#13 past and present, they don’t matter; not if you sort it out.

Ich war seit ungefähr drei Monaten nicht mehr bei Frau K., und muss mich schnellstmöglich melden, damit die Therapie nicht automatisch beendet ist.

Natürlich fragt man sich da, weswegen man solange gewartet hat, denn auch das Zahnarztsyndrom (Nein, nicht das, wo es einem besser geht, kurz bevor man beim Zahnarzt ist, sondern das, wo man den ersten Termin verpasst und dann erst fünf Jahre später einen neuen macht, weil der Schmerz unerträglich wurde, und man sich schrecklich fühlt, weil man es so lange schleifen lassen hat) ist nicht wirklich die Ursache.

Vielleicht ist es Frustration. Es ändert sich nichts an meiner Situation. Ich hab sicherlich einige gute Tage, aber meine Unfähigkeit, ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu sein, ist weiterhin vorhanden: Ich brauche 12 Stunden Schlaf, um nicht übermüdet zu sein -kann aber meistens nur 4 Schlafen, falls am nächsten Tag etwas ansteht- und kriege ungesundes Herzrasen, wenn ich mit noch so irrelevanten Neuigkeiten überraschend konfrontiert werde. Meine Reaktion auf Stress ist Aggression und Apathie, je nachdem, welche Form Stress es gerade ist. Es ist mir unmöglich, Bindungen mit Menschen einzugehen, und ich schiebe alles auf.

Und es ist frustrierend, zu sehen, dass es nicht besser wird, und zu erkennen, dass die Symptome zur Ursache für die Symptome wurden: Dass ich nicht normal schlafen kann, weil ich nicht normal schlafe, und nicht gesund werden kann, weil ich dafür die Kraft einer Gesunden bräuchte.

Es gibt nicht mehr viel zu sagen; selbst jetzt wiederhole ich mich und ändere nur den Wortlaut. Vielleicht bin ich ein traumatisierter Wellensittich. Vielleicht wär alles okay gewesen, wenn nicht einmal die Hand zu schnell hochgehoben worden wäre. Aber jetzt bin ich traumatisiert, und deswegen krabbel ich nicht auf die Finger des Jobcenters, meiner Therapeutin oder Psychiaterin.

Vielleicht ist das Problem, dass meine erste Reaktion einfrieren oder davonlaufen ist, oder, dass ich ein wenig fehldiagonistiziert wurde. Vielleicht sollte ich aufhören, zu erwarten, dass Geduld irgendetwas mit meinem Krankheitsverlauf zutun hat, denn Geduld wird nicht mit F a u l h e i t buchstabiert, und ich hab keinen Schnupfen.

Eventuell sollte ich mich tatsächlich insofern mit meinem Zustand abfinden, als dass ich anfange, darüber nachzudenken, wie ich langfristig mit ihm leben sollte, anstatt immer wieder zu erwarten, dass die Gesundmachfee durch mein Fenster geflogen kommt, mir eine Glaskugel gibt, und ein Lied darüber singt, wie ich alles haben kann, wenn ich ihr meinen Bruder übergebe. – Und vielleicht ist der Weg zur Genesung, oho, ein Labyrinth und ich komme nicht weiter, weil ich nicht erkenne, dass da Durchgänge in den Wänden sind, weil optische Täuschungen scheiße sind, und fuck, wieso wurde aus diesem Text jetzt eine The Labyrinth Metapher?

Vielleicht habe ich noch nicht realisiert, dass ich ohne Arme und Beine niemals ein Unentschieden bekommen werde, oder dass ich irgendwann nicht mehr erwarten kann, getragen zu werden, weil ich echt sehr zugenommen habe die letzten paar Wochen, und nicht nur an Psychosen. Vielleicht sollte ich das Universum fragen, wieso eine Capri Sonne vor meinem Bett liegt, oder wieso mich unser Vogel den einen Tag angekackt hat, vielleicht ist die Lösung 42, eventuell bin ich auf der „Kaputt-Skala“ von 1 bis Dean Winchester bei 9000, vielleicht sollte ich aufhören, Popkultur zu vergewaltigen.

Wer weiß.

(Offensichtlich das Personal, denn das weiß alles.)

Aber die Vielleichts helfen mir nicht, und um ehrlich zu sein, kann ich das Wort nach den Paragraphen dort oben nicht mehr sehen, obwohl es mich mit Freude erfüllt, zu sehen, wie ich einen frustrierenden Text über Frustration geschrieben habe.  Im Prinzip bin ich brillant, und Leute sollten Geld zahlen, um mit mir sprechen zu dürfen. – Natürlich dachten andere Menschen auch, dass es im Prinzip keine schlechte Idee wäre, Männern für weniger Arbeit mehr Geld zu geben als Frauen, oder das Wort „depri“ als „ein wenig traurig“ zu übersetzen. Wie sagt man so schön? Tauben sind wie Krokodilkacke, und wenn du weinst, wirst du zu einer Tulpe. – Hatte das irgendeinen Bezug zum Inhalt dieses Artikels? Natürlich nicht. Schraubt eure Erwartungen etwas runter.

In anderen Worten, hätte es denn irgendeinen Sinn gemacht, zu Frau K. zu gehen, außer, mir noch mehr vor Augen zu führen, wie schlecht meine Sehkraft geworden ist, und dass sich an meinem mentalen Zustand nichts verändert hat? Hätte mich diese zusätzliche Frustration, anders als die vielen Wochen und Monate zuvor, plötzlich dazu motiviert, mehr zu tun, als ich es jetzt mache, oder mich glauben lassen, dass ich tatsächlich die Macht über meine Psyche hätte?

Nein. Denn Tauben sind wie Krokodilkacke, und ich bin keine Tulpe.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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