#16 Impossible loves. I am very much afraid they can become an addiction.

Wenn ich darüber nachdenke, dass hier Menschen lesen, mir ab und an E-Mails schreiben, oder kommentieren, komme ich mir furchtbar lächerlich vor, immer wieder dieselben Probleme anzusprechen. Probleme, die für den Großteil selbstverständlich sind, und mit dem man umzugehen lernt, wenn man ungefähr zwölf ist. – Da war ich, zu meiner Verteidigung, beschäftigt mit.. irgendetwas Unnötigem. Bin mir fast schon sicher. Ja.

Rational ist mir bewusst, dass ich mich mit bestimmten Dingen solange auseinandersetzen muss, bis ich damit klar komme -falls ich das denn möchte- aber trotzdem ist es immer wieder ein wenig deprimierend, zu erkennen, dass ich nicht aus meinem Tümpel komme.

Was mittlerweile nur noch in Maßen mit Komfort zutun hat, und vor allem mit Nichtwissen. Leben ist nicht wie Fahrradfahren, und obwohl ich Muskelgedächtnis bezüglich der einzelnen Worte habe, weiß ich trotzdem nicht, in welchen Kombinationen sie akzeptabel sind. Gespräche sind Schwerstarbeit.

Und ich bin irgendwo angekommen, wo ich zugeben kann, dass ich mir selbst zu wichtig bin, um mich in eine semi-verletzliche Position zu bringen. – Was an sich viel zu kompliziert nach Außen wirkt.. Was an sich das Problem ist:

Ich kann die Reaktionen anderer Menschen nicht kontrollieren. Was absolut in Ordnung ist, auch, wenn ich mir deswegen oft die Haare ausreißen möchte. Aber bestimmte Handlungen und Worte ziehen mich tief nach unten. – Würde ich nun wissen, wie ich mit solchen Dingen umgehen sollte, dann wäre das sicherlich etwas Anderes, aber Frau K. ist der Meinung, dass das nicht nötig ist, wie es mir vorkommt, obwohl ich finde, dass es extrem nötig wäre.

Und es ist einfach schwer möglich, am Anfang einer Bekanntschaft eine Liste zu übergeben.

„Lieber Mitmensch,

ich habe mitbekommen, dass ich dich auch dann vermutlich nicht überfahren würde, wenn es nicht strafbar wäre, und vermute, dass es dir ähnlich geht. Da ich ein sensibles Gänseblümchen bin, möchte ich dir ein paar Hinweise zum Umgang mit mir geben.

1. Gib mir kein Essen, außer, wir treffen uns spezifisch deswegen, oder ich frage danach. Ansonsten ist es möglich, dass ich in die nächste Toilette brechen werde.

2. Laufe niemals leise hinter mir, fass mich nie von hinten an, erschreck mich nicht. Es gibt drei mögliche Ausgangssituationen: (a) Zittern und Schweißausbrüche, (b) Auch, wenn ich schon lange nicht mehr aktiv Sport mache, sind bestimmte Reflexe antrainiert, also Schmerzen auf deiner Seite, und (c) normaler Fortlauf des Tages. C passiert sehr selten.

3. Falls du mich umarmen solltest, und ich zurückumarme, darfst du unter keinen Umständen die erste Person sein, die aufhört, da ich sonst fest davon überzeugt sein werde, dass du mich hasst.

4. Falls du mich irgendwie berühren solltest, und ich starr werde, solltest du so unauffällig wie möglich damit aufhören, denn vermutlich hast du mir gerade Angst gemacht. Da ich aber auch weiterhin furchtbar Angst davor habe, Menschen mit meinen vielen Macken zu nerven, musst du vermutlich so tun, als hättest du es nicht wirklich mitbekommen, da ich sonst von (3) ausgehen werde. Man könnte meinen, es wäre logisch, mich gar nicht anzufassen, aber auch dann werde ich von (3) ausgehen.

5. Du darfst niemals genervt sein, wenn ich getriggert werde, weil ich sonst in einer Spirale von Selbsthass und Schuld untergehen werde, und nie mehr mit Menschen interagieren, die nicht ebenso gestört sind, wie ich.

Den Rest der Liste habe ich erst einmal ausgelassen. Danke fürs Lesen. Falls du immer noch ehrliches Interesse an einer Freundschaft hast, dann bist du vermutlich verrückt, hast ein Rettersyndrom oder verstehst nicht, was ich gerade Alles mitgeteilt habe.

Danke für deine Zeit,

Patricia“

Denn die Leute wissen ja noch gar nicht, wie unglaublich amüsant und unterhaltsam ich bin, oder was für eine Auswahl an Serien und Filmen ich bereits gesehen habe, und wie gut ich dementsprechend Dinge empfehlen kann. Oder, dass ich wirklich sehr gut schlafen kann, wenn ich nicht gerade keine Schlaftabletten nehme, und so weiter.

