#84 Fight or Flight or Freeze

Bloggen ist für viele Leute, auch mich, ein ‚reaching out‘. Sich mitteilen, neue Ein- und Ansichten zu lesen bekommen, kommunizieren, sich darstellen. Ein endloses Reagieren.

Aber mir ist aufgefallen, dass Bloggen für mich vor allem ein ‚reaching in‘ ist. Ich bin schlecht im mit mir selbst kommunizieren, auch, wenn meine ständigen Selbstgespräche etwas Anderes suggerieren. Ich kann nicht sitzen und nachdenken, und dann zu einem Ergebnis kommen, weil ich ziemlich sensibel und überemotional bin, auch, wenn das alles ‚Innen‘ passiert, und man es nur mitbekommt, wenn man mich überfordert und ich dann anfange, rumzuschreien. (Was sicherlich vor allem für Freunde und Familie doof ist, da die bestimmt gerne mal etwas Nettes hören würden. Tut mir Leid.)

Ich kann mir nicht selbst Briefe schreiben, oder mich in zwei verschiedenen Browsern im gleichen Chat anmelden, um mit mir zu sprechen. Diese ganze, „Hey, Patricia, ist dir schon einmal aufgefallen, dass du unfähig bist, auch nur für drei Sekunden emotional verwundbar zu sein, egal, wie sehr jeder davon profitieren könnte?“ endet meistens mehr darin, dass ich vor mich hin selbsthasse, oder eben hier anfange, darüber zu schreiben, dass.

Weil Bloggen einfacher ist: Man schreibt nicht mit dem Hintergedanken, einen bestimmten Leser oder sich selbst anzusprechen. Es ist einfach nur Schreiben, und alles Andere passiert danach; und ich denke auch erst danach über alles Andere nach: Leser, Kommentare, mich. Dann lese ich vielleicht wieder, und dann erkenne ich, wo ich mir etwas vormache, etwas schönrede, oder es mir schlecht rede, weil schlecht einfach so viel leichter zu händeln ist. Oder ich sehe in einer Zeile etwas, von dem ich gar nicht bemerkt habe, dass ich es geschrieben habe. (Was immer wieder amüsant ist, weil ich dann Selbstgespräche führen kann und mein Unterbewusstsein beleidigen; nicht, dass jeder Subtext Text ist.)

Und obwohl ich mit den besten Intentionen angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, möchte ich jetzt gerade eigentlich nur random thoughts loswerden, was hinderlich ist.

Also höre ich vorerst auf, und lese stattdessen weitere pack!feels-inducing fics. Eek.

Ist Elternsein nicht irgendwie die dümmste Idee überhaupt?  (Sorry, Mami!) Ich meine, man kriegt aus verschiedensten Gründen Kinder (oder naja, meistens vor allem, weil man Sex hatte) und so, aber letzenendes ist es doch meistens so, dass Kinder ziemlich undankbar sind, und ihren Eltern immer wieder vorleben, wie furchtbar diese gewesen sind. Obwohl natürlich die meisten Entscheidungen (Ausziehen, Freunde, Drogen) zu erwarten sind, und natürlich dazu gehören, kann ich mir nicht vorstellen, damit wirklich gesund klar zu kommen. Endet es nicht irgendwann damit, dass man denkt, „Das Kind hat wirklich jedes Recht, mich ins Pflegeheim zu stecken, anstatt zuhause zu versorgen.“ 

Und ich hab gerade mitbekommen, dass ich ein Kind kriegen muss, und es emotional so abhängig von mir machen, dass es mich nie ins Pflegeheim steckt. 

Fuck, den Gedanken hab ich schon mal gehabt, oder? Melde mich dann mal auf ner Partnerbörse an. (Stigma, Stigma, Stigma)

Schlussendlich bin ich mir bewusst, dass ich nicht wirklich.. erwachsen oder reif oder irgendetwas derartiges bin. Ich vermeide, und zögere, und ohrfeige Menschen, die versuchen, mich zu küssen, obwohl ich möchte, dass sie das tun. (Oder küsse Menschen, die ich nicht küssen möchte, weil das kontrollierbar ist.. Eh. /random) 

Ich bin ein Einfrierer. Ich laufe nicht weg, klar, aber ich tue auch nichts. Oder doch. Ich friere ein. So für 3 Jahre. Und wenn das Eis taut, schmeiße ich mich in den nächsten Schneesturm, denn holy fuck, Auftauen ist scheiße!

