Loslassen

Durch wortmagie, K. und ein paar andere Dinge, hab ich darüber nachgedacht, was ‚loslassen‘ überhaupt sein soll und wie das bitte klappen möchte.. Und durch die Zeit zwischen damals und heute, haben sich meine Prioritäten verändert.

Edit. Eigentlich wollte ich ja über ein paar bestimmte Dinge reden, über zwei-drei Personen, die hier nie lesen (als Anmerkung für die, die hier lesen und sich vielleicht angesprochen fühlen könnten), aber darum ging es nur zum Teil, also lasse ich das aus und schreibe vielleicht später mal..

Schade, dass ich gerade keinen Zettel vor mir habe, denn meine Gedanken sind irgendwie etwas wirr.

Ich hab früher oft gesagt, dass meine Ansprüche zu hoch sind – was nun einmal der Wahrheit entspricht. Freundschaften müssen unendlich toll und tiefgründig, lustig und traurig und perfekt aber gleichzeitig doch nicht sein.

Der Wunsch nach einer solchen Beziehung hat sich sicherlich nicht verändert, denke ich. Im Grunde möchte doch bestimmt fast jeder jemanden haben, mit dem er sprechen kann. Jemand, der einem gleichgestellt ist. Es geht hier nicht darum, dass dieser jemand einen mit jeder Facette kennt und liebt….. dachte ich immer, aber eigentlich ging es mir eben doch darum. Es ging mir darum, dass ich in den Augen des Anderen perfekt bin und die andere Person genauso perfekt ist, denn anders funktioniert(e?) in meinem Kopf die Welt eben nicht. (Im Gegenteil, ich war schwer verletzt, sobald ich mitbekommen habe, dass jemand etwas an mir nicht total toll fand – obwohl ich andererseits nur an mir rummeckern könnte.)

Im Nachhinein erkenne ich natürlich, wo der Fehler liegt, aber damals war es mir nicht klar.

Mein Problem war nicht nur, dass Leute mich mit meinen Fehlern lieben sollten und dass ich das demnach auch zustande bringen müsste, sondern vor allem, dass diese Fehler nicht vorhanden sein durften. Die Welt hatte perfekt zu sein, denn anders wäre es ja nicht fair.

Fair?

Aber ist klar. Unter der Bedingung, dass ich ständig die Kontrolle behalte, erlaube ich mir doch überhaupt nicht, jemandem zu vertrauen. Genauso wenig, wie die andere Person überhaupt ‚beweisen‘ (was für ein schreckliches Wort in dem Zusammenhang) könnte, dass ihr wirklich etwas an mir liegt (oder eben nicht). Was mich sicherlich vor Schmerz schützt, aber auf der anderen Seite auch niemals dazu führen wird, dass irgendeine ‚vollkommene‘ Freundschaft entsteht, denn solange ich die Kontrolle habe und nicht wirklich ehrlich bin, hat der Andere entweder keinen freien Willen oder gar nicht alle Fakten, kann sich also kein wirkliches Bild von mir machen und wird in meinen Augen für immer nur die Person mögen, die ich vorgebe zu sein.

So kann ich nie „gewinnen“.

Ein mental halbwegs gesunder Mensch würde jetzt sicherlich darauf schließen, dass er anfangen solle, Leuten etwas zurückzugeben, aber mir fällt auf, dass ich zur Zeit kein Interesse daran habe, irgendwelche tiefgründigen Freundschaften zu Leuten in meinem Umfeld aufzubauen.

Ich schreibe zwar mit einigen Personen über’s Internet – also entweder hier, auf meinem anderen Blog, über Foren, Mail, Facebook. Ich telefoniere ab und zu mit R. und normalerweise treffe ich mich auch öfter mit ihr. Es gibt da noch zwei-drei weitere Personen, die aber derzeit beschäftigt sind o.ä. Jedenfalls ist das alles aber eher wenig oder distanziert oder noch einfach. Keine Ahnung. – Zum Schluss jedenfalls zieht es mich mehr an, alles, was passiert, durch Milchglas zu sehen und nicht mehr so, wie ich das früher gemacht habe.

Dinge hinzunehmen und nicht zu hinterfragen. Oberflächlichkeit nicht als ’schlecht‘ darstellen, denn das ist es nicht.

