#52 Do what you want, cause, who knows, it might fill me up.

6. August

In meiner depressiven Karriere, aber vermutlich auch prinzipiell als Mensch, befinde ich mich oft in Situationen, in denen meine Hilflosigkeit, und ehrlicherweise auch meine bewusste Entscheidung, ein Opfer zu sein, und passiv zu bleiben, dazu führt, dass ich in einer ständigen Defensive spiele, oder eine Erwartungshaltung habe, die grundsätzlich ungesund ist.

Diese Erwartungshaltung ist nicht einmal durch irgendwelche naiv-hoffnungsvollen Träume gekennzeichnet, sondern ganz im Gegenteil durch oben erwähnte, vielleicht von Anderen als pessimistisch betrachtete, Hilflosigkeit und Passivität: Ich kann nichts ändern, ich kann nichts machen. Ich bin gefangen, ich bin machtlos. Und natürlich fordert diese Haltung gerade dazu auf, mit „Tu was du willst, es bringt entweder nichts, oder eben doch.“ zu folgen.

Eine chronische Lethargie und ein an Somnolenz grenzender Geisteszustand. Wie wichtig nimmt man sich noch, wenn man sich so wichtig nimmt, zu denken, dass nichts veränderbar ist? In meinen intensivsten Phasen, nehme ich mich als Fixpunkt wahr, und kooperiere nur aus Faulheit nicht, während ich in meinen gesünderen Phasen aus Selbstschutz oder Langeweile dicht mache, wenn in der Therapie das Wort Vergangenheitsbewältigung fällt, und mir einbilde, ein Blatt im Wind zu sein, oder ein kugelachsiger Lego-Arm.

Wenn Therapeuten also davon sprechen, dass ihre Patienten nicht responsiv genug sind, dann frage ich mich, was genau sie denn erwartet haben. Entweder es besteht ein generelles Desinteresse, oder Angst. Das Wissen, dass man letzenendes ein Mensch ist, dementsprechend also irgendwann tot, treibt einen da sogar noch an: Entweder es entsteht ein erstickender Druck, denn „Wenn ich nicht bald gesund werde, habe ich mein Leben verpasst“, oder es stellt sich die Frage, wieso man denn eigentlich sollte, immerhin „Endet es doch sowieso alles gleich.“

Die Tatsache, dass unser Leben nur über unseren Einfluss, unsere Reichweite und soziale Kompetenz, Wert gewinnt, und letztenendes durch Faktoren bestimmt wird, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, dementsprechend beinahe in den Sternen geschrieben steht, lässt immer wieder die Frage aufkommen, ob, in all der Trivialität, die einzelnen Errungenschaften noch von Bedeutung sein können. Immerhin müsste man sich auch nicht zu verteidigen wissen, wenn es keinen Kampf gäbe. Wieso also leben, wenn es nur ums Leben selbst geht, und dahinter nichts steht?

Und wieso sollte es dann stören, vom Rest der Menschheit als kindisch kategorisiert zu werden? Immerhin existiert die Menschheit nur, weil sie existiert.

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4 Kommentare zu „#52 Do what you want, cause, who knows, it might fill me up.

  1. Wäre ich jung wie Du, wäre Dein Busen mir wohl erstmal Sinn genug. Ja, damals träumte ich mich zum Helden, der triumphal einzog in wechselnde Frauenzimmer. „Eroberer“ wollte ich sein. Wie im Kino. Möglich, dass ich mit 19 für einen Frauenkörper mein Leben verscheuert hätte.
    Während Du tatsächlich kaum mehr tun kannst, als Deine körperlichen Reize zur Schau zu stellen und zu hoffen. Als hätte unsere Gesellschaft Dich bewusst „leer“ gehalten, damit ein Mann Dich mit SEINEN Träumen füllen kann. ER will in Südfrankreich eine Tauchschule gründen, Du lernst begeistert Tauchen und Französisch. Im Grunde bist Du so wie Du bist perfekt. Eine durchaus dornige Blume, die gepflückt sein will. Frage Frau K. doch mal, ob sie auch bei Dornröschen darauf gedrängt hätte, dass es sich endlich einen Job sucht?

