#80 In case you hadn’t noticed, I’m in Evidence.

Mir wird immer mehr bewusst, wieviel ich mich von Dingen distanziere; hab ich nicht sogar vor einiger Zeit darüber mal gesprochen? In einem Entwurf vor Kurzem hab ich zumindest erwähnt, dass es schön wäre, Distanzierungstechniken zu kennen. (Was für ein Un-Wort. Shame on me.)

Aber eigentlich ist mein ganzes Verhalten eine einzige Distanzierungstechnik. (Pfui, ich hab tatsächlich Gänsehaut, weil das Wort so falsch klingt.)

Also zurück zu dem Thema: Sprache.

Gibt es irgendjemanden, der nicht irgendein Wort mit einer bestimmten Situation, Person, Emotion, assoziiert? Sprache hört nie auf, sich weiterzuentwickeln, und ist unglaublich abstrakt. Mit jeder Minute erweitern sich meine Definitionen aller möglicher Worte. In erster Linie ist ein Stuhl nur ein Stuhl, aber dann ist er auch noch gut als Leiter, oder zum Butzen bauen, oder um die Tür aufzuhalten, Bücher zu stapeln, als Tisch, zum Wäsche trocknen, Muskeltraining, Einbrecher verprügeln.

Eine endlose Kette an Worten, an Erinnerungen und damit verbundenen Gefühlen. Weswegen ich versuche, so selten wie möglich darüber nachzudenken, dass ich selbst schreibe und damit etwas erschaffe. Zum Schluss würde ich paranoid und mit zuckendem Auge vor meinem PC sitzen, jeden Satz fünfundzwanzig Mal umschreiben, und hoffen, dass ich das in Lesern auslöse, was ich möchte; dh. dafür müsste ich natürlich erst einmal ein solches Ziel haben.

Wen wundert es da, dass ich mein Leben auf Englisch führe?

Obwohl Englisch auch einfach viel weniger formell ist, und man die Sprache soviel misshandeln kann, wie man möchte; niemand glaubt, man habe es ausversehen getan. Oder vielleicht liegt das daran, dass ich hauptsächlich mit Menschen auf Englisch schreibe, die genauso schlimme Sprachvergewaltiger sind wie ich. Aber nein. Ich denke, Englisch ist tatsächlich auf oberflächliche Art und Weise verspielter als Deutsch.

Deutsch möchte Blumen und Schokolade, Oper oder Theater. Englisch reicht es, wenn ich mal kurz rüberschaue.

In other news,

ich hab EuReKA beendet und bin sehr unzufrieden. Ich mochte die Serie zwar nicht übermäßig, aber sie war verspielt, und hatte mehr verdient, als ein Nicht-Ende. Der gesamte Season 5 Plot war generell irgendwie schwach, obwohl das wohl darauf zurückzuführen ist, dass die gesamte Serie zum Teil sehr schwach geschrieben wurde. Gibt es irgendwo eine ähnliche Serie? Fänd ich zumindest schön.

ich schaue gerade White Collar Season 4, und bin eher enttäuscht. Obwohl auch White Collar keine meiner Must-Watch-Serien ist, lässt sie einfach enorm nach. Dass es keine optimal genutzte Serie ist, und die Writer zu selten in die Vollen gehen, oder sich Dinge trauen, ist klar: Immerhin spielen sie schon seit 4 Staffeln mit dem selben Prinzip, und schaffen es nicht, sich zwischen Crime und Drama und Crime-Drama zu entscheiden. Aber.. Die Menschen sind einfach so furchtbar attraktiv, und ich bin so furchtbar gelangweilt. (4×02 hätte unglaublich klasse werden können! Aber hrmpf!)

ich lese zur Zeit Fifty Writers on Fifty Shades of Grey, bin aber noch nicht weit genug gekommen, um wirklich urteilen zu können. Ich hoffe zumindest, dass die Essays kritischer sein werden, als die allgemeine Reaktion zur Serie.

ich fruste seit ein paar Stunden, weil WordPress wieder einmal spinnt. Also mein lokales und WordPress.org, nicht der Blog hier. Geez!

ich möchte wirklich gerne Fremdsprachen lernen, aber ich weiß nicht genau, wo ich anfangen soll.. Außerdem wäre es ja gut, erst einmal Führerschein-Theorie zu machen. Und ich hab wieder mal Lust, mein Keyboard zu entstauben, und zu schauen, ob ich noch ein paar Noten lesen kann. Vielleicht würde ich mich besser an solche Dinge erinnern, wenn ich mal bei nem Musik/Klavierlehrer gewesen wäre? Aber dann macht es mir ja keinen Spaß.. Wie auch immer, dank Youtube könnte ich sogar mal wieder etwas spielen..

