‚She wanted very much to be more than what she was?‘ I guessed.

[He] nodded.

It was hard to grow up believing yourself to be a star and smash headfirst into the realization that only your parents thought you were one.

Früher hätte ich mich auf sowas gestürzt und geschrien: „Ja, böse Eltern, die an einen glauben! Wie können sie es nur wagen, ihre Kinder zu lieben! Das macht das Leben viel schwerer!“

Aber in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass ich es was Eltern betrifft doch ziemlich gut erwischt habe. Die meisten Vorwürfe passieren nur in meinem Kopf bzw. sollten mich nicht stören, solange sie nicht auch wirklich ausgesprochen werden. Wer nicht Arsch in der Hose hat, etwas zu sagen, den muss ich auch nicht wahrnehmen. Sage ich im Übrigen, weil heute mein Vater Geburtstag hat, dem ich zumindest geschrieben habe. Mehr als er getan hat.. Denn zu meinem Geburtstag wurde mir nicht gratuliert. („Gratuliere, bist ein Jahr älter. Hast sicher voll viel dafür geleistet. Nicht vor Autos gesprungen, keine Kreuze vorm Asylantenheim angezündet, krasse Leistung, ich bin so stolz auf dich.“)

Wie auch immer, irgendwo, egal was für ein Idiot der Mann gerne ist und egal wie wütend oder traurig ich werde, wenn ich an ihn oder meinen Papa denke, muss ich zugeben, dass sie nicht schlecht waren. Mein Papa nicht, als er da war und mein Vater nicht in seiner Abwesenheit.

Und im Fall meines Papas muss ich zugeben, dass es dämlich ist, jemandem die schöne Zeit vorzuhalten, weil sie jetzt nicht mehr da ist. Was ich an R. seltsam finde – Ihre Trauer um einen Typen, der sie eh nicht mehr will – hab ich seit bald 10 Jahren selbst ausgelebt, auf die eine oder andere Weise.

Was meinen Vonkel betrifft, was soll ich dazu groß sagen? Er ist nun einmal nur biologisch betrachtet mein Vater. Was jetzt ganz anders klingt, als ich es meine. Das soll keine nüchterne Feststellung werden, aber wir haben uns, wenn man alles zusammenzählt vielleicht ein-zwei Monate gesehen. Ein zwei Monate von 18 1/2 Jahren. Was erwarte ich? Woher soll er mich kennen und wie sollte ich ihn verstehen?

Er hat halt Fehler, ich auch und wir befinden uns nicht nur auf verschiedenen Seiten, sondern in verschiedenen Büchern. Was an sich kein Ding wäre, aber er ist in einer anderen Abteilung. Non-Fiction und so.

Also. Ich bin zu 90 Prozent nicht das, was er wollte und die anderen 10 sind wohl auch nur Illusion. Er ist aber auch nicht, was ich möchte, also sollte ich, was das betrifft, lieber ruhig sein.

Er hat mir nicht zum Geburtstag gratuliert, aber ich interessiere mich auch nicht wirklich für sein Leben. Das, was ich möchte, hat nichts mit ihm als Person zutun, sondern mit der Rolle, von der ich alles Mögliche abhängig mache. Wäre er da gewesen, dann so und so.

Ich will auch eigentlich gar nicht so sein, wie er mich vermutlich möchte. Kein Roboter, kein Schnipsel in der Geschichte. Ein paar Dinge wären sicher toll, schlau, logisch und praktisch und whatnot denkend, kalkulierender, hübsch und schlank und weniger anspruchsvoll, weniger in Gedanken und mehr im Leben. Weniger Schauspieler und weniger Zuschauer.

Aber was bringt es, diesen Dingen hinterherzurennen und nichts aus dem zu machen, was ich tatsächlich bin? Okay, Pause. Was bin ich eigentlich?

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6 Kommentare zu „‚She wanted very much to be more than what she was?‘ I guessed.

  1. Geburtstage empfinde ich mittlerweile so, als würde man in einem Slum ein Baby in die Höhe halten: „Ein Mensch ist geboren!“
    Seit ich mich dem Leben nicht mehr als Wohlstandsbürger auf der Couch eines Therapeuten nähere, sondern als Stricher im Bahnhofsmilieu, sind Geburtstage für mich äußerst entbehrlich geworden.
    Und wie absurd jene Szenen, wo Mädels aus Deutschland sich hysterisch kreischend zu Boden werfen, wenn in Südafrika oder sonstwo ihr leiblicher Vater die Tür öffnet. Solch feuchte Erlöserphantasien können wohl nur in Speckgürteln aufquellen, wo man Zeit hat, sich den lieben langen Sonntag einen Jahrmarkt im Himmel auszumalen.
    Vielleicht gelingt es mir ja noch, eine Therapie auszuarbeiten, deren Symbole ein Spaten sind und ein Pflug. Mir fällt es jedenfalls angenehm auf, dass meine Zipperlein sich „auf Arbeit“ rasch vom Acker machen. Vielleicht nun kann man hartnäckigeren Beschwerden mit hartnäckigerer Arbeit beikommen: Zirkeltraining im Park, statt quälende Grübeleien in einem Sarg von einem Zimmer.

    1. Das sieht J. vermutlich sehr ähnlich.. Obwohl sie es weniger.. herablassend (mir fällt gerade kein passenderes Wort ein) formulieren würde. Obwohl ich ja auch nicht gerade viel von meinem eigenen Geburtstag halte. Der anderer Menschen hingegen ist trotzdem etwas Besonderes, aber du meintest ja schon oft, dass dir zwischenmenschliche Beziehungen weniger wichtig sind als .. der Rest. ;)

  2. Ihr führt Euch hier manchmal auf, als wäre Euch noch nie ein Mensch gleichgültig geworden.
    Denke ich nicht mehr täglich an das Wohl eines Menschen, mit dem ich einst das Bett teilte, reicht mir das für mein Urteil, dass menschliche Beziehungen mir wohl nicht so wichtig sind.
    „So ist das Leben!“ ist mir als Ausrede fremd, wenn ich meine Reißzähne vom Herzblut anderer reinige. Ich bin so, ich! Und ich brauche keine zehn Morde, mich als Mörder zu fühlen: Ist auch nur der Geringste mir gleichgültig geworden, ist alles nichts.
    Obendrein steht mir nicht der Sinn nach „Schatz“ genannten Sündenböcken, die ich nach Belieben verantwortlich machen kann für mein Befinden. Das wollen die Leute doch, genau das, wenn sie „ihr Herz verschenken“, in Wirklichkeit aber einen Schreihals übergeben, der immer frecher fordert, „glücklich“ gemacht zu werden.
    Spucken könnte ich auf all diese Gutmenschen, die von Liebe säuseln, aber Titten meinen.

    1. Sag ich gar nicht, aber ich sehs nicht so heftig. In meinem Umkreis regt mich diese do-gooders Einstellung auf, weil sie alle nicht mehr ehrlich zu sich sind. Da gebe ich lieber ehrlich zu, dass mir die meisten Menschen sehr unwichtig sind. Aber es gibt eben auch Ausnahmen und mE heißt „für einen Großteil nichts empfinden“ nicht.. Ach, egal.

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