#4 No we’re torn, torn, torn to pieces.

Äck!

Ich hab gerade Definitionsfragen, und das Internet lädt nicht schnell genug für mich. Böse, Internet. Schäm dich, Internet.

Denn ich will nicht spezifische Situationen und Probleme ansprechen, sondern etwas Grundliegendes. Nur bin ich scheinbar nicht in der Lage, meine Worte zu benutzen, oder es so zu vereinfachen, dass es erklärt werden könnte. (Obwohl das vielleicht auch ein Teil des eigentlichen Problems ist: Die Komplexität, die es unmöglich macht, auf einer simplen Ebene für das Gros zu erklären, dass bestimmte Verhaltensweisen und Denkmuster einfach nicht akzeptabel sind.)

Man muss Folgendes also noch viel weniger nicht-lesen als die anderen Posts. Ich sortier mich durch Gedanken und ein Großteil ist sicherlich Unsinn, weil ich exakt gerade damit anfange, darüber nachzudenken. (Und ich schau auf die Uhr, damit ich endlich mal weiß, wie viel Zeit ich damit verschwende.. 1:10 Uhr.)

– Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie sind grundsätzlich deswegen scheiße, weil eine Gruppe von Menschen,  aufgrund von Eigenschaften, für die sie nicht verantwortlich sein kann, unterdrückt wird.

– Aber genauso gibt es Menschen, die einfach unintelligent geboren werden, und genauso weniger erreichen können?

– Obwohl wir keine legale Apartheid haben, obwohl wir immer mehr in die Richtung von Gleichgeschlechtlicher Ehe, und Equalismus zu gehen versuchen, sind unsere Denkmuster absolut verkorkst: Jahrelange Vorurteile und Ungerechtigkeiten verschwinden nicht, nur, weil Ausländer jetzt im gleichen Teil des Bus‘ sitzen dürfen; oder, weil Frauen Ärzte sein können, und Männer Vaterschaftsurlaub nehmen. Im Gegenteil, pseudo-Farbenblindheit etc. reden doch die tatsächlich weiterhin existierenden Probleme dieser „Minderheiten“ klein.

– Das Mitspracherecht fällt aus, denn weiße, überpriviligierte Männer entscheiden, wie nicht-weiße, lesbische Frauen ihren Körper zu behandeln haben; wo Integrationscenter gebaut werden, wo dies und das.

a. „Ich bin nicht homophob, einige meiner engsten Freunde sind bi-curious!“

b.  „Ich kann gar kein Rassist sein, mein Onkel hat eine Chinesin geheiratet und ich hab einen Tunesier gedatet!“

c. „Vietnamesen sind doch auch bloß rassistisch/Du müsstest mal hören, wie Schwule über Heteros labern/Die ganzen Feministen sind doch eigentlich nur Männerhasser!“

– A und B . Nur, weil man etwas duldet, „nicht der Homophob/Rassist“ sein möchte, und sich deswegen nach Außen nicht so verhält, bedeutet nicht, dass man nicht trotzdem so denkt. Ein Individuum aus einer Gruppe zu mögen, bedeutet weiterhin nicht, die gesamte Gruppe als Teil der Gesellschaft zu respektieren, weswegen solche Sprüche vollkommen gehaltlos sind.

– C impliziert, dass Frauen, Ausländer und Nicht-Heterosexuelle in irgendeiner Weise Deutsche, Heteros, oder Männer so unterdrücken, wie das umgekehrt der Fall ist. Während wir in Deutschland versteckten Rassismus ausüben, indem wir psht sagen, und so tun, als würde er nicht existieren, und viele Frauen noch sexistischer sind als Männer – was an sich ein sexistischer Spruch war, dessen bin ich mir bewusst, es war gewählt so formuliert, sue me – erkennt man zumindest noch eine deutlich homophobe Haltung, die eventuell mit unserer weitverbreiteten Arroganz zutun haben könnte.

Wie dem auch sei, das Problem an Rassismus/Frauenfeindlichkeit/Homophobie ist nicht, dass eine Person eine andere Person aus Gründen nicht mag. Natürlich ist es in jedem Fall unsinnig und moralisch betrachtet falsch, ein Individuum vorzuverurteilen und schlecht(er) zu behandeln, weil es eine andere Hautfarbe, Geschlecht, sexuelles Interesse etc. hat. Genauso ist es unfair, jemanden nicht zu mögen, weil er behindert geboren wurde, oder Dyslexie hat. Genauso ist es unfair, jemanden nicht zu mögen, weil er rote Haare hat, oder unintelligent geboren wurde. Der Unterschied ist aber, wie sich dieses Verhalten zeigt und Letzenendes auf das Individuum, eine breite Masse derer, und deren Umfeld ausübt:

Denn auch, wenn ein Vietnamese sich lieber in seinem ebenfalls vietnamesischen Kreis aufhält, hat er nicht die Macht, die wir als Deutsche besitzen; und auch, wenn ein Schwuler meint, dass es doch abartig sein muss, da reinzuficken, wo man rauskam (Thank you, K.I.Z.), wird er immer in der Minderheit sein; und auch, wenn eine Frau spöttisch einen Mann anschaut, dann kann man jeden Nachteil, über den Männer sich beklagen, auf eine sexistische Idee zurückführen, die Letzenendes vermutlich so etwas sagt wie „Oh, Frau, Kochen, Kinder!“.

