#19 Kurzer Einwurf

Ich glaube, ich sollte die Artikel hier nicht so verballern, da ich bei #100 ja gewissermaßen aufhöre. Nicht richtig, aber.. ach, man werde sehen.

Aber trotzdem muss kurz etwas raus:

Es ist nicht so, dass es mir derzeit so geht, oder dass ich darüber übermäßig darüber nachdenke. Trotzdem stört mich, wie Menschen denken, oder eher, dass ihnen Dinge wichtig genug sind, um sich zu äußern, aber zu unwichtig, um davor ein wenig ihrer vermutlich mangelnden Intelligenz zu benutzen, um vorauszusehen, wohin der gesamte Zug eigentlich fährt. Was ich meine:

Ich denke, das habe ich schon mal gesagt, aber was solls: Soweit ich sehen kann, geht es vielen Depressiven nicht darum, dass sie sterben möchten. Und ich meine hier nicht einmal das Offensichtliche – Dass sie nur lieber etwas lebenswertes hätten, denn Gott, natürlich möchte ein unglücklicher Mensch vermutlich lieber glücklich sein, auch wenn es unvorstellbar ist und der Gedanke ihn noch unglücklicher macht – sondern, dass es einfach wirklich nicht immer so ist, dass sie sterben wollen, nur weil wenig Interesse haben, ob sie leben oder tot sind. In kurz: Sie wollen nicht sterben, es ist ihnen nur relativ egal, ob sie leben. 

Da ist ein Unterschied, und es ist traurig, dass die meisten Menschen nicht mal mehr darüber nachdenken. Der Wunsch, sich zu töten, hat doch oft einen direkten Auslöser (Edward hat dich verlassen) während Desinteresse am Leben eher ein allgemeiner Zustand ist, der zwar auch Auslöser haben kann, und sicherlich Ursachen hat (Dein Nachname ist Winchester oder du wohnst in Forks) aber es ist nicht so, dass du unbedingt diesen Kuchen essen willst. Es ist dir einfach egal, was du isst.

Und klar, man kann von A zu B schwanken, und aus B könnte A werden, oder aus A dann B. Und vielleicht will man heute unbedingt Kuchen, oder hat ganz lang darüber nachgedacht und ist sich sicher, dass A die bessere Wahl ist, was man dann aber eher Billanzselbstmord nennt als Suizidalität aufgrund von Depression.

Was ich meine ist, dass man doch gegen diese Dinge nichts machen kann, wenn man nicht mal versteht, sie zu unterscheiden.

Irgendein Gedanke fehlt da. Aber ich bin müde und ich blute und ich will baden, was ich jetzt eventuell sogar machen werde.* Davor zieh ich aber von iTunes noch You Can Leave Your Hat On auf meinen iPod, damit ich die passende Musik zum Ausziehen hab.*²

(Und meine Tags sind wie immer unterhaltsamer als der gesamte Artikel. Das macht mich jetzt traurig.)

* In der Hoffnung, Frau K. sagen zu können, dass, wenn man Resultat und Finanzen gegenüberstellt, Baden wenig lohnenswert ist, aber auch, weil mir alles weh tut und ich seit Jahren nicht mehr gebadet habe.

*² In der Hoffnung, Frau K. endlich erklären zu können, wieso es wichtig ist, immer die passende Musik zu haben. Während ich dies hier schreibe, höre ich übrigens den „neuen“ One Piece Song. Irgendwaaann, wenn sich die Wellen teilen.. *³

*³ Ich hasse Youtube und ihre scheiß Spoiler und jetzt heule ich, weil bei OP jemand stirbt.. In ungefähr 4029348 Folgen. HOW COULD YOU!?

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5 Kommentare zu „#19 Kurzer Einwurf

  1. Deswegen meine Angst vor „Samenraub“. Ich erkannte im (Dahin-)Leben der jungen Frauen bloßen Zeitvertreib. Erst Kinder
    würden der Existenz der jungen Frauen eine Begründung schenken.
    Merkmal geistiger Gesundheit ist es, getrost ein Heft Kreuzworträtsel vorzuholen, wenn gerade niemand nach Windeln oder Taschengeld schreit. So wie kein Kaninchen mir wird sagen können, warum es lebt, aber sofort davonläuft, wenn es ihm ans Leben geht.
    „Ich will meine Enkelkinder noch erleben!“ ist regelmäßig das Maximum, was man zu hören bekommt auf die Frage nach dem Warum.
    Unwahrscheinlich, dass auch nur ein Passant interessierter ist an seinem Leben als Du an Deinem. Alle zappen sie durch die Kanäle, bleiben irgendwo hängen, und warten ganz allgemein, dass der Tag vorüber geht, dass Feierabend ist, Wochenende, Urlaub, Rentenbeginn. Zeitvertreib eben. Unruhe entsteht wirklich erst, wenn zufällig beim Duschen ein harter Knoten in der Brust ertastet wird: „Ich will einfach nur leben!“
    Ich würde eine Depression unter Umständen als eine rationalisierte Angsterkrankung erkennen: Aus irgendeinem Grunde bekommt jemand im Strom des Leben plötzlich Angst. Er schwimmt nicht mehr blindlings im Heer seiner Artgenossen, weil er merkt, dass man ertrinkt, wenn man aufhört mit den Schwimmbewegungen. Er rettet sich also ans Ufer. Dort verlernt er rasch die Schwimmbewegungen. Er sieht bloß noch von Ferne das Leben an sich vorbeiströmen. Fehlt nun die animalische Wärme der Artgenossen, lässt das Interesse an den eigenen Vitalfunktionen dramatisch nach. Das wird jeder ins Altenheim Abgeschobene bestätigen können. Wohl keine Oma, die dort noch von einer nennenswerten Gier bestimmt wird. Sterben will im Altenheim niemand, aber das Leben ist mehr denn je bloß noch ein Schulterzucken wert: „Kurios, kurios.“
    Als Antwort auf eine Depression fällt mir leider immer nur das Märchen von Schneewittchen ein. Erlösung durch Verliebtheit. Würde mich nicht wundern, wenn ein solcher Prinz aus dem Stand mehr Kräfte verleiht als eine Frau K. nach Jahren. Plötzlich springt jemand wieder in den Strom des Lebens und schwimmt, schwimmt, schwimmt. Und wenn er nicht gestorben ist, schwimmt er noch heute.

