#46 All day I’ve been wondering, What is inside of me? Who can I blame for it? I say it runs in the family.

Erstens, man sollte mir unbedingt auf tumblr folgen, weil ich klasse bin.

Zweitens, wer dachte, dass er je ein Buch von mir lesen wollen würde, wird nach diesem Beitrag sicher anderer Meinung sein..

Drittens, ich hab etwas, worüber ich nachdenken möchte. Da Nachdenken für mich scheinbar nur dann möglich ist, wenn ich meine Gedanken semi-synchron auf die Tastatur einhaue, gibt es also mal wieder einen vermutlich eher langen Post über Zukunft, Pläne, Wünsche, Therapie, Fehler, und Kakteen. Kakti. Die Pluralform von Kaktus. (Edit: Ich hab gelogen.)

Die Therapie nähert sich ihrem Ende. Meinen nächsten Termin habe ich erst wieder im September (denn Frau K. hat offenbar Real Life und heiratet) aber danach gibt es nur noch fünf oder sechs restliche Therapiestunden in zweiwöchentlichem Abstand, was bedeutet, dass ich noch so drei Monate übrig habe. (Zwischendurch ist ja doch mal Ausfall.)

Gestern hat sie mich deswegen gebeten, darüber nachzudenken, was ich vorhabe, mir vorstelle, und ob ich die Therapie weiterführen möchte -was bei der Krankenkasse beantragt werden müsste- oder nicht.

Glücklicherweise befinde ich mich derzeit in einem Zustand, der mich nicht zu einer resoluten Abwehrreaktion gezwungen hat. Zumindest nicht innerlich. In den letzten Wochen habe ich auch realisiert, dass es nicht wirklich ein Mangel an Frau K.s Fähigkeiten ist, als der Fakt, dass ich zwar viel mit ihr rede, und ihre Fragen beantworte, oder von mir aus Dinge anspreche.. Aber zum Schluss trotzdem nichts sage.

Wie dem auch sei, es geht mir derzeit gut genug, um zu versuchen, etwas kooperativer zu sein, als ich es m.E. in der Vergangenheit gewesen bin. (Wenn auch meist unbewusst.)

Damit das Ganze nicht zu unübersichtlich ist, vergewaltige ich hier mal die Header-tags und englische Sprache. So sorry.

1. Wishes, plans, clinical depressions..

Größtenteils ist es so, dass ich mir mittlerweile erlaube, Dinge im größeren Rahmen zu wollen. Ich glaube, dass es für viele Menschen, unabhängig davon ob sie krank sind oder nicht, schwer ist, zu erkennen, dass sie sich nicht trauen, zu wünschen. Aber weil ich nun mal nicht andere Menschen bin, kann ich nur von meinen Erfahrungen sprechen, und den Großteil trotzdem generalisieren. Es dauert ewig, bis man für sich selbst akzeptiert, dass man, egal wie viele Dinge man sich seines Erachtens gönnt, eventuell tatsächlich vergessen hat, Dinge zu wollen, Pläne und Wünsche zu haben. Ansprüche.

Es erscheint mir teilweise ironisch, denn sich zwei bis drei Jahre zu gönnen, nicht in die Schule zu gehen, oder generell irgendetwas zutun (Danke hier an alle aktiven Steuerzahler für die 12cm Backform, die ich mir gestern bestellt habe.) aber es gibt einen Unterschied zwischen Halten, Parken und Anhalten. Während die ersten Beiden freiwillig geschehen – Ich muss schnell jemanden anrufen, ich will einkaufen, ich hab einen Arzttermin – ist Letzteres erzwungen – Stau, Unfall, younameit. Natürlich trifft man zum Schluss die Entscheidung, tatsächlich anzuhalten. Man „will“ in diesen Momenten anhalten, denn direkt in die fünf Meter tiefe Schlucht, die sich aufgrund der nahenden Apokalypse vor einem geöffnet hat, zu fahren, erscheint wenig attraktiv. – Trotzdem ist es eine Entscheidung, die aus ganz anderen Umständen entstand, als die, Einkaufen zu gehen.

1.1 Narrow-minded?

Ich will nicht abstreiten, dass es Dinge gibt, die ich eventuell geschafft hätte. Ich bin faul, mit oder ohne Depression. Aber Menschen sind vielschichtig, und wenn man depressiv ist, und nachts nicht schlafen kann, dann sollte man überlegen, ob man diese Zeit nicht einmal damit verbringen sollte, darüber nachzudenken, ob man wirklich so schlecht ist, wie man denkt. Ja, es gibt Dinge, denen ich einfach aus dem Weg gegangen bin, um es mir leichter zu machen. Nein, das heißt nicht, dass ich allem aus dem weggehe. Dass ich erleichtert bin, wenn ich Dinge nicht erledigen muss, bedeutet nicht, dass ich deswegen weniger krank bin, weniger ein Recht darauf habe, meiner Diagnose zu glauben.

