlich, unsere Tochter auch, sie hat zwei Söhne, die haben wieder Kinder, die es geschafft haben, sie verdienen gutes Geld und haben alles. Sogar zwei Autos, etwas, das wir nicht hatten. Ich hoffe nicht, dass nach dem Tod noch was kommt. Für mich soll alles vorbei sein. Ich will weg, rin in die Grube und vorbei.“ Da ich ja überwiegend aufgewachsen bin unter Menschen, die mit den Jahren fromm, frömmer und immer frömmer geworden sind, ist das Buch „Dieser Mensch war ich – Nachrufe auf das eigene Leben“ der ehemaligen MTV-Chefin Christiane zu Salm für mich mein Böller zum Jahresausklang. Als Sterbebegleiterin hat sie da wahrlich eine gesunde Mischung von Lebensbeichten zusammengetragen. Vor allem, dass ein großer Teil der Interviewten sich nicht schämt, ein zufälliges „Gelegenheitsleben“ geführt zu haben, in das man so hineingeraten sei. Kaum etwas klingt nach Lebenslüge, selten wird ein Gott bemüht. „Und die Frauen, die kommen und gehen am Tresen vorbei, da hab ich nie was anbrennen lassen. Und immer, wenn die dann gemerkt haben, dass ich mich nicht binden will, sind sie von alleine wieder gegangen. Das ist also immer unkompliziert gelaufen.“ Und, natürlich, was die Welt so „Erlebnis“ nennt und Glück, am Ende alles irgendwie kaum mehr wahr: „Dabei habe ich sicher auch Schönes erlebt. Aber im Moment weiß ich gar nicht so genau, was. Es fühlt sich im Rückblick verschwommen an, mein Leben, mit wenigen Höhepunkten. Unsere Hochzeit, die Geburt von Dirk, Arnos Ernennung zum Präsidenten im Schützenverein. Mehr fällt mir gerade nicht ein.“ Was mich aber vor allem an die jungen Menschen von heute erinnert ist, dass viele auf dem Sterbebett noch darauf bestanden, sich für nichts wirklich interessiert zu haben. Sie wollten immer bloß vor sich hin leben. Einige kapselten sich deswegen bewusst ab. Einfach um der Zumutung zu entgehen, etwas aus seinem Leben machen zu müssen. „Ihr sollt nicht denken, ich wäre unglücklich gewesen, weil mir in euren Augen nichts gelungen ist und ich nichts hingebracht habe. In meinen Augen nämlich war ich zufrieden. Es war alles gut.“ Und für mich stellt sich einmal mehr die Frage, ob ich Menschen nicht annehmen kann wie Landschaften oder wie jedes andere Lebewesen dieser Welt, statt bei allen Gelegenheiten auf sie einzureden… Andererseits bedeuteten mir die über 2.000 weiblichen Follower auf Instagram, deren Selfies ich genoss, und mit denen ich mich bloß durch Herzchen verständigte, irgendwann solch dünne Luft, dass ich jene umjubelten Schriftsteller verstand, die ihre Fans insgeheim als „Bimbo-Brigaden“ bezeichneten und sich lieber aufhängten. Naja, wo andere ihr Leben mit Beziehungen durchgebracht haben, wollte ich eben eine Welt „retten“, die in keinster Weise nach Rettung verlangt. Ab 2014 schreibe ich also erstmal als Freak für Freaks ;-)

    1. Nicht, dass ich dich davon abhalten will, kreativ zu sein, aber wo besteht zwischen dem Bild und deinem Text Zusammenhang? Vielleicht bin ich einfach nur schon zu lange wach, oder hätte nicht nur querlesen sollen.

  2. Deinen Text zu dem Bild empfinde ich als einen Euphemismus zum Thema Sterben. Da passt mein Kommentar natürlich so wenig, wie wenn ich im Kino die Romantik stören würde mit dem Zwischenruf: „Rin in die Grube!“ Sorry ;-)

    1. Ich hab jetzt echt Ewigkeiten überlegen müssen, welchen Text du denn meinst, bis mir einfiel, dass ich ja in dem wp_excerpt() Ding ein Zitat aus dem Buch hab. Hab ich zwar aus vollkommen anderen Gründen reingetan (genauso wie das Bild nur mein persönliches „Ich hasse es, dass Disney mir das Märchen so derbe versaut hat,“ ist) aber jetzt macht es natürlich auch viel mehr Sinn, wieso du geschrieben hast..