Werde vielleicht demnächst mal wieder meine Entwürfe zusammenhauen und veröffentlichen. No one gets left behind, after all. ;) (Which was a blatant lie.)

Irgendwelche Filme, die ich schauen sollte? Hätte gerade wirklich Lust, mir Tee zu machen, und Mami vor den Fernseher zu ziehen..

 

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4 Kommentare zu „#80 In case you hadn’t noticed, I’m in Evidence.

  1. Vor den Mauern der Kaserne feierte das Leben. Es fällte Tannen, überwarf sie mit Lametta, entzündete an dem toten Holz Kerze um Kerze.
    Xavier feierte nicht. Er war zurück geblieben mit einer weißen Armbinde, die ihn ernannte zum „UvD“, zum Unteroffizier vom Dienst. Nach Plan rüttelte er an verschlossenen Türen und leuchtete Schranken entlang. Stets in dem Bewusstsein, wie vorzüglich Feste der Liebe geeignet waren, Waffenkammern und Munitionsbunker auszurauben.
    Irgendwo im Dunkel der Blöcke und Hallen taten zwei, drei andere Wachdienst. Manchmal hörte Xavier sie aus dem Funkgerät rauschen.
    Im Waschraum aber, gegen vier Uhr in der Frühe, herrschte Stille. Xavier hatte es belassen bei der Notbeleuchtung am Ende des Flures. Kaum spiegelte sich das Licht auf den Hähnen und Becken. Xaviers Hände wussten wohin. Blind vollzogen sie eine der Dutzenden Waschungen, die er tagsüber wie nachts beging. Als wäre es der alleinige Zweck seiner Hände, ihn zu reinigen von dem Leben, das er nicht hatte vermeiden können:
    Dienstschluss für Dienstschluss drillte er seine hagere Statur, keinen Schritt zu verschleppen beim Marsch über die Panzerstraßen. Zapfenstreich für Zapfenstreich schor er sich den Schädel. Im Dunkel der Stube endlich meditierte er letzte Reste Unsinn weg, die ihm aus dem Dienst verblieben waren, bis statt des Kissens auch Steine sein konnten. Ein Gefreiter Scharfschütze, der Feindesblut abspülte, ehe es ihn benetzte.
    Was er aber eigentlich lebte in jenem Waschraum, jener Mannschaftsunterkunft, jener Kaserne? sämtliche Behälter Seife würden es ihm nicht offenbaren. Eine Dunkelheit lastete auf seiner Existenz, die sich nicht abschrubben ließ. Weder fand Xavier Lust an dem, was Liebe genannt wurde, noch war er aufgelegt zum Beten. Sein Wesen blieb beschmutzt von einem Schlammsein aus Erde und Wasser.
    So den rauschenden Hähnen des Waschraums zugetan, nahm Xavier das Jenseitige erst wahr, als es brannte auf den Gläsern seiner Brille: Abgelegt am Rande des Beckens, wirkte die Brille übergossen mit Feuer. Graue Glut fraß sich in das Titangestell, während die schwere Optik jeden Augenblick zu springen schien in tausend flammende Scherben.
    Xavier griff nach der Brille, langte wie ein Kind nach dem Feuer. Ein Affekt seines Wesens, das sich jede Feuerwaffe, die ihm ausgehändigt wurde, an die Schläfe hielt.
    Besessen offenbar von dem Instinkt, durch das Feuer mehr Reinigung zu erfahren, als unter Kanistern rosa Seife.
    Tatsächlich fühlte seine Brille sich unbeteiligt an. Noch gleichgültiger, jedem zu dienen, als er sie am Beckenrand abgelegt hatte.
    Xavier strich über die Gläser. Feuer spüren wollte er, wie es vom Glas zu Boden tropfte. Jedoch war ihm als glitte er über eine Eiswüste, obwohl vor Flammen kein Blick möglich schien durch die Gläser.
    Frost raste ihm über die Haut und durch die Adern, als er seine Brille aufsetzte. Er krümmte sich, hielt kaum seine Zähne still, während ihn der Blick durch Flammenmeere schoss.
    Schwärze verklebte sein Antlitz, als wenn er zu Asche geblasen wurde. Durch beide Augen riss eine Urgewalt ihn hinein in brüllende Gewitter, die Vulkanen glichen, aus denen sich das Blut von Generationen von Kriegern ergoss, welche in Feuer und Eis ihr Leben ließen.
    Fern hinter allen Horizonten fühlte Xavier seine uniformierten Arme, die, mit Rang und Namen bestickt, ihn bewahren wollten vor einem Fall in zeichenlose Tiefen. Dabei meinte er seine Füße in Kampfstiefeln fest geschnürt am Boden.
    Er stand. Er fiel. Er zitterte. Er spie aus vor Schmutz. Er spürte Hoffnung wie niemals zuvor.

