#21 I want something real, urgh, Real, go and screw yourself.

Hier geht es ja mittlerweile immer nur noch darum, wie ich mir selbst in den Arsch trete, indem ich Dinge aufschreibe, die mich stören, und die ich selbst tue oder denke. Oder von denen ich verstehe, dass sie nicht umsetzbar sind, weil es Menschen wie mich gibt, oder weil A und B nicht mal mehr Teilmengen voneinander sind.

Letztes Jahr hatte ich das auch oft. Dass eigentlich jeder meiner Artikel das Gleiche ausgesagt hat, nur in grün. Und im Prinzip ist jeder Artikel eh nur ein großer Witz, wenn ich so darüber nachdenke, was ich selten mache und das aus Gründen. *macht Gesicht*

Mir fiel gerade auf einer Balkonsession (ist sowas wie Therapie, nur eben wirksamer, da der einzige Effekt nicht ist, dass ich 300 kcal verbraucht hab, weil ich mich für ein paar Minuten vor die Haustür getraut habe) auf, wie wenig passiert.. wie wenig.. in meinem Kopf hab ich die ganze Zeit ein Bild von einem Hintern. (Einem sehr hübschen.)

Mir fehlt etwas Handfestes. Damit meine ich, oder zumindest rede ich mir das ein, nicht Ereignisse. Oder doch. Die Resultate. Die Dinge, die einem in Erinnerung bleiben, und an die man zurückdenkt, wenn es mal wieder so riecht, wie an dem Tag, an dem sie passiert sind. Mir fehlt ein Hintern.

Das Bild ist gerade auf so vielen Ebenen verstörend geworden, dass ich sie nicht mal mehr alle zählen, geschweigedenn benennen möchte. Bwäh.

Mir fehlt, was ich mir letztes Jahr aus Büchern geholt habe.

„Geschichten sind so geordnet, wie wir wünschten, dass unsere Leben es wären. Mit einem Anfang, einer Mitte, und einem Ende; mit einer Bedeutung und einem Sinn; mit der Wandlung von Dunkelheit zu Verstehen. Wenn wir ein Buch lesen, dann sehen wir dem Ende entgegen – wir rasen ihm entgegen. Wir wollen wissen, was passiert, und wir wollen, dass all die losen Fäden zum Schluss zusammenfinden, damit wir uns versichert fühlen, dass es ein größeres Bild gibt, denn unsere wirklichen Leben fühlen sich oft beiläufig, chaotisch und sinnlos an.“

„Meinst du, dass unsere Leben keine Struktur oder Bedeutung haben?“

„Nein, ich meine, dass diese Struktur zu kompliziert ist, um sie öfter zu verstehen als kurz in einem Moment von Einsicht. Und was den Sinn angeht.. Meistens ist das alles, was wir wirklich haben.“

Dieser kurze Moment von „Alles ist in Ordnung.“ oder wenigstens „Alles ist scheiße.“ der mir versichert, dass ich tatsächlich ein Leben führe. Dass hier mehr passiert als Reruns von Game of Thrones/A Song of Ice and Fire.

Es kommt mir alles so belanglos und oberflächlich vor. Ich komme mir belanglos und oberflächlich vor. Als hätte ich, mit Ausnahme meiner Familie, kein einziges Leben berührt oder verändert, und als würde auch mich nichts berühren, weil einfach keine Interaktion stattfindet.

Und ist es eigentlich möglich, mit 19 an Burn Out zu leiden? Ich habe derzeit nicht das Gefühl, als wäre ich depressiv.. Also, doch, klar. Aber viel mehr als das, fühle ich mich nur.. ausgebrannt. Als hätte mein Körper keinerlei Reserven. Gestern hab ich geträumt, mir wäre ein Zahn ausgefallen. Wenn ich heute davon träume, dass ich irgendwen zusammenschlage (bitte nicht wieder die Skelette. Gott, das war ein ekelhafter Traum!) dann weiß ich bescheid. (Und ja, ich glaube an Traumdeutung. Let me.)

Frau K. kommt derweil nicht auf meinen Fall klar. Sie hat mir jetzt erklärt, dass die Symptome, die ich schildere, nicht eindeutig einer Diagnose zugeordnet werden können. Viele Dinge deuten auf Soziale Ängste hin, aber sie ist fest überzeugt, dass das einfach nicht zu meiner Persönlichkeit passt.

Gee, Frau K. Ehrlich?

