#68 I’m beyond repair, let me be. And give me back my broken parts.

Hab ja vor Kurzem darüber gesprochen, was ich so gelernt habe während der letzten Jahre. Was Anderes:

Menschen sind meistens scheiße. Damit meine ich uns alle, und vielleicht ist man auch depressiv, weil man realisiert, wieviel WorldSuck existiert, und inwieweit man dazu auch beiträgt. Menschen sind also im Großteil scheiße.

Es gibt darunter traurigerweise wirklich sehr viele, die aus einem so hohen Prozentsatz Scheiße bestehen, dass der Rest nur noch Haut sein kann, damit sie eben menschenförmig aussehen. Nein, mir ist heute kein Mensch entgegen gekommen, der so ist, und ich bin auch nicht aggressiver oder wütender als sonst, weswegen ich mich auch gerade jetzt hier hinsetze und schreibe. (Ein weiterer Grund wäre Procrastination.)

Es ist schon ein ziemlicher Teufelskreis. Als unsozialer Mensch hat man ja oftmals eine unglaublich hohe Erwartungshaltung, derer man sich auch durchaus bewusst sein könnte. Ich komme ja selten raus, weil ich einfach keinen Bock habe, mich zu viel in der Welt VOR meiner Haustür zu bewegen. Dementsprechend ist es also tatsächlich möglich, dass ich versuche, in der Zeit, die ich draußen verbringe, mein Defizit an Sozialitäten durch übermäßig intensive Treffen auszubalancieren. Gleichzeitig bin ich aber nicht in der Lage, Gespräche übermäßig lang am Laufen zu halten, und bin eher gelangweilt von den Dingen, die mir erzählt werden. Blahblah hier, blahblah da.

Eigentlich ist es sogar so, dass ich zwar etwas möchte, und auf etwas hoffe, aber nicht mal mehr weiß, wo es zu finden sein soll. Ich möchte Gespräche führen, mich mit Bekannten und Freunden treffen, mal mit einem Unbekannten ein Feuerzeug teilen, aber nach drei Jahren Mangel an Interaktion, kommt es mir so vor, als wäre das alles irgendwann einmal zufriedenstellender gewesen. Jetzt hat dieses Hallo, Wie Gehts, Tschüss keinen großen Effekt mehr, und ist den Weg bis zur Stadt nicht mehr wert. – Und ich lebe in einer ostdeutschen Kleinstadt, dh. man ist innerhalb einer Stunde von MacDonalds am einen Ende bis zum Tierpark am anderen gelaufen.

Und ich erkenne auch, dass das Dilemma hier ist, nicht zu wissen, was zufrieden stellen könnte, oder ob etwas zufrieden stellen kann. Selbstsabotage ist mir ja kein Fremdwort. Trotzdem, irgendwie muss doch da mehr sein?

Denn auch J. kann ich nur noch zuquatschen, und hoffen, dass sie zurückquatscht, und mit Mami kann ich mich nur über Mitt Romney und Krämpfe aufregen, aber am Ende des Tages ist davon nichts ansatzweise erfüllend.

Was jetzt sicherlich bedeuten könnte, dass ich mein Leben nicht nur mit Worten und Gesten meiner Mitmenschen füllen sollte, I know, aber dennoch sollten doch diese Dinge mehr zu meiner Stimmung beitragen, als sie das tun? Nun sind J. und Mami noch die beiden Personen, mit denen ich Gespräche führen kann, die es wert sind, den Mund geöffnet (oder auf die Tastatur eingeschlagen) zu haben. Darüber hinaus gibt es allerdings nur in der Blogosphäre Menschen, denen ich *gerne* eine Stunde gegenüber sitzen würde (wäre ich hübscher und intelligenter) – Was Alles in Allem für mich eine mehr oder weniger traurige Realisation ist.

Zu mal es mir vorkommt, als wäre es eigentlich keine neue Realisation, sondern eine der Ursachen, die mich in die Depression gedrängt haben: Eine chronische Unzufriedenheit. Und irgendwie ist es ja auch logisch, wo sie einem doch vor Augen führt, wie anders man ist, weil man nicht auf die gleiche Scheiße abgeht, die absolut gehaltlos ist. Oder vielleicht, weil man nicht zwanghaft versucht, irgendwo Inhalt zu finden. Oder weil man bei Sido’s ersten drei Alben mitrappen kann, und trotzdem Hesse mag. Oder weil man absolut kein Interesse an Beziehungen hat, aber trotzdem Paranormal Romance liest: Man passt halt nicht, hat dieses Bedürfnis, aber doch nicht, und blah.

Worauf ich ursprünglich hinauswollte, war allerdings etwas dezent Anderes. Auf Facebook habe ich ja nun letzte Woche mal erwähnt, etwas machen zu wollen, und mich mit Menschen getroffen. Von allen dreien war A. der Einzige, bei dem das Treffen befriedigend war: Man hat gesprochen, ist rumgelaufen, es wurde über mehr oder weniger wichtige Ereignisse aufgeklärt, und so war das in Ordnung. Aber im Zusammenhang mit meiner Facebook-Aktivität kam u.a. erneut die Frage von J.H. aus S., was ich denn nun täte, ob ich auf Parties ginge, eine Ausbildung habe, usw.

