#6 And you my love are one.

M. meinte einmal, dass ich an einem schweren Fall von Wortdurchfall leide. Kurz darauf habe ich sogar geträumt.. Okay, nein, der Traum war echt abartig, aber der Punkt ist, er hatte gar nicht so Unrecht, und seitdem fällt es mir schwer, nicht alles mit einer kleinen Portion Selbsthass zu sagen, denn obwohl ich mir bewusst bin, dass ich dazu zu neige, viel zu reden, und das nicht unbedingt mag, kann ich es doch nicht aufhalten, und innerhalb wenigster Sekunden entkommen wir Wortschwalle, die nicht wirklich messbar sind.

Ich bin ein nervöser Redner. Ein trauriger Redner, ein kranker Redner, ein glücklicher Redner. Wenn ich etwas fühle, oder sehe, oder denke, dann muss ich das unbedingt mitteilen, weil es unglaublich wichtig ist, dass auch wirklich alle davon wissen.

Ich bin ein Redner-Redner. Wenn es mir schlecht geht, dann will ich das mitteilen. Aber weil ich davon überzeugt bin, dass gewisse Menschen das nicht hören wollen, rede ich stattdessen vom Paarungsverhalten von Mücken, oder davon, dass wir mehr Worte für „Rudel“ brauchen, damit ich den Unterschied zwischen Wölfen und Löwen wirklich ordentlich erklären kann. Oder von der Zombie-Apocalypsen-Kurzgeschichte, die ich gerade lese. (J! Ich hab mich geirrt, es waren zwischen 20k-25k Worte! Schicke dir nachher Link! Bisher gibt es BAMF!Stiles und whatnot.) Oder davon, dass alles, was ich sage, aus denselben 26 Buchstaben besteht, und ich nie mehr sagen kann, als mir diese 26 Buchstaben erlauben, und ich nicht schlau genug bin, um Dinge in zwei Sätzen statt zwanzig Seiten zu erklären. Weil man ja nicht missverstanden werden möchte, wenn es doch um so relevante Dinge geht wie Teriyaki Sauce.

Dass mein altes Weltbild sich jetzt langsam an die Realität anpasst, und ich trotzdem nicht akzeptieren kann, dass manche Menschen damit umgehen können, dass sie mal so oder so waren, während ich am Liebsten römisch-katholisch wäre, fünf Mal einen Verse aufsagen, und meine Absolution bekommen, ist dabei sicher nicht hilfreich, weil es wie immer nur ein Tanz im gleichen Dreieck ist, und eine stetig farblos werdendere Abwärtsspirale.

Was vielleicht nur für die hier Sinn macht, die sich in meinem Kopf befinden..

Es geht um Akzeptanz.

Wie akzeptiert man die eigenen Imperfektionen? Es gibt offensichtlich viele Züge, die ich hinnehmen kann. Weil sie mich nicht nerven. Sie füttern meine Zweifel, Narzismus, Selbsthass, aber all das arbeitet mir ja eher zu; je gestörter meine Psyche, desto mehr Entschuldigungen habe ich. Aber ein nie-endender Redefluss nervt unglaublich, und da er nicht unbedingt ins Stereotyp der Depressiven passen, tut mir das auch keinen Gefallen.

Es ist einfacher, Menschen zu akzeptieren, wenn man sie nur alle paar Tage für drei Stunden trifft. Aber ich und ich, wir gehen uns täglich vierzehn Stunden auf den Sack. Ich meine, Gott, es ist ja nicht so, als hätte ich den Vorteil meiner Mitmenschen, dass ich ab und an doch mal den Mund halte. ES GEHT IN MEINEM KOPF JA ALLES WEITER, UND NUR EIN BRUCHTEIL DESSEN KOMMT LETZENENDES AUCH RAUS.

Es fängt nicht beim Reden an, es endet dort. Dico ergo sum, nur als Grund, wieso zum Schluss soviel aus meinem Mund kommt, und meine Persönlichkeit, das ständige Überdenken, das Sich-Für-Sich-Selbst-Schämen als Ursache dafür, dass überhaupt etwas zu sagen ist. Und wenn das allein kein Kreis ist, dann f u.

Und das Schlimme ist, dass Dinge gesagt sind, sobald sie gesagt sind, und man mit jedem Wort ein anderes ausschließt, und es nie aufhört. 26 Buchstaben sind nicht genug.

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