Jetzt soll ich also wieder Listen machen. Diesmal mit Negativauslösern oder so. Ich überlege, ob ich die hier mal veröffentlichen sollte, weil Frau K. sie sich eh nie ansieht. Dann hat wenigstens irgendwer was davon.

Oh, und ich bin scheinbar unsexbar. Das ist eigentlich schon sehr traurig. – Will jemand die Geschichte hören? Ja, ich weiß. Also: Und zwar ist ja J. bei derselben Therapeutin und FA für Psychiatrie wie ich. Frau K. und Frau Dr. S.

Bei Frau Dr. S. wurde sie dann wohl die gesamte Zeit  belehrt, dass sie sich nicht schämen muss, ihren Freund zu bitten, Kondome zu benutzen. (Sie bekommt neue ADs und die könnten wohl auch ihre Pille beeinflussen.)

Das Einzige, was ich gefragt werde, ist, ob ich eine neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauche. — Wieso werde ich nie belehrt, dass ich meinem Freund (who does this lovely thing where he does not exist, just as hers does) ruhig sagen darf, dass er Kondome benutzen soll? Ich bin offensichtlich unsexbar.

Zur Erklärung. Ich fühl mich zwar unsexbar, aber aufgrund von früher genaustens geführter Liste, weiß ich, dass andere Menschen das nicht so sahen! (M, E, D, (ich hoffe gerade, dass ich ein I Z I N habe) M, P, K, H, T, C, R, M, R.. (jetzt fühl ich mich schlampig, also hör ich auf..)) Hat mich mein unregelmäßiger Genuss von Elontril aufeinmal unsexiert?

Sollte ich darauf hoffen, dass jemand betrunken über mich drüber rutscht? Ist die einzige Action, die ich abbekommen werde, Ned Stark’s Hinrichtung? Is it that? Und es ist ja nicht so, als ob meine Paralizing Fear of Intimacy nicht da wäre, es ist nur so, dass ich bitte trotzdem noch sexbar sein möchte. Gott, ich bin so 15 Jahre alt gerade.

Zurück zu Frau K. und ihrer Liste. Ist ja nicht nur so, dass sie mich nie nach all den doofen Zetteln fragt, sondern auch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es ist eher ein stetig vorhandenes Fiepen im Hintergrund. Ich versuch auch gerade, auf irgendwas zu kommen. Offensichtlich der Vorfall Unsexbar, aber den werd ich erst gar nicht anbringen, weil es dann nur 20 Minuten um Nichts geht.

Sie möchte ja wissen, woher meine, auf soziale Ängste hindeutenden Symptome, kommen. Was soll ich sagen? Ich hab versucht, ihr zu erklären, dass ich nicht durchgängig schlecht von anderen Menschen denke, sondern, dass ich beobachte. An mir und an Anderen, und ich dabei eben auf solche Ergebnisse komme. Daraufhin wollte sie wissen, was ich alles Böses denke. *sigh* Dann hab ich versucht, ihr zu erklären, dass es ein „Urgh“-Tinitus ist, und keine wirklichen Auslöser existieren, woraufhin sie meinte, ich solle doch den „Urgh“-Tinitus erklären, was ich meines Erachtens in den letzten zwei Jahren Therapie getan habe.

Jetzt also Liste. Wie soll die aussehen?

– Heute kam eine neue Matratze an und ich musste sie ungeschminkt entgegennehmen und die Unterschrift meiner Mutter fälschen. Die Regierung weiß sicherlich bereits bescheid, und der Neckermann-Mann hätte vermutlich am Liebsten in den anderen Karton gebrochen.

– Wurde zum Geburtstag von R. eingeladen, möchte gehen, möchte nicht gehen. Kenne niemanden und bin außer Übung. Manche Sachen sind nicht wie Fahrradfahren. (Ja, ich kenne Ihre Gedankengänge auch, wenn ich Ihnen nicht ins Gesicht schaue. Ja, ich weiß, dass Sie  denken, dass ich nur deshalb jedes Mal schon weiß, was Sie sagen wollen, weil ich Sie beim Sprechen so seltsam anstarre, aber das mache ich nur, um Sie zu irritieren.) Außerdem bin ich geizig und weiß nicht, was ich ihr schenken soll.

– Menschenmassen irritieren mich und machen mich nervös. Ja, Paranoia ist eine etwas süßere Form von Egozentrik. Ich unterstelle den Leuten nur, so böse von mir zu denken, wie ich von mir denken würde. Ja, ich weiß, dass ich genau diesen Menschen sonst unterstelle, das Gegenteil zutun.