(1.30 Uhr; mein Wecker hat gerade geklingelt. Wieso klingelt mein Wecker um diese Uhrzeit? Jetzt kommt doch gar keine Serie.. oder? D:. /Hab mir was zu Essen geholt. 1.37 Uhr)

Wenn also Mehrheitshass grundsätzlich durch Minderheitsunterdrückung entsteht, dann kann ich mich nicht aufregen, dass mich ein Ausländer Kartoffel nennt, oder ihm sagen, dass ich mal jemanden gedatet habe, der. Oder, dass er doch jetzt nicht mehr in Versklavung lebt, oder in Konzentrationslager geschafft wird, was hat er denn? Und wer sich jetzt denkt, „Niemand würde sowas sagen!“, der sollte nicht vergessen, dass wir dafür tausend andere, ähnliche Sprüche raushauen, oder zumindest denken.)

– Und ich meine nicht, dass ich plötzlich aufgestanden bin, und mir dachte, „Heute bin ich mal weniger scheiße!“, weil es ein ewig langer Prozess von Denkmuster-Umstrukturieren ist, aber es wäre schön, wenn sich einige Menschen etwas mehr dessen bewusst werden würden, und akzeptieren könnten, dass ihr Denken hinterweltlerisch ist.

— Was mich zur nächsten Runde von Argumenten bringt —

– Ein Stillstand und Festhalten an alten Werten, während sich der Rest der Welt weiterbewegt, ist, obwohl das Wort an sich ein Paradox ist, ich weiß, Herr F.-T., eine Rückentwicklung.  Man bleibt hängen, und verschwendet Zeit, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, wenn alle anderen sich in die Bahn schachteln.

– Das ständige Kritisieren von langbestehenden Gesetzen ändert nichts an der Situation, in der wir sind. Anstatt weiterhin dagegen zu drücken, um Fremdes draußen zu halten, ist es viel sinnvoller, es reinzubitten; Sind Schwule in irgendeiner Weise bedrohlich? Und falls ja, dann, weil du ein Sexist bist, und gerade erkannt hast, dass dem so ist.

– Es ist arrogant, anzunehmen, dass wir der Menschheit einen Gefallen tun, in dem wir keine Arschlöcher sind. Wir hören nur endlich auf, ihr eine Last zu sein. Ausländer werden nicht plötzlich Deutschland übernehmen und Deutsche in Siedlungen in Südafrika verschiffen; Frauen werden nicht plötzlich Männer zuhause im Keller halten.

– Tatsächlich sind es oft die Menschen, die kapitalistisches Denken kritisieren, die Letzenendes kapitalistisches Verhalten aufweisen: Wieso sollte ich meine Steuergelder mit Ausländern teilen; wieso sollten Behinderte den Job meiner Nichte bekommen? Wieso nicht? Ist es so schlimm, dein Spielzeug mit den anderen im Spielkasten zu teilen?

– Wir zelten vor der Disco: Anstatt uns wie normale Menschen zu benehmen, und Erfahrungen miteinander zu teilen, verscharren uns hinter Türen, nageln die Fenster zu, und verpassen die Vorteile von Multikulti T-Shirts; weil wir tatsächlich die Leute sind, die sich über den Krach beklagen, anstatt mit zu tanzen. Was dämlich ist.

– Unsere Schulen sind Anti-Rassistisch, was bedeutet, dass man nicht über Rassismus spricht, sondern nur sagt, dass er böse ist, und allen die Buchempfehlung „Das Tagebuch der Anne Frank“ gibt. Clever, Schule. Clever.

– Wir glauben, dass Anti-Rassistisch/Feminist/LGBT-Friendly sein, bedeutet, dass man alles toll findet, was beweist, wie kleinkariert (Ja, Mami, ich muss gerade an die Frau von der Dauerwerbesendung denken, psht!) ist, und zeigt, wie wenig wir wirklich verstehen: Wenn ich Kopfschmerzen hab, werd ich sicherlich nicht tanzen gehen! Wenn ich Reis hasse, dann werd ich nicht mitessen, wenn du mich dumm anmachst, dann werd ich dich fragen, was los ist.

Kein verantwortlicher, durchschnittlich gebildeter Mensch wird erwarten, dass man eine Gruppe von Menschen mag, weil sie einer Gruppe zugehört. (Auch, wenn ich oft denke, dass nur psychisch gestörte Menschen toll sind, I’ll admit it.) Es geht darum, dass es verdammt unfair ist, wie es zur Zeit läuft, und dass man sich aufregen kann, weil sich Ausländer nicht integrieren, und Frauen dies, und Nicht-Heteros jenes. Aber eigentlich ändert es gar nichts.

Wir sind hier im Unrecht. Wir haben daran zu arbeiten, dass die Menschen, die hier leben, sich wohl fühlen, wenn wir wollen, dass wir uns wohlfühlen. Was ab und an unfair erscheinen mag, weil wir eventuell noch weniger verantwortlich dafür sind, dass sie einer „Minderheit“ zugehören, als sie es selbst sind, aber das ist der Punkt, damn it.

Und jetzt ist es eine Minute vor 2 Uhr, weswegen ich aufhören werde, morgen am richtigen PC (vielleicht sogar am neuen! PC) recherchieren, und mir dann eine ordentliche Meinung bilden, anstatt nur extrem-formulierte Gedanken in die Welt zu kotzen.

Yay!

(Und es ist durchaus möglich, dass ich über diese Dinge nachgedacht habe, weil mein Opa mein Opa ist.)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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