#51 Well I can tell that this is gonna hurt like hell, but there’s just something about surviving that can make a person feel alive.

Whoops. Wie immer ohne Korrekturlesen veröffentlicht, aber diesmal echt ein paar mega Fehler reingehauen. Sorry.

Ich glaube, in Kombination mit dem derzeitigen Titel des Blogs (für spätere narzisistische Phasen, in denen ich alte Artikel erneut lese, mich aber nicht mehr an Blogtitel erinnern kann: It’s a fine romance, but it’s left me so undone) kommt der Titel dieses Artikels ziemlich gut.

Vor Monaten haben Mami und ich einmal ein ziemlich interessantes Gespräch geführt – obwohl unsere Gespräche meistens sehr unterhaltend und interessant sind – und es ging u.a. darum, dass ich mich teils auch deswegen glücklichschätze, depressiv geworden zu sein, weil es.. Effekte hat, die nicht ausschließlich negativ sind.

(Da fällt mir gerade wieder der Text von Jonathan Franzen ein, den Kathrin vor langer Zeit einmal hier geteilt hat. Nicht, dass es hauptsächlich um Krankheitsgewinne ginge, aber darum geht es auch mir nicht. Fiel mir nur in dem Zusammenhang irgendwie ein.. Wer weiß, wieso.)

Die gesamte Thematik ist unglaublich kompliziert darzustellen, weil sie an sich so simpel ist, wenn man sie lebt, und so substanzlos, wenn nicht: Menschen wollen grundsätzlich etwas hinterlassen, etwas finden, etwas sein. Je mehr man lebt, desto mehr realisiert man, dass es dafür verschiedene Möglichkeiten gibt, aber zum Schluss sehen die meisten nur folgende zwei Optionen: Familie oder Karriere.

Aus den verschiedensten Gründen passen manche aber nicht in dieses Raster, und je länger sie sich außerhalb befinden, desto schneller geht es, sich in dieser Rolle zu sehen. Und letztenendes ist es akzeptabel, denn es ist eine Rolle in dieser Gesellschaft, und auf eine sehr verdorbene Weise hat man sein Ziel dann eben doch noch erreicht.

Man ist aber als Einzelner immernoch bis zu einem gewissen Grad beweglich, und kann seiner Stellung mehr oder weniger Wichtigkeit zuordnen, sich dynamisch verhalten und verändern. Man bewegt sich in seinem Kasten, und hat ab und zu die Möglichkeit, eine neue Position einzunehmen, oder sogar aus diesem Kasten in einen neuen zu gelangen.

So betrachtet ist es also zumindest in Deutschland nicht unmöglich, als depressiver ein Leben zu führen, dem zumindest nicht an Oberflächlichkeiten mangelt. Während man also eine gewisse Zufriedenheit, wenn auch nur hygienische, sein eigen nennen kann, ist sich vermutlich jeder irgendwo bewusst, dass es nicht das Gelbe vom Ei ist. Wieder ein typisch menschlicher Zug: Chronische Unzufriedenheit.

Diese chronische Unzufriedenheit ist bei den meisten Depressiven m.E. stärker ausgeprägt, weil sie sich isolieren und mehr Zeit damit verbringen, die Welt und sich selbst zu beobachten und sich eventuell Gründe zurechtzulegen, warum sie tatsächlich kein aktiver Teil sein möchten. Aus den verschiedensten Gründen befindet sich das Depressivon meistens in der ambivalenten Position, in der es nicht dazugehören möchte, denn das kann es nicht, und das wäre unmöglich, aber doch eigentlich gesund sein will.

Der eigentliche Genesungsprozess würde aber einem Langzeitdepressivon etliche Charakterzüge stehlen, oder nicht? Es geht hier nicht darum, ob stattdessen andere gebildet werden. Gibt es denn eine Rehabilitationsanstalt für Ent-Depressivierte, zur vollständigen Integration in die Gesellschaft? Denn keine Depressionen mehr zu haben, entbackt uns nicht: Das Krankheitsbild hat mittlerweile einen Großteil der Persönlichkeit eingenommen, und der Alltag zwingt das Depressivon doch auch teils dazu, in diesem Rahmen zu denken und handeln: Um nicht an einem schlechten Gewissen zu leiden, wird sich immer wieder bewusst gemacht, dass man eben depressiv ist.