Das heißt, alles was diese Menschen sehen, ist eine Menschen-förmige Ansammlung von Problemen, die auch noch fake wirkt, weil sie doch immer so fröhlich ist. Und es kommt mir wirklich schwer vor, irgendetwas Anderes als „nicht ich“ zu sein, wenn ich unter Menschen bin, weil „nicht ich“ mein „Unter Menschen ich“ ist, und es so viel leichter und befreiender ist, zu vergessen, dass man nachher ins Bett fallen wird, und sich fragen, wozu man überhaupt aufgestanden ist.

Und mir ist durchaus bewusst, dass es schwer ist, Freundschaften aufzubauen, die auf Bekanntschaften basieren, die nur deswegen entstanden sind, weil ich „nicht ich“ war.

Weswegen ich mich mal in meiner Vergangenheit umgeschaut habe, und erkannt, dass ich unter selbstinduzierter chronischer Unzufriedenheit litt, was prinzipiell sicherlich Symptom #3 auf der Liste von Pubertätsnebenwirkungen ist, aber auch schon davor und weiterhin ein Teil meiner Persönlichkeit zu sein scheint. Was ich meine ist, dass ich mir nichts Erreichbares wünsche, weil ich dann ja eine Chance hätte, die ich, oder so empfinde ich es, mit Sicherheit verbauen würde.

Und manchmal ist das ganz in Ordnung. Da kann ich versuchen und teilen, aber drei Minuten später zittere ich, weil die Person nicht wusste, dass sie sich nicht an mich anschleichen darf, weil ich ihr nicht meine Gebrauchsanleitung gegeben habe.

Die Toleranzgrenze gesunder Menschen. Ich bin weit entfernt davon.

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6 Kommentare zu „#16 Impossible loves. I am very much afraid they can become an addiction.

  1. Ich schreibe doch auch immer wieder über die selben Probleme. Wenn sie nicht so dauerhaft und kompliziert zu verändern wären, wären sie wohl auch keine Probleme.Also darüber mach dir mal keine Gedanken, ich glaube, dass stört keinen deiner Leser :)

    1. Damit hast du durchaus Recht. Nur kommt es mir immer wieder so vor, als wäre es.. überzogen. Eventuell, weil es leicht ist, Leuten zu glauben, die sagen, dass man sich nur mehr anstrengen müsste (denn dann hat man ja wenigstens ein Mindestmaß an Kontrolle), oder weil ich gerne vergesse, dass ich nicht mehr zwölf bin, und deswegen annehme, dass ich weiterhin -u.U. unbewusst- alles vorschiebe, mir verbaue, oder schwer rede. Wie auch immer, das „Wäre es leicht, wär es kein Problem“-Ding sollte ich mir wirklich einprägen. Haben sicherlich schon öfter Leute gesagt, aber irgendwie dringt es, glaube ich, erst jetzt wirklich durch. Dankeschön für deinen Kommentar! :)

  2. Ich finde deine Themenwahl gar nicht wiederholerisch. Oder ich bin einfach zu dämlich, es zu bermerken. ;)
    Punkt 3 war irgendwie „rührend“. Also rührend im Sinne von.. Ja, weiß ich auch nicht. Aber dieses Bild von „Du darfst mich erst loslassen, wenn ich dich losgelassen habe“. Da ist wohl mein Beschützer-Helfer-Aufpasser-Alles in Ordnung bringen woller-Syndrom. Nach dem Motto „Ich halte dich so lange, wie du es brauchst. Auch, wenn es Tage dauert, ich Pipi muss oder meine Arme weh tun.“ Irgendwie finde ich, wenn du jemandem so etwas sagst, zeigst du ihm doch irgendwie, dass es für dich in Ordnung ist, wenn er dich umarmt, oder?
    Weißt du, was ich meine? Der Umarmer/Die Umarmerin bekommt doch damit irgendwie gesagt: Hey, bei dir ist es in Ordnung, da fühle ich mich wohl(er).
    Ich versteh selbst nicht, was ich da gerade geschrieben habe. Aber ich finde Umarmungen süß :-/

    1. Hm, vielleicht merke ich es eher, weil hier ja nur mein Gedankenbrei in konzentrierter Form endet, aber davor täglich im Dauerlauf durch mein Gehirn rennt? Oder auch, weil die meisten meiner Probleme sehr ähnliche Ursachen haben, und ich DIE nun hier nicht mitteile, aber eben im Hinterkopf hab? Weiß nicht.

      Ja, ich denke, ich verstehe, wie du das meinst. Bei Anderen würde mir das auch weniger nervig vorkommen, als bei mir, weil es DA dann irgendwo.. keine Ahnung, süß, ist, aber bei mir selbst find ich es eher.. meeeh. Weiß nicht, ob das Sinn macht. /sigh

      1. Das mit den ähnlichen Ursachen klingt plausibel. Wie so ein Problem-Stammbaum. Ganz oben steht dann Adam, dass Alpha-Problem.
        Adam, das Alpha-Problem. Ich war wohl eben zu lang in der Sonne.
        Und das du es bei dir selbst anders empfindest, als bei jemand Anderem ist wohl auch keine Seltenheit. Ähnlich gehts mir, wenn jemand bei einem Film weint. Bei mir selbst finde ich es ab und zu echt nervig :/

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