#65 Watching my youth slip away, it surely is a crime.

Mal ein Post, den ich seit einiger Zeit schreiben wollte, aber eigentlich  nur für mich.. Also privat oder als Entwurf. Dinge, die ich in den letzten Jahren gelernt habe, und die mir persönlich helfen, mit meinen Problemen umzugehen. – Falls jemand Dinge zu ergänzen hat, eine *Southern Accent* lovely anecdote sharen möchte, oder bestimmten Punkten widerspricht.. Kommentar hinterlassen! :)

Und ja.. hab einige Dinge ausgelassen, nicht genug spezifiziert, etc. 

1. Alles im eigenen Tempo. 

Natürlich sollte man sich seinen Problemen stellen, aber was der Rest der Welt für den richtigen Augenblick hält, ist vollkommen egal. Manchmal hat man nicht die Zeit oder Kraft, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Es aufzuschieben ist kein Verbrechen, sondern m.E. ein Recht, das wir alle besitzen und nutzen sollten. 

2. Ehrlichkeit uns selbst und Anderen gegenüber wird höchstwahrscheinlich auf lange Sicht niemandem schaden.

Stattdessen ist es in vielen Fällen sogar produktiv und dementsprechend wünschenswert. Wenn es mich stört, dass Mami es nicht schafft, Zwiebelmet ordentlich aus der Packung zu drucken (dh. von hinten nach vorne, sodass man es dann zusammenpappen kann..), dann sollte ich ihr das wohl sagen. (Consider it done now*)

Und wenn ich mir selbst nicht ehrlich eingestehen kann, dass ich nur zu faul zum Aufräumen bin, anstatt depressiv, dann werd ich auch da nie etwas dran ändern können, was peinlich werden würde, würde mich jemand besuchen.

3. Protokolle und Listen können zwar weh tun.. Aber helfen können sie auch.

Wenn man weiß, was man wann getan hat, wann man krank war, welche Medikamente man genommen hat, und wie diese Dinge unsere Stimmung beeinflusst haben, dann kann das manchen Personen helfen. Wenn man sich aber derzeit in einem depressiven Loch befindet, und es nur frustriert, diese Dinge zu machen, dann sollte man die Idee vielleicht noch einmal überdenken. 

Eine Datei auf dem PC (oder eine Seite im Notizbuch) zu haben, auf der man listet, was für Dinge man machen könnte, wenn einem langweilig ist, oder auf der man Alternativen zu bestimmten Aktivitäten hat (Ich will nicht joggen, aber ich gehe dafür abc km, also xyz Schritte von a nach b), oder sogar Belohnungen (denn die sind nicht nur was für Hunde), kann tatsächlich helfen:

Wenn man traurig ist, fallen einem oft keine Dinge ein, die man tun könnte, um sich evtl abzulenken. Ich persönlich hab auch das Problem, dass ich mir spontan gerne mal ein Glas Nutella reinziehen möchte, und mich dann eine Woche schlecht fühle, weil ich eine Yogurette gegessen habe. Wenn ich aber schon weiß, dass ich mir diese fucking Yogurette „gönnen“ darf, dann habe ich kein schlechtes Gewissen, sondern kann es tatsächlich sogar genießen. 

Listen, alter.

4. Entscheidungen > Ausreden

Mir persönlich fällt es leichter, mit Situationen umzugehen, wenn ich mich für diese entscheide. Einmal habe ich so weniger Ausreden, andererseits bereue ich selten Dinge, die ich aktiv getan habe, oder für die ich mich bewusst entschieden habe. Es ist zwar oft unmöglich, das wählen zu können, das man wählen möchte, aber in den meisten Situationen haben viele von uns noch irgendwo eine Wahl, und sollten diese optimal nutzen. (Und wenn es heißt, dass wir entweder Anti-Depressiva nehmen sollen, oder in eine Tagesklinik, oder den Therapeuten wechseln, dann ist das vielleicht scheiße, aber.. Irgendwo immernoch eine Entscheidung.)

Es ist im Übrigen auch hilfreich, zu wissen, WAS man will… Aber das muss man nicht sofort herausfinden, hoffe ich. oô

5. Gesund essen und schlafen wirkt traurigerweise tatsächlich Wunder.

Ich versuche zur Zeit, meinen Zigarettenverbrauch zu reduzieren, und keinen Kaffee mehr zu trinken. Wie sich das auswirken wird, weiß ich noch nicht, aber es gibt einige Studien, und auch persönliche Erfahrungen, die indizieren, dass gesund zu leben uns auch psychisch stabiler machen kann, und die Höhen und Tiefen etwas abflacht. Außerdem ist es ein Erfolgserlebnis, zu sehen, dass man nicht mehr hustet und heult, wenn man den Einkauf hochgetragen hat.