Im Gegenteil kommt es mir sogar vor, als wäre Oberflächlichkeit das leichteste, korrigiere – faulste- Mittel zur Zufriedenheit. Nein, Glück oder sonstig abstrakte Dinge lasse ich da dann doch noch raus, denn wer oberflächlich ist, kann nicht glücklich werden, glaube ich. Ich denke auch, dass ich nicht lange oberflächlich leben könnte, denn als melancholischer (mongolisch geschrieben, auch geil) Mensch ist man vermutlich einfach nicht dafür geschaffen und mir fällt auch jetzt schon auf, dass ich oft einfach wieder in kleine Löcher falle.. Aber, es ist einfacher so.

Wenn es nur auf das Ergebnis ankommt, dann ist man oberflächlich besser dran. Zwar ist es mehr ein Kitzeln als eine Tiefenmassage (die bei Sims 400 Simoleons kostet, wie ich gerade sehe – Ja, ich spiele nebenbei Sims 3…..) und alles kommt vielleicht durch einen Filter an, aber wenn man ehrlich mit sich selbst ist, dann wird auffallen, dass man nur dann so einen Lebensstil überhaupt in Betracht zieht, wenn es viel mehr ‚tiefe‘ Verletzungen gibt, als Freude.

Macht das überhaupt Sinn?

In meinem Kopf hab ich gerade Bilder, die das Ganze unterstreichen.. Ist auch besser, als ständig dieselben Worte zu schreiben.

Gefühle, negativ wie positive, kommen eben flacher an und wenn man an sich eh schon eine Überzahl an negativer Einflüsse in seinem Leben hat, dann ist es einfacher, das eigene Wahrnehmen runterzuschrauben. Einmal freut man sich dann über den größten Scheiß (ich kann die Tapete hier tatsächlich türkis mit Streifen färben!), andererseits merkt man viele dumme Dinge nicht, da man nicht so sehr reflektiert (die Nachbarn kommen mich nicht mehr besuchen, weil sie mich alle nicht mögen? Nö, ich hab halt gecheatet oder so…) und außerdem sind auch die Dinge, die man mitbekommt, nicht ganz so schmerzhaft, da man nie wirklich bei der Sache war (dann gibt es halt nur 20 verschiedene Autos und keins von den schönen kann ich mir leisten.. Mir egal, ich geh schlafen und danach kauf ich mir Logik für Anfänger im Buchladen.)

Aber ich merke, dass auch da irgendwo ein Denkfehler steckt.

Was ich aber eigentlich sagen wollte ist, dass es unglaublich schwer ist, loszulassen – Von Menschen, von Vorstellungen, vom eigenen Ego – wenn man sich darauf verlassen hat.

Der und der ist immer da, um mit mir ab Samstag in die Disco zu gehen und mit dem und dem werde ich jeden Mittwoch nach der Therapie Kaffee trinken (J. wo bist du? :C). Die Erde ist eine Scheibe und im Mittelpunkt des Universums, besser irgendwen als ganz allein und wer mehr als 60kg wiegt hat eh verloren; ich bin die beste Bloggerin auf der ganzen Welt und in meiner Freizeit rappe ich, weil ich so cool bin.

All diese Dinge und man kann einfach nicht loslassen, weil man sich darauf verlässt. Entweder man ist damit aufgewachsen, hat sich so oder so entwickelt, den und den kennengelernt, blabla – Aber es ist scheiße schwer, loszulassen und es erscheint irgendwann einfach so leicht, erst gar nichts an sich ranzulassen, dass man jemals loslassen müsste.. (Ich merke, dass das auch eine dieser Einstellungen ist und ich mein halbes Leben damit verbringe, die Dinge schlecht zu reden, anstatt meine Zeit mit ihnen zu verbringen.)

Und Tatsache ist doch, dass ich wirklich wenig habe, worum ich noch trauern würde, einfach, weil es mir darum leid tut und nicht, weil ich denke, dass das jetzt eben angebracht wäre.

Kann auch nicht gesund sein.

