#28 I read your name on every wall.

Hab den Text am Stück geschrieben, seit Ewigkeiten nicht geraucht, nicht noch einmal drüber gelesen und garantiere deshalb nicht für deinen mentalen Zustand, nachdem du hier durch bist. Oh und ich übernehme auch keine Verantwortung für folgenden BS.

Es gibt zwei Dinge, über die ich schon länger einmal schreiben wollte. Ein Thema hab ich zurückgehalten, weil ich das Gefühl hatte (und um ehrlich zu sein, immernoch habe) dass ich irgendein Puzzleteil nicht finden kann. Nicht, dass das Thema wirklich ein Puzzle wäre.

Erst einmal: Ich weiß, dass es viele belächeln, aber m.E. ist Fruits Basket eine der tollsten Geschichten, die je geschrieben/gemalt wurden. Auf jeder zweiten Seite gibt es Dinge, die ich zitieren möchte, und irgendwie werden meine exzentrischen Anfälle auch immer unterhaltsamer. (für mich, mind you)

Zur Zeit gibt es so viele Dinge, die irgendwie .. beeinflussend sind. Ich weiß, dass eigentlich alles irgendwie einen Einfluss hat, aber zur Zeit kommt mir der stärker vor. Vielleicht hab ich die Augen weiter offen, und realisiere das nur dadurch, oder vielleicht liegt es daran, dass ich gute 50 Manga in der letzten Woche gelesen habe (argh!) oder dass ich auf keine e-Mails reagiere, weil ich mich aufgeladen fühle (Sorry, J! I am trying!) aber momentan hab ich diese.. nein, anders. Momentan bin ich in diesem Zustand, in dem ich voreilig Entscheidungen treffe, oder Dinge bewerte.

Als würde sich bald etwas entscheiden oder verändern, und vielleicht ist dem auch so, aber ich bin ein rechtwinkliges Dreieck und gerade den einen Winkel hochgekrabbelt. Wenn man da ein emotionales Hoch hat, dann nur, weil der Sturz nach unten so schön befreiend ist.

Ich hab das mal in einer kleinen Grafik zusammengefasst*:

Der Punkt ist, man hat ja irgendwann gelernt, dass Stürze doch eher weh tun. Wenn man also gerade fällt und nicht voller Euphorie ist, dann wird mal wohl ziemlich Angst haben, und gar nicht richtig mitbekommen, was da unten auf einen wartet. Also klammert man sich an irgendwelchen Ästen fest oder was auch immer.

So geht es mir jedenfalls. Früher hab ich ja gern davon gesprochen, wie sinnlos es ist, Berge hochzuklettern, nur um wieder runtergestoßen zu werden. Aber selbst, wenn man hochgetragen wird, den letzten Schritt, den Sprung hinunter, muss man eben doch selbst wagen, und wenn man sich nur daran erinnert, wie sehr es weh tut, dann wäre man ein Idiot, das Ganze zu wiederholen und ein anderes Ergebnis zu erwarten. (Und was für ein Idiot wäre man, zu wissen, dass es mit Sicherheit weh tun wird, und trotzdem zu springen.) Dass unten jemand wartet, um uns aufzufangen. Das unten etwas ist, dass uns antreiben könnte oder jemand, der uns zumindest ins Krankenhaus fährt, weil wir ziemlich schlimm aufgekommen sind, trotz des Sicherheitsnetzes, von dem wir nicht wussten, dass es aufgespannt war.

Welche Dämonen müssten uns jagen, dass wir Depressive wirklich springen wollen würden? Wieviel Verantwortung müssen wir haben, und wie viel wäre zu viel, dass wir nicht WIRKLICH irgendwo runter springen?

Ich meine, ernsthaft. Depressive der Welt, wie schlimm ist euer Krankheitsleid, dass ihr euch der Gefahr von Oops, da ist niemand, da wartet niemand, da ist nichts, da wird nie etwas sein, bam, ich bin Matsch aussetzen wollt? Dass es das Risiko wert ist, trotz Krankheitsbild. Dass es das Herzrasen wert ist, trotz Angst?