1.2 The impossibility of thinking about „wishes“

Zurück zum ursprünglichen Thema: Ansprüche und Wünsche. Obwohl ich also bestimmte Bedürfnisse hatte und habe, habe ich mich nicht getraut, wirkliche Wünsche zu haben. Dinge, die ich mir für mich, langfristig, gewünscht habe. Diese Dinge sehen für manche so aus, dass sie eine Familie besitzen, und ihre Kinder in einer relativ sicheren Umgebung großziehen können, oder dass sie das Unternehmen, dass ihren Opa in Insolvenz gezwungen hat, übernehmen können, und dann allen den Finger zeigen. Was weiß ich.

Meine Wünsche sind also, unabhängig von finanziellen Mitteln, eher klein gewesen. Der emotionale Wert dahinter war relativ klein. Ich hätte gern ein paar Bücher, einen Computer. Die Tatsache, dass all diese Dinge finanziell beschaffbar sind, beweist eigentlich, auf welcher Ebene ich gedacht habe (und denke, aber bleiben wir mal in Vergangenheitsform. Kommt besser.)

Die Gründe dafür sind kompliziert, aber grob gesehen, denke ich, hat es vor allem mit zwei oder drei Dingen zutun: Dinge zu erwarten führte für mich bisher eher zu Enttäuschung. Mein Vater kam an Wochenenden eben nicht, auch, wenn es mir versprochen wurde. Ich hab mein Abitur eben nicht geschafft, obwohl ich am Gymnasium immer zu den Klassenbesten gehört habe. Meine Mama ist angeblich kein Superheld, oder einer mit ner beschissenen Schwäche (Fuck Cryptonite!), obwohl ich in dem Glauben aufgewachsen bin. Man erwartet so viele Dinge, wenn man jung ist, und glaubt, die Welt läge einem zu Füßen, aber irgendwann realisiert man, dass dem eben nicht so ist. Damit meine ich nicht, dass das unfair ist. Es geht hier nicht um fair oder nicht. Aber jeder geht unterschiedlich mit solchen Dingen um, und ich erwarte eben ungern Dinge, oder fühle mich .. dumm, wenn ich das tue.

Dann kommt meine Situation hinzu, die doch eher schwierig zu lösen ist. Meine Mama und ich haben eine ziemlich großartige Beziehung, aber es besteht scheinbar eine gewisse Co-Abhängigkeit, die sicher weniger ungesund für Außenstehende aussehen würde, wenn wir gesünder wären. Also Wünsche zu besitzen, gesünder zu werden, dann aber aufgrund meiner Situation nicht dazu zu kommen, etwas daraus zu machen? Wär scheiße.

1.3 Being an egotistic altruist, or: Why I’m thinking bullshit

In letzter Zeit realisiere ich aber, dass es so nicht funktioniert. Es geht nicht, dass ich mich selbst zerkrüpple, und das Ganze mit den Worten „Ja, aber die Umstände..“ begründe. Dass ich die Verantwortung überall suche, nur nicht bei mir. Nicht, dass ich das jetzt plötzlich tun würde – Unsinn – aber auf einer rein rationalen Ebene bin ich mir bewusst, dass ich so nicht lang weitermachen kann. Ja, meine Mama ist krank. Ja, ich möchte sie nicht in Panikattacken triggern. Aber sie rauszuhalten, einfach davon auszugehen, dass sie es nicht schaffen würde, oder die Entscheidungen für sie zu treffen, erscheint mir respektlos, vor allem, weil sie selbst enorme Fortschritte macht. Soll nicht heißen, dass ich jetzt vorhabe, J. nächsten Samstag in die Discothek 50km außerhalb meiner Heimatstadt zu zerren, oder täglich im Stadtpark zu chillen, weil die Sonne so klasse ist. Aber ich glaube, dass es in Ordnung ist, etwas zu unternehmen, weil es gut für mich ist, und weil Dinge, die für die Einzelnen unserer Familie gut sind, für die gesamte Familie gut sind. Und weil ich nicht nur aus 50 Prozent Tochter und 50 Prozent Schwester bestehe.