Bitte die vielen (Sims Sims Sims)-Kommentare ignorieren. ;)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

10 Gedanken zu „Loslassen“

  1. Ich würde jetzt gern was auf mongolisch schreiben, aber ich kann kein einziges Wort ;-)

    Ich denke, seine eigenen Ansprüche runterzuschrauben scheint oft der einzige Weg, sich auf
    jemanden einzulassen. Auch, wenn es nur aus dem Grund ist, von jemandem Anderem los zu kommen.
    Aber ist das auch richtig? Ich meine.. Warum sollte man sich mit etwas zufrieden geben, mit dem man es
    eigentlich gar nicht ist? Nur, um nicht allein zu sein? Ich denke, eine Freundschaft oder eine Beziehung, die
    auf Verzicht oder so etwas aufgebaut ist, ist beiden gegenüber nicht ehrlich.

    Mir wurde auch oft gesagt, ich hätte halt zu hohe Ansprüche. Aber wie beurteilt man sowas? Klar, man
    muss nicht punktgenau die gleichen Hobbies haben und auch beim Sex muss man nicht jede Vorliebe teilen, aber
    ist denn die Tatsache, das beide gerad Zeit und irgendwie Lust haben, eine ausreichende Grundlage?

    Ich denke, etwas oberflächlicher an die Sache ran zu gehen ist richtig. Würde ich jetzt wen an mich ranlassen, was
    mir ehrlich gesagt leider viel zu oft passiert und es würde schief gehen, wären es zwei Personen, mit deren
    „Verlust“ ich mich rumschlagen müsste. Und mir wächst der Erste immer weiter über den Kopf.
    Also heißt es, so gut es geht, Abstand halten, auf Distanz bleiben, bevor man sich selbst weiter angreifbar macht.

    1. Ich hab grad schon so 2-3 Paragraphe geschrieben, bis mir auffiel, dass ich ständig deutsche Rapper zitiere. Soll heißen, dass ich morgen antworte und jetzt erstmal schlafe. xD

      1. Dankeschön! ;b War, wie nicht anders zu erwarten, furchtbar. Wieso träume ich eigentlich ständig.. ach egal.

        Ja, mongolisch hat auch bei mir gedauert, bis ich’s wirklich drauf hatte, aber jetzt.. Ha.

        Genau das hab ich oft hier geschrieben oder auch meiner lieben Frau K. gesagt, wenn diese meinte, ich solle meine Erwartungen zurückschrauben und dass die Dinge, die ich möchte, einfach nicht (oder selten) existieren. Wieso sollte ich mich aber mit weniger zufriedengeben? Und um den Satz, den ich schon letztes Mal hier reinstellen wollte, nicht außen vor lasse. „Liebe heißt nicht, dass ich bei dir bleibe, weil ich nichts besseres kriege.“ Na wenn das Tarek KIZ sagt? Aber es stimmt doch.

        Und Distanz. Wenn es nur so einfach wäre. Wirklich, das wär doch schön. Wenn man nur die positiven Dinge an sich ranlassen könnte, noch besser. Aber leider läuft so nichts und ich selbst muss mich schon zusammenreißen, wenn Bekannte Soundso mich nicht in der Stadt grüßt. – Lächerliches Beispiel, aber mir will grade nichts Passenderes einfallen..

        Würde es nur endlich eine Antwort geben. Also.. huh, der Satz klang mal total daneben. Was ich meine ist: Es gibt einfach mal keine verdammte Anleitung zum Leben.Aber irgendein Japse konnte sich hinsetzen und eine Anleitung zum Selbstmord schreiben. Ich meine, seriously? Und ohne Antworten und Maßstäbe und Regeln, also alles Dinge, die ich nicht will, kann ich gleichzeitig auch nicht. Woher soll man auch wissen, was man erwarten ‚darf‘ oder ’soll‘ und was man zum Schluss kriegen ‚kann‘. Was ‚gut‘ oder ’schlecht‘ ist? (Oops, darüber schreib ich gerade nebenbei einen Post.. Okay, ich hör auf mit Antworten, es kommt nichts sinnvolles mehr)

        Zumindest denke ich, dass Beides nicht gut sein kann. Weder, sich zu schnell auf Leute einzulassen, noch, so zutun, als wäre dem nicht so (denn mehr ist das hier bei mir auch nicht unbedingt, fürchte ich). total kühl und distanziert zu sein.

