#35 Then you will know the truth

Gibt es im Leben, wenn man kein Protagonist einer Serie oder Buchreihe ist, offensichtlich bedeutende Erlebnisse? Ich meine, wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich mehr an all die peinlichen Dinge, die ich bisher gebracht habe, aber und vielleicht waren genau diese Dinge bedeutend, was meine Charakterentwicklung betrifft.  selten an Situationen, in denen ich etwas gesagt bekommen habe, und spontan einen Sprung gemacht habe.. Okay, nein, falsch. Gibt es. Und vor allem erinnere ich mich an Personen, die mein Leben stark beeinflusst haben. Später mehr dazu.

Aber ich erinnere mich immernoch an das 17 oder 18 Jährige Mädchen, das entschieden hat, aus sich selbst ein solches Erlebnis zu machen. War ja sicher ein guter Gedanke im ersten Moment, denn anstatt auf Retter zu warten, ist es doch oft so, dass man selbst retten muss, oder realisieren, dass es Situationen gibt, die keine Rettung erfordern. Andererseits ist es auch irgendwie ziemlich dreist und stolz und dumm, so zu denken.

Vorhin habe ich mit J. telefoniert. Einmal um sie zu bitten, mir einen Rettungsanruf später zu geben, und um sie vollzuquatschen. (Sorry, J!) Danach dann besagter Rettungsanruf. Ich war nämlich bei meinen Vonkel. (Wir erinnern uns, mein biologischer Vater ist eher ein Onkel.) Der Besuch verlief relativ reibungslos: Viel Schweigen, eine peinliche Aktion (argh! Wieso muss ich immer dann ungeschickt sein, wenn Leute gucken? >_<) und blahblah. Alles in Allem vermutlich eine der besten Erinnerungen, die ich von ihm habe. Wir hatten zwischendurch ein oder zwei längere Gespräche, und dabei habe ich zwei Dinge aufgefasst: Psychisch kaputt zu sein ist nichts, was einem ‚peinlich‘ zu sein hat, sondern eine Krankheit. Gesundheit kommt vor Geld. Die Dinge hat er separat erwähnt, und er weiß soweit ich weiß nichts von meiner Situation, weswegen es wohl mehr oder weniger bedeuten könnte, je nachdem, wie man gerade drauf ist, aber irgendwie.. Für mich klang es wie ein „Es ist okay.“ oder ein „Schon gut.“ und meine Daddy Issues haben länger darauf gewartet, das zu hören, selbst, wenn sie es nur hineininterpretiert haben.

Ich erwarte dementsprechend in den folgenden Tagen Kopf- und Magenschmerzen zwecks minderer Konfliktlösung. Nachdem ich auch noch A. vor ein paar Tagen geschrieben habe, um mich zu entschuldigen, und zur Zeit oft an meine ehemaligen Freundeskreise denke, ist es irgendwie ziemlich walking down memory lane-ish. v_v‘

Aus mir relativ unverständlichen Gründen denke ich zur Zeit sehr viel über bestimmte Menschen nach. H., mit dem ich seit ein oder zwei Jahren nicht mehr geschrieben habe, und der irgendwie nur meine unfairste und kindischste Seite mitbekommen hat (und trotzdem mochte. Masochist.) oder K., die mir einmal sagte, dass es Grenzen gibt, wenn es um Kritik geht, und es schön wäre, ab und zu auch ein ‚Gut gemacht‘ zu hören. M. (Der eigentlich C. heißt), der ziemlich klasse war, und wie H. jemanden mochte, den ich nicht mal anschauen wollen würde, nämlich die 15 Jährige Patricia.

Irgendwie fallen mir derzeit viele positive und negative Dinge ein. Witze, die wir uns erzählt haben, und wie freundlich die Leute eigentlich waren, und dass sie meine vielen exzentrischen Züge akzeptiert haben, und ich frage mich, wieso ich das alles so aus den Augen verloren habe, und immer die Schuld bei Anderen gesucht hab. Wieso ich vor den kleinsten Fehlern weggerannt bin, und Angst hatte, weil ich das Prinzip von Unverbindlichkeit und Spontanität nicht verstanden habe (oder verstehe?). And I can’t help myself, aber ich bin diesen Leuten wirklich sehr dankbar.

Die Beziehung die ich zu meinem früheren Ich habe, ist eher angeknackst, aber es gibt Leute, die es mochten, egal, wie oberflächlich dieses Mögen vielleicht war; vor allem, da es oft genug nur oberflächlich war, weil ich vor jedweiger Tiefe weggelaufen bin.