Eine Depression ist aber nicht ein einziger Teil der Persönlichkeit, der einfach und sondiert angesehen und werden kann, sondern eine abstrakte Krankheit und Störung, die jeden Teil des Depressivons beeinflusst. Dementsprechend kann man nicht auseinanderhalten, was nun „der Mensch selbst“ tut, und wozu er Mensch durch seine Erkrankung gezwungen wird.

Worauf ich hinaus möchte: Anders als bei einer Erkältung, werde ich nach einer Depression nicht wieder zu meinem alten Ich zurückfinden können, zumal ich in einer Phase meiner Entwicklung depressiv geworden bin, die prinzipiell schwierig ist.

Um in der Depression zu überleben, entwickelt man mit der Zeit Strategien. Man verbringt Tage damit, zu träumen, wie man leben würde, falls. Man schläft überdurchschnittlich viel oder wenig. Man macht sich mit Substanzen bekannt, die man nicht kennen sollte. Man verändert seine Denkmuster. Und all diese Dinge tut man, eventuell aus Selbstschutz, meist unterbewusst. Man verbackt sich, und vergisst, was man getan hat. Man wird nicht mehr zu dem süßen kleinen Keks, der man vor seiner Depression war. Und will man das?

Denn -und das ist der Punkt, auf den ich eingehen muss, bevor ich eigentlich zum Schluss komme- es gibt Dinge, die sind so unglaublich hässlich, asymmetrisch und verdorben, dass sie uns nicht mehr loslassen. Manchmal fühlt sich eine Depression so an.

Und wie kann ich etwas von mir weisen, das ICH ist? Wie kann ich etwas, das mich so ausmacht, einfach versuchen, zu verscheuchen? Wenn mittlerweile alles, was ich bin, was ich liebe und hasse, was ich gut und schlecht finde, von meiner Depression geprägt ist, wenn sie mein Ersatzelternteil ist, dann wird es schwer, loszulassen.

Und wenn der Gedanke, wie erfüllend es sein könnte, das zutun -wie verzweifelt ich wäre, ohne sie- der Grund ist, wieso ich es vielleicht versuchen möchte, dann beweist es, wie weit mein Weg noch ist, bevor ich tatsächlich jemals in die Nähe eines Strohhalms komme.

Die Heilung meiner Depression würde eine Depression auslösen. Macht das Sinn? Denn so fühlt es sich manchmal an. Und darauf wollte ich hinaus:

Wenn man alles damit verbindet – Alles Schlechte und Gute, wenn Leben und Sterben dasselbe werden, dann wird es wirklich schwer, weiterzugehen, und sich selbst für so unwichtig -oder wichtig genug- zu nehmen, dass man nicht umkehrt und rennt.

Und Memo an mich selbst: Buddhismus, ständiger Tod, Persönlichkeit jede Sekunde, Leberflecken, alle sind dumm.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

4 Gedanken zu „#51 Well I can tell that this is gonna hurt like hell, but there’s just something about surviving that can make a person feel alive.“

  1. Vielleicht kannst Du Dir vorstellen, wie Dein Denken sich verändert hätte, hättest Du einen „Marschbefehl“ an den Timmendorfer Strand erhalten. Berufsbildungswerk. Gemeinschaftsunterkunft. Letzte Chance. Das Resümee von Miss Ann Thropy beeindrückt mich jedenfalls gewaltig, wie unser HANDELN unser Denken und Empfinden beeinflusst.

    1. Das Thema habe ich oft mit Frau K. und hatte es auch bereits mit Frau.. was war ihr Name? Meine Psychologielehrerin in der 9. und 11. Klasse. M! Frau M! Kognitive Umstrukturierung, blah, und eben auch, in wieweit Gefühle, Gedanken und Handeln sich gegenseitig beeinflussen.

      Manchmal muss man einfach in den Strudel reinkloppen, und hoffen, dass es aufwärts geht. Wie dem auch sei, da ich seit zwei Jahren regelmäßig Protokolle auszufüllen habe, mein Denken umstrukturieren soll, und mit positiven Aktivitäten an den Punkt kommen, an dem ich schreie, „Ja, die Welt ist klasse! Das Leben ist lebenswert!“ – Das funktioniert sicher in manchen Situationen für manche Leute in manchen Fällen, aber für Andere dauert es länger. Genau wie Frau Koch verzweifelt, und seit Wochen immer wieder erwähnt, dass Verhaltenstherapie halt nicht für jeden klappt. ;)

      Ich finde Miss Ann Thropys Posts generell immer sehr klasse, aber ich glaube, es gibt Dinge, die man nur für sich lesen kann, und nur als Einzelfall betrachten, weil Situation und Persönlichkeit einfach nicht zusammen mit Lösung übertragbar sind.