Nun liegt es auch immer daran, was für ein Mensch einem da gegenüber sitzt (metaphorisch. Es war eine Nachricht after all.) und ich weiß, dass diese Menschen sich sicherlich nicht alle 24/7 mit Depressionen oder anderen Krankheiten auseinandersetzen, nur ist es immer wieder auf eine schreckliche Art faszinierend, wie es mich wundert, dass die Menschen immernoch so sind, wie sie eben sind. Dass sie fragen, was sie fragen; sagen, was sie sagen; machen, was sie machen, und dass das alles so unglaublich.. nichts ist.

Letzenendes ist es klar, dass ich das menschliche Miteinander nicht mehr verstehe, während ich es aber immernoch möchte, was eine wenig produktive Kombination ist. Dennoch: Wie ist es möglich, dass die Leute einem weiterhin erklären wollen, dass man nur mal etwas raus solle, und glauben, es besser zu wissen. Nicht, dass man nach drei-vier Jahren Krankheitskarriere durchaus wüsste, was man da hat, und was hilft – und wann. 

Für mich ist es also (und das empfinde ich als traurig) irgendwo zu einem sinnfreien Erlebnis geworden, mich resozialisieren zu wollen, auch, wenn ich das weiterhin versuchen werde, und naiverweise auch weiterhin hoffe, dass ich etwas in einem anderen Menschen finde, dass mich für ein paar Stunden von dem Ticken in meinem Kopf ablenkt. Wäre eventuell möglich, würde ich nun in Berlin, Stuttgart, oder Hamburg wohnen, aber man wohnt ja im Harz.

Zurück zu dem, was ich gelernt habe: Menschen sind in Haut verpackte Scheiße, und das ist sicher nicht ihre Schuld, aber I’d appreciate it if they could take their shit and drop it on someone else. Und lustigerweise werden die Menschen, die mich kennen, sicher Ähnliches über mich denken. (Man versucht ja schon, sich die kindische Neigung, genervt zu sein, weil Andere genervt oder gelangweilt sind, abzugewöhnen, okay?) Und ja, ich gebe zu, dass ich sicherlich toleranter über sie denken würde (denken und nicht umgehen, cause I’d never call them on their bullshit) wenn sie mich einfach so lassen könnten, wie ich sie lasse, ohne, dass sie bereuen müssten, sich mitgeteilt zu haben.

Oh, und für die 30 Tage/30 Wetten Sache- Hat jemand Vorschläge? Mache vielleicht stattdessen aber auch 52 Wochen/52 Wetten, und will ein paar coole Sachen zusammenkriegen..

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2 Kommentare zu „#68 I’m beyond repair, let me be. And give me back my broken parts.

  1. „Wie haltet Ihr Euer Leben eigentlich aus?“ habe ich den Prediger eines evangelischen Jugendfestivals im Sinn. Viele kerngesunde Leben erklären sich dadurch, dass es Menschen gelingt, von einem Holzkreuz an der Wand Seelenfrieden zu erfahren wie nirgends sonst auf Erden. Statt real in einer Kleinstadt im Harz unterwegs zu sein, versprechen sie sich in tausend Farben ein Königreich, das nicht von dieser Welt ist.
    Ansonsten scheint es kaum einen Frieden ohne Alkohol zu geben. Vielleicht kennst Du „On the Road“ von Jack Kerouac. Er lebt beinahe alles aus an Menschen- und Reisefreude, wonach gerade Jugendliche sich sehnen, krepiert aber letztendlich am Suff, ohne den seine rasende Liebe zum Leben völlig sinnlos erschienen wäre.
    Vielleicht sollten wir Abstand nehmen von uns und unserem Wohlbefinden. Vielleicht sollten wir lieber schauen, was aus dem Scheißhaufen des Menschseins heraus Wundervolles erschaffen worden ist. Mich begeistert die Vorstellung, dass die Menschen von vor tausend Jahren unser Leben heute gar nicht fassen könnten, was für Fortschritte uns gelungen sind. Mich begeistert das schöpferische Potential des Menschen. Der Gedanke, mein Leben für kommende Generationen zu leben, ihnen etwas von Wert zu hinterlassen. Was früher Jesus Christus zugeschrieben wurde, vermögen wir bereits in gewissen Grenzen: Lahme wieder gehend zu machen und Blinde wieder sehend. Wie erst in tausend Jahren?
    Es ist ja auch so, dass Du mich hier nicht als Mensch begeisterst, sondern Dein Weblog wie ein Buch als Sache auf mich wirkt. Quasi halte ich mich an die Patricia, die Dich überleben wird, wenn das World Wide Web tatsächlich nichts vergisst.
    Statt die Launen Deiner Mitmenschen zu suchen, warum schaust Du nicht lieber nach ihren Werken?
    Tatsächlich sind E-Mails anstrengender als Treffen oder Telefonate. Aber warum soll ich in jemanden investieren, der jetzt schon Mühen scheut? Das wird mit den Jahren gewiss nicht besser.
    Sachen können wir verändern, unsere Mitmenschen eher nicht. Und so wie ich mich über platte Fernsehserien derart aufrege, dass ich mich daran versuche, bessere zu schreiben, findest Du vielleicht ein Werk unserer Gesellschaft, dass Dich so berührt, es besser machen zu wollen. Schöpferische Leidenschaft!

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