1.3.1 And why, regardless of that, I’m also arrogant

Ganz zum Schluss denke ich, was diese Thematik betrifft, sollte man sich nicht mit Schusswunden aufs Kampffeld stürzen. Es ist arrogant, zu denken, dass man mehr ist, als nur Balast und die Ursache für schlechtes Gewissen. Natürlich beruhigt meine Anwesenheit meine Mama, genauso wie iher Anwesenheit mich beruhigt (was dazu führt, dass Frau K. denkt, wir wären zu abhängig von einander. Würde sie das auch denken, wenn ich nicht depressiv und Mami nicht angstgestört wäre?) aber neben der Tatsache, dass ich hier lebe, und da bin, wenn es nötig ist, unterstütze ich unseren Haushalt in etwa so sehr, wie Amerika Pakistan unterstützt. You get the picture.

1.4 What is the point, damn it? What is your point?

Offensichtlich muss ich also nicht tiefenpsychologisch an meinen Schuldgefühlen arbeiten, sondern an einen Punkt kommen, an dem es keinen Grund mehr für über-überdurchschnittlich viele gibt. Und ich weiß, diese Pseudo-Erkenntnis scheint so einfach und logisch und simpel, aber das ist sie nicht. Diese Dinge zu wissen, und sie zu akzeptieren, sind zwei Paar Schuhe, und auch dann gibt es so viele andere Dinge, die einen belasten, dass man nicht dazu kommt, sie tatsächlich anzuerkennen.

Aber es geht ja weiter, mit den typischen depressiven Problemen. Mag man sich genug, um sich etwas tatsächlich Gutes für sich selbst zu wünschen? Hat man genug Kraft, um über Zukunftsperspektiven nachzudenken? Ist man optimistisch genug, um in der Zukunft irgendetwas Gutes zu sehen? Traut man sich, an etwas zu glauben, wenn man sich selbst nicht mal zutraut, regelmäßig zu duschen, wenn man keinen Wecker dafür gestellt hat. (Ich höre gerade, wie meiner Mama ein Licht aufgeht. „ACH DESWEGEN KLINGELT DAS SCHEIß TEIL STÄNDIG!“ Nein, tut es nicht. War nur ein Beispiel.)

Mag ich mich genug? Nein. Tue ich nicht. Aber ich hasse mich auch nicht. Eigentlich habe ich einfach nur ein prinzipielles Problem mit der Menschheit, und ich erkenne mich oft genug in ihr wieder. Komischerweise gestehe ich aber dem Rest der Welt ihren Teil Zufriedenheit zu. Wieso also nicht mir? Nur, so einfach ist es natürlich nicht. Würde man rational mit Gefühlen umgehen können, dann wären es keine Gefühle mehr. Trotzdem denke ich aber, dass ich mir tatsächlich für mich wünsche, ein gutes Leben zu führen.

Hab ich genug Kraft, um über potentielle Zukunftsperspektiven nachzudenken? Vielleicht. Ich weiß es nicht genau. Aber ich glaube, dass ich die Kraft habe, um es zu probieren, und das ist (traurigerweise) ein ziemlicher Fortschritt.

Bin ich optimistisch genug und traue ich mir Dinge zu? Vermutlich nicht. Aber ich bin realistisch. Egal, wie es mir gerade geht, wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass alles ein Ende hat. Alles Gute, ja. Aber auch alles Schlechte. Auch wenn ich in meiner näheren Umgebung keine Beweise dafür sehe, glaube ich, dass es Momente gibt, die ich als lebenswert einschätzen würde. Und diese Momente laufen nicht nur in Büchern, Serien oder Songs ab. Ich weiß, dass ich nicht unintelligent bin. Ich weiß, dass ich zumindest dazu veranlagt bin, eine gewisse soziale Kompetenz vorzuweisen, selbst, wenn ich das selten tue. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in meinem derzeitigen Zustand viel fertigbringen würde, aber es besteht die Möglichkeit, dass ich unter Umständen bestimmte Dinge doch schaffe.

2. Does this even change anything?

Soweit sogut, aber es geht ja immer noch darum, das Ganze umzusetzen, und die Kontrolle abzugeben, um einfach darauf zu vertrauen, dass es irgendwie klappt, oder einen Sinn hat, selbst, wenn es nicht funktioniert. Und falls es noch nicht klar ist: Ich bin ein Kontrollfreak mit trust-issues to the point where everyone thinks I regard them as mentally retarded toddlers. (Ja, manche Sätze funktionieren für mich nur im Englischen.. Und?)