    1. „Wäre ich jung wie Du, wäre Dein Busen mir wohl erstmal Sinn genug.“ – Wärst du ICH, oder wärst du eine Person in meinem Alter, die mich kennt? Ich nehme an Letzteres, aber..

      Ich glaube, Frau K. ist sich nicht ganz bewusst, dass sie mir einen Job aufdrücken möchte. Ich muss noch irgendwie meine Wortkotze so komprimieren, dass ich ihr in zwei Sätzen erklären kann, dass sie a. sehr wohl ständig darauf fixiert ist, mich arbeitsfähig zu kriegen, da das das offizielle ZIEL der Therapie zu sein scheint. Nicht gesund sein, sondern funktionieren. Und dass sie b. wenigstens dazu stehen könnte, da alles andere einfach traurig ist. *le sigh*

      Ich glaube, ich wär ein schönes Dornröschen, aber Belle wäre ich irgendwie lieber.. Die muss nicht nur nichts machen, sie darf ab und zu eben schon noch. : D

      1. Will ich Dich jemals verstehen, muss ich mich wohl so gut wie möglich daran erinnern, was mich mit 19 vorwärts trieb. Und die Aussicht, Deinen Busen berühren zu dürfen, wäre mir wohl Sinn genug gewesen für viele Heldentaten. In der Phantasie wohlgemerkt. Tatsächlich hätte die Chance, Dich vielleicht zu beeindrucken, mich weder zum Führerschein verleitet noch zum Rauchen. Aber Dein Vorhandensein auf dieser Welt hätte wohl jede weitere Sinnsuche entbehrlich gemacht.
        Vielleicht hätte ich mich mit 19 in Romanen verloren wie Du, wäre im Nebenzimmer ein Vater gewesen, der wegen einer Angststörung erwerbslos daheim saß. Stattdessen wurde ich groß mit Comics von Superhelden, wo bloß Schurken sich verbündeten, während der Held alleine siegte.
        Frau K. möchte schon gerne, dass Du wie Frau K. wirst, damit das Dornröschen in Frau K. nicht zu stark wird. Im Grunde lebst Du wie eine junge Adelige zur Zeit von Jane Austen, bloß einen Mann weit von einem geachteten Leben entfernt: Literatur, Musik, Sprachen… Und statt dem fröhlichen Hin und Her zu Pferde jetzt eben der Führerschein. Eigentlich, eigentlich fühlt sich das nicht schlecht an.

        1. Ich glaube, du hast dir selbst schon erklärt, wieso es sinnlos ist, zu versuchen, sich dadurch in mich hineinzuversetzen, indem du zurückdenkst, wie es war, als du 19 warst.

          Das Thema Austen hatte ich vorhin noch mit Mami. Eigentlich ist Austen doch reine Guilty Pleasure. Einerseits lesen dürfen, dass Frauen nicht arbeiten, weil es in dieser Era eben so war, dementsprechend eventuelle Bequemlichkeit ausleben, andererseits aber vergessen, dass es eben tatsächlich eine andere Era gewesen ist. Mhe. Austen.

          (Gut, ich kann schlecht vergleichen, weil ich keine Liste deiner Lieblings- und Hasscomics habe.. Dementsprechend.. Aber ich verlier mich nicht wirklich in Roman.. Beziehungsweise, doch, schon, aber. Ich verliere mich in Pop Culture, während ich sie insgeheim verfluche – Firefly, One Piece und seltsamen Vampirromanen, Doctor Who, Castle, Sherlock und Teen Wolf, Musikern, deren „Musik“ mir egal ist, solang die Lyrics rocken, Vloggern, Webcomics, Tumblr. (Das habe ich schon vor der Erkrankung meiner Mutter getan, denn wenn ich mich richtig erinnere, wurde erst ich schwergradig depressiv, dann sie psychisch krank.))

          Übrigens – Bilder veröffentlicht. Demnächst such ich mal nach alten Texten. : D Kann nur furchtbar peinlich werden. :D

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