Gastautor: Was ist eigentlich mit dem passiert?

Als ich Ende letzten Jahres einer sehr guten Freundin von mir mein Herz ausschüttete, hat sie mir etwas gesagt. Ich sei ein total lieber und toller Kerl. Ich sei so jemand nach dem man schnippt und er sei sofort für einen da wenn man mich als Freund hat. Ich wäre aber auch jemand, der oft total heftige Dinge äußert, ohne sich im Klaren darüber zu sein, wie diese ankommen könnten. Dabei müsste man nur wissen wie sie tatsächlich gemeint sind.

Jetzt frage ich mich, ob ich vielleicht oft zu oberflächlich bin. Dazu passt ganz gut was mich insbesondere heute wieder sehr beschäftigt hat. Mich hat die Angst davor beschäftigt als Mythos von „einer der Bekloppten“ bei vielen Leuten aus meinem Umfeld ihre Gespräche untereinander zu beherrschen. Dabei merke ich selber jeden Tag bei verschiedenen Personen, die genau diese Leute wohl ebenfalls in diese Schublade stecken würden, dass keiner von ihnen ein schlechter Mensch ist, der so etwas verdient hätte. Nein, diese Menschen sind einige der wichtigsten Menschen in meinem Leben und geben mir ganz viel Kraft, obwohl sie diese Kraft selber bitter benötigen könnten. Der Grund dafür, dass ich mir nicht eingestehen möchte einer „von Ihnen“ zu sein ist, das es diese Schublade gar nicht geben sollte.

Aber was schreibe ich? Wir sind im Jahr 2011. In der Zeit in der man mit dem Finger auf andere zeigt weil sie anderer Meinung bei vermeintlichen Tabu- und auch Alltagsthemen sind. Man lacht über sie weil sie Dinge mit anderen Augen sehen als die Masse und weil sie ihr Leben ohne Tabletten nicht auf die Reihe bekommen. Manchmal fragt man sich lapidar was in ihnen so vergehen mag und es werden die bescheuertsten Gerüchte in die Welt gesetzt. Also ist der Gedanke, dass es diese Schublade vielleicht unter den Menschen nicht mehr geben kann, allenfalls ein Wunschgedanke.

Damit habe ich mich trotzdem irgendwie noch nicht abgefunden. Vielleicht deswegen, habe ich nun sogar Angst davor, den Rücken der „anderen bekloppten Menschen“ aus meinem nahen Umfeld zugekehrt zubekommen. Das macht mich verrückt, denn eigentlich bin ich mir sicher, dass sie das nicht tun würden. Bilde ich mir nur ein das einiges von dem was ich fühle unglaubwürdig auf andere wirken könnte oder bin ich einfach nur total überfordert? Ich traue mir selber im Moment auf jeden Fall nicht mehr richtig und das ist ziemlich erschreckend für mich.

Ein Beispiel: Ist es schlimm, das ich versuche schon im Vorfeld ein Gespräch mit meiner Psychotherapeutin in meinem Kopf zu konstruieren, obwohl ich erst am Ende des Monats meinen ersten Termin mit ihr habe und vorher noch nie in so einer oder ähnlicher Behandlung war? Ist das verlogen? Oder ist das nur ein hilfloser Versuch der Vorbereitung auf das, von dem man nicht weiß, was es eigentlich wird?

Anderes Beispiel: Ist es krank darüber nachzudenken das die Therapeutin oder meine Freunde den Eindruck bekommen könnten ich würde mich in diese Art von Behandlung nur begeben um darüber hinterher ein Buch oder einen Song schreiben zu können? Warum komme ich überhaupt auf die Scheiße mit dem Buch? Das ist das letzte was ich mir davon verspreche, denn ich möchte einfach nur Hilfe.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt wer mir den Rücken zudreht hätte ich jetzt fast geschrieben. Dabei will ich das eigentlich gar nicht wissen, denn bei allen wäre es eine riesengroße Enttäuschung. Nun weiß ich aber ja wie sich die vermeintlichen Freunde, teils die Familie und der Rest des Umfelds von Leuten mit ähnlichen Problemen verhalten haben – sie haben sich mit der Zeit abgewandt oder sind sehr auf Distanz gegangen weil es vielleicht anders auch nur noch schwer umsetzbar war, derjenige zu sein, der man „vorher“ war. Ich wäre wahrscheinlich wirklich naiv wenn ich denken würde, das mir das nicht passiert, doch ich Wünsche mir von ganzem Herzen das es nicht so sein wird.

Ein lieber und toller Kerl muss eben manchmal auch mal etwas nehmen, sonst verliert er mit der Zeit die Kraft etwas zu geben.

In diesem Sinne,

Mike, 27 Jahre alt, depressiv und voll von ekelhaftem Selbstmitleid

Mike hört gerade „Durch die Nacht“ von Philipp Poisel

 

(Anm. Diesen Text hab ich schon Mitte Januar bekommen)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

2 Gedanken zu „Gastautor: Was ist eigentlich mit dem passiert?“

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