#42 Aus Überzeugung ein Assi, ich führ mein‘ Schweinehund Gassi.

Alle paar Wochen oder Monate überkommt mich ja der übliche Tatendrang, aber ich hab das Gefühl, als hätte ich nicht mehr viel Zeit, um mir die Freiheit zu nehmen, diesen zu ignorieren. Therapie ist irgendwann auch zu Ende, und prinzipiell wäre es ja gut, irgendwelche Fortschritte vorweisen zu können.

Situationsbedingt ist es mir aber nicht wirklich möglich, irgendetwas zutun. Und hier muss ich wohl immer wieder erklären, dass es nicht so ist, als ob jemand mir verbieten würde, rauszugehen. Ich entscheide mich selbst dazu, aber nicht, weil ich es wirklich will – Um ehrlich zu sein, halte ich mich weit davon zurück, darüber nachzudenken, was ich möchte. Denn falls es sich zu sehr von dem, was ich habe, unterscheidet, wäre das doch eher frustrierend. Außerdem ist es auch etwas unmöglich, in meinem Zustand zu einem Ergebnis zu kommen. Wenn man den Großteil seiner Zeit zu müde zum Schlafen ist, dann ist alles, was über Mittagessen hinausgeht, unvorhersehbar. – oder weil ich es nicht will. Wenn die Karten verteilt sind, dann schaut man sich sein Blatt an und entscheidet. Hätte man andere Karten, würde man vermutlich anders entscheiden.

Jedenfalls befinde ich mich an einem Punkt, an dem ich nichts tun kann. Wenn man bei meiner Kartenanalogie bleibt, dann ist es wohl so, dass ich nur dann legen kann, sobald ein Mitspieler sich entschieden hat, ob er passt oder erhöht.

Und es ist auch nicht so, als ob ich unglaublich leiden würde, oder als würde es mir sicherlich besser gehen, wenn ich etwas tun könnte; dafür gibt und wird es nie eine Garantie geben. Trotzdem wäre es für mich irgendwie beruhigend, zu wissen, ob ich denn an meiner Situation etwas ändern kann. Ob es mir helfen würde, vielleicht am Wochenende mal in eine Disco zu fahren – oder zu irgendeinem Bekannten nach Dingenskirchens. Dabei geht es mir nicht um irgendwelche Teenager-Träume, oder das Ausleben meiner (tatsächlich teilweise) verpassten Jugend. (Heck, und wenn ich jungfräulich beerdigt werde, dann ist das eben so.)

Es ist so, dass ich ein wenig Stabilität möchte. Ich möchte mich auf mich selbst verlassen können – Etwas, das derzeit einfach nicht machbar ist. Früher ist mir nie aufgefallen, wie mies es eigentlich ist, sich selbst nicht vertrauen zu können. Nicht zu wissen, ob man jetzt fröhlich, traurig, apathisch, sauer ist, weil es Gründe gibt, oder nicht. Ob man zu recht wütend ist, oder nur, weil man übermüdet ist. Ob man nicht schlafen kann, weil die Luft zu warm ist, oder man Schlafstörungen hat. Ob man Kopfschmerzen hat, und sich alles warm anfühlt, weil die Anti-Depressiva eben scheiße sind, oder weil man krank ist.

Vielleicht ist es auch so, dass, selbst wenn ich dieses Problem nicht hätte, mein Leben nicht ansatzweise besser wäre. Aber zumindest könnte ich diesen einen Punkt dann von meiner Liste streichen?

Was so ekelhaft daran ist, dass ich nicht einmal weiß, ob ich das, was ich gerade schreibe, meine, oder ob ich es nur deshalb mit der Welt teile, weil ich seit gestern vormittag nicht mehr geschlafen habe. Es nervt einfach. Und es gibt nichts, was daran zu ändern ist. Ich kann meiner Schwester nicht vorschreiben, in welchem Zeitraum sie älter zu werden hat, und den Genesungsprozess meiner Mutter regulieren kann ich ebenfalls nicht.

Das Einzige, was ich tun kann, ist, was ich tue, und das ist nichts. Wenn ich nun wenigstens die Kraft hätte, die Beiden zu unterstützen, damit es ihnen besser ginge, aber auch dafür bin ich zu faul und ich-bezogen. Es bringt nichts, sich bewusst zu machen, dass ihnen helfen sich selbst helfen ist. Es bringt nichts, hochstehen zu wollen. Was einfach klasse ist, denn komischerweise wäre genug Kraft, Freunde zu besuchen, darüber zu bloggen, zu lesen.

Irgendwann fragt man sich schon, was mit einem falsch ist, dass man so tickt, wie man es tut. Wie kann ich auf die Welt wütend sein, wenn ich tatsächlich selbst verantwortlich für die negativen Dinge in meinem Leben bin? Wie geht es, dass ich mich selbst hasse, aber trotzdem zu sehr mag,  um etwas zu ändern? Oder ist das eine neue Form von faulem Masochismus, bei dem man sich mit Absicht nicht ändert, um langfristig betrachtet genug zu haben, weswegen man sich selbst zerfleischen kann?

Was auch immer die Gründe sind, und was auch immer meine Mitspieler demnächst machen.. Ich brauche Geld. Wer weiß, ob ich da noch interessiert daran bin, etwas zu ändern. Denn was gerade gilt, gilt eventuell irgendwann nicht mehr. Oder doch. Aber ist egal, hauptsache man kann sich nicht ansatzweise darauf verlassen und dementsprechend planen.

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