Denn eigentlich möchte ich ja im September zu Frau K. gehen können und sagen „Ich hab Entscheidungen getroffen, und geplant, und überlegt and here it is..“

2.1 So, what do I want?

Gute Frage. Ich denke, im Moment muss ich akzeptieren, dass ich keine präzisen Wünsche habe, und keine Vorstellung davon, was ich eventuell schaffen würde. Es geht ja immer noch darum, mich in die Gesellschaft zu integrieren, was auf Deutsch bedeutet, arbeitsfähig zu kriegen. Derzeit bin ich nicht arbeitsfähig. Ich kann meiner Mama noch nicht einmal sagen, was ich am nächsten Tag essen möchte, weil ich nicht weit genug im Voraus denken kann, worauf ich eventuell Appetit haben könnte. Wenn ich satt bin, denke ich, dass ich locker fünf Jahre fasten könnte. Woher soll ich wissen, was ich vielleicht schaffe, wenn es mir gut geht, wo es doch momentan nicht so ist?

Aber es gibt Dinge, die ich tatsächlich mag, und an denen ich mich orientieren kann, und es ist ein Anfang.

» Ich mag Sprachen. Wenn es ginge, würde ich alle Sprachen lernen, aber vor Allem Russisch, Arabisch, Französisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch und Vietnamesisch. Wenn ich für jede Sprache zwei Jahre bräuchte, dann wäre ich in 14 Jahren damit fertig. Machbar. Vor allem, weil Französisch und Spanisch sich ähnlich sind, und ich mal vor Jahren Latein gelernt habe. (Ist egal, dass alle anderen Sprachen mega-scheiß-schwierig sind.)

» Ich mag Webdevelopment. Vermutlich, weil HTML, PHP, CSS und jQuery für mich wie Sprachen sind, und ich einige davon relativ flüssig spreche.

» Ich mag Medien. Egal, wie sehr ich fluche, wenn ich Bücher lese und Serien schaue, ich liebe Pop Culture. Wenn es möglich wäre, dafür bezahlt zu werden, Medien auszuwerten, dann würd ich sofort anfangen.

» Ich mag Fremdes. Nicht, wenn ich mich nicht darauf vorbereiten kann, und es meine Entscheidung ist, diesen fremden Dingen ausgesetzt zu werden, aber sobald ich meine Angst vor Flugzeugen, Schiffen, und allen Fahrzeugen die schneller als 50km/h fahren, und keine Atomangriffe abwehren können, überwunden habe, würde ich es lieben, zu reisen. Selbst, wenn es nur innerhalb Deutschlands oder Europas wäre. Passt gut, denn dann könnte ich schon einmal Französisch, Spanisch und Russisch lernen…

» Ich mag Studien. Obwohl ich teilweise schreien möchte, wenn ich über Schubladendenken philosophiere, krieg ich fast Orgasmen, wenn es um Studien geht. Ausfüllen, auswerten, ist mir voll egal. Ich mag Studien. Vielleicht, weil Mami Psychologie und Soziologie studiert hat, und sie mich selten wie ein Kleinkind behandelt hat – nicht mal, als ich ein Kleinkind war – weswegen unsere Gespräche grundsätzlich alle genial waren. Left an impression.

» Ich mag Dinge, die man nicht falsch machen kann; solang ich währenddessen Musik hören kann, oder beschäftigt genug bin. Möbel zusammenbauen find ich deswegen klasse. Streichen, umräumen, Dinge einsortieren, Wäsche abnehmen, Cupcakes backen, Hefter abschreiben. Ob das an meiner Angst vor Versagen liegt? Wer weiß.. Früher sah ich das vollkommen anders, glaube ich, aber momentan bin ich einfach an einem Punkt, wo ich mich lieber an einen Kekslaufbandjob verkaufe..

» Ich mag Schatten und maximal 24°C. Das heißt Limostandverkäufer in Italien fällt aus, auch wenn ich für einige Zeit überlegt habe, die Sprache ebenfalls auf meine Liste zu setzen.

» Ich mag zwangloses Lernen. Ich liebe es, Dinge zu lernen. Ich hasse es, wenn ich unter Druck stehe.

2.2 Now that we figured that out, what does it mean?

Traurigerweise ist es nun einmal so, dass ich nicht viel damit anfangen kann. Auf dem Gymnasium lernt man, was der Unterschied zwischen Ana und Metaphase ist, oder wie man Kurvendiskussionen ordentlich zu Papier bringt, oder man diskutiert über das moralische Dilemma, Kafkas Texte zu lesen. Man lernt auf keinen Fall, wie man sich bewirbt, oder so etwas schnödes wie eine Ausbildung statt eines Studiums in Betracht zu ziehen, weswegen man meinen Zustand als außerordentlich weltfremd bezeichnen könnte.

Idealerweise würde ich Sprachen lernen und rumreisen, während ich in all diesen Ländern über Popkultur blogge und damit Milliarden verdiene. Wird wohl in diesem Leben nicht mehr passieren, aber was dann? Und wenn ich zum Schluss im NewYorker hinterm Tresen stehe, wär das okay für mich, solang ich etwas Sicheres hätte.