Aber gleichzeitig.. Gleichzeitig überlege ich manchmal, ob es nicht schön wäre. Ob, wenn ich unten ankomme und mir alle Knochen gebrochen habe.. Ob es nicht vielleicht gut wäre, denn die früher falsch-geheilten Knochen können gleich gerichtet werden, wo die Ärzte schon einmal dabei sind. Ob es nicht reicht, wenn nur ich unten ankomme, weil ich genug für mich sein sollte und vielleicht hab ich da unten, anders als hier oben, Handyempfang und kann mir selbst meinen Krankenwagen ranbestellen. Und Pizza.

Oder sogar.. oder ob es nicht sein könnte, dass ich an einem Platz ankomme.. in mir selbst, der.. Aber das ist das Problem. Diese Gedanken sind das Problem, weil ich oben bin, oder fast. Weil ich heute soviel Soja Cappucino getrunken habe, dass ich mich high fühle, und eine meiner Lieblintsautoren einen Status auf Facebook von mir mit ihren Followers geteilt hat, weil One Piece mich sowieso immer erfreut (Oh, Pell..) und.. weil nichts beständig ist. Weil es immer ein Auf und Ab ist, für jeden, aber für manche sind die Intervalle kürzer, und für Andere sind die Wellen höher..

Und weil ich zu oft gestolpert bin, und mich hab runterfallen lassen. Weil es beängstigend ist, optimistisch zu sein, wenn man eigentlich genau weiß, wie dumm es ist, zu hoffen oder zu wollen. Weil es beängstigend ist, diese Dinge zu realisieren und sich damit auseinanderzusetzen, weil sie einen dazu zwingen, irgendwann eine Entscheidung zu treffen oder wegen Sauerstoffmangels umzukippen und langsam aber sicher zurückzurollen.. Entweder man springt, oder man fällt wieder den Berg herunter. Aber selbst, wenn man zum Sprung ansätzt, vielleicht rutscht man aus und rollt den scheiß verdammten Berg runter.

Irgendwie klingt es so einfach, wenn Andere davon sprechen. Triff eine Entscheidung und leb danach. Setz deine Prioritäten und verlier sie nicht aus den Augen. Hab Ziele und versuch, sie zu erreichen. Schließ Menschen in dein Herz, vertrau deinen Freunden. Was du heute kannst besorgen..

Und ich sage nicht, dass es unfair ist, dass ich mich damit auseinanderzusetzen habe, weil ich mir durchaus bewusst bin, dass es Leute gibt, die das ebenfalls müssen. Ich meine nur, dass ich nicht weiß, wie.

Ich weiß nicht, wie ich Entscheidungen treffen soll und woher ich wissen soll, dass sie richtig sind. Wie ich Entscheidungen treffen soll, wenn ich keine Garantie hab, dass sie die richtigen sind. Ich weiß nicht, was meine Prioritäten sind, und wie ich sie unter all dem täglichen Bullshit im Blick behalten soll. Ich kenne doch MICH noch gar nicht, woher soll ich da bitte Ziele holen? Ich bin nicht in der Lage, Menschen in meiner Nähe zu akzeptieren, aber ich soll sie lieben und ihnen vertrauen? Ich soll spontan sein aber gleichzeitig verlässlich und verantwortungsbewusst? Ich soll direkt sein, aber trotzdem freundlich? Ich soll relevant sein, Relevantes sagen, aber gleichzeitig jemand, mit dem man Zeit verbringen wollen würde?

WIE?

Und der Punkt ist, ich kann nicht nur beifällig die Entscheidung treffen. Das hab ich oft genug getan. Ich hab mich entschieden, in Therapie zu gehen, und sicher, Frau K. ist nicht die richtige Therapeutin für mich, wie es scheint, aber ich hab mich auch nicht wirklich bemüht. Weder in der Therapie, noch, um einen anderen Therapeuten zu finden.

