Too little, too late. – A Lifestyle

Es gibt eine Buchreihe, irgendwas Dystopisches? Nicht für Jugendliche, glaub ich. Ist schon lange her, dass ich die Reihe gelesen habe. Aber als Beispiel eignet sich das Ganze wirklich gut.

Eine Gruppe von Menschen hat sich zusammengetan (whoo) und kriegt Geld dafür, das Leben anderer zur Hölle zu machen. Ähm, das sind übrigens noch die Protagonisten. Sie glauben auch, das Richtige zutun und honestly, in den Fällen dort passt es.

Der Mann, der sie alle zusammengetrommelt hat, hat sone komische Fähigkeit.. ach, wasweißich. Und die anderen sind ganz normale Leute mit psychischen Problemen. Die Eine ist angstgestört, der Andere ein totaler Choleriker, dann gibt’s noch ne Bipolare, einen Borderliner.. Also kommen Klienten zu der Gruppe und geben ihnen ein Profil von irgendwem. Sagen wir, von einem Heiratsschwindler.

Dieser Heiratsschwindler hat aber, so findet die Gruppe heraus, auch noch eine richtig schlimme Paranoia. Also werden die dazupassend ‚Gestörten‘ auf ihn angesetzt und reflektieren ihre Gefühle auf ihn. Irgendwann ist er total am Ende. Er ist disillusioniert.

Manchmal habe ich das Gefühl, das ist es, was Depressionen mit uns machen. Aber nicht richtig und nicht genug und das Timing ist immer falsch und eigentlich ist es komplett anders, aber worauf ich hinaus wollte ist:

Wir haben einfach keinen Überblick. Wir wissen nicht, wieviel wir aus unserem Leben, aus Freundschaften und unserem hässlichen Job herausholen könnten, wieviel wir auf’s Spiel setzen dürfen, wie hoch der Einsatz wirklich ist, wann unser Leben enden wird. Wir haben keine Ahnung und zumindest ich habe höllische Angst, irgendetwas falsch zu machen.

Wie oft ich den Satz noch bringen will, weiß ich nicht. Aber ich bin eingefroren. Einfach nur, weil ich Angst habe.

Und wenn wenn man (ich) dann aufwacht, ist es schon viel zu spät und man ist alt und schwach und hat keine Kraft mehr, irgendetwas zu ändern – meint man. Man weiß es ja nicht wirklich, right? – und ehrlich, wieso ist es nicht egal?

Wieso kann ich nicht sagen: „Mein Leben ist klasse. Manchmal sind Menschen scheiße, meistens ist Schule und Arbeit unfair und nervig, aber zum Schluss ist mein Leben trotzdem klasse.“ Warum kann ich nicht sagen „Es geht darum, sich die Zeit zu nehmen.“?

Wieso geht das alles in der Theorie und wieso friere ich immer wieder ein, wenn es um die Praxis geht?

Dieser alte J-ische Traum, einfach die Taschen zu packen und wegzufahren. Nicht für immer, nur für [xyz]. Dinge auszublenden und in den Tag hineinzuleben anstatt die Zeit auslaufen zu sehen und zu schlafen. Vor sich hinvegetieren, existieren, was hatten wir nicht alles für Begriffe gefunden.

Aber zum Schluss halten uns nicht Menschen sondern Vorstellungen fest und kein Ort würde etwas daran ändern, das wir uns selbst kaputt machen und uns dann, wenn wir aufwachen, einreden, dass es doch kein Zurück mehr gibt.

All diese Illusionen und Ängste und Vorstellungen. Und ich hab keine Ahnung woran es liegt. Ob wir uns nicht mehr zutrauen, ob wir es tatsächlich nicht schaffen können, weil wir zu schwach, dumm oder whatever sind. Wir tauschen unsere Käfige aus und fühlen uns für drei Sekunden gut, dann geht es uns wieder scheiße.

14.7.2011

Advertisements

4 Kommentare zu „Too little, too late. – A Lifestyle

  1. „Wie oft ich den Satz noch bringen will, weiß ich nicht. Aber ich bin eingefroren. Einfach nur, weil ich Angst habe.“

    Genau das ist es. Es geht einfach nicht, man kann nicht andauernd Angst haben. Es frisst einen auf. Man hat Angst davor, in 20 Jahren immer noch Angst zu haben oder vielleicht gar nicht „aufwacht“.
    Und ich habe auch Angst, etwas gegen die Angst zu tun (was auch?), weil ich Angst vor Veränderungen habe. Haha.