Das ist generell ein Punkt, den die Welt gerne vergisst. Es wird darüber gesprochen, wie unmotiviert die Jugend von heute ist. Wieso auch? Wir wachsen mit Wirtschaftskrisen auf, und mit dem Wissen, dass, egal wie gut wir sind, es immernoch sehr gut möglich ist, dass wir niemals den Job kriegen, den wir wollen. Wenn wir denn einen Job kriegen. Und da soll man motiviert sein? Wirklich?

Wie dem auch sei, ich weiß nicht genau, was ich aus den Dingen, die ich mag, machen soll.

2.3 Consequences

Nun will Frau K. ja wissen, wie es weitergeht mit der Therapie. Zuerst muss ich dafür mit Frau Dr. S. sprechen, denn ich möchte zwar erst einmal die Therapie nicht fortsetzen, weil ich nicht glaube, dass ich dort viel weiter komme, aber ich bin dennoch nicht bereit, plötzlich zu arbeiten. Ich mache Fortschritte: Ich gehe zur Fahrschule, ich rede mit Menschen. Ich bemühe mich, ich denke nach, ich erwarte mehr von mir und der Welt als ich das getan habe. Trotzdem erschöpft mich jeder einzelne Prozess so sehr, dass ich danach halbkomatös im Bett liege, und mental Fruchtfliegen anschreie, die nicht existieren.

Frau Dr. S. ist verantwortlich dafür, mich als arbeitsunfähig zu erklären, und die Therapie war bisher ein großer Teil, den sie damit verbunden hat. Während ich also glaube, dass ich auch ohne die zweiwöchentlichen Paraden weiter Fortschritte machen kann, und Frau K.s Zeit eher verschwende, weil wir nicht weiterkommen, kann es sein, dass ich trotzdem weitermachen muss, um meine Krankschreibung ausgehändigt zu bekommen.

Und um ehrlich zu sein schreckt mich das Alles gerade kurzzeitig ziemlich ab, denn ich soll wohl etwas präzisere Vorstellungen präsentieren als „Ich mag Dinge“, egal, wie sehr das als Fortschritt für mich zählt. Was stelle ich  mir also vor?

Ich denke, dass ich derzeit in der Lage bin, mein Leben aktiver zu verändern, und dass ich auch zur Zeit etwas mehr Kraft habe, um das auch zu wollen und letzenendes zutun. Es gibt Dinge, die mich stören. An mir, an der Situation, an den Menschen, die ich kenne, und an denen, von denen ich bisher nur gehört habe.

Ich glaube nicht, dass ich innerhalb von drei Monaten auf einmal glücklich werde, denn es hat immerhin 16 Jahre gedauert, bis ich depressiv wurde, auch wenn ich daran viel weniger aktiv gearbeitet habe. Während Frau K. versucht hat, mein Denken zu ändern, würde ich in vielen Dingen lieber die Situation ändern. Es gibt Dinge, die ich ändern kann. Ich kann Sprachen lernen, selbst wenn es nur aus Interesse ist, und nicht, weil ich demnächst Übersetzerin werde. Ich kann Dinge an mir ändern, könnte Sport machen, wieder etwas vegetarischer essen, mich mehr für mein Umfeld und die Gesellschaft interessieren, die Nachrichten schauen, Entscheidungen überdenken.

Das sind Dinge, die ich alleine machen kann und sollte. Dinge, für die ich keine Therapeutin brauche, die mir gut zuredet. Und diese Dinge werden mir keinen Job besorgen, aber sie werden mir hoffentlich und vermutlich helfen, mich fähig zu fühlen. Um einen Akkuschrauber zu benutzen, braucht man nicht viel Geschick, sondern vor allem Selbstvertrauen. Well, my life is a cordless screwdriver. Und wenn zehn Kilo weniger, keine Atembeschwerden, quasi porenlose Final-Fantasy-Haut, und die Fähigkeit, in zehn Sprachen deine Eltern und deren Haustiere zu beleidigen, meinem Selbstvertrauen helfen, dann ist das IN ORDNUNG.

Und dann muss ich nicht weitere drei Jahre in einem Sessel sitzen, und darüber sprechen, dass mein Vater vielleicht aus guten Gründen gegangen ist, oder das nichts mit mir zutun hat. Es gibt Dinge, für die man länger braucht. Es gibt Dinge, mit denen man nie ganz fertig werden wird, und es gibt Probleme, mit denen man vielleicht fertig werden würde, aber deren Bewältigung zu viel Kraft kostet.