Wenn ich mich jetzt entscheide, zu springen und dann da oben stehe.. Wer sagt, dass mein Unterbewusstsein nicht doch etwas zu bewusst versucht, mich zu sabotieren?

Denn anders als in meinem Bild ist man nicht wirklich glücklich, wenn man da oben ist. Oder vielleicht ist man das, aber ich bin es nicht. Denn ich hab Angst, jedes Mal, wenn ich realisiere, wie wenig Kontrolle ich über all das, was passiert, habe.

*sigh*

Wozu auch immer ich das jetzt alles geschrieben hab, vor allem, weil es nicht ansatzweise vollständig ist, und sogar das anfangs weniger wichtig erscheinende Thema war. Tja.

Was ich eigentlich sagen wollte, und es hängt mit dem davor in Zusammenhang.. Dafür muss ich mehrere Sachen erst einmal erklären.. und vielleicht bin ich dann auch schon wieder zu faul, den eigentlichen Text zu schreiben und verschieb ihn.. Hah.

1. Irgendwann einmal meinte ich, dass es diese Angst gibt, dass selbst der beste Mensch einen nicht lieben könnte. Ich wurde gefragt, was ich meinte, weil der Satz wohl nicht viel Sinn gemacht hat, und da ich gerade Fruits Basket wieder gelesen hab, fiel es mir ein:

Ich meine, dass es Menschen gibt, die einfach gut sind. Die Andere lieben, ohne Erwartungen zu haben. Die Fehler akzeptieren und nicht urteilen. Es gibt wenig, was diese Menschen nicht lieben könnten, aber was, wenn man so kaputt ist, dass man unter seines gleichen nichts finden kann, weil man einfach schlecht ist und die Anderen somit auch.. Und selbst, wenn man egoistisch genug ist, und es einem egal ist, dass man mit dem eigenen Dreck die ‚Guten‘ schmutzig macht, belastet, runterzieht – und sie es machen lassen, weil sie eben so sind; auch dann könnte es sein, dass man, anders als der Rest nicht aus irgendwelchen Gründen schlecht ist, sondern, weil man schon als Kind gerne Fliegen die Flügel ausgerissen hat.

2. Ebenfalls in Furuba kam die Szene, in der Yuuki zu Kisa meint, der Inhalt des Briefes ihrer Lehrerin seie unnütz. Diese behauptete, dass Kisa zuerst lernen muss, sich selbst zu lieben, bevor sie Andere akzeptieren kann/können. (Heh. Deutsch ist manchmal so schön.) Yuuki meint, dass das nicht stimmt. Dass, wenn man nur weiß, dass man sich hasst, weil das alles ist, was man tut und kennt oder was auch immer.. dass es manchmal jemanden braucht, der einem sagt, dass man wertvoll ist. *schnell raussuch*

Here. It says to ‚like yourself.‘ But good things about yourself… how are you supposed to find them? I only know things I hate about myself. ‚Cause that’s all I know, I hate myself. But even if you force yourself to find good things… it feels so empty. It doesn’t work that way. People like your teacher just don’t get it. I think… when you hear someone say they like you, for the first time… then you can begin to like yourself. I think when someone accepts you, for the first time… you feel like you can… forgive yourself a little. You can begin to face your fears… with courage.

Damals fand ich die Szene wirklich schön, und ich denke, irgendwo stimmt es.. Aber ich weiß, dass ich geliebt werde. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich lieben und wertschätzen, auch, wenn ich denke, dass diese Menschen Dinge in mir sehen, die nicht da sind, um akzeptieren zu können, dass ich bin, wie ich bin.

