#42 but my hands will make up for it

Wenn ich irgendein Talent habe, dann das, aus allem eine Metapher zu machen. Aus Brokkoli, aus Reis, aus Tee. Vor allem aus Tee. Dass wir uns auf einen Tisch stellen können, und keine Sorge haben müssen, jemals verschüttet zu werden, solange wir nicht in Regionen leben, in denen es ab und an mal zu Erdbeben kommt.

Dass wir an Farbe verlieren, dass wir nie mehr werden, als wir sind, und unsere Sicherheit vermutlich trotzdem nicht garantiert ist. Dass wir stattdessen durchs Leben gehen könnten, dass andere Menschen Teile von uns mitnehmen, und Teile von sich da lassen könnten, dass es Menschen gibt, die nicht aufpassen, und unsere Tassen fast zerbrechen, und dass wir seltsamerweise am Ende zufrieden sind, verloren zu gehen, solange die Person, die uns austrinkt, es wert ist.

Wer mich mag, der unterstellt mir Tiefe statt Angst. Scheinbar ist das besser. Ich bin wohl nachdenklich. Gibt es T-Shirts mit der Aufschrift, „Introvertiert/Extrovertiert. I do not think it means what you think it means.“? Sind T-Shirts mit Comic Sans Schrift bereits so hässlich, dass sie wieder als politisches Statement durchgehen könnten?

Mein Leben ist kein Tee. Mein Körper ist keine Tasse, mein Geist ist kein heißes Wasser. Vielleicht lauwarmes. Wären wir Tee, dann würden wir scheußlich schmecken, weil ständig jeder seinen Senf an den Tassenrand schmieren würde, und nur Menschen, die mich mögen, glauben, dass ich eventuell etwas Anderes mache, als mit Teemetaphern vor der Realität wegzulaufen, ohne darauf zu achten, was ich dabei alles auskippe.

Ich wünsche mir keine Gesundheit, ich wünsche mir nur Geld, und wenn ich nachdenke, dann darüber, dass ich vergessen habe, wie die Menschen, mit denen ich vor vier Jahren befreundet war, eigentlich heißen, und viel wichtiger, wo ich meinen Schreibtisch stehen hatte.

Wenn ich irgendetwas kann, dann etwas Hässliches nehmen, und es für schön verkaufen, und aus meinem Leben Tee machen. Aber ich will nicht getrunken werden, ich möchte trinken. Und manchmal möchte ich nichts übrig lassen. Manchmal bin ich benebelt von meinen Schlaftabletten und überlege, wie schön es wäre, wenn die Erde zufrieren würde, und dann tue ich so, als wäre es nur eine Metapher gewesen.

Ich hab Glück, Menschen zu haben, die mich mögen, und die denken, es wäre Tiefe, wenn ich nur Angst habe, weil ich realisiere, dass ich Metaphern brauche, um Menschsein zu imitieren, und die mich glauben lassen, dass es Menschlichkeit ist, die mich verdrängen lässt, wie Freunde heißen, oder wo der Schreibtisch stand, auf den wir unseren Tee gestellt haben.

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