Was heißen soll, dass mir jeder den Hintern küssen darf, der mir sagen möchte, dass ich ein wenig mehr Vergangenheitsbewältigung betreiben soll, und mich hübsch, gebildet, bewunderswert, stark, interessant, oder in irgendeiner Art und Weise fähig finden soll. (Und ja, ich hab hübsch zu allererst genannt. Wenigstens bin ich mir dessen bewusst, verdammt.) Ich sehe es nun einmal nicht so. Ich erwarte nicht, fünf Doktortitel zu haben, zwei Kinder, einen Ehemann der in der Sonne glitzert, den perfekten Körper und ein noch perfekteres Gesicht, mit einer Palette von Interessen, die größer ist, als die Farbpalette im DIY Bereich deines Baumarktes.

 2.4 Meaning..

Wenn ich also in einem Monat bei Frau K bin, werde ich mit Frau Dr. S darüber gesprochen haben. Ich werde sagen, dass ich erst einmal meine Fahrschule beenden möchte, und dann Frau Dr. S fragen, ob es möglich ist, mir zu bescheinigen, dass ich maximal einen Teilzeitjob annehmen kann, da ich daran tatsächlich interessiert sein könnte. Nicht sofort danach, aber irgendwann. Und ich kann einen dieser Berufsberater ansprechen. (Oder einen Psychotest machen. „WELCHER BERUF IST PERFEKT FÜR DICH? – Handwerker.“

Außerdem würde ich gerne eine Fremdsprache lernen, weil mich das glücklich machen würde. Dann werde ich davon erzählen, dass ich meine Mama dazu gezwungen habe, sich täglich von mir beleidigen zu lassen, weil sie mir nur noch gesundes Essen gibt (Mami, falls du das liest: Gib mir an 6 von 7 Tagen nur noch gesundes Essen, selbst wenn ich dich beleidige, weil ich sonst, wenn ich groß bin*, für immer (nachtragend wie ich bin) darüber sprechen werde, wie meine Mama, nur, weil sie nicht als die Böse dastehen wollte, dafür gesorgt hat, dass ich nicht mehr in eine M gepasst habe.) und dass es mir seitdem viel besser geht, weil ich mich entgiftet fühle oder irgendsowas. (Jetzt wäre es natürlich gut, wenn ich mich dann tatsächlich so fühle.)

Aufgrund meines generell verbesserten Zustandes bin ich dann natürlich mehr in der Lage, meine Familie zu unterstützen, was meine Mama entlasten könnte, was dazu führt, dass es für sie einfacher ist, mit ihrem eigenen Krankheitsbild fertigzuwerden. (Ist sicherlich etwas schwer, mittel bis schwergradig depressiv zu sein, und sich keine Zeit dafür nehmen zu können, weil man sich um seine zwei Kinder kümmern muss, von dem eines ein Kleinkind ist und das andere bald in die Schule kommt*²..)

Dadurch wiederum verbessert sich ja dann meine Stimmung und so weiter. Da meine Schwester bereits in der Schule sein wird, hat sie ebenfalls viel zutun und Real Life und so, also alles mega. Whatever. Zum Schluss kann ich vielleicht nur die Einkäufe erledigen, sie zur Schule bringen und abholen, ab und zu den Müll runterbringen, die Wäsche machen. Aber das wären dann schon mal fünf Dinge mehr als ich jetzt tue, und es wären Dinge, die tatsächlich helfen würden, glaube ich.

Ich könnte mir dann außerdem sowas vornehmen, wie monatlich einmal bei meinem Vonkel vorbeizuschauen, um bei meinen zwei Halbgeschwistern bereits, wenn sie beide zusammen 10 Jahre alt sind, öfter gewesen zu sein, als er es in meinen bald 20 Jahren, inklusive Zeit in der Gebärmutter meiner Mama, gewesen ist. Man kann ja aus den Fehlern Anderer lernen oder so, right? Und mich wie der ‚bessere‘ Mensch zu fühlen, wär zwar mega abgefuckt, aber vielleicht trotzdem hilfreich.

Da ich monatlich Termine bei Frau Dr. S. habe, würde sie mich ja dann regelmäßig abchecken können, und da ich nicht allein lebe, ist das Risiko, dass ich spontan Selbstmord begehe, doch sehr gering. Vielleicht würde ich sogar öfter einmal Dinge mit J. oder R. unternehmen, neue Leute kennenlernen. Im August treffe ich mich vermutlich mit T., und vielleicht seh ich ja auch irgendwann mal ein paar meiner Buchbloggermenschen auf ner Buchmesse. Who knows?