      Hm. Das Buch von der MTV-Tante möchte ich jetzt irgendwie schon lesen..

  3. „MTV-Tante“ gefällt mir als Urteil einer Außenstehenden über das äußerst erfolgreiche wie glamouröse Leben der Frau zu Salm. Hingegen um diese Zeit vor fast hundert Jahren ein Niemand hungernd in einer unbeheizten Butze hoch über den Dächern von Prag kauerte und bei Kerzenlicht mit Bleistiftstummeln dem „Landarzt“ und dem Affen „Rotpeter“ zur Unsterblichkeit verhalf. Wann immer ich mich 2014 zurückziehen kann in meine Freakwelt, werde ich es tun!

    1. „Urteil einer Außenstehenden“ gefällt mir gar nicht als Urteil eines Außenstehenden.

      Sollte ich sie, da ich zu faul war, nach ihrem Namen zu scrollen, „Schlesinger Tante“ nennen? Denn das wäre der einzig andere Identifikator; neben „Autor“, was meinen faulen Satz grundsätzlich zerhauen hätte, also nicht in Frage kam.

  4. Wäre Deine Mutter Chefin von MTV, würde Dir das bestimmt viel bedeuten, während Du über Erfolge von Menschen, die Dir nicht nahestehen, wohl eher mit den Schultern zuckst. Das wollte ich damit sagen, dass selbst höchste Würdenträger den Menschen gleichgültig bleiben, so lange sie persönlich aus deren Taten keinen Mehrwert haben. Und durch das Schaffen von Franz Kafka erfahren viele Menschen für sich einen Mehrwert, der sie mehr Interesse aufbringen lässt für diesen „Niemand“, als für die Chefin von MTV. Überlebensgroße Leben sind möglich, ohne sich jemals wirklich reinzuknien. Laut neuesten Studien über zwischenmenschliche Beziehungen, sind bei einem Wechsel des Umfeldes nach wenigen Monaten bereits 41% der zwanzig ehemals besten Freunde durch neue ersetzt. Bedeutet für mich, dass ich jahrzehntelang kompromisslos als „Freak“ leben kann, wenn ich mich nur zum Ende hin mit den dann aktuellen Nachbarn gut stelle. Dann holen Menschen für mich ein, als hätte ich von Anbeginn an für andere zurück gesteckt, obwohl ich tatsächlich voll fett das Leben hatte. Genial!

    1. Ich weiß nicht, was du in meine Aussage hineininterpretiert hast, aber assume makes an ass out of u and me, oder eben, auch, wenn es dich scheinbar wenig interessiert, vielleicht mal nachfragen, bevor du in irgendwelche Richtungen denkst, die irrelevant sind. Nicht, dass du das nicht dürftest, aber ich dachte, dafür bist du bereits Autor.

  5. Warum sollte ich nachfragen? Höre ich Tante, Typ, Tussi etc. ist das Urteil für mich gesprochen. Zumal die Faulheit, nachzulesen, meinem Urteil wohl nicht wirklich widerspricht. Vielleicht das, was beim Pokern unbewusste „Tells“ sind. Denn wirklich in Deine Karten lässt Du mich bestimmt niemals schauen. Natürlich wird einem immer verdammt mulmig bleiben, aufgrund eines Tell „all-in“ zu gehen, aber ich hatte die „Tante“ in Verbindung mit einer Frau wohl selbst zu Jugendzeiten nicht im aktiven Wortschatz. Auf Klassenreise während der Grundschule lachte man mich mal aus, weil ich Mädchen „Hühner“ nannte (hatte ich gelesen bei den „Kindern von Burg Schreckenstein“). Da merkten selbst 10-jährige, dass der Schlesi nur so tat. Aber Du hast wohl auch sicher nichts gegen mein Urteil, dass Du kein „Freak“ bist. Verblüfft mich eh immer wieder, wie sehr hier alles im Rahmen bleibt, während man mir andauernd empfiehlt, endlich meine Tabletten zu nehmen…

    1. Na denn. — Ich nehme an, du kannst auch dieser Aussage alles entnehmen, was ich sagen möchte. Ist ja dann nicht mehr nötig, mir zukünftig mehr Zeit zum Antworten zu nehmen.

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