Das Fazit einer jeden Stunde bei Frau K ist, dass sie mir erklären möchte, wieso die Dinge, die ich denke oder tue, unlogisch sind. Es ist doch aber nicht so, als würde ich das nicht wissen. Und weil sie mir leider nicht immer einen Schritt voraus ist, oder ich sie unglaublich unterschätze und die Punchline erst in der letzten Therapiestunde kommt, fehlt mir da das Vertrauen darauf, dass es irgendwie besser wird und die Therapie in irgendeinerweise noch etwas mehr bringen wird als oben erwähnten Kalorienverbrauch.

.. Argh, voll am Thema vorbei. 1 NP.

Und, bei euch so?

Advertisements

Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

2 Gedanken zu „#21 I want something real, urgh, Real, go and screw yourself.“

  1. „Ganz so einfach, wie er sich das mit dem Tod vorstellte, ist es wohl nicht gewesen. Er wurde aufgefunden an der von ihm bestimmten Stelle. Er hatte sich auf die von ihm bestimmte Weise zum Sterben gelegt. Aber er lächelte nicht. Seine Augen waren nicht geschlossen. Er wirkte im Gegenteil wie jemand, der verzweifelt nach Luft gegiert hatte. Drei Minuten, vier? Kein schöner Tod.
    Ihm stellte sich wohl vor allem die Frage, ob es ein guter Tod war? Selbstbestimmt. Frei.
    Niemand will sterben. Aus seinen Aufzeichnungen ahne ich, wie leidenschaftlich er am Leben hing.
    Anders als viele, schien er besorgt um das, was ein Mensch hinterlässt. Ihn trieb mehr als jenes kurze, schmerzhafte Aufmerken Richtung Sterbebett, wie wenig das Leben durch unseren Tod aus dem Tritt gerät. Bestenfalls ein winziges Zögern. Ein leiser Schritt zwischen zwei festen. Weiter marschiert das Leben, immer weiter.
    Bemerkenswert seine Gewissheit, mit fünfzig Jahren keinen Sinn mehr erfüllen zu können in einer Welt, die er als fest gemauert empfand. Jedes Kindheitserleben, das niemand sonst erlebt hatte, erkannte er als einen Stein zwischen sich und der Welt.
    Gerade seine Glücksmomente mussten ihn so am Ende erschlagen, mussten die Steine auf dem Grab sein, in dem er lebendig lag.“
    Da offenbar alle Indie-Autoren im Kindle-Store in Liebesromane und Krimis machen, will ich meinen Menschen, der ist, was er hinterlässt, bei Gelegenheit umschreiben zu einem Schlüsselroman selbstbestimmten Sterbens.
    Wobei mich zwei schwere Krankheitsfälle in der Familie Karfreitag darauf gebracht haben, wie entsetzlich unerreichbar jeder Mensch in seinem Gefühlshaushalt ist. Selbst Frau K. traue ich nun während der Therapiestunde ein aufmerksames Gesicht zu, während sie tatsächlich über einen Knoten in ihrer Brust grübelt.
    Kunstwerke erscheinen mir jetzt beinahe als die einzige Form wirklicher Interaktion. Blockbuster like „Avatar“, wo im Nachspann hunderte Namen über die Leinwand laufen: Am Ende ist da eine Schöpfung, die erschaffen wurde aus der Interaktion hunderter Namen.
    Hintern kosten. Zwar kein Eheversprechen mehr, aber viel zu viel, um großartig Hand anzulegen. Seit das Internet mit DSL richtig am Laufen ist, bin ich weniger als je zuvor bereit, für einen Hintern auch nur einen Schritt vor die Tür zu tun.
    Nimmt man seinen Job als Liebhaber ernst, bleiben einem eh höchstens 30% Genuss, weil man 70% in die Befriedigung des Hinterns investiert. Endlos langweilige Massagen, die einen am Ende mit halben Auge MTV schauen lassen. „Selbstbefriedigung zu zweit“, habe ich irgendwo mal gelesen.
    Gerade gestern blätterte ich wieder in Hesses „Steppenwolf“. Jene Stelle, wo der Neffe der Vermieterin gesteht, noch oft vom Steppenwolf zu träumen. Gewiss nicht wegen dessen Hintern.
    Gehe ich davon aus, dass der Hintern, welcher Dir vor Augen steht, der eines jungen Vampirs ist, erkenne ich ein Verlangen nach etwas Handfestem, das Dich hält. Der Hintern ist im Grunde ein Weg, ergriffen zu sein, aber nicht besessen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s