#39 Insane

Oder auch: Würde ich ein Buch schreiben, wäre es so vermüllt, wie der folgende Artikel. Bestseller!

Ich wollte gerade einen Screenshot machen, um zu zeigen, wie lang ich hier saß und auf mein WordPress Dashboard geschaut habe. Es ist irgendwie skuril, dass ich tatsächlich etwas sagen möchte, aber nicht in der Lage bin, das auch zutun.

Eventuell hängt es damit zusammen, dass meine Mama ja doch hier öfter einmal liest. Es ist nicht so, als ob ich Dinge geheimhalten möchte, aber es gibt einfach Gedanken, die ich noch nicht teilen will, weil ich nicht dazu bereit bin, mich den eventuellen Auswirkungen zu stellen:

Je mehr man von sich preisgibt, desto mehr sind die Menschen bereit, zu analysieren, und zu denken, dass Dinge in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft mit dieser einen Sache zusammenhängen.

Wenn man einmal sagt, dass man sich etwas allein fühlt, dann wird in Zukunft jede Aussage darauf zurückgeführt. „Du wärst sicher glücklicher, wenn du dir mal einen Freund/eine Freundin suchen würdest.“ Wenn man darüber spricht, dass man als Kind einmal geschlagen wurde, dann muss jeder Fehler, den man je begangen hat, im Zusammenhang mit diesem furchtbaren Kindheitstrauma liegen.

Wenn man zugibt, dass man es unglaublich amüsant findet, Menschen, die einem unwichtig sind, so zu manipulieren, dass sie sich zerhacken, dann ist man sicher auch sonst manipulativ (und, naja, ein Psychopath); wenn man im Scherz meint, dass man gerne anderen schlechte Gewissen einredet, dann wird jede Situation, in der das Gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, offensichtlich gewollt und eiskalt geplant sein.

Natürlich unterstelle ich hier meinen Mitmenschen, dass sie zuhören, und sich insofern für ihre Gegenüber interessieren, dass sie überhaupt anfangen, zu analysieren und interpretieren, und hineinzufantasieren. Also kann ich mich eventuell glücklich schätzen, dass in meiner Vergangenheit genau diese Dinge immer wieder passiert sind. Hey, ich war (und bin) für einzelne Personen tatsächlich wichtig oder zumindest verkorkst und somit interessant genug.

Und ich weiß auch, dass ich offensichtlich nicht zufriedenzustellen bin, und letzenendes eben doch nur eine scheinbar Spätpubertierende, aber es stört mich irgendwie, dass es nicht möglich ist, und dass ich zum Teil es anderen auch nicht möglich mache, Dinge unverbindlich zu sagen, einfach, um sie gesagt zu haben.

Damit meine ich nicht einmal, dass die Welt böse ist, weil sie so ist, wie sie ist, und ich so, wie ich. Es ist nur ein Zug, der mich etwas stört, und der wohl schon so lang abgefahren ist, dass mein nutzloses Hinterherschreien genauso unnötig ist, wie auf die Gleise zu springen.

Eventuell ist der Grund auch, dass ich zu ungebildet bin. Und für die, die voll im Lesefluss sind, ich rede gerade schon wieder darüber, dass ich nicht in der Lage bin, über die Dinge zu schreiben, die ich gerade im Kopf habe. Eventuell bin ich also zu ungebildet, oder nicht wortgewandt genug, um überhaupt ansatzweise von etwas sprechen zu können, das in meinem Kopf viel zu viel Platz einnimmt, um noch lang darin zu bleiben.

Damit meine ich nicht einmal, dass ich wirklich dumm wäre, aber gerade fühle ich mich wieder wie mein 10-jähriges Ich, das frustriert war, weil es eine Diskussion mit ihrem Großvater aus Formgründen „verloren“ hat. Denn die Regeln von Jugend Debattiert gelten in unserem Haushalt immernoch, und es ist egal, ob man im Recht ist, solang der Andere ein dreistes Gegenargument anbringen, oder seinem Gegenüber die Worte formvollendet im Mund verdrehen kann. (Und ja, es frustriert mich ungemein, das ich dasselbe mit meiner Schwester mache. Das arme Mädchen wird irgendwann mal schwer-depressiv ein Weblog führen…)

Gleichzeitig ist es aber nicht nur eine Frage des Vokabulars; obwohl ich denke, dass ich sicher schon weiter wäre, wenn ich wüsste, welches Label auf meine Wortkotze gehört. Eigentlich ist es so, dass die Masse an Komplex und Abstrakt einfach jedweige Logik verdrängt. Ich bekomme meine Gedanken nicht einmal mehr zu fassen. Und die ganzen losen Enden vor meiner Nase zu verfolgen bringt mich eher zu Kindheitserinnerungen, oder willkürlichen peinlichen Erlebnissen in der Vergangenheit (immer wieder schön), als zu irgendeinem Pseudo-Resümee.

Da ich mir aber sicher bin, dass, wenn ich in fünf Wochen auf einer Egoschiene fahre und ältere Beiträge lese, ich nicht einmal mehr wissen werde, womit dieser Beitrag tatsächlich begann, versuche ich die ganze Zeit, zumindest teils auf irgendetwas zu kommen, dass ich hier anbringen kann. Traurigerweise aber größtenteils erfolglos, denn das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich gestern einen kurzen Moments des Wahnsinns erlebt habe. Und mit Wahnsinn meine ich nicht „Wahnsinn, das war geil.“ sondern „Alter. Ist die wahnsinnig, oder wieso zerhackt sie da gerade Katzenbabies?“

Und wäre ich nicht ich, würde ich vielleicht glauben, dass es eine Form von Selbstzerstörung ist, die ich da ausübe, aber da ich ich bin, weiß ich es natürlich besser, und benutze voller Freude in einem einzigen Satz das erste Personalpronomen sechs mal. Denn das ist sicherlich in keinster Weise verwirrend oder nervig. Nope.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

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