#12 I’ve brought this on us more than anyone could ignore.

Was mir immer mehr auffällt ist, dass, dadurch, dass ich mich vor allem mit für mich nur virtuell-existierenden Menschen umgebe, die generell offener, intelligenter und weltfremder sind, als der Großteil der Menschen, die mir physisch nah sein könnten, wenn ich Interesse an banalem Geschwätz über schlechtes Bier hätte, oder, ehrlicherweise, auch viel weniger banalen Gesprächen, meine Haltung ebenso offen und weltfremd wird:

Für mich vollkommen normale Diskussionen und Aktionen grenzen für die meisten Menschen an verhaltensgestört, was die ganze „Soziale Situationen“, „Freundschaften und Kontakte knüpfen“ Geschichte verkompliziert. Aber ich hab wenig Interesse daran, Kompromisse zu schließen, wenn es darum geht, sich (oder eher, mich) selbst als Teil der Gemeinde akzeptieren zu können. Was interessiert es mich, ob ich hier hinein passe, wenn ich dabei nicht sein kann, wer ich sein würde, wenn ich mich mit Menschen umgeben könnte, die ich mögen würde, falls sie denn in meiner Nähe existieren. Was nach „Ich definiere mich über mein Umfeld“ klingt, was es nur begrenzt ist: Ich definiere viele Dinge über andere Dinge. Das gemäßigte Klima in Kontinentaleuropa ist im Vergleich zum tropischen Klima in Daundda um einiges soundso.

Was ich meine ist, dass ich als Mensch eine gewisse Verantwortung mir selbst und Anderen gegenüber habe; dass ich mein Verhalten nicht einer Norm anpassen möchte, die ich nicht tolerieren möchte; weil die m.E. akzeptable Norm die ist, der gegenüber ich mich zu verantworten hätte.

Und weil ich mich mit Menschen umgebe, für die es ähnlich ist, vergesse ich oft, dass mein Verhalten für den Rest der Welt suspekt sein könnte. (Und nicht nur, weil sich mein Verständnis was grundsätzlich so gut wie alles betrifft, täglich weiterentwickelt und dementsprechend nach drei Tagen aus einem Karpador ein Garados wurde.)

Was ich eigentlich meinte ist, dass es sich ab und an sehr schwer anfühlt, sich zu verstellen, um ein „In“ zu haben. Um an Gesprächen teilnehmen (haben?) zu können, oder nicht schief angesehen zu werden, weil man so-und-so. Es ist zusätzlich kompliziert, weil ich vor allem über das Internet mit anderen Menschen spreche, und Barrieren wegfallen, die in einer nicht-virtuellen Umgebung zwangsläufig existieren. Weil <Sarkasmus> nicht IRL funktioniert, und es eine anderes Format ist, in dem ich mich zu bewegen habe. Aufgrund der eigentlichen Hindernisse, virtuell miteinander zu kommunizieren, sind virtuelle Gespräche um Einiges leichter zu führen, sobald man sich kennt. Kann ich in einem Gespräch mit meiner Ärztin sagen „Schrägstrich das war ein Scherz“? Andererseits ist es wohl auch auf vielen Ebenen leichter, neue Menschen IRL kennenzulernen, alleine aufgrund einer zumindest minimal vorhandenen Fähigkeit, Stimmung/Atmosphäre/Körpersprache lesen zu können.

Es geht mir mittlerweile tatsächlich oft etwas besser. Aber nur in dieser sicheren Umgebung, in der ich blacklisten kann, was ich nicht sehen möchte. Dann wieder einen Schritt vor die Tür zu wagen, ist zu viel. Zu viel homophober, frauenfeindlicher, rassistischer, ignoranter Müll, der selbst aus den mir sympathischsten Mündern kommt. „I’m not one of those girls,“ und „Ist halt ein Kerl,“ und „Die schwänzt sicherlich mal wieder,“ und „Boah, is‘ der oberflächlich, der braucht doch im Bad länger als seine Olle,“ und „Die Säufer sollen sich mal ’n Job suchen, un‘ is‘ ja nich‘ so, als würde das Amt denen nich‘ die Miete zahlen, wenn se sie nich‘ versaufen wür’n.“ und vor allem Facebook.

Man geht raus, blinzelt zwei mal, dreht sich um, und legt sich wieder ins Bett, denn hallo, wieso sollte man ein Teil davon sein wollen? Nicht, dass mir nicht bewusst wäre, dass ich mich zumindest durch diesen Müll balancieren muss, um auf die fünf Individuen zu stoßen, die nicht so unglaublich dämlich sind, aber meistens fühle ich nur eine gewisse Ohnmacht, die mich an „vor zwei Minuten habe ich alle PETA Videos gesehen“ erinnert: Man weiß, die Menschen müssten nur mal zwei Bücher lesen, sich etwas weiterbilden, darüber nachdenken, was sie tun, und wir hätten einen akzeptableren Haufen an Hirn. But no.

Aber was mir immer wieder einfällt, ist, wie jemand, dem ich als Kind sehr nah stand, versucht hat, mir Homosexualität zu erklären: Manche Menschen empfinden ihren Körper nicht als ihren Körper, und denken, sie hätten als Frau oder Mann geboren werden sollen. Und vielleicht erklärt das, wieso ich so lang verwirrt war, wenn es um trans* ging, aber der Punkt ist, dass es mir mittlerweile nur noch mehr vor Augen führt, wie sehr „1st Person POV“ jeder lebt, und der Welt einen Gefallen tun möchte, wenn er darüber spricht, wie soundso und dasunddas.

Was, im Grunde genommen, der gesamte Blog hier ist. Minus Gefallen. Those are debts, everyone. Debts.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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