Weswegen auch meine müden Schreibsel hier wenig vollbringen – genauso, wie eine Therapie, an die ich vermutlich nicht (mehr?) glaube, und Pillen, die ich nicht nehme.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

3 Gedanken zu „#84 Fight or Flight or Freeze“

  1. Wobei mich natürlich interessiert, was Harry Potter für Dich ist: Selbstgespräch oder Zweisamkeit am Puls des Lebens? Verstehe ich Dich richtig, bedeuten Dir die Gedanken und Gefühle, welche Harry Potter Dir schenkt, eine ECHTheit, hinter der viele Menschen am Rande Deiner Wege folgenlos verschwinden. Warum sonst verschenkst Du kostbarste Jugendzeit tonnenweiße an Romanfiguren? Das Leben lernen von Fiktionen, die niemals pinkeln müssen!
    Dank der Blüte Deiner Jugend solltest Du durchaus in der Lage sein, mit hochinteressanten Persönlichkeiten in Mailkontakt zu kommen. Schau Dich um auf der Welt, wer Dich reizen würde, und schreib einfach! Glaube ich den tausenden Biographien in meinem Hinterkopf, sind so im Laufe der Jahrhunderte die verblüffendsten und bereicherndsten Beziehungen entstanden.

    1. Harry Potter ist Sex im Ohr. Rufus Beck liest nämlich wunderbar vor, und dann fühlt man sich klasse. Aber wieso sollte es entweder oder sein? Und wieso überhaupt Selbstgespräch? Und wieso Harry Potter? Also, wie bist du auf den Gedanken gekommen?

      Um mal bein Schneeklumpen zu bleiben: Wenn man eingefroren ist, dann ist man ja nur da und sieht ein paar Dinge, aber man interagiert nicht. (Was man angeblich auch nicht machen soll, weil, wenn man erfriert oder fast erfroren ist, und man sich dann schnell bewegt, die halb eingefrorenen Blutklumpen zum Herz gelangen und dann ist man tot..) Aber es wird ja doch mehr oder weniger langweilig nach einiger Zeit. Natürlich, für ein paar Monate kann man sich selbst unterhalten, weil man ja ein tolles Gehirn hat, aber irgendwann braucht man input. Cue Harry Potter.

      Ich will aber nicht in Mailkontakt mit „hochinteressanten Persönlichkeiten“ kommen, oder irgendwelche semi-Tips von Leuten annehmen, die tatsächlich keine Ahnung haben, woran ich Interesse habe, oder hineininterpretieren, und annehmen. Da verschenke ich lieber meine Jugend daran, seltsame Kommentare zu beantworten.

  2. Du schreibst, dass Du nicht sitzen kannst und nachdenken. Aber Du kannst offenbar endlos sitzen und lesen. Und Du schätzt die Gedanken und Gefühle, welche Dir beim Lesen kommen. Und zwar offenbar so sehr, dass Du deswegen lieber darauf verzichtest, unseren Vizekanzler anzumailen, wie er in der Grundschule klarkam mit seinen Wurzeln. Gerade als Schriftsteller bin ich sehr interessiert daran, wie Du die Qualität des Inputs durch Harry Potter beurteilst, weil ich eben Skrupel habe, Jugendlichen solche Geschichten zu schreiben. Die hocken sich dann natürlich mit Colabottichen ins Kino, weil sie von Harry Potter gelernt haben, dass sie nicht pinkeln müssen, oder murmeln auf dem Arbeitsamt Zaubersprüche. Und Harry Potter hat gewiss keine Ahnung, was Dich interessiert!
    Bereits als Kind habe ich von schlechten Menschen mehr gelernt als von guten Fiktionen, wie das Leben ist, wie es zu 97% wirklich ist.
    Neulich etwa bettelte mich eine junge Frau an, die ich gerne noch gefragt hätte, ob sie früher auch oft „einfror“.

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