        Könnte mir jetzt nur noch jemand erklären, wie ich zur goldenen Mitte komme, ohne davor vom Balkon zu springen? oô

  2. Am Ende sind es die Erwartungen, die es uns – nicht nur in dieser Beziehung – immer wieder schwer machen.
    Wir leben eigentlich permanent in unserer Phantasie / Imagination. Entweder erinnern wir uns an etwas Vergangenes, oder wir studieren an der Zukunft herum. Beides ist Imagination, denn auch an die Vergangenheit erinnern wir uns nur bruchstückhaft. Den Rest dichten wir jedes Mal einfach dazu. (jedes Mal ein bisschen anders) Aus Vergangenem produzieren wir Erwartungen, in die Zukunft projizieren wir sie ebenso. Aus diesen beiden Phantasien wollen wir uns dann eigentlich die Gegenwart basteln. Negatives aus der Vergangenheit vermeiden, Positives der Zukunft in die Suche unserer Gegenwart miteinbeziehen. Und schon müsste unser Leben doch eigentlich perfekt sein…

    Ich hatte selber lange Zeit auch sehr hohe Ansprüche an mich und die Welt, wollte auch alles bis in’s Detail unter Kontrolle haben. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass mir mit diesem Verhalten letztlich viel mehr Kontrolle entgleitet, als dass ich sie behalte. Perfektion gibt es nicht. Meiner Meinung nach auch nicht in nicht-menschlichen Bereichen wie der Mathematik z.B. (alles ist relativ). Die hohen Ansprüche wurden uns auch eindoktriniert von der Gesellschaft, was dazu geführt hat, dass wir sie heute als einen Wert betrachten, so wie z.B. Respekt.
    Ansprüche sind Erwartungen. Je mehr Erwartungen ich habe, desto kleiner wird mein möglicher Aktionsradius. Erwartungen führen mithin zur völligen Blockade, psychisch, aber auch physisch. Kommt hinzu – und das ist noch fast wichtiger – dass die Welt ist, wie wir sie sehen. Abd al-Karim Al Jili sagte schon im 14. Jahrhundert: „Die Menschen sind wie sich gegenüberstehende Spiegel.“ Spätestens seit der Entdeckung der Spiegelneurone in den 90er-Jahren haben wir den wissenschaftlichen Beweis dafür, dass er damit absolut Recht hatte. Was wir aussenden, kommt zurück. Wir spiegeln im wahrsten Sinne des Wortes die Welt, und die Welt spiegelt uns. Dummerweise müssen wir uns gar nicht erst lautstark mitteilen, damit dies geschieht. Gedanken genügen. Und Erwartungen sind Gedanken, in aller Regel sehr wertende Gedanken. Vielleicht liegt hierrin auch die Diskrepanz, wenn wir heute den Anspruch als eine Art Wert sehen. Wer Ansprüche hat und permanent und konsequent versucht, diese zu erfüllen, der gilt als eingegliedert, „normal“, nützlich. Wer sich aus alle dem nichts macht, setzt sich selber in’s Abseits, ent-wertet sich, macht sich quasi nutzlos. Wir werten den Menschen an seinen Ansprüchen – mit Werten im altruistischen Sinne hat das aber nichts zu tun.

    Das Problem mit Erwartungen ist, dass die Erwartung selber zwar positiv sein mag – schiessen wir aber, aus welchem Grund auch immer, an ihr vorbei, und sei es auch nur ein klitze kleines Bisschen, so werten wir die komplette Aktion gleich als gescheitert, negativ ab. Und nicht erst dann schmeckt es negativ. Schon bevor wir überhaupt in irgendeiner Weise agieren, machen wir uns viel zu viele Gedanken dazu. Und die sind meistens negativ. Wenn wir unbewusst die Erwartung in uns tragen, dass Zwischenmenschliche Beziehungen am Ende doch sowieso schlecht verlaufen und zerbrechen, dann übertragen wir das auf jede Beziehung in unserem Leben. Unser Gegenüber nimmt das auf – meist auch unbewusst – und spiegelt es. Auf diese Art kann kaum ein anderes Resultat heraus kommen als das, was wir doch sowieso schon gewusst haben…

