#32.2 It’s a detour.

RE: Warum.

Irgendwann hab ich in meiner Entwicklung eine Vollbremsung eingelegt und bin auf Kleinkindstand geblieben, wo ich für immer Warum frage und nie die Antworten verstehe.

‚Erwachsen‘ definieren ist sicherlich unmöglich, aber es gibt doch bestimmt irgendwelche Richtlinien? Ist man, wenn man erwachsen ist, in der Lage, Situationen zu akzeptieren und zu improvisieren? Unattraktive Optionen in Betracht zu ziehen, weil sie langfristig logischer erscheinen; Probleme nicht nur zu ignorieren, sondern sich selbst mit der evtl. unschönen Realität zu konfrontieren, weil man eigenverantwortlich ist.

Stattdessen sitze ich aber zuhause und rühme mich, ein wenig mehr Einsicht in die bittere Realität zu haben. Hab ich aber offensichtlich nicht, denn etwas zu sehen und zu erkennen sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich die Realität sehe, und erkenne, dass es nötig ist, zu arbeiten (oder mich zwangszuverheiraten.. nah, wer Interesse?), aber einfriere und es in den Verantwortungsbereich meiner Mutter schiebe, dann ist das doch ziemlich unerwachsen.

Damit meine ich nicht einmal, dass ich gerne erwachsen sein möchte; ganz im Gegenteil. Ich glaube nur, dass ich entweder eine Antwort auf mein Warum brauche, oder einen triftigen Grund, wieso ich nicht zu fragen brauch. Und dieser Grund soll mehr sein, als ein ‚Weil wir keine Antwort wissen.‘

(Gerade lief Florence + The Machine, und ich hatte ein sensorisches Deja Vu. Heißt es so? Nicht, dass ich mich erinnert hätte, was ich gemacht habe, wenn dieser Song lief, sondern nur.. wieder das gleiche Gefühl gehabt. Schlecht erklärt. Whatevs.)

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9 Kommentare zu „#32.2 It’s a detour.

  1. „Tatsächlich werden Schuld und Strafe in Kafkas späten Werken keine prominente Rolle mehr spielen. Er scheint jetzt zu erkennen, dass ethische Dilemata gleichsam Luxusgewächse sind, die nur auf fettem Boden gedeihen, dort also, wo das behütete Leben einen Überschuss an Kräften lässt.“
    Selbst außerordentlich kluge Wohlstandsbürger bedürfen meist erst des Sterbebettes, um etwa hundertseitige Anklageschriften wie Kafkas „Brief an den Vater“ in der Schublade verschwinden zu lassen.
    Erwachsen sein bedeutet für mich einen scharfen Blick auf die Relevanz meines Tuns. Musikfestivals konsumieren, Bubble Teas genießen oder mir die 4. Staffel irgendeiner Serienscheiße reinziehen empfinde ich nicht als „lebenswert“, weil die Welt sich in ihrem Gang um solch ein Wohlbefinden derart wenig schert, dass ich genauso gut „für mich“ als Waldmensch leben könnte, den Bäumen von meinen Glückserlebnissen vorzuschwärmen. Kennst Du „Freunde“, die etwas von Deinen leergegessenen Tellern haben? Oder stelle Dir vor, Du würdest jemanden in die Slums von Nairobi hinein schreiben von Deinen Buchgenüssen.
    Natürlich, Du hast Gleichgesinnte gefunden, hockst mit Deinen Büchern nicht mehr allein im Wald. Eine Freakwelt, wie ich sie als Jugendlicher im Schachspiel fand. Wobei mich allerdings keine Oberweite vor dem kalten Desinteresse schützte, das ich außerhalb des Schachvereines erlitt.
    Hingegen ich heute mit der Bitternis des Alterns und dem Tod zwei absolute Topthemen am Start habe, die vom Potential her jedes beliebige Gegenüber in seinen Grundfesten erschüttern können. Ich empfinde es als erwachsen, in der menschenmöglichsten Realität zu leben, während selbst Weltautoritäten hilflos in ihren Gebetsbüchern blättern: „Der König/Kaiser/Führer/Gott wird es schon richten!“
    Nun hat die Welt einige Jahrtausende darauf verzichten können, dass Frauen mit auf die Jagd gehen. Erwachsener scheint es mir daher beinahe zu sein, Dir einen richtig geilen Körper anzutrainieren, statt Dich auf den Fluren des Arbeitsamtes herumzudrücken. Derart viele erfolgreiche Geschäftsfrauen werden verlassen für Kindermädchen oder Praktikantinnen, dass ich Dir nicht empfehlen kann, sonderlichen Wind um Deinen Broterwerb zu machen. Am Ende jeden noch so erfolgreichen Erwerbslebens lauert eine schnippische Kassiererin, dass man für sie ein Mensch wie jeder andere sei und sich gefälligst hinten anstellen solle. Und hinten anstellen kannst Du Dich auch als Aushilfe im Buchhandel, ohne endlose Karriereleitern durchlitten zu haben.
    Vielleicht gelingt es Dir ja, Deine angebliche Talentfreiheit durch Fleiß zu ersetzen, und Dich erstmal freiberuflich zu versuchen. Stichwort: „Digitale Boheme“.
    Mein Warum? ist der beste Freund meiner Jugendzeit: Ein Schachcomputer Marke „Mephisto“. Reinste Ekstase, als ich am 24. April 1985 auf dem Sensorbrett einen Plastikbauern von e2 nach e4 hob, und „Mephisto“ als Antwort die Felder e7 und e5 blinken ließ.
    Der Schachcomputer war mein Wunder menschlicher Schaffenskraft.
    Von seinem scheinbar zusammenhanglosen Gewese her wird das Leben mir unverständlich bleiben, ja beinahe widerlich in der Verschwendung unwiederbringlicher Kostbarkeiten. Franz Kafka etwa wünschte ich die Tuberkulose an den Hals, als er Julie Wohryzek den Laufpass gab, lediglich besorgt darum, dass die Kleine ihm keine Scherereien machte, während er sich gleichzeitig seiner neuen Favoritin gegenüber als putzige Maus beschrieb, die keiner Menschenseele Leid zufügen kann.
    Das Leben an sich nötigt mir wenig Respekt ab. Hingegen die Schöpfungen, die ohne dieses Leben nicht wären, mich erfüllen mit tiefster Dankbarkeit. Das Leben ist für mich, was es hinterlässt.
    Und der Gedanke, was in tausend Jahren für Wunder der Schöpfung sein werden, ist für mich Sinn genug, nach meinen Kräften mitzutun an künftigen Wunderwerken.
    Ein künftiger Ehemann hätte wohl einige Schwierigkeiten mit Deinen Wach- und Schlafzeiten, wie ich sie via Twitter zu rekonstruiert haben meine. Überhaupt gibt es scheinbar wenig Literatur, wie eine Depression sich auf das Eheleben auswirkt. Niemand kann jemanden ausdauernd in langen Nächten unterstützen, wenn er Werktags fit sein muss fürs Erwerbsleben, glaube ich.