Ich denke.. ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich anfangen sollte, Dinge zu finden oder eher, zu akzeptieren?, die an mir gut sind, und es nicht einfach hinzunehmen, wenn ich realisiere, dass es zig Dinge gibt, die nicht gut sind. Das impliziert jetzt natürlich das Vertrauen darin, dass es gute Dinge gibt, oder ich in der Lage bin, diese anzuerkennen, was alles ein gewisses Selbstvertrauen und ja, hah, Entscheidungsfähigkeit voraussetzt, aber zum Schluss sollte ich vielleicht meine Grimm Collection raussuchen und die Bücher umschreiben.

Whedonlike aus dem Prinzen, der Dornröschen befreit, mich selbst machen, denn wenn das bei Dollhouse geht, dann geht das auch bei Patricia. In den Songs nicht mehr jemand anderen hören, sondern mich, und damit meine ich nicht die Sänger, sondern den Inhalt. Vielleicht sehe ich das, was ich mal sein könnte, überall. Vielleicht kenne ich meine depressive Seite mittlerweile zu gut, um sie noch zu wollen. Vielleicht werd ich keinen Artikel mehr der Person widmen, die ich mal war, nur weil ich Angst hab, dass ich sie sonst aus den Augen verliere.

Ach, was rede ich. *sigh* All diese Entschlossenheit, und morgen sitze ich da und möchte kotzen, wenn ich an Menschen denke.

Übrigens hab ich jetzt jeden Dienstag und Donnerstag Fahrschule, wie es scheint.

*Keine Ahnung, warum anfangs das Oberteil hell und die Hose dunkel war, dann beides hell, und dann andersrum. Vielleicht ein Zauber-T-Shirt. Meine Haare liegen auch unglaublich gut auf den Bildern.. Das beweist erst einmal, wie ’naturgetreu‘ ich zeichne.. Heh. (Finde aber den Ausdruck von.. naja, ‚mir‘, die auf dem zweiten Dreieck steht, göttlich.)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

7 Gedanken zu „#28 I read your name on every wall.“

  1. Ich habe bei jedem Kommentar Angst, dass ich total am Beitrag vorbei denke. Und zur ersten Hälfte würde ich das bestimmt auch tun. Aber wirklich gefesselt hat mich dein Gedanke zu den „guten“ Menschen, die einfach lieben können.
    Ich glaube, dass ist etwas, was diese Menschen aus ihrer Kindheit mitgenommen haben. Einfach lieben, ohne Bedingung, ohne dem Verlangen nach einer Gegenleistung oder ähnlichem. Bin mir nicht sicher, wie ich das ausdrücken soll.
    Ich habe vor vielen Jahren so jemanden gekannt. Wir hatten, so merkwürdig das klingt, nur telefonischen Kontakt, aber von ihr würde ich ohne zu zögern behaupten, dass sie das ist, was wir als „guten Menschen“ bezeichnen würden. In den Augen vieler war sie einfach naiv, kindisch, manche behaupteten sogar „zurück geblieben“. Für mich war sie einfach jemand, der so ist, wie ich gern wäre.
    Sie hatte die Fähigkeit, bedingungslos zu lieben. Menschen, Tiere, Pflanzen, Ereignisse. Das einzige, was sie nie verstanden hat, war, dass es mich so beeindruckt hat. Denn für sie war es selbstverständlich.

    Was ich damit sagen will, ist… Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, vielleicht finde ich es einfach nur schön, zu wissen, dass sie nicht allein ist. Das du wohl auch schon so jemanden erlebt hast.

    Was das Stecken von Zielen angeht, darüber habe ich gestern Abend noch mit einer Freundin gesprochen und ich habe ihr gesagt, dass eine Partnerschaft allein mich nicht glücklich macht, weil es bei ihr scheinbar so war. Ich erklärte ihr, dass es mich deutlich glücklicher machen würde, meine persönlichen Ziele zu erreichen. So unwichtig sie in den Augen mancher oder vieler auch sein mögen. Das Zurückblicken auf etwas erreichtes. Und in der Hinsicht ist meine Liste kurz. Ihr Rat, ich solle die Ziele dann tiefer stecken.. Nun, natürlich kann ich mir als Ziel setzen, den Tag ohne Genickbruch zu überstehen, aber ist das wirklich etwas, worauf man stolz sein könnte?