    1. Hm, nein, ich meine nicht das normale Desinteresse am Leben oder woran auch immer. Da wird ja irgendwann der Moment kommen, indem man realisiert, dass man eben doch etwas dagegen hat, zu sterben. Ich meine die, die tatsächlich relativ furchtlos durch die Welt laufen, weil es ihnen egal ist, ob etwas passiert.

      Die Depression = Rationalisierte Angsterkrankung.. Macht in gewissen Maßen Sinn, was mich betrifft, aber da kann ich nicht für andere Leute sprechen. Mittlerweile schau ich in den Fluss und finde, die Leute machen sich lächerlich, wie sie da rumpaddeln.

      Märchen sind generell traurig. Allerdings werden mittlerweile auch Megan Fox‘ Filmcharaktere als starke Frauen vermarktet. Curios and curiouser!

  2. Mir gefällt „passende Musik zum ausziehen“! :-D Sorry, das musste ich los werden.

    Aber ich denke, du hast absolut recht. Es ist ein großer Unterschied. So schwer er auch zu finden ist. Ich glaube, ich steckte eine lange Zeit in der Egal-Kiste, obwohl ich hin und wieder, nur ganz kurz zu den „ich will sterben“-Nachbarn rübergeschaut habe. Es war so, dass es mir schlichtweg egal war, ob jetzt jemand rein kommt und mir einen Kopfschuss verpasst. Ich hab aber im Internet nie nach Auftragskillern gesucht, um einen auf mich selbst anzusetzen.
    Und viele haben den Unterschied nicht begriffen. „Ich hab Angst, dass du dir was antust.“, musste ich unzählige male hören. Meine Antwort war:“Tu ich nicht, es ist mir nur egal, wenn es jemand Anders tut.“

    Verstanden haben den Unterschied die wenigsten Menschen. Vielleicht muss man selbst den Unterschied gelebt haben. Man weiß es nicht.

    1. Es gibt sicher für jede Aktivität den perfekten Song.. Und falls nicht, dann ist das ein musikalisches Lacuna. Darf man das Wort überhaupt in dem Zusammenhang benutzen? Oh.. nein, darf man nicht wirklich. Schade. Naja, eigentlich schon, aber es passt doch nicht richtig.. Mhe!

      Mir fällt da immer wieder Noelle ein, die darüber schrieb, durch die Stadt gegangen zu sein. Es war doch glaub ich Noelle? Bin mir nicht sicher. Jedenfalls war es dunkel und sie war allein. Meine erste Reaktion war, nur auf den Monitor zu starren. Im Dunkeln! Allein! Wie? Kann ich nicht. Ich hab unglaubliche Angst vorm Dunkeln. Ich hab auch Angst vorm Alleinsein, und ich meine wirklich Allein, nicht Einsam. Vielleicht übriggebliebene Cavewomangene, die gerne Sicherheit wollen.

      Das ist wieder ein Punkt, den viele Menschen gar nicht betrachten. Dass man seine Nicht-Existenz wenig tragisch fände, bedeutet ja nicht, dass man nicht trotzdem gewissen Arten von Schmerz oder Unwohlsein aus dem Weg gehen möchte.

      Die Frage, ob man sich etwas antun wird, oder die Aussage, dass sich um einen gesorgt wird.. Gut, wir stecken die Leute auch in eine dumme Position. Was sollen sie schon sagen? „Finds voll klasse, dass es dir scheiße geht. Weiter so!“ und vielleicht denken sie tatsächlich, dass sie irgendwie helfen, indem sie *jetzt hol ich mir erstmal was zu Essen* einem zeigen, dass man ihnen etwas bedeutet, oder indem sie uns ein schlechtes Gewissen einreden.. Aber was erwarten sie im Gegenzug für eine Antwort?

      „Nein, ich bin zwar suizidal, aber ich tu mir nichts an.“ oder eben deine Antwort/die Wahrheit. Whatever.

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