    Dass wir es tatsächlich nicht schaffen können, weigere ich mich zu glauben. In diesem gelähmten depressiven Zustand, den wir viel zu gut kennen? natürlich nicht. Aber angefangen hat das alles mit Hirngespinsten, mit Ängsten, die vielleicht noch näher an der Realität waren, in die man sich dann aber zu sehr hineingesteigert hat. So wie, ganz klassisch: ehrgeizig sein — überspitzt: niemals Fehler machen dürfen.
    Wenn wir uns die depressiven Gedanken nun aber nur selbst eingeredet haben, müssten wir sie uns doch auch wieder ausreden können? Bitte?

    1. Ich denke, ich werde einfach in Schokolade ertrinken.

      Angst ist scheiße. Angst vorm Denken, Angst vorm Aufhören, Angst vorm Dunkeln, Angst vorm Aufwachen, Angst vorm Weiterschlafen, Angst vorm Depressiven, Angst vorm Gesundsein. Angst davor, dass alles anders ist und ich nicht entscheiden kann, wie. Scheiß Kontrollzwang. Und eigentlich ist nicht mal irgendeine spezifische Angst schlimm, sondern die Tatsache, dass dieses hässliche Gefühl ständig wiederkommen könnte. Dass ich nur im Buchladen stehen muss und aufeinmal nicht richtig atmen kann oder heulen will oder in mich zusammensinken und mit der Welt abschließen. – Krampfanfallmäßige Angst. Yay.

      Das ist dieses.. irgendwann vor einiger Zeit hab ich das irgendwo geschrieben. Wir können nur dann un-depressiv werden (oy), wenn wir schon un-depressiv sind. Man braucht Kraft, um aus der Depression rauszukommen – nur dass Depression an sich Kraftlosigkeit bedeutet. Erst, wenn man Kraft hat, kann man mit dieser Kraft etwas tun. Macht das Sinn? Also in meinem Kopf schon, aber irgendwie will das nicht ganz verbalisiert werden.

      Wieso kriegt der Rest der ganzen ignoranten, verblödeten, asozialen, charakterlich behinderten Menschen eigentlich alles hin?

      1. Schokolade? Yes, please!

        Ich weiß, was du meinst. Um sich aus der Antriebslosigkeit herauszusteuern, muss man erstmal ein kleines oder auch größeres Fitzelchen Antrieb haben. Da kommt dann üblicherweise der Arzt ins Spiel, der mit einem Antidepressiva-Rezept wedelt. Tadaaaaah, die Lösung für alle Probleme!

        Die anderen kriegen vielleicht alles hin, aber ich glaube fest daran, dass wir Depressiven irgendwann Rache nehmen und die Weltherrschaft an uns reißen werden. So.

  2. „Hör auf hier zu predigen, hör auf mit der Laberei, wir feiern hier ne Party, und Du bist nicht dabei!“ ist der Refrain meiner völligen Furchtlosigkeit. Anders als die Schwärmer und die Träumer in den Lehrerzimmern, weiß ich, dass Kinder sich einen Scheiß für Storms „Schimmelreiter“ interessieren, dass man lieber mit ihnen üben sollte, wie sie Kondome richtig aufziehen, und was sonst noch zu beachten ist, wenn sie sich miteinander paaren. Trotzdem komme ich den Kindern mit Storms verfickten „Schimmelreiter“, komme ihnen wieder und wieder und wieder damit. Obwohl ich sehe, dass viele schon auf der Hinfahrt zur Travemünder Woche völlig breit sind.
    Für mich ist die Welt ein Eingeborenendorf, mit Riten, welche mich wohl auf dem Sterbebett noch zum Lachen bringen vor Irrsinn. Wie die Eingeborenen sich auf Partys eine nach der anderen anstecken, oder wie sie am Strand Brathähnchen spielen. Und trotzdem, trotzdem stehe ich Morgen für Morgen auf, den Eingeborenen aus Storms „Schimmelreiter“ vorzulesen. Bis man sich eines Tages ein Herz nimmt, und mich totschlägt wie einen tollen Hund.Derart erlöst zu werden, warum sollte ich Angst davor haben?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s