    Ich möchte mir höhere Ziele setzen, damit ich, so banal das auch rüber kommen mag, stolz auf mich selbst sein kann. Ich möchte etwas erreichen, dass nicht jeder schafft. Wettbewerbsdenken pur. Ich möchte aber einfach nicht untergehen. Die Schwierigkeit an der ganzen Sache ist, und ich hoffe, da finde ich jetzt endlich mal Bezug zu deinem Beitrag, dass mich Rückschläge zögern lassen. Hab ich zu viele erlebt, finde ich nur selten die Motivation, es wieder zu probieren. Und irgendwann kommt der Gedanke „Das schaffst du eh nicht, probier es erst gar nicht.“ Da wieder raus zu kommen, scheint mir manchmal unmöglich.

    Hach, ich bin immer so motiviert, zu kommentieren, wenn du schreibst, dass ich mir zu wenig Zeit nehme, um darüber nachzudenken, was ich schreiben will und wie. :/ Bitte um Verzeihung.

    1. Davor mache ich mir auch immer Sorgen. Man liest etwas und irgendwie hat man was zu sagen, aber man will ja nichts.. Falsches sagen. Bisher hast du das aber nie, also.. ;)

      Ich weiß nicht.. Ich glaube, es gibt einfach Menschen, die besser sind, als der Rest. Denn.. zwei Personen in den exakt selben Lebensumständen reagieren ja trotzdem aus unverständlichen Gründen unterschiedlich. Vielleicht ist es nur eine Anlage, die dann durch die Kindheit und Jugend entweder zum Vorschein kommt oder nicht.. Was weiß ich.

      Hm, ich glaube, es ist einfach leichter, diese Leute dumm oder gruselig zu finden. Wieso sind sie so gut? Wieso stecken sie nur ein, wieso lächeln sie, wenn sie ihr letztes Hemd hergeben? Und man will sie vielleicht sogar beschützen, oder man bemitleidet sie, und da sie sich nicht ‚helfen‘ lassen und zum Zyniker umerziehen, will man sich vielleicht der Hilflosigkeit nicht stellen.. Also sind sie eben dumm. Oder sie machen nur allen etwas vor und lügen, um beliebter zu sein..

      Aber wenn man lang genug so einen Menschen beobachtet, erkennt man irgendwann, dass er einfach so ist.. Und.. ach. *sigh*

      Wieso brauchen so viele Frauen nur einen Mann? Vielleicht bin ich zu jung, um es nachvollziehen zu können, aber wie kann einen eine andere Person so zufrieden stellen? Das kommt mir so.. oberflächlich vor. Falsches Wort. Bin zu faul, weiterdarüber nachzudenken..

      Wettbewerbsdenken.. so geht es mir auch. Mami ist da noch schlimmer, was Ziele betrifft. Stillstand ist einfach nicht möglich, ohne, dass sie verrückt wird. (Ist vielleicht ne Widder-Sache. R. ist genauso und die ist ebenfalls Widder.)

      War gerade auch motiviert zu antworten, aber hab ab dem dritten Paragraph vergessen, was ich eigentlich sagen wollte. Sorry. :( Vielleicht fällts mir nachher noch ein. v_v‘

      1. Beschützen. Ich tendiere ganz klar zum Beschützen, weil ich immer den Eindruck habe, dass diese Menschen extrem verletzbar sind. So sehr sie sich über scheinbare Kleinigkeiten freuen können, desto schneller sind sie verletzt oder traurig wegen Dingen, die wir nicht ganz so guten Menschen einfach abschütteln.
        Ich denke, dass liegt daran, dass sie nicht verstehen, warum andere Menschen oft grundlos gemein oder gewalttätig sind. Ebenso, wie ich nicht verstehe, wie sie es nicht sein können.