Aber wenn ich diesen Text, und die Bedeutung, mit dem, was ich vor 8 Monaten gesagt hätte, vergleiche, dann kann mir keiner sagen, dass es nicht doch einen klitzekleinen Fortschritt gab. Denn es gab einen in meinem Denken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mindestens ein anderes halbes Jahr ohne diesen scheiß Druck brauche, aber ich glaube auch, dass es zumindest, unter Idealumständen, möglich ist, dass es besser wird, solang ich erkenne, welche Kämpfe ich überhaupt zu kämpfen habe.

* * *

Und damit beende ich diesen Text. Wer hätte gedacht, ich hab tatsächlich ein wenig durch das Wirrwarr in meinem Kopf gefunden, und obwohl riesen Klumpen es nicht hergeschafft haben, weil es spät ist, und ich müde bin, hat’s geholfen. Hatte mal wieder einen meiner euphorischen „bam, Entscheidung getroffen“ Momente, hab einen Plan, und auch noch ein Buch, das ich gleich lesen werde. Kippen warten ebenfalls auf mich (Ich könnte versuchen, damit aufzuhören, fällt mir grad ein.. Weil ungesund..) und generell waren die letzten Tage zwar eher doof, und ich hasse das Wetter, und diesen Mangel an allem, aber.. Heute hatte ich für ein paar Minuten das Bedürfnis, ein besserer Mensch zu sein, als ich bin, und dem eingeschlafenen Alkoholiker auf dem Spielplatz (oder den Kindern, die sich von den Bänken ferngehalten haben, vor denen er im Dreck lag..), auf dem wir waren, irgendwie zu helfen. Schreckliche Situation, but there was a silver lining, und ein kleiner Beweis, dass nicht alle Menschen scheiße sind, nur weil ich das vielleicht gerne mal bin, oder ich mit wenigen Ausnahmen nur solche Menschen zu kennen meine.

Blablah, ich könnte ewig weiterlabern, aber Badgers and Otters and Llamas…

*Irgendwie hat der Satz doch vor ein paar Jahren noch funktioniert? WIESO KLINGT ER JETZT SO SELTSAM?

*² Ersteres bin ich, ja. Danke der Nachfrage.

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8 Kommentare zu „#46 All day I’ve been wondering, What is inside of me? Who can I blame for it? I say it runs in the family.

  1. Letztendlich läuft es darauf hinaus, ob Du gesund genug bist, Kinder großzuziehen? Als Hausfrau und Mutter kannst Du dann Sprachen lernen bis zum Abwinken, wenn die Kinder in der Schule sind oder sonstwie beschäftigt. Niemand verlangt von einer zweifachen Mutter sonderliche Berufstätigkeit, selbst wenn ihr zwischendurch der Mann abhanden kommt. Dann kümmert sich eben das Amt darum, dass der Typ auch weiterhin für die Party bezahlt, die in einer lauen Disconacht begann. Bitte J. Dich zu begleiten, zieh Dir was Nettes an, sei ein bißchen nett, komm in „andere Umstände“. Du willst Kinder, so wie Frau K. ihren Therapieladen sofort dicht macht, wenn sie in „andere Umstände“ kommt. Sieh Dir das Leben Deiner Mutter an, dann weißt Du Deines. Ein schlechtes Leben? Nein. Also handle danach.

    1. I beg to differ, das Leben meiner Mutter ist einfach mal beschissen: Hirntumore, häusliche Gewalt, der grundsätzliche Mangel an Unterhaltsgeld meines oder des Vaters meiner Schwester, generalisierte Angststörung, Depressionen. Das Leben als alleinerziehende Mutter wäre mir außerdem viel zu stressig. Okay, das Leben als irgendeine Mutter wäre das, aber wenn man nicht allein ist, dann hat man ja immer noch jemanden, der zusammen mit einem durch die stressigen Phasen geht, und mindestens genauso oft von den Kindern beleidigt wird. (Im Glücksfall zumindest.)

      Weiterhin sieht es fast niemand auf der Welt (vor allem nicht in Deutschland, und nein Bayern zählt nicht) so, als wäre das Leben einer Hausfrau in irgendeiner Weise stressig, oder als hätte sie mehr oder weniger das Recht, nicht „zu arbeiten“ als Andere. Im Gegenteil ist sie eine Rabenmutter, wenn sie nicht ihren 9 to 5 Job hat, weil sie ihren Kindern ja etwas „unverantwortliches“ vorlebt, und außerdem deren Entwicklung (Abnabelung) nicht ideal unterstützt.

      Wenn die Frau nun Hausfrau ist und alleinerziehend und vom Amt unterstützt wird, dementsprechend von den Steuern ihrer Mitmenschen lebt, dann ist es sowieso gleich aus. Die Welt hat selten Akzeptanz übrig, wenn es darum geht, dass Andere evtl weniger arbeiten müssen oder mehr bekommen könnten.

