#76 And the more I try, the less it’s working, when everything inside me is screaming, No, No, No, No..

Ich hab dieses Bedürfnis, vorbereitet zu sein. Nicht nur, auf die Zombie-Apocalypse und eventuelle Überschwämmungen, obwohl ich zugebe, dass ich mal eine Tasche hatte, in der ich wichtige Dinge hatte, falls unser Haus plötzlich brennt..

Irgendwie gibt es mir Sicherheit, zu wissen, dass ich auf fast jedes Gesprächsthema vorbereitet bin. Natürlich besitze ich hier den eigentlichen Luxus, das Leute nachfragen, wie es mir geht (auch, wenn es 75% nicht interessiert), aber es fühlt sich nicht sehr glamurös an, sich perspektivlos vorzukommen. Zu mal die Menschen, die mich ansprechen, nicht 30 sind, und realisieren, dass ich mit zwanzig höchstwahrscheinlich noch ein Leben vor mir habe, sondern ebenfalls 20, mental allerdings 11.

Weswegen ich ständig im Kopf übe, was ich sagen könnte, falls.

Ich üb diesmal also mal on-line, damit ich mehr Leute amüsiere, als meine fünf anderen Persönlichkeiten.

Wie geht es dir?

Gut.

Denn wirklich, was sonst sollte ich antworten? 

Was machst du zur Zeit?

Ich bin immer noch krank, aber es geht mittlerweile immer mehr bergauf. Mal sehen, hab demnächst wieder einen Arzttermin, und dann schauen wir mal.

Vage Antworten sind doch am Besten, oder? Ich glaube zumindest, dass die Antwort vermutlich am Ehesten etwas bringt.. 

Oh, was hast du denn?

Die Diagnose steht nicht ganz fest, aber irgendwie möcht ich gerade auch nicht darüber sprechen. Zieht mich irgendwie immer etwas runter, und gerade geht’s mir gut.. Es ist zumindest nichts Ansteckendes. ;) Können wir ja später mal irgendwann drüber sprechen.

Niemand erinnert sich an „später“. Und falls doch, dann heißt das, dass ich auch später noch Interesse daran habe, mit den Menschen zu sprechen, was bedeutet, dass es Sinn machen würde, zu sagen, dass ich depressiv bin, ohne gleich mit irgendwelchen Reaktionen konfrontiert zu werden..

Und was möchtest du machen, wenn du wieder gesund bist?

Ganz ehrlich.. Ich weiß es nicht genau. Erst einmal wär es ja schön, meinen Abschluss fertig zu machen, denn erweiterter Realabschluss passt mir nicht. Andererseits.. ach, mal sehen. Bis jetzt kann ich ja eh nichts machen, also bringt es wenig, darüber zu philosophieren. (Sowas mach ich nämlich nur auf meinem Blog..)

Die Frage. Argh! Die ist schon schlimm, aber es kommt immer schlimmer:

Und was machst du dann den ganzen Tag?

Schlafen! Essen! Schlafen! Nein, ehrlich. Nicht viel. Meine Schwester zur Schule bringen, und abholen, das Übliche, was man eben zuhause macht, mich ab und an mit Leuten treffen, bzw mit meinen Freunden, die nicht hier wohnen, telefonieren oder mit denen, die nicht in Deutschland leben, skypen. Dann meine vielen Arzttermine. Ansonsten ist es alles etwas langweilig.

Ich hasse die Frage. Nicht die Menschen, die sie stellen, aber die Frage. 

Irgendwie realisiere ich gerade, dass ich überall nur Dinge auslasse.. Aber es macht Sinn. Nur, dass ich selten Dinge ausgelassen habe, um besser dazustehen, was mich stört. naja, wenigstens hab ich bisher noch nirgends gelogen..

Faustformel: Gegenfragen stellen. Die meisten Leute reden gerne über sich selbst, also sollte das wohl machbar sein. Aber.. irgendwie fühlen sich Gespräche so.. erzwungen an, und ich hab kein Gefühl mehr dafür, ob ich nun genug unterhalte, oder nicht. Oder, wie ich in dem Entwurf für #76 I feel so close to you right now, like a force-field. I wear my heart upon my sleeve. geschrieben hab:

Offensichtlich habe ich wieder den Drang, Menschen kennenzulernen. Also, mit ihnen zu skypen, mich mit jemandem zu treffen, und etwas trinken. Aber das ist so.. weit weg. Die Vorstellung, jemandem erklären zu müssen (und es ist nur in begrenztem Sinne ein selbstauferlegtes Muss, denn ich ‘muss’ mich erkären, um mich überhaupt ansatzweise entspannen zu können), wie es mir geht, oder was los ist, was ich eventuell bald mal machen könnte oder möchte.

