#71 And I’ll call my first record ‚Untitled‘, too.

Ist es irgendwie nur für mich schwer, zu erkennen, wie viele Seiten Menschen haben, und wieso muss es so unpassend sein, in diesem Fall zu sagen, dass der Satz ein gutes Beispiel dafür sein könnte, weil.?

Ich meine, wenn ich etwas sage, dann steckt dahinter eine ganze Welt von Erinnerungen. Nur ein kleiner Satz, aber irgendwo mein gesamtes Leben. „Ich war in meiner Kindheit eher kränklich.“ ist für die meisten nur ein, „Diese Person war öfter mal krank,“ aber für den Betroffenen sind es Arztbesuche, und eventuelle Schuldgefühle, und Probleme, sich in seine Klasse einzufinden, und Probleme, zu lernen, wie man morgens aufsteht, und abends ins Bett geht.

Wenn ich sage, dass ich Angst vor Spinnen habe, dann heißt das für die meisten nur, dass ich eben Angst vor Spinnen hab, aber nicht, dass ich deswegen abends nicht schlafen kann, weil da ein Weberknecht in der Ecke sein könnte, der mir nachts in den Mund krabbelt. (Nein, bis eben gerade hatte ich davor keine Angst.. ;D)

Dass es, egal wie gut ich sie kenne, tausend Geschichten hinter meinen Freunden, und meiner Familie, gibt, von denen ich nichts weiß, und vermutlich auch nie etwas wissen werde, ist irgendwie so.. unvorstellbar. Und etwas seltsam, weil es doch schön wäre, alles über jeden zu wissen, und im Gegenzug nichts preisgeben zu müssen, das man ansatzweise als unangebracht betrachtet.

Möglicherweise ist es auch kindisch, nicht kindisch und naiv sein zu wollen, wenn man gerade neunzehn Jahre alt ist, und sich im 21. Jahrhundert befindet, oder eventuell unmöglich, nicht selbstbezogen davon auszugehen, nur selbst als ganze Person zu existieren. Oder vielleicht ist es nur eine neue Art, mich mit gegebenenfalls irrelevanten Dingen auseinanderzusetzen, anstatt etwas produktives zutun. Aber trotzdem lässt mich dieser Gedanke nicht in Ruhe.

Und ja, ich werd ehrlich sein: Mir geht es vermutlich größtenteils gar nicht um mein Gegenüber, sondern darum, ihn nicht gut genug zu kennen, um zu wissen, wie er worauf reagieren wird. Was, ja, einiges über mich und meinen Kontrollzwang aussagt. Trotzdem ist es auch darüber hinaus für mich mehr oder weniger mindblowing, darüber nachzudenken, dass es auf der Welt tatsächlich Menschen gibt. Und jedes Mal, wenn ich damit anfange, höre ich auch schnell wieder auf, denn irgendwie macht mich der Gedanke verrückt.

Musste aber mal raus.

So, bald 24 Stunden wach. ._. Wird lustig. Morgen  hätte ich Termin bei Frau K., glaube ich. Na mal sehen, ob ich das schaffe. Ich hoffe es zumindest.

Ist hier eigentlich jemand auf trakt.tv angemeldet? Bitte einmal Usernamen per ask rausrücken, damit ich Stalken kann. ;) Oh, und ich hab vorhin mein erstes Gif ge..giffed. Irgendwie ist es furchtbar, aber gleichzeitig so wunder-, wunderschön. Wanna see? Lookie, lookie!

Man kann echt nicht sagen, dass ich hier irgendetwas vorenthalten würde. Random shit, everywhere. >_<

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2 Kommentare zu „#71 And I’ll call my first record ‚Untitled‘, too.