Jedenfalls frage ich mich jetzt, wieso ich es nicht schaffe, obwohl ich diese Dinge weiß, irgendetwas zu tun oder zu ändern, und realisiere, dass es das ist, worauf ich solang gewartet hab. Nämlich der Beweis, dass ich tatsächlich depressiv bin, und nicht nur faul oder antriebslos. Ich erinnere mich an die guten Zeiten, an den Spaß. Nicht mehr nur daran, wie ich abends gehofft habe, irgendwann etwas ‚Mehr‘ zu finden, oder traurig war, weil ich es mal wieder nicht geschafft habe, den ersten Schritt zu wagen. Und obwohl ich mich daran erinnere, und wünschte, dass ich mich bewegen könnte, um auf jemanden zuzugehen, oder jemanden zu begrüßen, stehe ich hier und bring es nicht fertig, zu sagen „Ich weiß nicht mehr, was man mit Freunden macht. Ich weiß nicht mehr, wie man mit solchen Dingen umgeht, aber ich möchte mit euch rausgehen, habt ihr Zeit?“.

Patricia, hier ist dein Beweis. Hier ist dein bedeutsames Erlebnis. Du hast es fertig gebracht, zu realisieren, dass du tatsächlich ungewollt krank bist. Und vielleicht denkst du morgen schon wieder anders, aber für einen kurzen Moment war es dir klar, und vielleicht erinnerst du dich irgendwann auch daran zurück.

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3 Kommentare zu „#35 Then you will know the truth

  1. Stimmte bei einer Brieffreundin das Foto, und hatte sie auch nur eine halbwegs plausible Begründung, warum sie keiner Erwerbstätigkeit nachging, war das für mich okay.
    Die entspannte Haltung Deines Vaters ist daher leicht nachvollziehbar. Zumal noch dem Vater von Franz Kafka für seine drei Töchter lediglich die Hauswirtschaftsschule und der Heiratsvermittler in den Sinn kam.
    Vielleicht messen Väter ihre Töchter mehr daran, was für eine „Partie“ ihnen gelingt:
    Ob sie sich ihre Muschi gut bezahlen lasse? wollte ein berühmter Schriftsteller von seiner Tochter wissen.
    Und bei Dir scheinen die „Erlöser“ ja mächtig zur Tür hinein marschiert zu sein, dass Du da offenbar Halbwüchsige in die Verantwortung nimmst, quasi Dein Leben verändert zu haben: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
    Zwar geht es in den Telenovelas vordergründig um „Erlebnisse“, also Situationen, die aufregende Sachen mit der Heldin machen. „Dann passierte es!“ beschreiben viele Mädels ihr erstes Mal. Aber was ist ein Liebesbekenntnis wert, wenn es von einem „Loser“ kommt, wenn jeder im Publikum stöhnt, dass die Heldin wohl hoffentlich nicht auf den hereinfällt?
    Und da wir ja irgendwie auch unser eigenes Publikum sind, welches sich nicht eingestehen mag, lange auf einen lausigen Film gespart zu haben, würde es mich nicht wundern, wenn Deine Götter in anderer Leute Augen harmlose Schuljungs sind, die ihr Glück gar nicht fassen konnten, dass Du sie rangelassen hast.
    Zweifel, die mir in meiner Jugend fremd waren. Philosophen kann ich Dir nennen, die mein Leben beflügelt haben, Nobelpreisträger, deren Werke mich tief beeindruckten. Hätte ich je auf dem Schulhof solch tiefe Einblicke ins Leben vernommen, ich hätte mir wohl Freunde gesucht, statt einsam bei meinen Büchern zu bleiben.
    Das ist wohl die Tragik der Mädels, dass sie stets Beschützer aus Fleisch und Blut brauchen, weil sie vom Prinzip her mehr „Opfer“ sind als jeder Mann: Alleinstehende Mädels sind vergewaltigte Mädels?!
    Also muss da wohl oder übel ein Nachbarsjunge her, der sich in der Phantasie hochjazzen lässt zum Gott. Oder ein Freundeskreis, der das Mädel schützt in freier Wildbahn.
    Freunde sind die Security, unter deren Schutz ein Mädel rausgeht. Daher lassen Ortswechsel Freundschaften meist automatisch enden.
    Hach, kaum schaue ich dem Leben am Morgen kurz unter die Decke, ist es derart banal, derart selbstverständlich, dass ich mich einmal mehr darüber ärgere, so viele Worte darum zu machen.

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