    Es braucht keine Oberflächlichkeit. Die würde auch nur gespiegelt. Der Grund, weshalb gespielte und echte Kälte auch nicht zum Ziel führt. Aber wir müssen lernen, unsere Phantasie auch mal von der Leine zu lassen, unbeaufsichtigt, und uns in dieser Zeit der Gegenwart, dem Hier und Jetzt, zu widmen. Wir müssen lernen, unsere Sinne zu gebrauchen. Dazu gehört auch die Intuition, das Bauchgefühl, das Herz, die Seele, wie auch immer ihr es nennen mögt. Lasst das Leben fliessen, gebt euch der Situation hin, ganz ohne Erwartungen und Ansprüche. Vergesst im Hinterkopf deswegen nicht, was ihr euch wünscht. Aber kaut nicht daran herum. Dann arbeitet euer Unbewusstes nämlich automatisch darauf hin, ohne sich ständig selber Steine in den Weg zu legen.
    Seit ich meine Erwartungen fast gänzlich aufgegeben habe (ganz geht nicht, einige brauchen wir auch noch), fliegen mir die Dinge wirklich nur noch so zu. Erwartungen aufgeben heisst auch, alte Verhaltensmuster von der Leine zu lassen. Somit werden sie beweglich und können sich wandeln. Was man festhält, kann sich unmöglich bewegen (wird oft auch zitiert, wenn es um Beziehungen geht). Es ist so. So lange wir an etwas festhalten, und sei es nur, um uns ständig den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir es ändern können – so lange kann es sich unmöglich ändern. Lasst es los. Es läuft nicht weg. Aber es wird besser.

    Ach, ich könnte noch eine Stunde weiter sinnieren… *grins*
    Loslassen müssen wir nur, was wir mit Erwartungen verknüpft haben. Nehmen wir stattdessen an, was gerade ist und kommt, dann gibt’s nichts loszulassen, und wir wünschen auch nichts zu ändern, weil es einfach ist, und weil es so gut ist (:

    1. Nicht, dass du denkst, ich ignoriere dich. – Ich muss das Ganze nur erstmal ziehen lassen und auf den richtigen Zeitpunkt für ein Comeback warten *grin* ;)

  3. Der Text erinnert mich an die katholische Kirche. Nur dass Du keinen Vatikanstaat errichtest um die Fragwürdigkeit „Gott“, sondern um Dein „Glück“.
    Gehe ich davon aus, die Quelle allen Unglücks in unserem Verderben zu finden, bleibt festzustellen, dass der Tod ein fürchterlich oberflächlicher Geselle ist, der mit leichter Hand durchs Leben fährt.
    Ohne nun groß traumatisiert zu sein, empfände ich es daher als Witz, mehr auf mein Befinden zu geben, als auf eine Partie Schach. Neulich fühlte ich mich geradezu irrsinnig befreit, außer meinen Eltern und meiner Frau eigentlich niemanden zu haben, der mich hält auf dieser Welt. Was soll ich Zeit vertun mit Freunden, die „einfach da“ sind, mit denen ich mich bis zur Besinnungslosigkeit „verstehen“ kann? Wenig mehr wäre das in meinen Augen, als der aufgehübschte Herdentrieb des Viehs.
    Was glaubst Du, wenn der Vampirdarsteller, für den Du so schwärmst, morgen an Deine Tür klopfen würde, dazu noch Deine favorisierte Manga-Zeichnerin, wie schnell Du die Schulhofprominenz, der Du so viele Zeilen nachtrauerst, los- und hinter Dir lassen könntest. Hesses „Steppenwolf“ spricht ja beinahe im mechanischen Sinne davon, jemanden „verliebt zu machen“.
    Wie also kein Mensch auf die Idee kommt, gegen den Wind zu segeln, sollte unsere einzige Investition in unseren Gefühlshaushalt sein, leichthin zu leben wie der Tod.
    All unser irdisches Mühen hingegen ist wohl am befriedigsten geopfert, wenn wir uns simplem Ackerbau verpflichten: Unkraut rupfen, das ohne Sinn und Verstand gen Himmel wuchert, Wackersteine überkommener Sitten fortschaffen, „Gut“ und „Böse“ so lange pflügen, bis ein Stück Erde endlich urbar ist. Dann wird wohl auch der letzte Bauer begreifen, dass Blut, Schweiß und Tränen an sich kein Saatgut sind, sondern nutzlose Ausscheidungen.