      Um aber mal präziser auf dein Kommentar einzugehen: Ja, das kann ich. Ich wär durchgedreht und hätte einen kleinen Nervenzusammenbruch a la Januar 2010 gehabt. Denn mit Befehlen und Druck komm ich gar nicht klar. ;) Aber, wenn es einfach nur um eine Situation geht, die zwar stressig ist, aber in der ich immernoch die Freiheit habe, Nein zu sagen, und für die ich mich selbst entschieden habe -was in meinen Umständen eben nicht möglich ist- dann wäre es sicherlich möglich, dass mich das positiv beeinflusst hätte. Traurigerweise ist es viel mehr möglich, dass das genaue Gegenteil passiert wäre, aber darum geht es erst einmal nicht.

      1. Anfang der 1990er habe ich den „Weiblichkeitswahn“ von Betty Friedan gelesen. 1963 geschrieben. Eine Anklageschrift, dass junge amerikanische Frauen regelmäßig bloß im Kopf hätten, möglichst am letzten Schultag noch zu heiraten und fortan in einer Neubausiedlung als Hausfrau zu leben.
        Aber vielleicht wäre genau dieser Zeitgeist Deine Erlösung:
        Ein Ehemann, der stolz darauf ist, dass Du es nicht nötig hast arbeiten zu gehen. Wie fühlt sich diese Vorstellung an, Hausfrau unter Hausfrauen zu sein?

        1. Auch wenn ich kritisiere, dass es heutzutage unmöglich ist, Frau zu sein, und außerhalb Texas und Bayern auch noch Hausfrau, wäre es mir grundsätzlich egal, ob der Rest der Gesellschaft mich nun Rabenmutter schimpft, weil ich meinen Kindern nicht vorlebe, dass man zu arbeiten hat.

          Einen Ehemann, oder eine Frau, die nun stolz auf sich selbst ist, ist sicher nicht schlecht, aber wirklich erfüllend scheint mir das Ganze ebenfalls nicht, denn jetzt lebe ich auch in einem Haushalt, in dem ich die Einzige bin, die sich daran stört, nicht arbeitsfähig zu sein.

          Was ich scheinbar in früheren Artikeln nie wirklich deutlich gemacht habe, ist, dass diese Ideen alle irrelevant sind, weil ich mich vor der Aussicht Ehe und Beziehung fürchte. Und damit meine ich nicht, dass ich irgendwelche Bindungsängste hätte, sondern, dass ich tatsächlich einfriere, wenn mir Menschen zu nahe kommen, aggressiv werde, wenn man mir in den Nacken atmet, ungern umarme und so weiter. – Natürlich würde ich nichts dagegen haben, einen Menschen für mich zu haben – egal, wie sehr es mich kratzt, dass ich diese „Meins“-Attitüde mit dem Großteil der Welt teile, wo ich es doch besser weiß – aber ich glaube nicht, dass demnächst ein Mensch vom Himmel geflogen kommt, der Alles an mir klasse findet, dessen Gedanken ich lesen kann (dementsprechend als Kontrolle habe – Vertrauen existiert in meiner Welt nicht) und der geduldig genug ist, um mit meinen Macken klarzukommen. Genauso wenig werde ich erwachsen werden und akzeptieren, dass zu Beziehungen Vertrauen und Kompromisse gehören, und dass ich dafür arbeiten muss, bereit zu sein, genauso, wie ich lernen muss, mit Schmerz umzugehen.

          Von daher, wieso darüber nachdenken, ob ich gerne Hausfrau wär. Klar, wieso nicht? Keine Arbeit, jemanden, den ich bestenfalls liebe und er mich zurück, ein paar Kinder, die irgendwann ebenfalls depressiv werden.. Find ich nicht schlecht. Hausfrau unter Hausfrauen? Vermutlich eher nicht, aber immernoch möglich. Neubausiedlung? Ungern. Aber was ändert es an meiner Situation?

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