Über gesundes Schlafverhalten darf ich nicht viel sagen, fürchte ich. Allerdings habe ich es jetzt ein paar Wochen einigermaßen durchstanden, und es hat mir tatsächlich geholfen. Zwar hatte ich auch davor gute und schlechte Momente, aber wenn man dann wach ist, wenn auch der Rest der Menschheit aktiv ist, kann man sich in negativen Phasen besser ablenken, und positive besser ausnutzen. 

6. Es gibt Dinge, die sind in Ordnung, auch, wenn sie seltsam auf dem Lebenslauf aussehen würden.

Keine schnellen, sichtbaren oder generell existenten Fortschritte zu machen, zum Beispiel. Oder Hilfe wollen/brauchen. Oder keinen Bock haben. Oder Dinge zu wollen. Oder Dinge zu machen, die toll sind, und Dingen aus dem Weg zu gehen, die scheiße sind. 

7. Pläne sind doof, Strategien sind cool.

Früher habe ich gerne eine excel Datei geöffnet, Uhrzeiten eingetragen und dann aufgeschrieben, was ich wann zu erledigen habe, was ich esse, und so weiter. Sobald ich nur eine Sache nicht geschafft habe, war der Plan im Eimer, oder ich zumindest stark frustriert, weswegen ich dann ab dort alles liegen lassen hab, mich ins Bett gepackt, und der Welt den Finger gezeigt. – Wenn man stattdessen bestimmte Richtlinien und Strategien hat, und nur Dinge wie den Einkauf, den Kinobesuch ‚irgendwann nächste Woche‘, oder das Abendbrot plant, dann ist es leichter, mit spontanen Stimmungsschwankungen umzugehen.

Außerdem bringt es auch hier etwas, immer Alternativen zu haben. Vielleicht wollte man zwei Mal die Woche zum Cardio, aber wenn man Patricia heißt, dann hasst man Cardio, und macht stattdessen lieber weiter Muskeltraining, oder stretcht. Wird vielleicht nicht dieselben Ergebnisse hervorrufen, aber ganz zum Schluss habe ich ein ähnliches Ergebnis erreicht: Ich hab etwas für meine Gesundheit getan. Vielleicht wollte man sich am Mittwoch mit einer Freundin treffen und shoppen, aber die sagt ab. Stattdessen irgendetwas anderes Soziales zu machen, wird vermutlich nicht schaden. You get the point. 

8. Druck ist nicht für jeden etwas.

Ich weiß, es gibt die Schüler, die nur unter Zeitdruck arbeiten können, und in bestimmten Fällen geht es mir da genauso. „Ich hab solang ein Motivationsproblem, bis..“ – Aber wenn es um die eigene Gesundheit, oder generell das eigene Leben geht, dann lässt einen der Gedanke, dass man 30 ist, und noch nicht verheiratet, jubeln eventuell einfrieren. 

Die Therapie ist in vier Wochen zu Ende? FUCK BIS DAHIN WERD ICH DOCH NIE GESUND OMG UND DANN MUSS ICH ARBEITEN HILFE FUCK AAH! Der Fortschritt, der die 5 Monate davor gemacht wurde? Weg. 

Trotzdem sollte man sich bestimmte Ziele setzen, falls man merkt, dass man dazu in der Lage ist. (Und wenn man es nicht schafft, dann ist das.. dumdum, in Ordnung.) Gerade ist mein Ziel, bis zum Ende des Jahres dazu zu kommen, maximal 10 Kippen täglich zu rauchen. Außerdem würde ich gerne wirklich vom Kaffee wegkommen, und mein Zimmer umstreichen. Ich hab mir außerdem vorgenommen, zu versuchen, in einem der Stadtparks rumzusitzen und Menschen abzumalen, damit ich.. naja, besser damit klarkomme, unter Menschen zu sein, die urteilen könnten; und irgendwann alleine einzukaufen, ohne mit Schnappatmung rauszurennen, und Alpträume zu bekommen. o.o 

In kurz: Man sollte sich nicht drängen, aber hängen lassen ist auch nicht bombig. (Womit wir wieder zurück zu 1. kommen.)

