#54 the wires getting older, i can hear the way they’re creaking

Manchmal stört es mich ungemein, wie Menschen meinen, dass man optimistisch oder pessimistisch sei. Ich überlege seit Ewigkeiten, wieso genau es mich stört, wenn Menschen mir Dinge unterstellen. Mein Problem damit ist ja nicht unbedingt, dass es unwahr (oder wahr) ist. Viel mehr, dass sie sich das Recht rausnehmen. – Nicht, dass ich besser wäre.

Es gibt für mich wenig Menschen, denen ich zugestehe, meine Situation gut genug beurteilen zu können, um meine Einstellung oder Persönlichkeit auf irgendetwas herunter-reduzieren zu dürfen. In anderen Worten, wer nicht weiß, ob das Glas davor voll war, kann mir nicht unterstellen, pessimistisch zu sein, wenn ich sage, dass es jetzt halbleer ist. Wer nicht oft genug mit mir Trinken war, um gehört zu haben, wie ich um ein halbvolles Glas Bier gebeten habe (lasst mich, ich mixe gerne selbst), dem fehlt die Perspektive, die er mir scheinbar mit seinen unnötigen Banalitäten verschaffen möchte.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

11 Gedanken zu „#54 the wires getting older, i can hear the way they’re creaking“

  1. Ein schönes Bild, was du hier zeichnest. Und so wahr- wie oft ärgere ich mich über die Hobbypsychologen, die an einem wahlweise halb vollen oder halb leeren Glas den Zustand meiner Psyche meinen erkennen zu können…

  2. Vielleicht machen das die Romane, die Du immer liest? Wenn sich da ein Erzähler hunderte Seiten mit jemanden anderes beschäftigt, als sich selbst, mag mancher Leser durchaus dem Glauben verfallen, die Welt würde sich auch für ein Urteil über ihn, den Leser, derart Zeit nehmen. Wobei ich jedem Menschen durchaus zutraue, sich alle halbe Stunde zu verändern. Und das, ohne mit der Wimper zu zucken: Menschen ändern sich eben. Punkt.By the way: Für mehr als eine Milliarde Menschen ist Homosexualität jetzt wieder strafbar! Beinahe hätte ich Lust, mich als homosexuell zu bezeichnen, bloß um den Ekel in den Gesichtern junger indischer Frauen zu sehen, wie sie mich nun als krank empfinden und abartig und mich ins Gefängnis oder in die Anstalt wünschen, jedenfalls nie, nie wieder etwas mit mir zu tun haben wollen. Damit ich mir einmal mehr auf die Schulter klopfen kann, niemals sonderlich in Menschen investiert zu haben. Lohnt nicht, lohnt absolut nicht.

    1. Die gleiche Zielgruppe junger indischer Männer würden sicher viel angeekelter reagieren, also versuch’s vielleicht lieber da. Und nein, so hab ich auch schon gedacht, als ich lesen nicht mochte. Ich unterstelle ja niemandem, drei Jahre darüber nachgedacht zu haben, wieso. Im Gegenteil, mir kommt es so vor, als ob Leute trotz mangelnder Informationen irgendwelche Schlüsse ziehen würden. Die Ironie dieses Kommentars.

  3. Hätte man Strafprozesse um Prominente, die der Vergewaltigung bezichtigt werden, damals schon in aller Öffentlichkeit verhandelt, ich hätte mich wohl bis ans Lebensende begnügt mit dem „Playboy“. Denn ich glaube nicht, dass auch bloß ein Mensch je beurteilen konnte, wen er sich da ins Bett holt! Wobei den Fehlurteilen mitunter kräftig nachgeholfen wird, wenn Frau etwa ihre drei Selbstmordversuche nicht für weiter erwähnenswert hält. Im Grunde ist ja jeder BH bereits eine Täuschung. Fehlurteil erwünscht!