    1. Ohne mal nicht auf den Rest einzugehen, denn ich bin erst aufgestanden, aber komm hier nicht mit Vampirschauspielerbeispielen, ich kann die alle nicht leiden! ;b

      Obwohl.. falls ich dich richtig verstehe, dann kann ich nur sagen: Unsinn. Irgendwie weiß ich bei dir auch nie, ob du das, was du schreibst, ironisch oder ernst meinst. – Ich geb’s lieber zu, bevor ich auf DInge eingehe, die vollkommen falsch aufgefasst wurden.

      Was bringt mir meine Freiheit, wenn ich sie unzufrieden verbringe? Was bringt mir Robert Pattinson, ein Schachspiel oder sonstirgendetwas? – Einmal kann ich durch solche Dinge nicht ‚glücklich‘ werden, andererseits.. ach egal. Es sind ja alles nur Beispiele und im Grunde genommen, ging es hier auch nicht um Glück, sondern um alte Vorstellungen und diese loszulassen.

      Ich hab nichts von all dem und ich werde es auch nicht wertzuschätzen wissen. Vielleicht, weil ich einfach jünger bin, vielleicht, weil ich einfach anders bin als du, aber wozu sollte ich mein Leben an dessen Resultat anpassen? Ich sehe den Reiz dahinter nicht.

      1. Ja, das begleitet mich schon mein ganzes Leben, ob der das eigentlich ernst meint?
        Keine Frage für mich, weil ich mich stets als einer von Millionen Typen erkenne, welche die Straßenbilder ihrer Zeit bevölkern: Im Angesicht von Generationen, wie sie auf Generationen folgen, ist es egal, ob ich jemals in meinem Leben etwas ernst gemeint habe, es ist egal. Selbst mir ist längst egal, ob ich das eigentlich ernst gemeint habe, was ich Dir gestern ins Weblog schrieb: Hier im Garten zwitschern die Vögel, Blätter rauschen, vom Meer nebenan weht ein milder Sommerwind… es ist egal.
        Als ich jung war wie Du, reiste ich nach St. Petersburg, und ich erinnere noch, wie ich im Bus vom Flughafen zum Hotel Mühe hatte, mich an mein Leben in Deutschland zu erinnern. Selbst im Kleinen ist eigentlich allen Beteiligten klar, dass mit dem Wechsel des Wohnortes auch ein neuer Freundeskreis beginnt. Nicht heute, nicht unbedingt morgen, spätestens aber übermorgen. Nüchterne Mechaniken.
        In diesem Sinne möchte ich Dich gerne dazu bewegen, auf „mechanischem“ Wege durch TATEN so etwas wie „Glück“ zu erfahren, statt wie ein Medizinmann durch die Wohnung zu rappen, und vor lauter Stillstand immer „unglücklicher“ zu werden.
        Vielleicht findet sich in diesem Leben ja noch ein Feld für Dich, das Du bestellen magst, statt die Sims zu daddeln oder in Romanwelten zu fliehen.
        Vielleicht sogar ganz oberflächlich wie bei Tom Hanks, der als „Forrest Gump“ anfängt zu laufen, und mehrere Bundesstaaten hindurch nicht aufhören mag, derart in Bewegung zu bleiben.
        Oder wie wäre es mit Muhammad Ali als Therapeuten?

      2. Für mich schon eine Frage, denn wenn jemand schreibt, ohne Interesse, dann muss ich darauf ja auch nicht eingehen, oder? Sehe ich zumindest so. Immerhin beeinflussen mich die Dinge, die Andere hier schreiben. Demnach wüsste ich schon gerne, was ich mir durchlesen kann/sollte und was nicht.

        Und da es egal ist, nehme ich mir die Zeit jetzt, um durch die Wohnung zu rappen und dann auf dem Balkon in meine Romanwelt zu flüchten, denn das macht mich tatsächlich zufriedener als mich fragen zu müssen, was andere Leute so reitet und was sie getan haben, als sie so jung waren wie ich oder ob ich nicht den Lebenslauf XY schon in Betracht gezogen habe. Kann ich mir auch im nächsten NewYorker die Mädels vorm Spiegel anschauen, wie ihnen einer drauf abgeht.

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