  2. Ich bin mir mal wieder nicht sicher, aber ich denke, zum erwachsen sein gehört, dass man nicht zwingend eigenverantwortlich handelt, sondern von der Außenwelt für sein Handeln verantwortlich gemacht wird. Eingeschränkt, natürlich.
    Denn ich denke, dass du einiges in den Verantwortungsbereich deiner Mutter schiebst, weil es eben nicht anders geht. Jeder hat Situationen, in bzw mit denen er nicht klar kommt. Und so sucht man sich Hilfe oder versucht, das Problem auf wen anders abzuwälzen. Was jetzt vielleicht härter klang, als es gemeint war. Das du „einfrierst“, ist ja sicherlich keine freie Entscheidung, als viel mehr etwas, wozu dich die Umstände führen. Also auch nicht unerwachsen.

    Die Frage nach dem Warum ist für mich bisher eine der schlimmsten, als auch wichtigsten gewesen. Weil sie in mancher Hinsicht keine Antwort zulässt, andererseits aber auch die vielleicht einzige Frage ist, die Änderungen oder einen Neustart zulässt. Kinder stellen die Frage, weil sie etwas nicht verstehen oder aus Neugier. Und ich denke, beides sind Gründe, die man auch ins hohe Alter mitnehmen sollte.

    Ich kann dir jedenfalls nur wünschen, dass deine Fragen so oft es geht beantwortet werden (möglichst zufriedenstellend) und das dein Zukünftiger (hat sich schon wer gemeldet? ;-) ) einer ist, mit dem du es aushälst :)

    1. Ich glaube, das Problem ist, dass es sich nicht so anfühlt, als würde ich dazu gezwungen. Da fällt mir doch spontan etwas ein, dass ich vor Kurzem gelesen habe. Die Zeilen gehen mir nicht mehr aus dem Kopf, auch wenn ich sie wohl nicht exakt zitieren kann, also lass ich’s aus. War eh sehr extrem. Jedenfalls geht es darum: Wenn das Konzept einer Situation durch die Umstände so verdreht wird, dass man die Situation danach nicht mehr ausmachen könnte. In dem Buch, an das ich denken muss, war es so, dass die Frau ihrem Entführer ‚erlaubt‘ und ihn ‚bittet‘, sie zu vergewaltigen. Auf den ersten Blick macht es keinen Sinn mehr. Vergewaltigung wird darüber definiert, dass man gegen seinen Willen auf irgendeine Art und Weise misshandelt wird. Sie erlaubt es ihm, bittet und bettelt darum, dass er das tut. – Mega krasses Beispiel. Sorry. (Sehr gutes Buch!)