    Wesen glaubte er auszumachen unter den Feuersbrünsten, Menschen. Als flöge er über Gestein, auf dem murmelnd sich Leiber drängten und Köpfe einander stießen.
    Xavier erkannte weder der Leiber Ende noch deren Zeit. Seit Stunden mochten Gebeine so in die Irre taumeln oder seit Jahrhunderten.
    Schon war er hinweg über jenes Schinden. Durch Flammenspiele glitt er an Feuerfällen vorbei, bis ihm eine Ebene zu Bewusstsein kam.
    Von Schmutz rein gebrannt wirkte die Ebene. Beinahe der Flammen Spiegel war jener tiefschwarze Boden, auf den Xavier sank: Eis hätte der Boden sein können, Kristall oder Edelstein. Tatsächlich schien der Boden Beweis einer Kraft, welche über allen Feuern herrschte.
    Xavier fühlte sich, als stünde er schief auf dem Boden. Als läge er tatsächlich gefällt und tot, während seine Füße gleichzeitig Dienst taten. Obendrein er seiner nicht mehr habhaft wurde: Gleich wohin er den Arm streckte oder das Bein, nichts von seinem Leib kam ihm zu Angesicht. Verdampft schien er, verblieben als ein bloßes Verdichten von Luft.
    „Allmächtiger!“ schrie Xavier. Aus Neugier. Nach Schrecken in sich zu fahnden, hatte er längst aufgegeben.
    „Allmächtig er?“ ein Echo ging Xavier an. Aus der Tiefe hinter ihm jagte das Echo Xavier den Rücken hinauf, riss herum, was früher er als sein Gesicht empfand, warf stumpf ihn nieder in Befindlichkeiten, welche stets zu meiden er sich verpflichtet fühlte.
    „Allmächtig er?“ ließ Xavier ein Zerstörtsein wahrnehmen, welches ihn allen Fängen seines Verstandes enthob: Hinter dem, was einst er als Fersen und als Ende seines Wesens empfand, trat grell ihm als Licht ins Angesicht, was ihm vierundzwanzig Lebensjahre als Schatten anhing – bis in den Waschraum, einer Mannschaftsunterkunft, einer Kaserne. Was sein Schatten gewesen, lag hinter ihm. Aus dem Stein erbrochen, verfallen zu staubiger Asche, im Feuerhauch sich zerstreuend.
    Frei nun, was vierundzwanzig Jahre vom Schatten verborgen. Wo Xaviers Schatten zusammengefallen war, tat ein mannsgroßer Umriss sich auf. Licht, welches so Festen aus Stein durchdrang. Und wer mochte sagen, dass es am Boden schien, ob Xavier nicht vielweniger in der Höhe fußte und in der Tiefe wahrnahm?
    Die Orkane aus Feuer über Xaviers Haupt konnten genauso Anfang sein wie Ende. Unfassbar jedenfalls in zahllosen Bildern jagender Heerscharen aus Fabelwesen.