      Und Letztenendes weiß ich nicht einmal, ob ich Kinder bekommen kann, da ich nur alle drei Monate menstruiere. Irgendwas will mir mein Körper damit vermutlich sagen, aber fuck me, if I knew it. Achso, nein, streich das „Letzenendes“. Ich hab ein Anderes! Möchte ich Kindern wirklich meinen genetischen und emotionalen Balast aufdrücken? Ich wär vermutlich eine schreckliche Mutter, und wie vor Kurzem herauskam, gab es in meiner Familie noch keinen, der sich nicht entweder umgebracht hat, oder der an Krebs gestorben ist. Will man das? Ich meine, ist man so ein Mensch, der irgendeinem neuen Menschen gleich sowas aufs Auge drückt? Echt? Denn ich will es nicht sein. Möglicherweise will mir das auch meine Gebärmutter mitteilen. Weiß sich wohl nicht ganz auszudrücken, aber es kommt ja auch nicht oft unter Leute..

    2. (Wenn du allerdings den Satz mit meiner Mutter rausnimmst und es mir ermöglichst, Kinder zu adoptieren, einen reichen Mann zu heiraten, der ausgrund von irgendeinem Substanzmissbrauch voll in mich verliebt ist und evtl einem Kult angehört, der es ihm verbietet, mich zu verlassen, ohne mir und den adoptierten Kindern ihren Glauben aufzudrücken, eine 24/7 Therapeutin für besagte adoptierte Kinder zu engagieren, und generell, dann werde ich zugeben, dass es zumindest teilweise stimmt: Frauen *haben* kleinere Hände, damit sie besser in den Ecken putzen können, und der Großteil der Welt akzeptiert das so, ohne zu urteilen. (Das war ernsthaft kein Sarkasmus) Und wenn ich unsterblich verliebt wäre, und glauben würde, dass ich eine gute Mutter wäre, dann wär mir egal, was die Welt denkt, denn barefeet and pregnant ist für mich etwas ziemlich bewundernswertes, egal, wie viele Leute bekloppterweise meinen, es zeige dem Emanzipismus den Finger.)

      1. Traurig, dass kaum jemand solch Mengen an Zeit und Geld hat, sich um jedes Schicksal zu sorgen, das ihn berührt.
        Es ist massig guter Wille in der Welt. Wird Menschen ein Gesicht gezeigt, helfen viele gerne – bis ihr Interesse auf andere Schicksale stösst.
        Eigentlich ist auch dieser Kommentar ja meiner Frau gestohlen, deren Schicksal mein ganzes Interesse zu gelten hat. Vielleicht erkennst Du ja in einem von Deinen Büchermenschen Deinen „Lebensmenschen“. Ich würde es Dir so sehr wünschen. Muss ja heutzutage wirklich kein Kerl mehr sein, mit dem Frau sich zusammentut. Und heimatlose Kinder, denen auch zwei Mütter zum Glück reichen, gibt es sicher mehr als genug.

    3. Mir wurde gesagt, ich solle immer fragen, bevor ich Dinge falsch verstehe und dann rummotze, also.. Erm.. Wieviel und was davon war sarkastisch gemeint?

        1. Ich war mir nur nicht sicher, ob du dich über mich lustig machst, oder nicht. Also dachte ich, frag ich lieber, anstatt gar nicht zu reagieren. Obwohl ich eigentlich fast jedes Kommentar hier falsch verstehe, fürchte ich? Entweder nehm ich sie dann ernst, wenn sie scherzhaft oder sarkastisch gemeint sind, und fasse sie dann als sarkastisch auf, wenn sie ernst gemeint sind. Hmm.. jetzt komm ich mir komisch vor. v.v Wie dem auch sei, es scheint, dass es mir unmöglich ist, mich genug für jemanden, mit dem ich nicht blutsverwandt bin, zu interessieren, um mit ihm (dem Menschen; geschlechtsunabhängig) eine Familie zu gründen, auch wenn dann eine Langzeitarbeitslosigkeit drin wär. Da fällt mir ein uralter Entwurf ein.. Sollt ich vielleicht mal wieder drüberschauen oder gleich so veröffentlichen, denn die gesamte Thematik beschäftigt mich zur Zeit eh… Mhe, was auch immer. Kann mir aufgrund eigener Unzulänglichkeiten auch nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich wirklich um das Schicksal anderer sorgen. Mir ist schon klar, dass es sie gibt.. Whä, bin grad etwas zu dumm, ordentlich zu antworten. ._.

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