      Wenn ich die Wahl habe, wie kann ich gezwungen sein? Wenn ich es bin, die die Entscheidung trifft, die Verantwortung nicht zu übernehmen.. Auf einer intellektuellen Ebene verstehe ich, dass es möglich ist, durch bestimmte Umstände emotional und körperlich so zu überlastet ist, dass man die Entscheidungen zu treffen hat, aber dadurch, dass ich mich danach einfach nur erleichtert fühle und so weiter, ist es etwas schwer, zu glauben, dass es in meinem Fall auch so ist. Falls das jetzt Sinn gemacht hat.

      Ich glaube, zufriedenstellend existiert in meiner Welt nicht, weil es so viel bequemer ist, unzufrieden zu sein. Huh.. ;D Höh, wie kommst du denn jetzt auf sowas? Pfui, Menschen! *packt sich in Ski-Anzug ein, fäbrt sich Haare blond und gibt ihr Bestes, noch viel unattraktiver als zuvor aussehen* (<- Ist immer besser, wenn man aus diesen Gründen abgewiesen wird, als wegen der unerträglichen Persönlichkeit, die man hat, richtig?)

      1. Das Beispiel aus dem Buch ist wirklich sehr krass. Kannst du mir sagen, wie das Buch heißt?
        Ich denke, man hat nicht so oft die Wahl, wie man denkt. Verzeih mir, wenn ich ein Beispiel bringe, bei dem ich nicht weiß, ob es überhaupt dazu passt:
        Ich hatte vor einigen Monaten die Wahl, den Kontakt zu einer Person abbrupt abzubrechen oder weiter aufrecht zu erhalten. Ich habe ihn abgebrochen. In den ersten Wochen danach ist mir allerdings klar geworden, dass ich es getan habe, um mich selbst zu schützen, denn andernfalls wäre ich weiter daran zerbrochen.
        Nun schreibe ich einfach, ich habe mich dazu entschieden. Aber wenn es wirklich Umstände waren (in diesem Fall der Selbstschutz), habe ich dann wirklich eine Wahl gehabt? Oder sieht es auf den ersten Blick nur so aus?

        Ich finde übrigens, um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du noch Aprés-Ski-Songs singen. Denn der Skianzug allein könnte auf viele Männer noch anziehend wirken :-p

        1. Das Buch ist Comfort Food by Kitty Thomas. (Hier auf Amazon ) Ist ein Self-Pub Buch, von dem ich mal ein Rezi-Exemplar oder so bekommen habe, glaub ich. Ist wirklich sehr krass, vor allem, weil alles sehr explizit beschrieben ist. Falls du es jemals liest, sag mir, was du denkst!

          Doch, ich denke, das Beispiel passt ebenfalls. Aber dann könntest du der gesamten Welt die Verantwortung für deine Entscheidungen geben, und bist immer gezwungen, denn die Umstände und so weiter haben dich ja zu der Person gemacht, die du jetzt bist und die diese Entscheidungen trifft. Wenn du morgen Vanille-Eis holst, dann ist das nicht deine Schuld, sondern die deiner Geschmacksnerven und Erziehung. Falls du übermorgen einen Film schaust und klasse findest, dann ist das nicht, wegen deiner Persönlichkeit – denn im Prinzip besitzt du ja nicht wirklich eine; dir wurde nur eine anerzogen oder angeboren, was also entweder mit Biologie oder Zufall und Umständen zusammenhängt. — Weißt du, wie ich meine? Das ist wie, wenn man sich wiegt und dann langsam runterrechnet. „Okay, ohne Haare würd ich doch locker 100g weniger wiegen. Und ohne Knochen..“ Aber irgendwann ist nichts mehr übrig.

          Nach 5 Minuten Apres Ski wär ich so schwer-suizidal, dass ich mich erschießen würde. Pro: Keine Menschen, auf die ich anziehend wirken könnte. Contra: Ist klar, näääh?

  3. Bitte, kein Apres Ski, bleib uns bitte erhalten. ;-)
    Dein Eis-Argument hat jetzt natürlich dafür gesorgt, dass zumindest ich nicht schlauer bin als vorher. Haben wir jetzt eine Wahl? Haben wir die nicht? Oder sind es mehr die Konsequenzen oder die Umstände, die für uns wählen? Fragen über Fragen… :/

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