Denn darauf weiß ich keine Antworten.

Und es ist kein Scherz, wenn ich sage, dass es mir schon beinahe unmöglich ist, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, denn ich weiß gar nicht mehr, wie man sozial ist. Mir ist das Bauchgefühl abhanden gekommen. Das, das einem sagt, wann man einen Scherz machen darf, und wann es unangebracht wäre, oder, in welche Richtung man das Gespräch lenken sollte. Ich bin beinahe abhängig davon, dass mein Gegenüber das Gespräch dominiert, weil ich nicht mehr weiß, wie Kommunikation funktioniert.

Nicht, dass ich nicht mit J. oder Mami spreche, aber es ist doch wesentlich anders, mit Menschen zu reden, die einem vertraut sind, oder, die bereits wissen, dass.

Im Übrigen fallen mir gerade so viele schlechte muddled-water puns ein. „Ich kann mir nicht mal das Wasser reichen,“ oder, „Born as plain water, then discovered porn.“ Hachja..

Könnte das nicht bitte Alles ein wenig einfacher sein?

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2 Kommentare zu „#76 And the more I try, the less it’s working, when everything inside me is screaming, No, No, No, No..

  1. „Er liebt deine Macken, weil er sie für solche hält und weil er noch gar nicht weiß, was ihm noch blüht…“ schreibt Drüberleben.
    Deine Antworten entsprechen jenem „diplomatischen“ Vorgehen, das wohl ein Grund ist, warum Beziehungen regelmäßig keine zwei Jahre halten:
    Halbwahrheiten, die Anfangs geadelt werden als selbstloses „sich zurücknehmen“.
    Ein Nichts von einem Leben, das auf „geheimnisvoll“ macht.
    Solch Maskenball mag bei Männern noch dadurch entschuldbar sein, dass sie „geil“ Junkies in nichts nachstehen, die einem alles erzählen, bloß damit sie endlich zum Schuss kommen. Hingegen Frauen klarsten Verstandes Beziehungen auf Halbwahrheiten gründen. Allein Deine Aussage, dass es immer mehr bergauf ginge, sollte genügen, jedes Verlöbnis nach Belieben zu lösen. Weil die Beziehung eben eingegangen wurde unter dem Eindruck, dass Du Deine Angelegenheiten im Griff hast.
    Nützt es ihnen, haben Menschen ein geradezu monströses Gedächtnis.
    Lieber habe ich einen „stillen Abtrag“, als dass auf meiner Beerdigung Hunderte um jemanden weinen, den es nie gegeben hat.
    Bereits die Likes, die ich auf Instagram ergaunerte mit sonnigen Strandbildern, haben mich als Experiment völlig entnervt. Das ist doch kein Leben! Da würde ich wohl auch Mengen an Alkohol brauchen, das über Jahrzehnte(!) durchzuhalten.
    Seit 42 Jahren gibt es in meinem Leben niemanden, den ich ernsthaft als „Freund“ bezeichnen würde. Und? Gäbe es nicht das Elend der Sterblichkeit, ich könnte ewig so weiterleben.

  2. Ich finde es gar nicht schlimm, Dinge auszulassen. Warum solltest du gleich alles in den Ring werfen? Erschreckend finde ich, wenn jemand vom ersten Tag an sein ganzes Leben offen legt. Alles, was in ihm oder ihr steckt. Nicht, dass mich so eine Offenheit nicht beeindrucken würde, aber es macht doch auch angreifbar, oder?
    Und obwohl ich es nicht wirklich beurteilen kann, glaube ich, dass immer noch ein Stück Kommunkationstalent in dir steckt. Denn, liest man deine Kommentare, so habe zumindest ich den Eindruck, dass du wirklich aufmerksam gelesen hast. Ich bin nicht sicher, ob ich es richtig ausdrücke, aber ich denke mir, dass du es als respektlos empfinden würdest, einen Beitrag nur aus „Pflichtgefühl“ oder auf eine wischi-waschi-Art zu kommentieren. Und ich denke, so etwas ist für ein Gespräch sehr, sehr wertvoll.
    Momentan freue ich mich sehr, wenn ich jemanden finde, der meinen Redeschwall erträgt, obwohl er oder sie selbst nur selten zu Wort kommt. Es ist also nicht unbedingt schlecht, wenn man in einem Gespräch weniger sagt, als sein Gegenüber. ;-)

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