  2. Bei der 1.400-seitigen Biographie von Franz Kafka, die ich zurzeit als E-Book lese, hätte ich im Reader gerne eine Funktion, die alle Absätze, welche ich markiere, sofort ins Facebook pinnt:
    „Auf jede Manuskriptseite, die er der Überlieferung für wert hielt, kamen zehn, vielleicht zwanzig Seiten, die er vernichtet sehen wollte. Alle literarischen Projekte, die über den Umfang einer Erzählung hinausreichten, scheiterten…
    Doch wenn er sich nach der glücklich verzehrenden Arbeit am HEIZER gegen zwei oder drei Uhr in der Nacht zu Bett legte, so konnte es geschehen, dass sein Gehirn endlose Briefe an Felice zu phantasieren begann, hämmernd, in immer neuen Anläufen, bis zum Morgengrauen…
    Kafkas BRIEFE AN FELICE gehören zu den ungeheuerlichsten Dokumenten der Weltliteratur; weder in ihrer sprachlichen Dichte noch in ihrer selbstreflexiven Intensität sind sie mit irgendeiner erhaltenen Korrespondenz vergleichbar…
    Schrieb ich aber nicht, dann lag ich auch schon auf dem Boden, wert hinausgekehrt zu werden…
    Gibt es also eine höhere Macht, die mich benützen will oder benützt, dann liege ich als ein zumindest deutlich ausgearbeitetes Instrument in ihrer Hand…
    Es ist möglich, dass mein Schreiben nichts ist, aber dann ist es auch ganz bestimmt und zweifellos, dass ich ganz und gar nichts bin. Schone ich mich also darin, dann schone ich mich, richtig gesehen, eigentlich nicht, sondern bringe mich um…
    Noch zwei Monate später schlug Felice ihm vor, das Schreiben auf täglich ein bis zwei Stunden zu beschränken; Kafka, gänzlich unbelehrt, hielt dagegen: zehn Stunden wären gerade das Richtige!“
    Ursprünglich wollte ich Kafkas Biographie vor allem lesen wegen der Frage, wie er damit umging, Blut zu husten, wie er sein Sterben ertragen hat? So wie ich davor in einem Zug das wohl allerletzte Buch von Joan Didion studierte, in dem sie während „blauer Stunden“ den Tod ihrer Tochter verarbeitete:
    „Am nächsten Tag gingen wir in die Kathedrale St. John the Divine und stellten die Asche meiner Tochter zusammen mit der meiner Mutter und der meines Mannes in eine Marmorwand der
    St.-Ansgar Kapelle.
    Eduene Jerrett Didion
    30. Mai 1910 – 15. Mai 2001
    Johns Name stand schon drauf.
    John Gregory Dunne
    25. Mai 1932 – 30. Dezember 2003
    Zwei Plätze waren noch übrig gewesen, die Namen noch nicht eingraviert.
    Jetzt war noch einer übrig.“
    Tatsächlich aber ist auch Kafkas Lebenswandel für mich eine Erlösung. Den Sturz nämlich, so wie ich ihn verstehe, den erfahren eigentlich nur die Konsumenten. Sei es, dass sie Mangas genießen, Liebe erfahren oder eine Therapeutin ihnen hilfreiche Worte schenkt. Überall ein Außen, welches jenen Gipfel der Hinwendung kennt, aber eben immer auch leise nach dem Abstieg fragt.
    Hingegen der Schaffende nirgends eine Punkt setzen braucht, sondern schöpfen kann und schöpfen und schöpfen. Folgerichtig gestanden viele Weltliteraten, allein in ihren Werken gelebt zu haben.
    Mich jedenfalls stabilisiert der fortwährende Schöpfungsprozess meines Menschen, der ist, was er hinterlässt, auf geradezu wundervolle Weise.