9. Manche Menschen sind okay.

Ist vielleicht schwer zu glauben, aber manche sind es echt. Nicht perfekt, nicht 24/7, aber ab und zu? Jop. Außerdem ist es auch ab und an hilfreich, sich bewusst zu machen, dass man nicht der Nabel der Welt ist (vielleicht der Nabel der eigenen Welt, aber..) denn dann wird klar, dass K. einem nicht deswegen nicht vom Blah-Konzert erzählt hat, um einen zu ärgern, sondern, weil er einfach nicht die ganze Zeit an einen denkt. – Und man selbst hätte einen ähnlichen „Fehler“ sicher auch machen können. 

10. Present Self & Future Self > Past Self

Was ich jetzt tue, prägt das, was ich später werde, und ist wichtiger als das, was ich einmal war. Natürlich habe ich Fehler gemacht, und es gibt Dinge, für die ich mich schäme, die ich bereue, oder die ich total klasse fand… Aber all diese Dinge sagen maximal, WIESO ich jetzt so bin, wie ich bin. Nicht, WER ich bin. Mir fällt es wirklich schwer, nicht stehenzubleiben, wenn es um die Dinge gibt, die mal passiert sind. 

11. Es gibt bestimmte Dinge, die man eventuell aufgeben sollte.

Abwarten wäre u.U. ein solches Ding. Oder die positiven Dinge übersehen. (Oder denken, dass man persönlich angegriffen wird, wenn Menschen sagen, dass man weniger pessimistisch sein soll. Oder dass sie selbstgerecht sind, und offensichtlich keine Ahnung haben, wie sehr man leidet. – Die Person kennt dich nicht. Offensichtlich weiß sie nicht, worunter du leidest. Trotzdem ist es möglich, dass du aufgrund deiner derzeitigen Situation pessimistisch bist, und das ab und an die Ursache ist, wieso Dinge schief laufen, die nicht schief zu laufen haben.) Oder zu sehr in der Zukunft und Vergangenheit leben. Oder zu sehr in der Gegenwart. Oder generell. 

Es kommt sicherlich darauf an, wo man gerade ist, was man gerade tut, und wer man überhaupt ist. Sich an eine Liste wie diese halten zu wollen, ist sowieso eher schwachsinnig, weil das alles Punkte sind, die nur auf mich und meine DERZEITIGE Situation zutreffen. ZUR ZEIT gibt es Dinge, die mich dankbar machen. ZUR ZEIT hilft es mir nicht, zu sehr zu träumen, eben, weil die Gegenwart in Ordnung genug ist, um sich ihr zu stellen. ZUR ZEIT bin ich in der Lage, Dinge zu tun, die mir früher nicht möglich gewesen sind. 

Manchmal MUSS man eben abwarten, bis sich die Situation ändert, hat keine Macht darüber, und ist besser dran, wenn man in Fantasiewelten lebt. Wichtig ist nicht, ob man geht, wie schnell man geht, in welche Richtung man geht, was man dabei tut, wo man ankommt, ob man ankommt, ob man meinen Post gelesen hat, einen eigenen schreibt, darüber nachdenkt, nicht darüber nachdenkt, kommentiert, ein Lied singt, Dinge macht, die einem gut tun, Dinge macht, die einem schlecht tun, Dinge macht, Dinge nicht macht. 

Und nein. Ich hab keine Ahnung, was stattdessen wichtig ist.

YAY.

*Hab ich ihr auch schon mal gesagt, als wir noch in der S.-Straße gewohnt haben.. Also so mit 12, als sie schwanger war.. Wieso sie sich nicht daran erinnert. Tze, tze. (ICH war 12. SIE war schwanger. Nur, damit das soweit klar ist.)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

Ein Gedanke zu „#65 Watching my youth slip away, it surely is a crime.“

  1. Vielleicht fehlt Dir für Deine Probleme bloß ein Rosenkranz oder eine Mala?
    Mir wurde ziemlich unwohl, als ich heute die Schwärmerei eines tibetischen Lama las für den Meister seiner Kindheit: „Wäre ich ihm nicht begegnet, wäre ich ein völlig anderer Mensch geworden.“
    Möglicherweise ein Mensch, der krank ist vor Angst und so verzweifelt, aller Welt den Finger zu zeigen?
    Da fühlte ich mich am Morgen bei Lester Burnham eindeutig wohler. Seine Art, sich der Schönheit und Ewigkeit des Lebens anzuvertrauen, entspricht mir wesentlich mehr.

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