  4. Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der mir über längere Zeit folgen kann. Weil ich selten von A nach B denke, sondern aus Zeitersparnis gleich bei Z bin. Fällt mir auf der Straße eine Frau auf, verweile ich keine Minute bei ihren körperlichen Reizen, sondern habe gleich die Szene vor Augen, in der Franz Kafka von seiner frisch Verlobten ins Möbelhaus dirigiert wurde, wo sie dann auf Kafkas Kosten Eiche massiv orderte, während Kafka bloß in der Ferne leis das Sterbeglöckchen läutete… Viele Männer denken laaange an Sex, ich denke gleich an die 10.000 Euro Kundenkredit nach dem Sex. Um zehn Ecken weitergedacht empfinde ich das meiste, was ich schreibe, als absolut logisch zusammenhängend. Jemand, der beim Petting bereits eine trostlose Hochhausbutze im Sinn hat, während die Masse im Eifer des Gefechts selbst einen Zusammenhang zwischen Sex und Schwangerschaft nur schwer herstellen kann… Ich glaube, ich müsste hier hundert Seiten am Stück kommentieren, um einmal nicht „wirr“ rüberzukommen.

      1. Schön. Heute auf dem Weihnachtsmarkt erinnerte ich mich mit Schrecken daran, dass das nach dem Sex ja auch noch kommt. Bisher keine Frau kennen gelernt, für die regelmäßiges Abhängen mit „Freunden“ nicht ein absolutes Muss war. Allein jenes völlig unmotivierte Kettengerauche auf solchen Geselligkeiten ist entsetzlich anzusehen. Und ich kann es entweder mit solchen Frauen treiben oder ich kann mir im Wald ein Erdloch suchen, von dort aus den Mond anzuheulen. Nachdem ich heute obendrein noch aus dem Facebook einer jahrzehntelangen Bekanntschaft geflogen bin, bin ich einmal mehr soweit, den Leuten zu erzählen, was sie hören wollen. Der „gelungene Abend“ als eine Art Schachpartie. Kafka hat es so gehalten. Nach außen hin teilte er die Begeisterung seines Kumpels Max Brod, während er insgeheim „verlorene Tage“ notierte. Auf Sex kann ich verzichten, aber ich brauche dringend einen Max Brod, der nach meinem Tod mein schriftstellerisches Werk hochhält. Wenn „gelungene Abende“ dafür der Preis sind, dann zahle ich den sofort und ohne Zögern.

  5. Du nimmst mir, wieder mal, die Worte aus den Fingern :-)
    Ich schrieb im Sommer irgendwann, ich hätte wen kennen gelernt. Besagte Person, die ich abgesehen von dem Abend ein einziges mal für 5 Minuten gesehen habe und sonst nur über das Handy oder Facebook kontaktiert habe, meinte dann einmal, ich wäre IMMER so negativ.
    Ich bins in vielen Fällen, weil ich denke, dass mich einige Erfahrungen dazu gebracht haben. Sie kannte die Umstände nicht, kannte meine Vergangenheit nicht und ich finde es daher schon anmaßend zu beurteilen, das meine negative Einstellung in manchen oder vielen Dingen fehl am Platz wäre. :-/

    1. :)

      Es ist ja auch egal, ob man nun eine negative oder positive Einstellung hat. Ein Großteil meiner Bekannten würde in jedem Fall meinen, dass sie sich ein Urteil darüber erlauben dürfen. Sicherlich gibt es Situationen, in denen man sich durch die eigene Grundhaltung keinen Gefallen tun wird, aber solange ich nicht auf Fast-Fremde losgehe, ihnen meine Lebensgeschichte aufdränge, und ihnen fünfzig Euro für eine Erstberatung zahle, könnten sie sich vielleicht zurückhalten. Einmal auf Wikipedia was über Freud gelesen zu haben, qualifiziert sie nicht, sich an mir als Hobbypsychologen zu versuchen.

      (Zumal ich bei dir sehr davon überzeugt bin, dass du Letzenendes doch reflektierst, und differenziert an Situationen herangehst. Ist es tatsächlich Pessimismus, wenn ich behaupte, dass ich mich sicherlich furchtbar verbrennen werde, wenn ich einen eingeschaltenen Herd als Tischtennisplatte benutze? /sigh)

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