    http://chschlesinger.blog.de/2011/06/12/welch-vermaechtnis-11304498/

    So wie Kafka ein unbeschreibliches Hoch erlebte, als ihm in der Nacht vom 22. zum 23. September 1912 mit dem „Urteil“ sein Durchbruch zur Weltliteratur gelang.
    Und von diesem Gipfel musste er nicht, wie jeder genießende Konsument, „runterkommen“, nein, er wollte seine Schöpfung weiter und weiter vervollkommnen.
    Ich rate also jedem, der seinem Leben Maß und Ziel geben will, zu IRGENDEINEM Schöpfungsprozess. Damit man dann mit 55 oder so wirklich frei ist, der Mensch zu sein, der ist, was er hinterlässt.

    http://blikeberlin.wordpress.com/2011/09/15/meine-reise-zum-ende-der-welt/

    1. Die Funktion gibt es doch eigentlich auch, oder? Oder war das nur Twitter? Ich hab’s noch nie probiert.

      Ich denke nicht, dass das stimmt. Den Sturz dort, ich glaube nicht, dass wir ihn gleich definieren. ;)

  3. Das irritierte mich gestern natürlich, dass mein Kommentar hier unter Moderation gestellt war. Zumal mich die Ratlosigkeit der Biographen, warum Franz Kafka 700 Briefe in die Stenotypistin Felice Bauer investierte? zusätzlich radikalisiert hat. Kafka selbst fällte ja über den Briefwechsel am Ende ein Urteil, welches an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Wenn also jemand mit meinen Mails oder Kommentaren wenig anzufangen weiß, wäre ich für eine kurze Mitteilung dankbar. Damit ich die vielleicht letzten Stunden meines Lebens sinnvoller nutzen kann. Als zum Tode Verurteilter lebe ich im Geiste des Hospizes. Und da hat wohl keiner mehr sonderlich Zeit für höfliche Konversation.
    Denn im Grunde reden sie ja alle so, dass es ihnen schlecht ginge, das Leben an sich schon hart genug sei, und man niemand brauchen könne, der einen runterzieht. Ich solle mir also überlegen, was ich schreibe und was ich damit auslösen könnte. „Wehrkraftzersetzung“, nannte man das im Amtsdeutsch. Auch zwei mittlerweile diplomierte Psychologinnen haben den Kontakt zu mir abgebrochen, weil sie meine andauernde Kritik und Verachtung nicht länger ertragen konnten. Was ich als besondere Schande empfinde, quasi auch Psychologinnen gegenüber im Rahmen bleiben zu müssen. Bloß nicht zu viel Holocaust, bloß nicht zu viel Sklaverei, lieber zum Herrn Jesus Christus beten, dass am Ende alles gut werden wird. Kafkas Schwestern sind übrigens alle drei im Konzentrationslager ermordet worden. Was mich gerade wieder etwas aggressiv macht, wenn von der Liebe gefaselt wird.
    Wenn jemand seine Kraft darin findet, die halbe Welt auszublenden und das Leben allein in seiner Schönheit zu sehen, bitteschön. Jeder, wie er mag. Ich kann auch alleine leben in meiner Welt jenseits von Gut und Böse, kann in leeren Opernsälen meine Reden schwingen und auf kommende Generationen hoffen. Denn der Morgen, der stirbt nie.

    1. Ich glaube, das lag an den Links? WordPress hat mich vor langer Zeit gefragt, ab wann Kommentare in die Moderation kommen solle und ich hab irgendwas angeklickt.. Hmm. *kopfkratz* Naja, hab dich ja approved. ;D

      Kommentier ruhig weiter, es ist ja provokant genug, um mich auch dann zum Antworten zu bringen, wenn ich auf Kaffeeentzug bin. Ob ich dann aber viel mit deinen Aussagen anfangen kann, oder nur verwirrt bin..

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