  1. Die zehn Jahre erwachsenes Vertrauen, die mich verbinden mit meiner Frau, bekomme ich nirgendwo auf der Welt mehr geschenkt. Daher empfinde ich unsere Zivilisation beinahe als geisteskrank, sich für Zauber des Neuanfangs mehr zu begeistern, als für weniger spannende, aber lang gereifte Beziehungen.
    Nie werde ich ganz nachempfinden können, warum ein Mensch sich gerade erbricht. Meine Liebe sehe ich darin, ihm die langen Haare so zu halten, dass sie ihm dabei nicht ins Gesicht fallen, ihm den Rücken zu streicheln und ihm zu versichern, dass es okay ist, wirklich okay.
    Gefühle sind mir schon immer als solch zwielichtige Gesellen erschienen, dass ich mich weniger aufs Verstehen, als vielmehr aufs Handeln spezialisiert habe: Meine Launen kann ich meiner Frau nicht versprechen, aber ihr nicht von der Seite zu weichen, das steht in meiner Macht. Prinzipiell bin ich heute noch verblüfft über jede Erektion, wie die Verheißung einer Körperöffnung mich derart anmachen kann? 1994 bekam ich mitten in der Bahn einen Samenerguss, als zwei junge Frauen darüber philosophierten, wie sie sich nackt fotografieren lassen würden. Das Wissen darum nützt aber niemandem etwas, weil über allem mein Wille steht, mich eben von diesem Fühlen nicht leiten zu lassen. Obendrein mein Erlebnis wohl Beweis genug war, welch Schweinereien auf die warten, die ihrem Empfinden nachgeben.
    Ich schaue auf Taten! Was nützt mir das schönste Treuebedürfnis des Menschen, wenn in der Realität eine serielle Monogamie zu Buche steht, die mich sofort Abwinken lässt.

  2. „AN ALLE. Liebe Freundin, lieber Freund. Ein Jahreswechsel wie den übernächsten erlebt man nur einmal in 1000 Jahren, trotzdem wird es sein wie immer an Silvester, man nimmt sich was vor, aber es ändert sich nichts, es geht alles so weiter wie bisher. Wir sind wie Züge, die, auf Schienen gesetzt, nie oder selten entgleisen. Das ist ordentlich und beruhigend, aber auch tödlich langweilig. Die Richtung, in die wir so zwangsläufig rollen, haben wir uns nicht ausgesucht, sie ist vorgegeben, und zwar jede Kurve und jeder Stopp. Und der Zielbahnhof ist, das ahnen wir schon lange: das Grab. Dafür, dass wir in einem freien Land leben, ist das eigentlich ganz schön wenig. Wo sind unsere Wahlmöglichkeiten? Vielleicht werden Sie einwenden: Wir haben bei 160 TV-Programmen so viele Wahlmöglichkeiten, dass uns Hören und Sehen vergeht. Ich aber sage Ihnen, es vergehen Ihnen nicht nur Hören und Sehen, sondern auch sämtliche anderen Möglichkeiten, die in Ihnen schlummern. Die Wahl zwischen Fernsehkanälen hat den gleichen Haken wie die Wahl zwischen politischen Parteien. Sie wählen immer andere, nie sich selbst! Eigentlich komisch. Diese Gesellschaft beruht doch auf Privategoismus, warum wählt man dann nie sich selbst? Sie drücken Ihre Fernbedienung oder machen Ihr Kreuzchen, Sie wählen nicht, was Sie wollen, sondern das, was andere wollen. Ja, die müssen mir aber gefallen, sonst wähle ich einen anderen, werden Sie vielleicht sagen, aber das nützt Ihnen nichts. Sie können sich als König fühlen, um den sich alles dreht, aber in Wirklichkeit sind Sie ein Arbeitsloser, der dasitzt und zusieht, wie andere was machen. Deutschland ist zweigeteilt, in die, die fernsehen, und die im Fernsehen. Der Mensch ist, was er tut. Wer also nichts tut als fernsehen, ist auch nichts anderes als ein Fernseher. Falls er noch arbeitet, nützt ihm das auch nichts: Die Arbeit gehört der Firma und nicht ihm. Das heißt, eigentlich ist er gar nicht da. Aber das darf nicht sein. Das Volk kann doch nicht einfach verschwinden und das wahre Leben den Kunstfiguren überlassen! Deshalb fordern wir Sie auf: Gehen Sie auf Sendung! Machen Sie mal was! Was, ist egal. Hauptsache, Sie können es vor sich selbst vertreten. Natürlich wird es eine Pleite werden, wenn Sie selbst was machen. Aber eine Pleite, die von Herzen kommt, ist besser als eine Million, an der Scheiße hängt. Das nächste Jahrtausend kommt, mit Ihnen oder ohne Sie. Sie haben es in der Hand!“
    Christoph Schlingensief und Freunde, März 1998.

    Meine Meinung zu Trakt.tv ;-)

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