    Soweit der Beginn meines neuen Versuchs als Schriftsteller. Und ich habe Phantasie genug, die Welt, in der Xavier sich befindet, über tausende Seiten auszuschmücken. Wären da nicht gewaltige Skrupel, mich und meine Leser so vom Leben zu distanzieren.
    Für mich ist es keine Auszeichnung, etwa mit „Harry Potter“ die Köpfe von Millionen Kindern mit Spinnereien abgefüllt zu haben. Obwohl ich es durchaus verstehe, dass Geschichten erfunden werden, einem Kind sein Leben ohne Vater und von Sozialhilfe zu erleichtern. Frau Rowling soll sich ja damals in einer schwierigen Situation befunden haben.
    Tatsächlich aber muss ich erkennen, dass es gerade solche Distanzierungen waren, die mir mein Dasein als Außenseiter auf dem Schulhof erschwerten: Bei jedem Mädchen hatte ich „großes Kino“ im Kopf, statt ein gewöhnliches Leben in der Reihenhaussiedlung. Da schmerzte Ablehnung dann natürlich, als hätte sich mir eine Tür ins Himmelreich verschlossen. Hingegen ich neulich, beim 25-jährigen Klassentreffen, meinem Stern danken musste, dass es damals keine abgesehen hatte auf mich ahnungsloses Kind, mich mit tausend süßen Distanzierungen zu begeistern für ein Leben in der Hochhausbutze.
    Tatsächlich erleidet Xavier im Waschraum einen Hirnschlag. Es ist also wohl vertretbar, zweihundert Seiten zu phantasieren über jenen Bewusstseinszustand, der sterbenden Menschen eigen ist.
    Hingegen Du mir vielleicht verraten kannst, wozu es gut sein soll Kinder zu verführen, sich mit „Harry Potter“ zu distanzieren von den Hochhausbutzen, in denen sie leben.

    1. Du redest ja aber von etwas ganz Anderem als ich: Von Eskapismus und Träumereien, nicht vom Distanzieren, weil die Realität zuviel ist. Und damit meine ich nicht zuviel schlecht oder zu viel gut, dass man sich dann in irgendeine Welt hineinträumt, sondern zuviel. Sodass man Blogbeiträge lieber auf Englisch schreiben möchte, weil es einem dort leichter fällt, Worte zu finden, die keinen seltsamen Beigeschmack haben. Distanzierung =! Fliehen. Es ist nur, einen Schritt zurück gehen, und nicht alles an sich heranlassen. Man lebt trotzdem noch in derselben Welt wie der Rest.

      Harry Potter liest man, weil es eine tolle Geschichte ist, und weil Dementoren Depressionen sind, und man Schokolade essen soll, wenn sie einem begegnen. Weil die Harry Potter Welt durchaus Verluste einsteckt, und der Leser das zu fühlen bekommt: Durch Fiktion ausgelöste Gedanken und Gefühle sind nicht fiktiv. Wieso sollte man Kinder nicht dazu motivieren, zu lesen, anstatt Filme zu schauen oder Games zu zocken? Zu mal ja Kindheit heute sicherlich anders aussieht, als Kindheit vor 30 Jahren, und Harry Potter eher verbindet, als entfernt.

  2. Thomas Mann mag einen Schritt zurück getreten sein, als er mit den „Buddenbrooks“ seine Familie sezierte. Ich trete einen Schritt zurück, wenn ein Mann auf ARTE hofft, dass es mit seiner krebskranken Frau bald vorbeigehe, weil der Mensch da im Krankenbett angeblich nicht mehr seine Frau wäre.
    Nun verstehe ich wenig von dem, was Du den Tag über so liest, schaust, hörst und spielst. Mir scheint der Realitätsbezug des Konsumierten aber nicht derart überragend zu sein, dass man den Eindruck bekommt, dass da eine Wissenschaftlerin distanziert das Leben analysiert. Mag sein, dass ich Dir da Unrecht tue.
    Schlimm finde ich es übrigens nicht, wenn Deine Texte hier nicht auf alle so wirken, wie Du es Dir gedacht hast. Eher fasziniert mich das unberechenbare Element der Kommunikation, die Reaktion unterschiedlicher Erlebniswelten aufeinander. Als würden Aliens miteinander ins Gespräch kommen ;-)

    1. Der Konsumberg unten hatte nichts mehr mit dem Thema Distanz oben zutun. Deswegen auch das „in other news“. Vielleicht haben wir da ein wenig aneinander vorbei gelesen/geschrieben.

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